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Amazonas-Regenwald
Der Amazonas-Regenwald bedeckt nahezu das gesamte Amazonasbecken in Südamerika, welches sechs Millionen Quadratkilometer in neun Ländern umfasst.
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Überblick und Bedeutung
Der Amazonas-Regenwald bedeckt fast das gesamte Amazonasbecken in Südamerika. Dieses umfasst sechs Millionen km² in neun Ländern; etwa 60 % des Waldes liegen in Brasilien, 13 % in Peru und 10 % in Kolumbien. Kleinere Anteile liegen in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Suriname und Französisch-Guyana.
Er enthält mehr als die Hälfte des weltweit verbliebenen tropischen Regenwaldes und besitzt, gemessen an Gefäßpflanzen, die größte Biodiversität aller tropischen Wälder. Der Wald beeinflusst die Bildung und Verteilung von Niederschlägen und ist deshalb für das Klima in großen Teilen Südamerikas sowie für das Weltklima wichtig. Ein 52.000 km² großes Schutzgebiet im zentralen Regenwald mit dem Nationalpark Jaú gehört seit 2000, erweitert 2003, zum UNESCO-Welterbe.
Fluss, Landschaft und Klima
Der Amazonas entspringt in den Anden in Peru und mündet bei der Insel Marajó in Brasilien in den Atlantik. Sein Einzugsgebiet überschreitet sieben Millionen km². Neue Untersuchungen bezeichnen ihn als längsten Fluss der Welt; er hat außerdem das größte Zuflussgebiet. Die überflutete Fläche wächst von durchschnittlich 110.000 km² in der Trockenzeit auf 350.000 km² in der Regenzeit. Seine Breite kann von 11 km auf bis zu 45 km zunehmen.
Der größte Teil des rund 3,5 Millionen km² großen brasilianischen Waldgebiets liegt in einer 130 bis 200 Meter hohen, nie überfluteten Ebene. Das Klima ist tropisch heiß und feucht; die Temperatur schwankt wegen der Äquatornähe im Jahresverlauf wenig. Der Jahresniederschlag beträgt meist 1.500 bis 1.700 mm und kann an der Amazonasquelle sowie an der Küste von Amapá 3.000 mm übersteigen. Die Regenzeit dauert etwa von Dezember bis Juni.
Die Böden sind nährstoffarm. Nährstoffe sind überwiegend in lebenden Pflanzen gebunden und werden durch schnelle Zersetzung wieder verfügbar gemacht. Mykorrhizae, Pilze an Pflanzenwurzeln, helfen bei der raschen Aufnahme von Nährstoffen.
Lebensräume und Artenvielfalt
Die Wälder bilden kein einheitliches Gebiet, sondern ein Mosaik verschiedener Lebensräume. Im Tiefland gibt es Terra-Firme-Wälder auf nicht überfluteten, sehr nährstoffarmen Standorten sowie Überflutungswälder: Várzea wird periodisch von klarem oder trübem Wasser überflutet, Igapó von dunklem, mineralarmem Wasser. Der Wasserstand kann bis zu 10 Meter schwanken. Ergänzt werden diese Lebensräume unter anderem durch Übergangs-, Trocken- und Bambuswälder sowie Cerrado-Enklaven.
Eine von zehn bekannten Arten Amerikas lebt im Amazonaswald. Bis 2005 waren mindestens 40.000 Pflanzenarten, 3.000 Fischarten, 1.294 Vogelarten, 427 Säugetierarten, 428 Amphibienarten und 378 Reptilienarten wissenschaftlich klassifiziert. Ein Viertelquadratkilometer tropischen Waldes kann mehr als 1.100 Baumarten enthalten. Viele Arten sind weiterhin unbekannt, weil die Baumkronen schwer zugänglich sind.
Zu den größeren Raubtieren zählen Schwarzer Kaiman, Jaguar, Puma und Anakondas. Elektrische Aale können betäuben oder töten; Piranhas können Menschen beißen. Baumsteigerfrösche sondern giftige Alkaloide ab. Außerdem kommen Krankheitsüberträger vor; Malaria, Gelbfieber und Denguefieber sind in weiten Teilen der Region verbreitet.
