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Taschelhit

Sprecher des Taschelhit sind oft dreisprachig: Neben Taschelhit sprechen sie Arabisch und Französisch.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Sprache, Verbreitung und Bedeutung
  2. 2. Laute und Aussprache
  3. 3. Pronomen und Substantive
  4. 4. Besitz, Demonstrativa und Adjektive
  5. 5. Verben und ihre Formen
  6. 6. Satzbau, Fragen und Wortschatz

Sprache, Verbreitung und Bedeutung

Taschelhit, auch Schlöh, Tassussit, französisch Chleuh oder Souss-Tamazight, ist eine Berbersprache Marokkos. Die Eigenbezeichnung lautet je nach Dialekt tašǝlḥit, tašǝlḥᵃit oder tašǝlḥiyt. Ihr historischer Sprachraum liegt in Südmarokko, besonders um Essaouira, Marrakesch, Agadir, Tiznit, Taroudannt und Ouarzazate. Viele Sprecher beherrschen zusätzlich Arabisch und Französisch. Auch in der Diaspora, vor allem in Frankreich und Belgien, wird die Sprache gepflegt.

Die Sprecherzahl wird auf etwa 6 bis 8 Millionen geschätzt. Sie ist unsicher, weil Taschelhit nach Nordosten fließend in das Zentralatlas-Tamazight übergeht und beide ein Dialektkontinuum bilden. Trifft die Schätzung zu, ist Taschelhit noch vor dem Kabylischen die größte lebende Berbersprache. Der ISO-639-3-Code ist shi; ISO 639-2 verwendet ber für Berbersprachen.

Taschelhit besitzt eine alte Schrifttradition. Berbersprachliche Zeugnisse, die als Frühform gelten, sind seit etwa 1100 n. Chr. belegt. Umfangreichere Werke beginnen mit Muhammad Awzal (1680–1758). Seit den 1970er Jahren entstand neue Literatur; außerdem wurde der Koran in die Sprache übersetzt.

Laute und Aussprache

Das Konsonantensystem umfasst unter anderem die Verschlusslaute t, ṭ, č, k, kw, q sowie b, d, ḍ, ǧ, g, gw und die Reibelaute f, s, š, x, xw, z, ẓ, ž, ɣ, ɣw. Hinzu kommen m, n, l, r, w und y. h sowie die Pharyngale ḥ und ʕ kommen nur in arabischen Wörtern vor. Emphatische Konsonanten wie ṭ, ḍ und ẓ werden mit verengtem Mundraum ausgesprochen und verändern die Klangfarbe benachbarter Vokale. ṭ und q erscheinen meist gelängt als ṭṭ und qq; arabische Fremdwörter verursachen jedoch Ausnahmen.

Es gibt nur vier Vokale: a, i, u und ǝ. Eine bedeutungsunterscheidende Vokallänge besteht nicht. ǝ ist stets kurz, während a, i und u mittellang sein können.

Der Murmelvokal ǝ erleichtert schwer aussprechbare Konsonantengruppen. Seine Position ist weitgehend vorhersagbar, weshalb er teilweise nicht als eigenständiges Phonem betrachtet wird. In der Formenbildung kann er seine Position wechseln: fǝhmǝɣ „ich habe verstanden“, aber ifhǝm „er hat verstanden“; tǝskǝrt „du tust“, aber tǝskǝrm „ihr tut“. Er steht nie in einer offenen Silbe und wird bevorzugt vor besonders sonoren Konsonanten wie m, n, r oder l eingefügt. Daher heißt es skǝr „tun“, aber sǝrs „legen“. Die Betonung gilt als wenig bedeutsam und wird selten notiert.

Pronomen und Substantive

Die Personalpronomen unterscheiden außer in der 1. Person Singular meist das Genus. Neben selbständigen Formen wie nəkki „ich“, kiyyi „du“ (maskulin), kəmmi „du“ (feminin), nətta „er“ und nəttat „sie“ gibt es besondere Suffixreihen nach Präpositionen, für Besitz sowie für Akkusativ und Dativ.

Substantive sind maskulin oder feminin. Maskulina beginnen meist mit a- oder i-, seltener mit u- oder wa-. Feminina besitzen gewöhnlich das Präfix t- und beginnen daher mit ta-, ti- oder tu-; meist enden sie zusätzlich auf -t. Beispiele sind afullus „Hahn“ – tafullust „Huhn“ und izǝm „Löwe“ – tizǝmt „Löwin“. Das Femininum kann auch ein einzelnes Exemplar gegenüber einem Kollektiv oder ein Diminutiv bezeichnen: aẓalim „Zwiebel(n)“ – taẓalimt „eine Zwiebel“, afus „Hand“ – tafust „Händchen“.

Arabische Lehnsubstantive tragen meist nicht die typischen Präfixe. Häufig enthalten sie den ehemaligen arabischen Artikel l-, der assimiliert sein kann, etwa lkas „Glas“, ssuq „Markt“ und nnqwǝrt „Silber“. Taschelhit unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen bestimmten und unbestimmten Substantiven.

