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Texel

Texel [ˈtɛsəl] () (westfriesisch Tessel) ist eine Nordseeinsel in der niederländischen Provinz Nordholland sowie der Name der auf ihr liegenden Gemeinde.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Landschaft und Besiedlung
  3. 3. Geschichte
  4. 4. Natur und Schutzgebiete
  5. 5. Sehenswürdigkeiten, Wirtschaft und Verkehr
  6. 6. Gemeinde und Politik

Überblick und Lage

Texel ist eine Nordseeinsel in der niederländischen Provinz Noord-Holland und zugleich der Name der Gemeinde, die auf ihr liegt. Die Insel ist die westlichste bewohnte und größte Westfriesische Insel. Sie gilt als beliebtes Tourismusziel, weil sie auf kleiner Fläche sehr unterschiedliche Landschaften sowie eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt bietet.

Die Gemeinde hat 13.946 Einwohner (1. Januar 2026). Ihre Gesamtfläche beträgt 463,16 km², davon 162,26 km² Land und 300,9 km² Wasser. Der Sitz der Gemeinde ist Den Burg. Texel gehört geographisch zu den Westfriesischen Inseln, politisch aber zur Provinz Noord-Holland und nicht zu Friesland.

Texel liegt in einer Inselkette entlang der friesischen und nordholländischen Küste. Nördlich liegt Vlieland, südwestlich die unbewohnte Sandbank Noorderhaaks, getrennt durch das enge Seegatt Molengat. Anders als viele andere Watteninseln ist Texel eher nord-südlich ausgerichtet: Die Westküste liegt an der offenen Nordsee, die Ostküste am Wattenmeer. Südlich liegt auf dem Festland Den Helder, getrennt durch das Marsdiep; außerdem liegt Texel dem Abschlussdeich gegenüber, der das IJsselmeer von der Nordsee trennt.

Die Entstehung Texels unterscheidet sich von der vieler anderer Watteninseln. Während diese oft aus wandernden Dünen im Watt hervorgingen, ist Texel ein verwittertes Überbleibsel eiszeitlicher Geestablagerungen, also aus altem Geschiebemergel. Der Hoge Berg bei Oudeschild ist deshalb keine Düne, sondern ein Relikt dieser Entstehung.

Landschaft und Besiedlung

Texel ist 23,7 km lang und 9,6 km breit. Die Inselfläche beträgt 169,82 km². Der höchste Punkt ist nicht der Hoge Berg, sondern die Düne „Seetingsnollen“ im Nationalpark Duinen van Texel mit 24,8 m. Die Landschaft wird oft als „ganz Holland auf einer Insel“ beschrieben und lässt sich grob in drei Bereiche gliedern.

Die Westküste ist direkt der offenen Nordsee ausgesetzt. Dort verläuft von der Nord- bis zur Südspitze ein etwa 30 km langer Sandstrand mit einem mehrteiligen Dünengürtel dahinter. Die jungen, seewärtigen Dünen sind offene Weißdünen; weiter landeinwärts liegen bewachsene Grau- und Braundünen, die teils in Heide und südlich von De Koog in Wald übergehen. An der Südspitze liegt das mehrere Kilometer breite Sand- und Dünengebiet De Hors.

Die Ostküste liegt am ruhigeren Wattenmeer. Dort gibt es weniger natürliche Küstenformen; sie ist großenteils durch Deiche geprägt. Unterhalb der Deiche finden sich nur kleinere Sand- und Kiesstrände. Zwischen den Küsten liegt das Binnenland, das abgesehen von der Gegend um den Hoge Berg flach ist und weitgehend durch Einpolderungen entstand. Es wird für Felder und Weiden genutzt. In der Mitte der Insel liegt das Feuchtgebiet Rommelpot.

Der wichtigste Ort ist Den Burg, etwas südlich der Inselmitte. Dort leben etwa 7000 Menschen; hier befinden sich Inselverwaltung, Behörden und viele Geschäfte. De Koog am Dünenrand ist das größte Tourismuszentrum. Oudeschild ist stärker durch Fischerei und etwas Industrie geprägt. De Cocksdorp liegt an der Nordspitze. Weitere Dörfer sind Oosterend, Den Hoorn, De Waal, Zuid-Eierland, Midden-Eierland, ’t Horntje und Oost. Dazu kommen Einzelhäuser, Höfe, Bungalowparks und andere Unterkünfte für Touristen.

Geschichte

Eine wichtige Zäsur war die Allerheiligenflut von 1170. Sie durchbrach die holländische Küste südlich des heutigen Texel, trennte Texel und Wieringen vom Festland und vergrößerte die Zuiderzee. Zwischen Texel und Wieringen riss die Flut viel Moor aus dem Gebiet „Moerwaard“ heraus. Aus einem Moorfluss entstand dadurch das Seegatt Marsdiep, und die beiden Inseln wurden voneinander getrennt.

