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Tenet (Film)

Tenet ist ein Science-Fiction-Action-Spionage-Film des britisch-US-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan, der am 26. August 2020 in die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Grundidee
  2. 2. Konflikt um den Algorithmus
  3. 3. Finale und Zeitschleife
  4. 4. Herstellung und Musik
  5. 5. Veröffentlichung, Resonanz und Wirkung
  6. 6. Deutungen der Zeitstruktur

Einordnung und Grundidee

Tenet ist ein britisch-US-amerikanischer Science-Fiction-Action-Spionagefilm von Christopher Nolan aus dem Jahr 2020. Nolan führte Regie, schrieb das Drehbuch und produzierte den 150 Minuten langen Film zusammen mit Emma Thomas. Die Originalsprache ist Englisch; in Deutschland ist er ab FSK 12 freigegeben. Die deutschsprachige Kinopremiere war am 26. August 2020.

Im Mittelpunkt steht ein namenloser CIA-Agent, der nur „der Protagonist“ genannt wird. Er arbeitet für die Geheimoperation Tenet gegen eine Bedrohung aus der Zukunft. Deren Grundlage ist die zeitliche Invertierung: Die Entropie, also die Richtung, in der Vorgänge normalerweise ablaufen, wird bei Gegenständen oder Menschen umgekehrt. Invertierte Objekte bewegen sich dadurch aus Sicht anderer Personen zeitlich rückwärts; eine Kugel wird beispielsweise nicht abgefeuert, sondern wieder in eine Waffe zurückgeholt. Ein „Drehkreuz“ ist die Maschine, mit der Menschen in den invertierten Zeitablauf wechseln können.

Konflikt um den Algorithmus

Nach einem Einsatz bei einem Terroranschlag in der Kiewer Oper wird der Protagonist Tenet zugeteilt. Die Wissenschaftlerin Barbara erklärt ihm die Invertierung. Gemeinsam mit dem britischen Agenten Neil verfolgt er die Herkunft invertierter Munition bis zu Priya Singh in Mumbai. Priya führt die Geschäfte ihres Mannes Sanjay und berichtet, sie habe die Munition an den russischen Oligarchen Andrei Sator verkauft. Sator arbeitet für Menschen aus der Zukunft.

Über Sir Michael Crosby und Sators Ehefrau Katherine „Kat“ Barton versucht der Protagonist, Zugang zu Sator zu erhalten. Kat wird von Sator mit einer gefälschten Goya-Zeichnung erpresst. Ein Einbruch in ein Zolllager am Flughafen Oslo-Gardermoen, bei dem der Protagonist und Neil durch den Unfall einer Boeing 747 abgelenkt werden sollen, führt zu einem Kampf mit zeitlich invertierten Gegnern und zur Entdeckung eines Drehkreuzes.

Bei einem Transport in Tallinn erbeutet der Protagonist einen Koffer, der nicht Plutonium enthält, sondern ein Teil eines viel gefährlicheren Gegenstands ist. Sator verletzt Kat mit einer invertierten Kugel und zwingt den Protagonisten zur Auskunft. Um Kat zu retten, invertieren der Protagonist, Neil und eine Tenet-Einheit. Dabei erkennt der Protagonist, dass er das Objekt während einer Verfolgungsjagd ungewollt seinem invertierten Selbst übergeben hatte und Sator es anschließend erhielt.

Finale und Zeitschleife

Neil erläutert, dass das Objekt ein Teil eines „Algorithmus“ ist. Mit ihm könnte der Zeitstrom der ganzen Welt umgekehrt und damit alles Leben vernichtet werden. Eine Wissenschaftlerin der Zukunft zerlegte den Algorithmus aus Angst vor dem Großvaterparadoxon in neun Komponenten. Sie schickte diese invertiert in die Vergangenheit; jede der neun Atommächte erhielt eine Komponente und versteckte sie in Atomsilos. Die Menschen der Zukunft finanzierten Sator, damit er alle Teile beschafft.

Sator versteckt den vollständigen Algorithmus in Stalsk-12 in Sibirien. Sein Tod soll über einen Totmannschalter der Zukunft den Ort mitteilen; eine Explosion soll das Versteck versiegeln. Weil Sator unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, will er sich beim früheren Yachtausflug vor Vietnam töten und dabei die Gegenwart vernichten. Seine Begründung lautet, die Zukunft wolle die heutige Generation auslöschen, weil sie deren Umwelt zerstört habe.