Die Pluralbildung ist kompliziert und nur begrenzt vorhersagbar. Häufig stehen maskulines -ǝn und feminines -in; bei Feminina ersetzt -in das singularische -t. Oft wird a- zu i- beziehungsweise ta- zu ti-: adrar „Berg“ – idrarǝn „Berge“, tamɣart „Frau“ – timɣarin „Frauen“. Daneben gibt es Stammvokalwechsel, besondere Endungen und unregelmäßige Formen, etwa afus – ifassǝn „Hände“, tiṭṭ – allǝn „Augen“ und aydi – iḍan „Hunde“. Arabische Lehnwörter bewahren häufig arabische Plurale wie lktab – lktub „Bücher“. Wörter wie aman „Wasser“, idammǝn „Blut“ und lflus „Geld“ kommen nur im Plural vor.

Der état d’annexion, der „verbundene Status“, ist eine besondere Substantivform. Er steht beim Subjekt unmittelbar nach dem Verb sowie nach Präpositionen und der Genitivpartikel n. Er wird vor allem am Wortanfang gebildet: a- wird meist zu u-, ta- zu t(ǝ)-, zum Beispiel argaz – i-urgaz „dem Mann“ und tamɣart – i-tǝmɣart „der Frau“. Manche zum Stamm gehörenden Vokale bleiben erhalten; maskuline Wörter können dann w- oder y- erhalten. Wörter ohne reguläres Präfix, besonders arabische Lehnwörter, bleiben unverändert.

Besitz, Demonstrativa und Adjektive

Demonstrativa sind unveränderliche Suffixe am Substantiv. -ad bedeutet „dieser/diese/dieses“ und gilt für beide Numeri: afrux-ad „dieser Junge“, tifrax-ad „diese Mädchen“.

Bei nominalem Besitz folgt der Besitzer stets auf das Besitzwort. Vor ihm steht n „von“, und er erscheint im état d’annexion: aydi n-urgaz „der Hund des Mannes“. Bei einem pronominalen Besitzer werden Possessivsuffixe verwendet: agwmar-inu „mein Pferd“, agwmar-ǝnnǝk „dein Pferd“. Verwandtschaftswörter wie baba „mein Vater“, imma „meine Mutter“, iwi „mein Sohn“, illi „meine Tochter“, gwma „mein Bruder“ und ultma „meine Schwester“ enthalten in ihrer Grundform bereits „mein“. Vor pluralischen Possessivsuffixen wird -t- eingeschoben: baba-t-nǝɣ „unser Vater“.

Adjektive bilden zwei Gruppen. Verbartige Adjektive wie məqqur „groß sein“ erhalten als Prädikat die Personalaffixe eines Verbs: iməqqur ufrux-ad „dieses Kind ist groß“. Attributiv folgen sie als Partizip auf das Bezugswort: argaz iməqqurən „der große Mann“.

Substantivartige Adjektive, besonders Farbadjektive, unterscheiden Genus und Numerus: awraɣ „gelb“ hat etwa die Formen iwraɣǝn, tawraɣt und tiwraɣin. Sie folgen dem Bezugswort und stimmen mit ihm überein: afullus umlil „der weiße Hahn“, tafullust tumlilt „das weiße Huhn“. Prädikativ werden sie mit der Kopula ga verbunden: tafullust tga tumlilt „das Huhn ist weiß“.

Verben und ihre Formen

Der Imperativ Singular entspricht dem kürzesten Verbstamm. Die Pluralendungen sind -at für Maskulina und -amt für Feminina: skǝr „tu!“, skrat beziehungsweise skramt „tut!“. Verben tragen einheitliche Personalaffixe, die teils vor, teils hinter dem Stamm stehen und das Subjekt eindeutig kennzeichnen. Deshalb kann ein selbständiges Subjektpronomen meist entfallen. Beispiele mit skǝr „tun“ sind skrǝɣ „ich tat“, tǝskǝrt „du tatest“, iskǝr „er tat“, nǝskǝr „wir taten“ und skrǝn „sie taten“.

Die wichtigsten Stammformen sind Aorist, Präteritum, negiertes Präteritum und Durativ. Ihre Bildung hängt von der Verbklasse ab. Bei vielen dreikonsonantigen Verben sind Aorist und Präteritum gleich; das negierte Präteritum fügt vor dem letzten Konsonanten i ein: iskǝr „er tut/tat“, ur iskir „er tat nicht“. Der Durativ ist besonders vielfältig. Er kann einen Konsonanten verdoppeln, a einfügen oder tt- voranstellen: inkǝr – ar inǝkkǝr „aufstehen“, iskǝr – ar iskar „tun“, issǝn – ar ittǝssǝn „wissen“. Weitere Klassen zeigen variable Endvokale, Ablaut oder unregelmäßige Formen, etwa iẓǝr „sehen“ – iẓra – ur iẓri – iẓǝrra sowie išš „essen“ – išša – ur išši – ar išǝtta.

