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Timbuktu

Timbuktu (deutsch [tɪmˈbʊktu], französisch Tombouctou [ tõbukˈtu]) ist eine Oasenstadt in Mali mit 84.821 Einwohnern (2023).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Bevölkerung, Architektur und Wirtschaft
  3. 3. Geschichte bis zur Kolonialzeit
  4. 4. Religion und Bildung
  5. 5. Welterbe und Kultur
  6. 6. Gegenwart und Bedeutung

Überblick und Lage

Timbuktu (französisch Tombouctou) ist eine Oasenstadt in Mali und hatte 84.821 Einwohner im Jahr 2023. Die Stadt liegt am südlichen Rand der Sahara auf 263 m Höhe, etwa 12 km nördlich des Niger. Ihre Fläche beträgt 147,9 km². Timbuktu wurde über Jahrhunderte vor allem durch seine Lage am Rand der Wüste und nahe am Fluss wichtig: Hier trafen Karawanenwege durch die Sahara auf Transportwege entlang des Niger.

Die Stadt hat ein wüstenhaftes Klima. Es weht häufig der trockenheiße Harmattan aus der Sahara. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 28 °C; Mai und Juni sind mit etwa 34 °C im Mittel die heißesten Monate. Die jährliche Niederschlagsmenge wird mit etwa 170 mm angegeben, in der Klimatabelle mit 159 mm. Regen fällt vor allem im Juli und August, kann aber sintflutartig sein und Lehmhäuser sowie Moscheen schwer beschädigen. Ein großes Problem ist die Desertifikation, also das Vordringen der Wüste. In den letzten 20 Jahren soll sich die Wüste um ungefähr 100 km nach Süden vorgeschoben haben.

Der Niger war für Timbuktu lebenswichtig, obwohl die Stadt nicht direkt am Fluss liegt. Der Hafenort Kabara verband die Stadt mit dem Flusshandel. In der frühen Neuzeit gab es einen 13 km langen Kanal zwischen Kabara und Timbuktu; heute ist er versandet. Die Erreichbarkeit blieb schwierig: Schifffahrt hängt vom Wasserstand ab, Straßen versanden, und von Norden führen Wege durch die Wüste. Der Flughafen Timbuktu (IATA-Code TOM) wird regelmäßig von Bamako aus angeflogen.

Bevölkerung, Architektur und Wirtschaft

Die Bevölkerung Timbuktus besteht aus Angehörigen verschiedener Gruppen, darunter Berber, Mauren, Songhai, Mandinka, Bambara, Tuareg, Fulbe, Bozo und Bella. Die Bella leben am Nigerufer als Fischer und Kleinbauern. Sie wurden früher von Tuareg abhängig gemacht und bis vor etwa 50 Jahren als eine Art Sklaven ausgebeutet; seit der Unabhängigkeit Malis sind sie offiziell frei. Verkehrssprache ist Französisch. Im Gebiet von Timbuktu wird vor allem Songhai mit dem Dialekt Koyra Chiini gesprochen; daneben sprechen etwa ein Zehntel Tamascheq oder einen maurischen arabischen Dialekt.

Die traditionelle Architektur ist stark durch Materialmangel geprägt. Weil Steine knapp waren, wurde überwiegend mit Lehm gebaut. Ältere Berichte nennen bienenkorbähnliche Rundbauten für ärmere Bewohner. Spätestens im 15. Jahrhundert entwickelte sich ein aufwendigerer Lehmbau, der als „sudanesischer Stil“ bekannt wurde. Er ist besonders an den großen Lehmmoscheen mit sich nach oben verjüngenden Türmen sichtbar. Ein Holzgerüst wurde mit Lehm verkleidet; dadurch waren auch zweistöckige Gebäude möglich. Lehm war aber anfällig für Regen, weshalb Wände nach jeder Regenzeit ausgebessert werden mussten. Daneben gibt es mehrstöckige Häuser aus neogenem Kalkstein mit Einflüssen aus Marokko und Mauretanien.

Wirtschaftlich war Timbuktu seit seiner Gründung vor allem Handelszentrum. Das unfruchtbare Umland konnte die Stadt nicht ausreichend ernähren; Lebensmittel mussten vor allem aus der Region Djenné-Mopti über den Niger nach Kabara gebracht werden. Besonders wichtig war der Salzhandel. In Kabara wurden Salzplatten aus Taoudenni zerteilt und für den Flusstransport vorbereitet. Ende des 19. Jahrhunderts passierten jährlich etwa 400 Karawanen mit 140.000 Kamelen und rund 22.400 Tonnen Lasten die Stadt. Heute ist Timbuktu arm, viele Menschen sind arbeitslos, und vom früheren Handel ist vor allem der Salzhandel geblieben.