Eine Tenet-Einheit führt deshalb in Stalsk-12 einen temporalen Zangenangriff durch: Ein Team handelt zehn Minuten vorwärts, das invertierte Team dieselbe Zeitspanne rückwärts. Kat hält Sators Suizid zunächst auf, während der Protagonist und Ives den Algorithmus erreichen. Neil öffnet als invertierter Kämpfer mit roter Schnur die verschlossene Tür, wird dabei jedoch sterben. Kat tötet Sator erst, nachdem der Algorithmus geborgen ist. Der Protagonist, Ives und Neil teilen ihn auf und bewahren die Verstecke geheim. Am Ende wird deutlich, dass der Protagonist Tenet in der Zukunft selbst gründen und Neil in dessen Vergangenheit rekrutieren wird. Er verhindert außerdem, dass Priya Kat töten kann, indem er Priya und ihren Helfer erschießt.

Herstellung und Musik

Die Dreharbeiten begannen im Mai 2019 und fanden in sieben Ländern statt, darunter Großbritannien, Indien und Estland. Die Tallinner Linnahall stellte das fiktive Kiewer Opernhaus dar. Gedreht wurde auf 70-mm-Film und im IMAX-Format; die Kamera führte Hoyte van Hoytema. Der Flugzeugunfall am Flughafen Oslo-Gardermoen wurde mit einem echten Flugzeug statt mit visuellen Effekten realisiert. Die Produktionskosten sollen bis zu 225 Millionen US-Dollar betragen haben, womit Tenet laut Artikel Nolans bislang teuerster Film war.

Die Musik komponierte Ludwig Göransson; es war seine erste Zusammenarbeit mit Nolan. Hans Zimmer hatte ursprünglich komponieren sollen, sagte aber wegen seiner Verpflichtung für Dune ab. Der Soundtrack wurde bei den 78. Golden Globe Awards am 3. Februar 2021 für die Beste Filmmusik nominiert. Er enthält auch den von Göransson und WondaGurl produzierten Song „The Plan“ von Travis Scott. Die deutsche Synchronisation entstand bei RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG in Berlin. Tobias Neumann schrieb das Dialogbuch nach einer Übersetzung von Margit Webb und führte gemeinsam mit Tobias Meister die Dialogregie.

Veröffentlichung, Resonanz und Wirkung

Der geplante US-Kinostart am 17. Juli 2020 wurde wegen der weltweiten COVID-19-Pandemie mehrfach verschoben und schließlich zunächst unbestimmt ausgesetzt. International startete der Film zwischen dem 26. und 28. August 2020, in Deutschland am 26. August; in ausgewählten US-Kinos lief er ab 3. September 2020. In den Vereinigten Staaten erschien er am 15. Dezember 2020 digital sowie auf DVD und Blu-ray, in Deutschland am 17. Dezember 2020 für das Heimkino.

Die Kritiken waren überwiegend, aber nicht einhellig positiv. Bis Juli 2023 erreichte der Film bei Rotten Tomatoes 69 % durchschnittliche Fachkritikerwertung, bei Metacritic 69 von 100 Punkten und bei IMDb 7,3 von 10 Punkten. Kritisiert wurden unter anderem Actionfilmklischees, fehlende Gefühle und eine Tonabmischung, bei der Dialoge gegenüber der Musik zu leise seien; Nolan verteidigte diese Klanggestaltung als beabsichtigt. Marcus Stiglegger betonte, Tenet sei kein klassischer Zeitreisefilm, sondern arbeite mit einer Gleichzeitigkeit vorwärts- und rückwärtsgerichteter Zeitbewegung.

Weltweit spielte der Film rund 365,3 Millionen US-Dollar ein, davon 58,5 Millionen in Nordamerika und 66,6 Millionen in China. In Deutschland wurden etwa 1.675.000 Kinobesucher und 19,96 Millionen Euro erreicht; damit lag der Film auf Platz 2 der deutschen Jahres-Charts 2020. Als erster während der Pandemie gestarteter Blockbuster wurde sein Erfolg unterschiedlich bewertet: Nolan verwies auf die internationalen Zahlen, andere Studios nahmen für Warner Bros. Verluste von 50 bis 100 Millionen US-Dollar an. Zu den Auszeichnungen zählen der Oscar 2021 für die Besten visuellen Effekte sowie Auszeichnungen für visuelle Effekte bei den British Academy Film Awards und den Critics’ Choice Movie Awards.

Deutungen der Zeitstruktur

Die Handlung beruht auf einem selbstkonsistenten Universum: Figuren erleben wegen Zeitschleifen Ereignisse mehrfach. Auch wenn ihre späteren Versionen die Ereignisse kennen und beeinflussen, verändern sich die Abläufe nicht. Dies wird im Artikel mit dem Großvaterparadoxon verknüpft.

Der Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt deutet Tenet gesellschaftskritisch als Allegorie auf das Verhältnis von Gegenwart und Zukunft, besonders auf den Klimawandel. Die Zukunftsbedrohung stamme dabei aus einer Zukunft, die die Gegenwart selbst geformt habe. Trotz der deterministischen Struktur bleibe in dieser Interpretation verantwortungsvolles Handeln des Einzelnen entscheidend.

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