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Tschadbecken

Als Tschadbecken, auch Tschadseebecken genannt, bezeichnet man eine tiefgelegene, vom Zentrum in allen Richtungen allmählich ansteigende Ebene in Zentral- …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und Bedeutung
  2. 2. Staaten, Nutzung und Bevölkerung
  3. 3. Entstehung, Untergrund und frühe Besiedlung
  4. 4. Klima und Klimawandel
  5. 5. Flüsse, Seen und Feuchtgebiete
  6. 6. Vegetationsräume und Tierwelt

Lage und Bedeutung

Das Tschadbecken, auch Tschadseebecken, ist eine tiefgelegene, zum Zentrum hin abfallende und in alle Richtungen allmählich ansteigende Ebene in Zentral- und Westafrika. Es ist ein endorheisches Becken: Wasser fließt normalerweise nicht zum Meer ab, sondern sammelt sich im Binnengebiet oder verdunstet. Die GIWA führt es als Region Nr. 43.

Es liegt zwischen 6° und 24° nördlicher Breite sowie 8° und 24° östlicher Länge. Mit etwa 2,434 Mio. km² umfasst es rund 8 % Afrikas. Die Wüsten Ténéré, Erg du Bilma und Erg du Djourab bedecken etwa die nördliche Hälfte; weiter südlich folgen Sahel-, Überschwemmungs- und Sudan-Savannen. Der Tschadsee ist das bekannteste Element und prägte über Jahrtausende Menschen, Flora und Fauna. Seine Pegelschwankungen, Überschwemmungen und Zuflüsse ermöglichten Kulturen und politische Entwicklungen, konnten Handel aber auch erschweren.

Die Ränder bilden unter anderem Nordäquatorialschwelle, Bongo-Massiv, Djebel Marra, Ennedi, Tibesti, Tassili n'Ajjer, Aïr-, Bauchi- und Biu-Plateau sowie Mandara-Gebirge. Mit 3.415 m ist der Emi Koussi im Tibesti die höchste Erhebung. Die Bodélé-Depression liegt nur etwa 155 m über dem Meeresspiegel und ist die tiefste Stelle. Passatwinde mobilisieren dort bis zu 700.000 Tonnen Feinstaub jährlich bis in die Stratosphäre; dieser gelangt westwärts über den Atlantik und trägt wesentlich zur Düngung des Amazonas-Regenwaldes bei.

Die großen Überflutungssavannen entlang der Flüsse umfassen 90.000 bis 100.000 km² und dienen Zugvögeln als Rast- und Überwinterungsquartier. Beim prähistorischen Mega-Tschad lag die Überlaufschwelle bei etwa 325 m südwestlich von Bongor: Überschüssiges Wasser floss über den Mayo Kébbi in Benue, Niger und schließlich den Atlantik.

Staaten, Nutzung und Bevölkerung

Acht Staaten haben Anteil am Tschadbecken. Tschad nimmt mit 1,123 Mio. km² das Zentrum ein, Niger mit 674.800 km² den zweitgrößten westlichen Anteil. Weitere Flächen liegen in Nigeria (179.300 km²), Kamerun (47.700 km²), der Zentralafrikanischen Republik (216.000 km²), Sudan (97.700 km²), Libyen (ca. 5.100 km²) und Algerien (91.000 km²). Koloniale Grenzziehungen verteilen manche Stammesgebiete, etwa das der Tuareg, auf mehrere Staaten.

Die Tschadseebecken-Kommission wurde am 22. Mai 1964 gegründet; ihr Hauptsitz liegt in Fort Lamy, heute N’Djamena. Gründer waren Kamerun, Niger, Nigeria und Tschad. Mitglieder sind Tschad, Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Nigeria, Niger und seit April 2007 Libyen. Sudan besitzt seit 1994 Beobachterstatus, Algerien ist nicht aktiv. Die Kommission reguliert und überwacht Wasser und andere natürliche Ressourcen in den hydroaktiven Gebieten; ihr Basin Committee For Strategic Planning (BCSP) koordiniert örtliche Aktivitäten. Das „konventionelle“ Becken umfasst nur Gebiete mit wirksamem hydrologischem Beitrag: von zunächst ca. 427.500 km² auf aktuell ca. 967.000 km² erweitert.