Geschichte bis zur Kolonialzeit

Nach späteren Chroniken wurde Timbuktu vor 1100 n. Chr. von nomadisierenden Massufa-Tuareg an einer Wasserstelle nahe dem Nigerbogen gegründet. Wahrscheinlich reichen die Ursprünge aber ins 9. oder 10. Jahrhundert zurück; möglicherweise waren Songhai aus dem Umland die Gründer. Neuere archäologische Forschungen nennen außerdem eine Vorläuferstadt Tombouze, deren Ruinen knapp 10 km südlich der heutigen Stadt liegen und die bereits um 500 v. Chr. gegründet worden sein soll.

Nach der ersten Jahrtausendwende entwickelte sich Timbuktu zu einer Handelsniederlassung an der Karawanenstraße von Ägypten über Gao nach Koumbi Saleh im Reich Ghana. Der große wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung kam jedoch erst im 14. und 15. Jahrhundert. Ab dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert gehörte Timbuktu zum Reich Mali. Ob dies durch Eroberung oder durch ein Schutzverhältnis geschah, ist unklar. 1328 wurde die Stadt von den Mossi überfallen; daraus wird geschlossen, dass Timbuktu damals bereits ein Zentrum des Salz- und Goldhandels war. Die Einwohnerzahl lag zu dieser Zeit etwa bei 10.000 bis 15.000.

Berühmt wurde Timbuktu in Europa auch durch Berichte über Mansa Musa, den Herrscher von Mali, der 1324 nach Mekka pilgerte. Er soll enorme Mengen Gold mitgeführt und in Ägypten verteilt haben. Solche Berichte förderten die Legende einer unermesslich reichen Stadt. Nach seiner Rückkehr ließ Mansa Musa unter anderem Moscheen bauen, darunter die Djinger-ber-Moschee und eine Residenz.

Die größte Blüte erlebte Timbuktu im 15. und 16. Jahrhundert im Reich der Songhai. Sonni Ali eroberte die Stadt 1468. Timbuktu war damals eine bedeutende Karawanenmetropole mit geschätzt 15.000 bis 25.000 Einwohnern; zu Handelszeiten konnte sich diese Zahl kurzfristig verdoppeln. Angaben von 100.000 oder 200.000 Bewohnern gelten als Spekulation. Hauptquellen des Reichtums waren Salz, Sklaven und Gold. Zugleich wurde die Stadt ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. An der Sankoré-Moschee bestand eine Madrasa, also eine religiöse Schule, und es gab nach einer Quelle 150 bis 180 Koranschulen.

1591 eroberten marokkanische Truppen Timbuktu und das Songhai-Reich. Danach konnte die Stadt ihre frühere Bedeutung nicht zurückgewinnen. Der Atlantikhandel wurde wichtiger als der Transsaharahandel. Im 17. und 18. Jahrhundert gewannen die Arma, Nachkommen marokkanischer Söldner, eine fast autonome Stellung. Später geriet Timbuktu unter den Einfluss der Tuareg, des Fulbe-Kalifats von Massina und religiöser Führer wie Sidi Ahmad al-Baqqai. 1893–1894 wurde Timbuktu schließlich von französischen Kolonialtruppen besetzt und in Französisch-Westafrika eingegliedert.

Religion und Bildung

Timbuktu dürfte von Anfang an eine islamische Stadt gewesen sein. Dabei unterschieden sich Elite und einfache Bevölkerung: Die Oberschicht hing dem Islam an, während in unteren Schichten lange auch animistische, also vorislamische, Vorstellungen und Riten fortlebten. Erst im frühen 19. Jahrhundert setzte sich unter dem Einfluss des Fulbe-Dschihad und der Kunta-Marabutin eine strengere Form des Islam stärker durch. Heute sind die Bevölkerung Timbuktus und des Umlands ausschließlich Muslime.

Im ausgehenden Mittelalter und besonders im 16. Jahrhundert war Timbuktu ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit, aber keine heilige Stadt wie Mekka, Medina oder Jerusalem. Die Sankoré-Moschee und die mit ihr verbundenen Koranschulen machten die Stadt bekannt. Die sogenannte „Universität von Sankoré“ war jedoch keine Universität im modernen Sinn mit zentraler Verwaltung, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Schulen. Dort wurden vor allem Koran, islamisches Recht, Theologie, arabische Sprache, Rhetorik und weitere Fächer gelehrt. Forschung im modernen Sinn wurde nicht betrieben; der Unterricht bestand vor allem aus Auslegung und Diskussion anerkannter religiöser und juristischer Texte. Die oft genannte Zahl von 25.000 Studenten gilt als unrealistisch; realistisch dürfte die Zahl unter 2000 gelegen haben.