Der einfache Aorist besitzt keine eigene Tempusbedeutung, sondern führt gewöhnlich das Tempus eines vorherigen Verbs fort. Mit ad- bildet er eine Wunsch- oder abhängige Form: ad-ftun „sie sollen gehen“. Nach Modalverben entspricht ad- ungefähr „dass“: riɣ a-iftu „ich wollte, dass er geht“. Mit r-ad- entsteht das Futur: azǝkka r-ad-ftuɣ s-ǝssuq „morgen werde ich auf den Markt gehen“.

Der Durativ wird normalerweise mit ar verwendet und bezeichnet eine gerade ablaufende oder wiederholte Handlung: ar išǝtta „er isst gerade; er isst gewöhnlich“. Durativstämme können auch andere Formen bilden, etwa kkat „schlage wiederholt!“.

Das Partizip entspricht häufig einem Relativsatz, dessen Bezugswort zugleich Subjekt ist. Das Präteritalpartizip besteht im Singular aus der 3. Person Singular maskulin plus -n, im Plural aus der 3. Person Plural maskulin plus -in: iskrǝn „der/die tat“, skǝrnin „die taten“. Manche Sprecher verwenden nur die Singularform. Das Futurpartizip wird mit r-a- und dem Aorist gebildet; auch der Durativ besitzt Partizipien.

Satzbau, Fragen und Wortschatz

Die normale Reihenfolge im Verbalsatz ist Verb–Subjekt–Objekt oder Subjekt–Verb–Objekt. Folgt das Subjekt dem Verb, steht es im état d’annexion; davor steht es im état libre: ifta urgaz oder argaz ifta „der Mann ging“. Ein nominales direktes Objekt bleibt unmarkiert im état libre. Pronomen werden als Objektsuffixe angefügt: fǝhmǝɣ-k „ich habe dich verstanden“. Der nominale Dativ steht mit i; pronominale Dativsuffixe stehen am Verb und vor einem zusätzlichen Akkusativsuffix: fk-as-tǝn „gib sie ihm/ihr!“.

Einfache Präpositionen verlangen den état d’annexion oder besondere Pronominalsuffixe: ɣ „in“, gi-s „in ihm“; s „zu“, sǝr-s „zu ihm“. Arabische Präpositionen wie bla „ohne“ verlangen dagegen den état libre und Possessivsuffixe: bla argaz „ohne den Mann“, bla-nu „ohne mich“. Komplexpräpositionen verbinden Präpositionen mit Lokalausdrücken, etwa ɣ-wammas n-waman „inmitten des Wassers“.

Im Nichtverbalsatz dient ga als Kopula: tgit lǝkddab „du bist ein Lügner“. Bei Ortsangaben steht ili „sein“: afrux illa ɣ-tgǝmmi „das Kind ist im Haus“. Die Negation ur steht vor dem Verb und löst im Präteritum oft einen besonderen Stamm aus. Der Imperativ kann nicht direkt verneint werden; ihn ersetzt ad-ur mit der Wunschform: ad-ur-tǝskǝrt „tu nicht!“.

Relativsätze kennzeichnen das Bezugswort meist mit -ǝlli. Ist es zugleich Subjekt, steht ein Partizip; ist es Objekt, folgt die normale Verbform. Präpositionen werden an den Anfang des Relativsatzes gezogen. Eine Fokuskonstruktion besteht aus fokussiertem Element, Kopula ad und Partizip. Auch Wortfragen müssen diese Form haben: m a innan awal-ad „wer hat dieses Wort gesagt?“ Ist das Fragewort Objekt, steht kein Partizip. Satzfragen beginnen mit is: is tǝftit s-ǝssuq iḍgam „bist du gestern auf den Markt gegangen?“

Objekt- und Dativsuffixe sowie Präpositionen mit Personalsuffix gelten als Enklitika und besetzen grundsätzlich die zweite Satzposition. Daher wird fǝhmǝɣ-k „ich habe dich verstanden“ bei Negation zu ur-k fhimǝɣ.

Zum Grundwortschatz gehören yan „eins“, sin „zwei“, kraḍ „drei“, aman „Wasser“, argaz „Mann“, tamɣart „Frau“, afus „Hand“, əfk „geben“, ftu „gehen“ und ssən „wissen“. Neben vielen arabischen Lehnwörtern besitzt Taschelhit antike lateinische Entlehnungen, besonders aus der Landwirtschaft, etwa tafarnut „Backofen“ aus furnus, abaw „Bohne“ aus faba, igər „Feld“ aus ager und urti „Garten“ aus hortus. Auch alle zwölf Monatsnamen sind entlehnt: innayr, brayr, mars, ibril, mayyuh, yunyuh, yulyuz, ɣušt, šutanbir, ktubər, nuwanbir und dužanbir.

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