Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Trophische Nische
Die Trophische Nische (von griechisch τροφή trophḗ – „Ernährung“) bezieht sich auf die Komponente der Nahrung als Bestandteil der ökologischen Nische.
Inhalt4 Abschnitte
Bedeutung der trophischen Nische
Die trophische Nische ist der Teil der ökologischen Nische, der die Nahrung betrifft. Sie beschreibt die Ernährungsbiologie einer Art: ihr genutztes Nahrungsspektrum und Spezialisierungen bei der Nahrungsaufnahme. Nach dem Konzept der ökologischen Nische als vieldimensionalem Raum nach G. E. Hutchinson hängt das dauerhafte Überleben einer Art nicht nur von abiotischen Umweltfaktoren wie Temperatur und Niederschlag ab, sondern auch von Ressourcen wie Nahrung.
Eine Art kann einen Lebensraum nur besiedeln, wenn dort für sie nutzbare Nahrung, etwa Beuteorganismen, vorhanden ist. Außerdem darf ihr deren Nutzung nicht durch andere Arten, beispielsweise Nahrungskonkurrenten, verwehrt werden.
Fundamentale und realisierte Nische
Die fundamentale Nische bezeichnet die mögliche Existenz einer Art in einem Lebensraum, ohne interspezifische Konkurrenz zu betrachten. Interspezifische Konkurrenz ist Wettbewerb zwischen verschiedenen Arten.
Die realisierte Nische berücksichtigt dagegen die Wechselwirkungen zwischen Arten und beschreibt den Teil der Nische, der tatsächlich genutzt werden kann. Nahrung und Konkurrenz können daher dazu führen, dass die realisierte Nische kleiner ist als die physiologisch mögliche, fundamentale Nische.
Konkurrenz und Ressourcenaufteilung
Konkurrenz um Ressourcen kann die natürliche Selektion beeinflussen. Bei der Ausbeutung (Exploitation) beeinflusst eine Art eine andere indirekt: Beide nutzen dieselbe Ressource, wodurch sie weniger verfügbar wird. Interferenz ist eine direkte Behinderung des Zugangs zu einer vorhandenen Ressource, zum Beispiel durch aggressives Verhalten gegenüber Konkurrenten.
Ressourcenaufteilung verringert Konkurrenzdruck. Nutzen zwei Arten dieselbe Ressource, überlappen sich ihre ökologischen Nischen. Diese Nischenüberlappung kann die Nahrungswahl einschränken und den Nischenraum verkleinern. Konkurrenz ist in der Realität häufig asymmetrisch: Bei einer konkurrenzstarken Art liegt die realisierte Nische näher an der fundamentalen Nische als bei einer konkurrenzschwachen Art.
Nach dem Konkurrenzausschlussprinzip wird bei identischen Ressourcenansprüchen früher oder später eine Art durch die besser angepasste Art verdrängt. Dennoch können in realen Lebensräumen zahlreiche Arten mit ähnlichen oder beinahe identischen Ansprüchen koexistieren; die Gründe dafür sind vielfältig. Eine spezielle Ernährungsweise kann den interspezifischen Konkurrenzdruck verringern und damit evolutive Vorteile bringen.
Nahrungsspezialisten und Generalisten
Nahrungsspezialisten sind heterotrophe Organismen, die auf eine bestimmte Art, Zusammensetzung oder Angebotsform der Nahrung angewiesen sind. Sie nutzen meist nur eine oder wenige Ressourcen und heißen mono- beziehungsweise oligophag. Generalisten ernähren sich polyphag, also von vielen Nahrungsquellen. Vollkommene Generalisten sind selten; auch sie zeigen meist eine Nahrungspräferenz, also eine bevorzugte Komponente ihres Beutespektrums.
Zur trophischen Nische gehören nicht nur die Zusammensetzung der Nahrung, sondern auch die Umstände des Nahrungserwerbs. Arten können zu unterschiedlichen Tageszeiten fressen, verschiedene Orte zur Nahrungssuche nutzen oder Stoffe verwerten, die für andere Arten nicht nutzbar sind. Da die Grundzüge des Nahrungsbedarfs im Tierreich wegen gleicher Zellstoffwechselwege nahezu identisch sind, beruht Spezialisierung vor allem auf besonderen Wegen, Nahrung zu erwerben. Dazu gehören Verdauungsenzyme, welche sonst unverdauliche Nahrung aufschließen oder Gift- und Abwehrstoffe unschädlich machen, sowie Anpassungen an geschützte, mobile oder verborgene Beute. Diese können morphologisch sein, etwa besonders kräftige Zähne zum Knacken gepanzerter Beutetiere, oder auf angeborenem Verhalten beruhen.
Nahrungsspezialisten im engeren Sinn nehmen manchmal nur eine chemische Verbindung wie Wachs oder Keratin auf; häufig sind dafür symbiontische Darm-Mikroorganismen nötig. Der Übergang von weiter gefassten Nahrungsspezialisten zu Allesfressern ist fließend. Spezialisierung hängt oft von der Verfügbarkeit der Nahrung ab: Saisonal polyphage Tiere können zeitweise Nahrungsspezialisten sein. Geruchs- und Geschmacksstoffe vermitteln häufig die Wahl bestimmter Nahrungsstoffe.
Beispiele sind Xylophagie, der Verzehr von Holz, der überwiegend bei Insekten vorkommt, und die Bakteriengattung Cellulomonas, die auf Cellulosezersetzung spezialisiert ist.