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Supply-Chain-Risikomanagement

Supply-Chain-Risikomanagement wird typischerweise in die Phasen Identifizierung, Bewertung, Steuerung und Überwachung eingeteilt. Gegenstand des Supply-Chain- …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Ablauf
  2. 2. Risiken außerhalb des Unternehmens
  3. 3. Interne Risiken und Bedeutung von Bauteilen
  4. 4. Risiken verringern und Lieferanten steuern
  5. 5. Entwicklungstendenzen

Aufgabe und Ablauf

Supply-Chain-Risikomanagement (SCRM) ist ein Teil des Supply-Chain-Managements. Es befasst sich mit Risiken in komplexen, dynamischen Lieferanten- und Kundennetzwerken. Gemeint ist die Umsetzung von Strategien für Alltags- und Ausnahmerisiken entlang der gesamten Lieferkette. Grundlage ist eine kontinuierliche Risikobewertung. Ziel ist, die Anfälligkeit der Lieferkette zu verringern und ihren Fortbestand zu gewährleisten.

Typischerweise gliedert sich SCRM in vier Phasen:

  • Identifizierung: Ursachen möglicher Störungen werden erkannt. Risikoobjekte sind in der Regel Lieferanten, Staaten und einzelne Standorte; in besonderen Fällen werden auch Transportmittel wie Schiffe als Transportrisiko überwacht.
  • Bewertung: Für ein Risiko werden Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß bewertet. Diese Werte sollen nicht einfach miteinander multipliziert werden, weil Alltags- und Ausnahmerisiken unterschiedlich gesteuert werden müssen.
  • Steuerung: Hier findet das eigentliche Risikomanagement statt. Ausnahmerisiken werden häufig durch Versicherungen gesteuert. Bei Alltagsrisiken kommen veränderte Prozesse, zusätzliche Lieferanten oder höhere Bestände in Betracht.
  • Überwachung: Viele Risiken lassen sich erst managen, wenn Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar werden. Deshalb ist die fortlaufende Überwachung besonders wichtig.

Risiken außerhalb des Unternehmens

Exogene Risiken entstehen außerhalb des Unternehmens und sind daher meist nicht direkt beeinflussbar. Dazu gehören Rechtsrisiken: Werden Materialien aus einem anderen Land geliefert, gelten dessen Gesetzesgrundlagen. Bei Rechtsstreitigkeiten müssen die jeweiligen Landesvorschriften berücksichtigt werden. Neue Zollanforderungen sowie Import- und Exportkontrollen können die Lieferkette beeinträchtigen. Sie können etwa dazu führen, dass ein notwendiges Bauteil guter Qualität nicht mehr einfach oder innerhalb der Kosten bezogen werden kann.

Wichtig sind auch moralische Standards, etwa Kinderarbeit, Mindestlöhne, soziale Gerechtigkeit sowie Gesundheits- und Umweltschutz. Diese Standards sind hier gesetzlich verankert, gelten jedoch in manchen anderen Ländern nicht.

Weitere externe Risiken betreffen Natur und Umwelt, insbesondere Hurrikane, Terrorismus, Erdbeben, Tsunami und Seuchen. Störungen können das gesamte Unternehmen, Aktienkurse und die mögliche Gewinnbetrachtung beeinflussen. Zerstörte oder nicht verfügbare Rohstoffe können zudem die Produktqualität beeinträchtigen.

Zum externen Marktrisiko zählt eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage eines Landes. Sie kann das Kaufverhalten der Kundschaft verändern oder Zulieferer in Schwierigkeiten bringen. Dadurch kann die eigene Produktion belastet oder gestoppt werden; hohe Einbußen und ganze Auftragsverluste sind möglich.

Interne Risiken und Bedeutung von Bauteilen

Endogene Risiken liegen in der Lieferkette beziehungsweise im Unternehmensumfeld. Viele Lieferanten oder eine globale Zusammensetzung machen die Lieferkette komplex und schnell intransparent. Zahlreiche Unterlieferanten können logistische Schwierigkeiten und Zeitverzögerungen verursachen. Klimaschwankungen oder Erschütterungen beim Transport können Bauteile beeinträchtigen; mangelhafte Bauteile verschlechtern wiederum die Qualität des Endprodukts. Mit einem höheren Anteil manueller Fertigungsschritte steigt das Fehlerrisiko.

Besonders riskant ist die Abhängigkeit von Single-Source-Lieferanten, also von Lieferanten, die ein Bauteil allein liefern. Ausfälle, Störungen oder unzureichende Qualität lassen sich dann nicht ohne Weiteres durch andere Lieferanten auffangen. Die zunehmende Spezialisierung von Unternehmen begrenzt zusätzlich die Auswahl an Alternativen. Zur finanziellen Risikoseite gehört die Solidität eines Lieferanten: Insolvenz oder Bankrott können dazu zwingen, unter hohem Zeitdruck einen neuen Produktionsprozess zu entwickeln, wodurch die Qualität leiden kann. Fehlende Mengentreue kann den Rückgriff auf weniger qualitative Bauteile nötig machen. Große Unternehmen können Schäden bei Störungen zurückfordern; kleinere Lieferanten können diese unter Umständen nicht abdecken.