Im 13. Jahrhundert bestand Texel vor allem aus Geschiebelehmaufschüttungen um den Hoge Berg. Die Böden waren von Prielen durchzogen, also kleinen Wasserläufen im Watt- und Marschgebiet; tiefer liegende Flächen wurden regelmäßig überschwemmt. Nördlich lag ursprünglich die kleine Insel Eierland. Im Jahr 1415 erhielt Texel Stadtrechte.

Bis zum 16. Jahrhundert wurden auf Texel mehrere Eindeichungen vorgenommen. Besonders wichtig waren die Gebiete Waal und Burg zwischen Den Burg, De Koog und De Waal, die zunächst 1532 und später erneut 1617 eingedeicht wurden. 1629/1630 ließ man auf Anordnung der Generalstaaten einen Deich zwischen den Dünen bei De Koog und der Insel Eierland bauen. Durch das Pflanzen von Strandhafer wurde Flugsand festgehalten, sodass neue Dünen und Priele entstanden. 1835 wurde Eierland eingepoldert. Um 1850 bestand entlang der heutigen Küstenlinie eine geschlossene Dünenreihe, die 1851 bei einer Sturmflut an drei Stellen brach. Daraus entstanden De Muy und De Slufter.

Texel war auch Schauplatz militärischer Ereignisse. 1673 gewannen die Niederländer in der Seeschlacht vor Texel im Englisch-Niederländischen Krieg. 1694 siegte Frankreich in der Seeschlacht von Texel im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Im Ersten Weltkrieg gewannen die Briten 1914 ein Seegefecht vor Texel gegen das Deutsche Reich.

Im Zweiten Weltkrieg kam es zum Georgischen Aufstand auf Texel. Zwischen dem 4. April und dem 20. Mai 1945, also noch 15 Tage nach der Kapitulation der Deutschen in den Niederlanden, versuchten georgische Hilfstruppen gegen die deutsche Besatzungsmacht die Kontrolle über die Insel zu gewinnen. Der Aufstand scheiterte, weil wichtige Artilleriestellungen nicht erobert wurden. In den Kämpfen starben 3000 Menschen, darunter 117 Zivilisten. Der Artikel bezeichnet sie als die letzten Opfer des Zweiten Weltkrieges in Europa. 565 Georgier wurden auf dem Ehrenfriedhof auf dem Hoge Berg bestattet; für jeden wurde eine Rose gepflanzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Texel immer stärker vom Tourismus geprägt.

Natur und Schutzgebiete

Die Natur Texels ist stark durch die Lage als Insel, die Dünen und die Verbindung von Nordsee, Watt, Weideland und Feuchtgebieten geprägt. Seit der Allerheiligenflut 1170 ist Texel vom Festland getrennt, was die Besiedlung durch Säugetiere erschwert. Die heutige Säugetierfauna ist daher überschaubar. Es gibt vor allem kleine Nagetiere wie fünf Mäusearten und Ratten, außerdem Wildkaninchen und Feldhasen. Letztere sind, abgesehen von Nutztieren, die größten Landsäugetiere der Insel. Auch Hermelin, Iltis und Igel kommen vor. Verwilderte Hauskatzen gelten wie auf vielen Nordseeinseln als Problem, besonders für die Vogelwelt. Nachgewiesen sind außerdem drei Fledermausarten. Rotfuchs, Maulwurf und Eichhörnchen kommen offenbar nicht vor. Im Meer und an der Küste sind Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal regelmäßig zu beobachten; immer wieder werden Pottwale an den Stränden angeschwemmt.

Der Hoge Berg entstand vor etwa 130.000 Jahren aus eiszeitlichen Geschiebelehmaufschüttungen, über denen sich Decksand ablagerte. Sein höchster Punkt liegt bei 15,3 m über NN. Seit 1968 steht das Gebiet um den Hoge Berg unter Landschaftsschutz. Dort liegt auch De Zandkuil, das einzige Insektenschutzgebiet der Niederlande. Diese alte Sand- und Lehmgrube ist wegen ihrer sonnigen Lage für seltene Grabwespen- und Bienenarten wichtig.

Die Texeler Dünen sind in ihrer heutigen Form großenteils durch menschlichen Einfluss entstanden. Wind trägt Sand an die Eindeichungen, wo Pflanzen wie Binsenquecke und Strand-Salzmiere ihn festigen. Später kann sich Strandhafer ansiedeln. Hinter den jungen Dünen liegt ein älterer Dünengürtel, der je nach Gebiet unterschiedlich stark bewachsen ist, bis hin zu Heide und Wald. Das Dünengebiet steht unter Naturschutz, ist aber durch viele Rad- und Wanderwege zugänglich. Seit 2002 gehört der Dünengürtel zum Nationalpark Duinen van Texel.

Besonders wichtig sind die Naturreservate De Muy und De Slufter nördlich von De Koog. Beide entstanden nach einem schweren Sturm 1851, bei dem die See die Dünenkette durchbrach. De Muy wurde wieder abgedichtet und besteht heute aus Feuchttälern zwischen Dünenketten. De Slufter blieb zum Meer hin offen. Dort liegen eine weite Ebene, ein dauerhaft wassergefüllter Einbruch und viele Nebenpriele. Der Wasserstand hängt stark von Gezeiten und Jahreszeit ab. Wegen des Salzwassers wachsen dort Strandflieder, Strand-Grasnelke und Queller. Viele Vögel rasten dort während des Zugs oder brüten dort, darunter Löffler, Kiebitz und Uferschnepfe.