Eine besondere Rolle spielen die Handschriften von Timbuktu. Bücher in arabischer Schrift wurden aus Marokko und Ägypten eingeführt, aber auch vor Ort kopiert. Bis 1894 gab es keine Buchpresse. Viele Werke gehörten privaten Gelehrtenfamilien. Ahmad Baba (1560–1627) klagte, dass seine Sammlung mit 1600 Bänden die kleinste seiner Familie sei. Die Zahl der erhaltenen Bücher wird heute vorsichtig auf unter 100.000 in Timbuktu geschätzt; für den Norden Malis werden insgesamt etwa 300.000 Handschriften genannt, darunter viele kurze Gutachten und einzelne Blätter. Das Forschungszentrum Ahmed Baba, heute IHERI-AB, dient dem Erhalt und der Erforschung dieser Manuskripte. Das älteste datierte Dokument stammt aus dem Jahr 1204. Während des Konflikts 2012/2013 wurden Manuskripte bedroht; einige gingen bei einem Brand verloren, der größte Teil konnte aber durch Verstecken in Privathäusern bewahrt werden.

Welterbe und Kultur

Timbuktu ist wegen seiner Moscheen, Mausoleen und Handschriften ein wichtiger Kulturort. Die Djinger-ber-Moschee, die Sankoré-Moschee und die Sidi-Yahia-Moschee sowie 16 Friedhöfe und Mausoleen gehören seit 1988 zum UNESCO-Welterbe. Das historische Stadtbild insgesamt wurde nicht aufgenommen, weil moderne Eingriffe bereits zu weit fortgeschritten waren. 1990 kamen die Stätten auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Nach UNESCO-gestützten Konservierungsarbeiten und der Beseitigung schwerer Flutschäden von 2003 wurden sie 2005 wieder gestrichen. Seit 2012 gelten sie erneut als gefährdet.

Zu den bekannten Mausoleen zählt das Grab des Scheichs Abul Kassim Attouaty, der 1529 starb. Weitere wichtige Gräber sind die des Gelehrten Sidi Mahmoudou und des Qādī Al Aqib, die 1548 beziehungsweise 1583 starben. 2001 ernannte die Islamische Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur Timbuktu zur „Islamischen Hauptstadt der Weltkultur“ für Afrika im Jahr 2006.

2012 wurden mehrere Mausoleen durch islamistische Gruppen zerstört. Nach dem Militärputsch vom 21. März 2012 und der Unabhängigkeitserklärung Azawads vom 6. April 2012 gewannen Gruppen wie Ansar Dine, AQMI und MUJAO im Norden Malis die Kontrolle. Anfang Mai 2012 wurde das Mausoleum Sidi Mahmud Ben Amar zerstört; später folgten weitere geschützte Grabstätten, darunter Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moya. 2014 gab es eine Mission des Internationalen Komitees vom Blauen Schild zum Schutz von Kulturgütern.

Auch Musik gehört zur jüngeren Kultur Timbuktus. Seit 2003 fand jeweils im Januar das Festival au Désert statt, ursprünglich als Treffen von Tuareg mit Tanz, Gesang, Musik, Kamelrennen und Spielen. Aus Sicherheitsgründen wurde es 2010 an den Stadtrand von Timbuktu verlegt, 2012 militärisch bewacht und 2013 wegen der Lage im Norden Malis nach Oursi in Burkina Faso verlegt.

Gegenwart und Bedeutung

Nach der Unabhängigkeit Malis am 22. September 1960 wurde Timbuktu Teil der Republik Mali. Schon in den 1950er Jahren gab es Spannungen zwischen Tuareg und schwarzen Verwaltungsbeamten. Nach der Unabhängigkeit eskalierte der Konflikt, weil der neue Staat versuchte, die rebellischen Wüstennomaden zu integrieren. In den 1990er Jahren kam es erneut zu einem Tuareg-Aufstand mit dem Ziel, einen eigenen Staat auszurufen. 1996 wurde die Rebellion mit einer symbolischen Waffenverbrennung beendet; die „Flamme des Friedens“ in Timbuktu erinnert daran.

Am 1. April 2012 wurde Timbuktu von Tuareg eingenommen und nach der Ausrufung Azawads mehrere Monate Teil dieses selbst erklärten Staates. Am 5. April vertrieb die islamistische Gruppe Ansar Dine die Tuareg aus der Stadt. Zusammen mit Al-Qaida im Islamischen Maghreb kontrollierte sie Timbuktu etwa neun Monate, versuchte eine strenge Form der Scharia durchzusetzen und zerstörte Mausoleen. Ende Januar 2013 wurde Timbuktu im Rahmen der Opération Serval von französischen und malischen Truppen zurückerobert. Im März 2013 versuchten Islamisten erneut, in der Stadt Fuß zu fassen. Seit August 2023 wird Timbuktu von Islamisten belagert.

Der Name Timbuktu wurde in Europa außerdem zum Synonym für einen sehr entlegenen Ort. Das hängt mit dem legendären Ruf der Stadt zusammen, weit entfernt und schwer erreichbar zu sein. In mehreren Sprachen, auch im Deutschen und Englischen, steht „Timbuktu“ deshalb sprichwörtlich für einen Ort am Ende der Welt.

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