Kritische Ereignisse sind Inhaber- oder Managerwechsel, Lieferantenwechsel zu noch nicht einschätzbaren oder wenig erfahrenen Lieferanten, neue Produkte und Prozesse, starke Volumen- und Abrufschwankungen sowie hohe Personalfluktuation. Bei häufigem Personalwechsel gehen Informationen und Know-how verloren; mangelhafte Qualifikation oder Absprachefehler können die Qualität beeinträchtigen.

Für die Risikoeinschätzung ist entscheidend, wie wichtig ein Bauteil für das Endprodukt ist. Eine ABC-Risikobewertung kann dabei helfen. Bauteile, die die Produktsicherheit beeinflussen, dürfen keine Qualitätsmängel haben; ihre Qualität muss nachweislich gesichert sein. Gleiches gilt besonders für Bauteile, deren Ausfall Funktionsausfälle oder Produktionsstillstände verursachen kann. Außerdem sind verschiedene Szenarien, Haftungsbedingungen, Verfahren und Verantwortlichkeiten im Schadensfall sowie Exklusivitätsvereinbarungen oder andere wettbewerbsmindernde Bedingungen zu beachten.

Risiken verringern und Lieferanten steuern

Zur Risikominimierung sollen Zulieferer und Hersteller eng zusammenarbeiten. Lieferanten sollten bereits in die Produktentwicklung einbezogen werden, damit Risiken verringert sowie Qualität nachhaltig gesichert und gesteigert werden kann. Transparenz, Vertrauen und Zuverlässigkeit beider Vertragspartner sind dafür wichtig.

Prüfpläne und Abnahmekriterien, beispielsweise konkrete Checklisten, schaffen eindeutige Maßstäbe für Qualitätsanforderungen. Die Nachverfolgbarkeit muss sichergestellt sein. Rahmenverträge begrenzen Risiken für Hersteller und Lieferanten, und klar strukturierte Abläufe sollen Unstimmigkeiten vermeiden. Wenn Fehler einzelner Bauteile im Folgeprozess nicht mehr nachweisbar sind, müssen Qualitätsprüfungen vorab erfolgen. Regelmäßige Audits dienen der Qualitätssicherung in der laufenden Produktion.

Ein gut organisiertes Lieferantenmanagement hat eine Schlüsselfunktion. Beurteilt werden unter anderem Erfahrung, Qualifikation und Ausstattung für einzelne Bauteile. Zertifikate und Belege zum Qualitätsniveau können verlangt werden; Erfahrungen aus früherer Zusammenarbeit und Kundenreferenzen fließen in die Gesamtbewertung ein. Wichtige Kriterien sind Termintreue, Mengentreue, Flexibilität, hoher Qualitätsstandard und ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch Standort, Transportmöglichkeiten, Kooperation bei Beanstandungen, Reaktionszeiten und Zahlungsmöglichkeiten sind relevant. Das Lieferantenmanagement sollte auf Unterlieferanten ausgeweitet werden; Zertifizierungen können helfen.

Verhandlungen setzen eine starke Verhandlungsposition und gründliche Vorbereitung voraus. Schwellenwerte für Angebotspreis ("ASK") und Nachfragepreis ("BID") sollen vorher festgelegt, begründet und gegen mögliche Gegenargumente abgesichert werden. Ziel ist eine bessere Risikoposition und damit ein geringeres Beschaffungsrisiko. Verbleibende Risikolücken sollen in künftigen Verhandlungen weiter sinken. Nach Vertragsabschluss werden Vertragsmanagementsystem, kontinuierliche Vertragsüberwachung und regelmäßige Kontrolle der Risikoposition empfohlen.

Entwicklungstendenzen

Studien und Umfragen weisen auf eine steigende Gefährdung durch zunehmend komplexe Lieferketten hin. Häufigeres Outsourcing sowie Lieferanten aus vielen Ländern im Zuge der Globalisierung erschweren den einfachen, direkten Kontakt zwischen Lieferant und produzierendem Unternehmen. Unterschiede im Qualifikationsniveau von Mitarbeitenden in unteren Tätigkeitsbereichen der Lieferantenkette können ebenfalls die Produktqualität beeinflussen.

Als Zukunftstrends werden der zunehmende Rückgriff auf Outsourcing, Kooperation und Single Sourcing genannt. Fast 40 % der Unternehmen klagen über die schlechte Qualität von Bauteilen ihrer Lieferanten. Als wesentliche Ursache gelten Schwächen im Management großer Lieferantennetzwerke. Lieferanten müssen außerdem parallel, schnell und genau über verlangte Änderungen informiert werden. Insgesamt hängt die Lieferkette eng mit der Qualität eines Produkts zusammen.

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