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Theorie realer Konjunkturzyklen
Die Theorie realer Konjunkturzyklen (englisch real business-cycle theory) ist eine Denkschule der Neuen klassischen Makroökonomik. Sie postuliert, dass das …
Grundidee und Einordnung
Die Theorie realer Konjunkturzyklen (englisch real business-cycle theory) ist eine Denkschule der Neuen klassischen Makroökonomik. Sie erklärt konjunkturelle Schwankungen durch Veränderungen in der Realwirtschaft, also etwa bei Beschäftigung oder realem Bruttosozialprodukt. Ihre zentrale Aussage lautet, dass die „klassische Dichotomie“ auch kurzfristig gilt: Reale und monetäre Vorgänge werden dabei grundsätzlich getrennt betrachtet.
Als Auslöser von Konjunkturzyklen gelten technologische Schocks. Ein Schock ist hier eine unerwartete Veränderung der verfügbaren Technologie. Er beeinflusst Produktion und BIP und führt dadurch zu Schwankungen, die als Konjunkturzyklus bezeichnet werden.
Andere Theorien setzen andere Ursachen in den Mittelpunkt: Der Keynesianismus erklärt Schwankungen durch Nachfrageschwankungen, der Monetarismus durch eine Verfehlung der optimalen Geldmenge infolge verfehlter Geldpolitik und der Neukeynesianismus durch Angebots- oder Nachfrageüberhänge aufgrund von Preis- und Lohnrigiditäten. Preis- und Lohnrigiditäten bedeuten, dass sich Preise und Löhne nicht schnell genug anpassen.
Vertreter
Die wichtigsten Vertreter sind Edward C. Prescott und Finn E. Kydland. Sie erhielten 2004 gemeinsam den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.
Weitere zentrale Figuren sind Robert J. Barro, Robert G. King, Charles Plosser und Sergio Rebelo.
Modelle und zentrale Annahmen
Methodisch orientiert sich die Schule eng am dynamischen Allgemeinen Gleichgewichtsmodell, das Robert E. Lucas in den 1970er-Jahren entwickelte. Ein allgemeines Gleichgewicht beschreibt einen Zustand, in dem Märkte zusammenpassen; die Modelle sollen zugleich die wirtschaftliche Entwicklung im Zeitverlauf abbilden.
Die Theorie verwendet Mikrofundierung. Das bedeutet, dass sie von repräsentativen Wirtschaftssubjekten ausgeht, also modellhaft von privaten Haushalten und Unternehmen. Aus den Nutzenfunktionen der Haushalte, den Gewinnfunktionen der Unternehmen und ihren Nebenbedingungen (constraints) werden Gleichgewichtsbedingungen abgeleitet. Diese Bedingungen sollen die wirtschaftliche Dynamik charakterisieren. Dies unterscheidet den Ansatz von älteren makroökonomischen Schulen wie Keynesianismus und Monetarismus.
Zu den zentralen Annahmen zählen rationale Erwartungen, Markträumung und ein Walrasianisches Gleichgewichtsmodell. Rationale Erwartungen bedeuten, dass Wirtschaftssubjekte Erwartungen auf Grundlage der verfügbaren Informationen bilden. Markträumung bedeutet, dass Angebot und Nachfrage auf Märkten ins Gleichgewicht kommen.
Vertreter stützen ihre Sicht empirisch auf die Erkenntnis, dass das BIP einer Zufallsbewegung folgt. Charles Nelson und Charles Plosser veröffentlichten dieses Ergebnis 1982 erstmals im Journal of Monetary Economics; es erregte großes Aufsehen. Die Theorie ist deshalb eng mit moderner Zeitreihenanalyse verbunden, die seit den 1970er-Jahren unter anderem von Christopher Sims mitentwickelt wurde.
Eine weitere Annahme ist die intertemporale Substitution von Arbeit. Haushalte sollen bei niedrigem Lohn, zum Beispiel in einer Rezession, weniger arbeiten und bei hohem Lohn, etwa während eines Booms, viel arbeiten.
Kritik
Greg Mankiw und Lawrence Summers kritisieren drei Annahmen als unrealistisch. Erstens stünden Technologieschocks im Zentrum der Theorie. Abgesehen vom Ölpreisschock in den 1970er Jahren könne Edward Prescott keine spezifischen Technologieschocks nennen, die historische Konjunkturschwankungen erklärt hätten. Außerdem gebe es keine mikroökonomische Fundierung für die vorausgesetzten großen Technologieschocks. Die Theorie werde regelmäßig nicht gegenüber alternativen Erklärungen getestet, obwohl es in den meisten Fällen plausible Alternativerklärungen gebe.
Zweitens erkläre die Theorie Arbeitslosigkeit damit, dass Menschen sich entschieden, weniger zu arbeiten. Paul Krugman kritisiert daran, dass der Anstieg der US-Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise – auf dem Höhepunkt lag die Arbeitslosenquote bei 25 % – dann als massenhafte Entscheidung für einen langen Urlaub erscheinen würde.
Drittens könne Geldpolitik nach der Theorie den Konjunkturverlauf nicht beeinflussen. Heute besteht jedoch weitgehend Konsens, auch unter Ökonomen der Neuen klassischen Makroökonomie, dass Löhne und Preise sich nicht so schnell anpassen, wie es zur Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage erforderlich wäre. Deshalb wird die Hypothese der Ineffektivität von Geldpolitik heute kaum noch vertreten.
Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass die Theorie die Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten nicht abbilden könne. Larry Summers schrieb, zwischen den von Edward Prescott vertretenen Real-business-cycle-Modellen und den in den USA oder anderen kapitalistischen Ökonomien beobachtbaren Konjunkturentwicklungen bestehe kein Zusammenhang.