Sehenswürdigkeiten, Wirtschaft und Verkehr

Zu den typischen Bauformen auf Texel gehören Schafscheunen und Gulfhäuser. Texeler Schafe bleiben auch bei sehr kaltem Wetter im Freien und finden bei rauem Wetter Schutz im Windschatten der Schafscheunen. Deren Eingang liegt nach Nordosten, also entgegen der Hauptwindrichtung. Einige dieser Schafscheunen stehen unter Denkmalschutz. Viele Gulfhäuser haben ein pyramidenähnliches Dach, das nach allen Seiten schräg abläuft und dadurch dem ständig wehenden Wind weniger Angriffsfläche bietet.

Wichtige Museen sind Ecomare, Kaap Skil und das Schipbreuk- en Juttersmuseum Flora. Ecomare befasst sich mit dem Leben auf einer Insel und mit dem Meer. Es besitzt eine Vogel- und Seehundauffangstation. Jährlich werden etwa 25 Seehunde aufgenommen und wieder freigelassen; eine feste Gruppe von 20 Seehunden, die nicht mehr an ein freies Leben gewöhnt werden konnte, lebt dort dauerhaft. Kaap Skil in Oudeschild ist ein Meeres- und Strandräuber-Museum und zeigt die Geschichte Texels in Bezug auf das Meer, darunter die frühere Reede für Hochseeschiffe und die Strandräuberei. Das Museum Flora bei De Koog zeigt eine große Sammlung von Strandgut und informiert über Lotsenwesen, Rettungswesen und Schiffbrüche. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der begehbare Leuchtturm Eierland an der Nordspitze und eine Replik eines Moai in Zuid-Eierland.

Die Wirtschaft der Insel wird heute vor allem durch den Tourismus geprägt. Daneben spielen Landwirtschaft, besonders Schafzucht, sowie eine kleine wollverarbeitende Industrie eine Rolle. Fischfang ist nachrangig. Es gibt auf der Insel hergestellte kulinarische Spezialitäten und eine eigene Brauerei, deren Bier unter dem Namen Texels angeboten wird. Texel ist außerdem Hauptstandort des 1876 gegründeten Niederländischen Instituts für Meeresforschung, des Koninklijk Nederlands Instituut voor Zeeonderzoek (NIOZ). Sportlich bekannt ist die jährlich stattfindende Ronde om Texel, die größte Katamaran-Regatta der Welt.

Texel darf im Unterschied zu manchen anderen friesischen Inseln mit Kraftfahrzeugen befahren werden. Ein Hauptstraßennetz verbindet alle wichtigen Orte; daneben gibt es kleinere Straßen und befahrbare Feldwege. Die Buslinie 28 verbindet stündlich mit Anschluss an die Fähre den Fährhafen mit Den Burg und De Koog. Weitere Orte werden durch den Texelhopper bedient, ein Taxibussystem, das online, per App oder telefonisch bestellt werden kann und täglich von 5:30 bis 22:00 Uhr fährt. Das Fahrradwegenetz ist sehr gut ausgebaut und erschließt auch viele Bereiche der Dünen. Die Autofähre der TESO verbindet Texel von 6:00 bis 21:30 Uhr über das Marsdiep mit Den Helder; die Fahrzeit beträgt etwa 20 Minuten. Von De Cocksdorp fährt in den Sommermonaten eine Personenfähre nach Vlieland. Bei Zuid-Eierland liegt zudem der kleine Flugplatz Texel.

Gemeinde und Politik

Texel ist nicht nur eine Insel, sondern auch eine niederländische Gemeinde. Bürgermeister ist seit dem 20. Dezember 2023 Mark Pol von der VVD. Zum Kollegium zählen die Beigeordneten Edo Kooiman (Texels Belang), Hennie Huisman-Peelen (VVD), Sander van Knippenberg (GroenLinks) sowie der Gemeindesekretär Theo van Waes.

Der Gemeinderat hat insgesamt 15 Sitze. Bei der Kommunalwahl 2026 entfielen die Sitze auf PvdA 2, GroenLinks 2, D66 1, Texels Belang 2, Hart voor Texel 4, VVD 3 und CDA 1. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,30 %. Nach der Wahl 2022 wurde eine große Koalition aus Texels Belang, PvdA und GroenLinks gebildet; sie verfügte über 9 der 15 Sitze.

Zur Infrastruktur gehören auch Medien und Versorgung. Die Orte und Dörfer Texels sind an ein Kabelnetz des Betreibers Kabeltex angeschlossen, über das Kabelfernsehen, Internet und Telefon bereitgestellt werden. Auf Texel erscheint zweimal wöchentlich der Texelse Courant. Die Zeitung besteht seit 1887 und gehört in den Niederlanden zu den wenigen noch unabhängigen regionalen Zeitungen.

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