Für 2003 werden etwa 39 Mio. Einwohner aus mehr als 70 Völkern oder Volksgruppen angegeben: ca. 22 Mio. in Nigeria, 8 Mio. im Tschad, 3 Mio. im Sudan, je 2 Mio. in Niger und Kamerun sowie 1 Mio. in der Zentralafrikanischen Republik. Algerische und libysche Teile gelten als unbewohnt und werden zeitweise von Nomaden besucht. Die Dichte reicht von 0 bis 1 Einwohner/km² im Norden bis 500 Einwohner/km² im Südwesten Nigerias. Besonders bevölkerungsreich sind die Region um Kano sowie Ost- und Südufer des Tschadsees; politische Instabilität erschwert genaue Datenerhebungen.

Entstehung, Untergrund und frühe Besiedlung

Das Becken entstand durch extensionale tektonische Kräfte während der Kreidezeit. Die langsame, „kalte“ Ausdehnung der Senkungszone im Zusammenhang mit dem West- und Zentralafrikanischen Grabensystem schuf eine regionale hydrologische Senke, das artesianische Tschadbecken. Es gehört zu einer meridionalen Zone von Senkungsflächen vom Golf von Gabes bis zur Karoo-Ebene.

Weite Bereiche sind mit quartären Sanden bedeckt. In etwa 75 m Tiefe folgen pliozäne Tone mit durchschnittlich ca. 280 m Mächtigkeit, darunter etwa 30 m unterpliozäne Sande. Weitere Schichten sind der Pliozän-Aquifer, rund 150 m mächtige tertiäre Continental-Terminal-Sandsteine und der kreidezeitliche Continental Hamadien. Die vier Grundwasserleiter sind der obere quartär-phreatische, der untere Pliozän-Grundwasserleiter, Continental Terminal und Continental Hamadien. Sie werden wahrscheinlich durch versickerndes Oberflächenwasser gespeist und reagieren daher empfindlich auf Klima- und Abflussänderungen. Der untere Pliozän-Grundwasserspeicher liegt um 250 m tief, ist im Mittel 60 m mächtig und wird vor allem in Nigeria genutzt; die Entnahme wird auf etwa 3 Mio. m³ pro Jahr geschätzt. An den Rändern liegen der Nubische-Sandstein- und der Iullemeden-Grundwasserspeicher.

2001 wurde bei TM 266 in Borkou das 6 bis 7 Mio. Jahre alte Fossil Sahelanthropus tchadensis gefunden, 1995 bei KT 12 ein 3 bis 3,5 Mio. Jahre alter Unterkiefer von Australopithecus bahrelghazali. Besiedlung hing von Wechseln feuchter Pluvial- und trockener Interpluvialzeiten ab. Gobero-Gräberfelder datieren in die Zeiträume 7700–6200 v. Chr. und 5200–2500 v. Chr.; ein etwa 8000 Jahre altes Kanu vom Komadugu-Yobe-System zählt zu den ältesten Booten der Menschheitsgeschichte. Die Gajiganna-Kultur bestand etwa von 1800 bis 400 v. Chr.; ab etwa 500 v. Chr. sind befestigte Siedlungen nachweisbar. Ein möglicher Technologietransfer bei der späteren Eisenverarbeitung aus dem Nahen Osten ist umstritten.

Klima und Klimawandel

Von Norden nach Süden reicht das Klima von vollarid in den Wüsten über semiarid im Sahel bis semihumid südlich des Tschadsees; Gebirge Nigerias, Kameruns und der Zentralafrikanischen Republik sind vollhumid. Die jahreszeitliche Verlagerung der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) bewirkt Regen- und Trockenzeit. Im Süden fällt Regen meist von April bis Oktober, im Norden von Juli bis September; der Südwest-Monsun bringt besonders von Juli bis September die ergiebigsten Niederschläge. Der Südwesten erhält durchschnittlich 1.600 mm jährlich, der Norden weniger als 150 mm. Die durchschnittliche Verdunstungsrate beträgt 2.300 mm/Jahr.