Entstehung und menschliche Prägung
Der Amazonas-Regenwald bildete sich vermutlich im mittleren Eozän, vor rund 40 Millionen Jahren. Klimawechsel ließen Wald und Savannen wiederholt ihre Ausdehnung verändern. Für die letzte Kaltzeit ist umstritten, ob der Regenwald auf kleine, voneinander getrennte Refugien zurückging oder weitgehend zusammenhängend blieb. Vor fünf bis zehn Millionen Jahren durchbrachen aufgestaute Wassermassen den Purus-Bogen; dadurch entstand das heutige Flusssystem, das zum Atlantik entwässert.
Menschen leben nach Funden aus Pedra Pintada seit mindestens 11.200 Jahren in der Amazonasregion. Die frühere Annahme einer dauerhaft sehr dünnen Besiedlung gilt als widerlegt. Um 1500 könnten etwa fünf Millionen Menschen in Amazonien gelebt haben. Geoglyphen, Straßen, Brücken, Plätze und Terra preta, künstlich mit Nährstoffen angereicherte Böden, zeigen eine langjährige menschliche Gestaltung von Wald und Böden. Im bolivianischen Tiefland wurden 26 Siedlungen der Casarabe-Kultur vermessen.
Heute leben zahlreiche indigene Völker, oft nahe Flüssen, im dünn besiedelten Wald. Ihre Lebensweisen reichen von Gartenbau, Brandrodungswanderfeldbau, Jagd und Sammeln bis zu marktwirtschaftlichen Tätigkeiten. Rund 100 unkontaktierte Völker leben noch im Amazonasgebiet, vor allem in Brasilien; ihre Existenz ist durch Siedler, Goldsucher und Wirtschaftsunternehmen stark bedroht.
Zerstörung, Kipppunkt und Gegenmaßnahmen
Rund 20 % des Amazonasregenwaldes sind bereits entwaldet; nur etwa ein Drittel ist noch intakt. Hauptursachen sind die Rodung für Landwirtschaft und Siedlungen, besonders Viehweiden, sowie Straßenbau. Zwischen 1991 und 2000 stieg die verlorene Waldfläche von 415.000 auf 587.000 km². 70 % der zuvor und 91 % der seit 1970 entwaldeten Böden Amazoniens werden als Viehweiden genutzt. Auch Sojaanbau, Bauxitabbau, Aluminiumproduktion und Staudämme wie Belo Monte tragen zur Zerstörung oder Überflutung von Wald bei.
Entwaldete Böden erhitzen und trocknen stärker aus; zugleich verdunstet weniger Wasser. Dadurch nehmen Niederschläge ab, Dürren und Brände werden begünstigt und der Wald kann sich in Savanne verwandeln. Der Regenwald gilt als Kippelement: Der Kipppunkt wird bei 20–25 % zerstörter Waldfläche angesetzt. Für West-, Süd- und Ostamazonien werden 20 % Entwaldung, 6 % starke Degradierung, 41 % leichte Degradierung und 33 % intakter Wald genannt. Der Zeitpunkt des Kippens ist jedoch unklar; Studien nennen bereits erreicht, 2050 oder früher 2100.
Von 2010 bis 2019 sank die gespeicherte Kohlenstoffmenge im brasilianischen Regenwald von 4,45 auf 3,78 Milliarden Tonnen. In diesem Zeitraum wurden netto 2,7 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid emittiert: 13,9 Milliarden Tonnen Aufnahme standen 16,6 Milliarden Tonnen Abgabe gegenüber. Eine wissenschaftliche Synthese bewertete das Amazonasbecken 2021 wahrscheinlich als Nettoquelle von Treibhausgasen. 2024 wurden rund 88.000 Feuer registriert; 53 % der Augustbrände betrafen Primärwald. Im Jahr 2025 gingen die Waldbrände insgesamt um 80 % zurück.