Von November bis März wirkt der trockene Nordostpassat Harmattan. Im Juli liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen bei etwa 30 °C, im Norden bei 35 bis 40 °C. Der Schari hatte am Pegel N’Djamena 1933–1991 einen mittleren Jahresabfluss von 1.059 m³/s; sein Monatsmittel stieg von 149 m³/s im Mai auf 2.953 m³/s im Oktober. Das Verdunstungspotenzial ist im April und Mai am größten, im Dezember und Januar am kleinsten. Es reicht von 1.500–1.800 mm/Jahr in Nordostnigeria über 2.300 mm/Jahr nordöstlich des Tschadsees bis 6.000 mm/Jahr im nordöstlichen Wüstentiefland.

Der Westafrikanische Monsun ist ein gekoppeltes Atmosphäre-Ozean-Land-System mit Sommerregen und Wintertrockenheit. Untersuchungen des AMMA-Projekts betonen die Abkühlung des Golfs von Guinea zu Beginn der Monsunzeit und die saisonale Sonneneinstrahlung als wichtige Faktoren. Die Variabilität des Monsuns in den letzten Jahrzehnten ist laut Artikel nicht vollständig geklärt. Isohyeten, Linien gleichen Niederschlags, wanderten in 50 Jahren etwa 200 km nach Süden; die Regenmengen im Becken nahmen deutlich ab.

Vor etwa 40.000 Jahren herrschte extrem arides Klima; eine feuchtere Phase dauerte von vor 40.000 bis 20.000 Jahren, gefolgt von Ogolien und Kanemien bis vor 12.000 Jahren. Im Tschadien ab etwa 10.000 Jahren vor heute erreichte der Paläotschadsee zwischen vor 9.000 und 5.000 Jahren zweimal eine viel größere Ausdehnung. In den letzten 1.000 Jahren wechselten aride, semiaride und humide Bedingungen. Um 1150 n. Chr. hatte der Tschadsee ca. 36.000 km² und einen Pegel von ca. 286 m. Seit Mitte der 1960er gilt die Sahelzone als arid; Trocken- und Hungerkatastrophen traten 1969–74 und 1983–87 auf. Die Seefläche sank von 23.000 km² 1962/63 auf ca. 1.100 km² 1994 und stieg bis 2001 leicht auf 1.350 km².

Flüsse, Seen und Feuchtgebiete

Die wichtigsten Flusssysteme sind Schari-Logone und Komadugu Yobe. Das Schari-Logone-System entwässert etwa 650.000 km² vom Adamaua-Hochland bis Darfur und liefert im Durchschnitt 37,8 km³/Jahr in den Tschadsee. Es besitzt eine Flutsaison; von August bis November werden Teile der Yaeres in der Waza-Ebene überflutet. Yedseram und Ngadda erreichen den Tschadsee seit den Trockenperioden der 1960er und 1980er nicht mehr. Der El Beid ist der wasserreichste nigerianische Fluss der Region und bildet über mehr als 400 km die Grenze zwischen Kamerun und Nigeria.

Das Einzugsgebiet des Komadugu Yobe umfasst 148.000 km². Seine Quellflüsse Hadejia und Jama’are speisen die Hadejia-Nguru-Feuchtgebiete, die ab Ende August bis zu 6.000 km² groß werden. Der Fluss erreicht die offenen Gewässer des Tschadsees nicht mehr, sondern endet etwa 120 km vor der heutigen Küstenlinie in einem abflusslosen Binnendelta. Im Norden und Osten führen Wadis nur zeitweise Wasser. Der Bahr el-Ghazal ist dagegen ein Überlaufkanal des Tschadsees und wird erst bei einem Seepegel von 286 m geflutet.

Der Tschadsee war im Tschadien vor ca. 10.000 bis 5.000 Jahren mit ca. 350.000 km² als Mega-Tschad am größten. Seine neuzeitliche Schrumpfung von fast 23.000 km² 1962/63 auf ca. 3.000 km² 1985 wird auf rund ein Viertel weniger Jahresniederschlag seit den 1960er Jahren und wachsende Wasserentnahme für Landwirtschaft zurückgeführt. 90 % des Wassers erhält er aus dem Logone-Schari-System, 10 % aus lokalem Niederschlag und nigerianischen Flüssen. Der Tiefststand liegt im Juli, der Höchststand im Dezember.

Der Fitri-See liegt rund 250 km östlich des Tschadsees, bedeckt 300 km² und wird durch saisonale Regenfälle sowie den 3–4 Monate fließenden Batha gespeist. Er trocknete unter anderem 1901, 1973 und 1984–1985 aus. Der Iro-See ist 15 km lang, bis 7 km breit und bei niedrigem Wasserstand fast 100 km² groß. Die Ounianga-Seen und kleinere Kanem-Seen bestehen, weil Grundwasser an die Oberfläche tritt; hohe Verdunstung macht manche dieser Seen stark salzhaltig.

Vegetationsräume und Tierwelt

Das Tschadbecken wird in neun Vegetationszonen gegliedert. Das Spektrum reicht von Sand-, Fels- und Schotterwüsten über Dornstrauch-, Trocken- und Feuchtsavannen bis zu Feuchtgebieten und Gebirgen. Tschadsee, Zuflüsse und Überschwemmungsgebiete bilden ein weltweit bedeutendes Ökosystem, das einheimischen Arten und Zugvögeln Lebensraum bietet und die weitere Wüstenausbreitung bremst.

Die Sahara-Vegetationszone erhält teils weniger als 25 mm Regen jährlich; Sommerwerte können über 50 °C liegen. Pflanzen wachsen vor allem in Wadis, Oasen und Senken. Die Südsahara-Gras- und Strauchsavanne bildet als 100 bis 200 km breite Übergangszone mit 100–200 mm Niederschlag den Übergang zum Sahel. Die Sahel-Akazien-Savanne nimmt den größten Teil des Beckens ein; sie erhält 200–600 mm Regen pro Jahr und ist eine Trocken- und Dornstrauchsavanne. Große frühere Bestände von Elefanten, Westafrikanischer Giraffe und Straußen wurden stark bejagt; die Säbelantilope gilt als vermutlich ausgestorben.

Die Tschadsee-Überflutungssavannen und angrenzenden Feuchtgebiete umfassen etwa 2,5 Mio. Hektar. Sie bestehen aus offenen Wasserflächen, Inseln, Sümpfen, Riedgras- und saisonalen Yaéré-Grassavannen. Ein „Sudd“ ist ein permanentes Überflutungsgebiet. Im südlichen Seebecken wachsen unter anderem echter Papyrus, Phragmites mauritianus und Vossia cuspidata, im nördlichen Schilfrohr und Typha domingensis. In offenen Gewässern wurden mehr als 1.000 Algenarten und mehr als 140 Fischarten gezählt.

Westliche und Östliche Sudan-Savanne sind südliche Savannenräume mit lockeren Wäldern, Buschwäldern, hohen Gräsern und Galeriewäldern an Flüssen. Die westliche Zone erhält 600–1.600 mm, die östliche 600–1.000 mm Niederschlag jährlich. In der östlichen Zone kommen freilebende Populationen von Afrikanischem Elefanten, Afrikanischem Wildhund, Löwen und Geparden vor. Die nördliche Kongo-Wald-Savannen-Zone ist eine feuchte Übergangszone zum Regenwald mit 1.200–1.600 mm Regen; ihre Baumbestände werden von Isoberlinia dominiert. In ihr leben unter anderem Elefant, Schwarzes Nashorn, Riesen-Elenantilope und im Osten Bongo.

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