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Sturmhöhe

Sturmhöhe (Originaltitel: Wuthering Heights [ˈwʌðərɪŋ ˈhaɪts]) ist der einzige Roman der englischen Schriftstellerin Emily Brontë (1818–1848).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Handlung
  3. 3. Figuren und Beziehungen
  4. 4. Erzählweise und Aufbau
  5. 5. Deutung und Hintergrund
  6. 6. Rezeption und Nachwirkung

Überblick und Bedeutung

„Sturmhöhe“ ist der einzige Roman der englischen Schriftstellerin Emily Brontë (1818–1848). Er erschien 1847 unter dem Pseudonym Ellis Bell. Das viktorianische Publikum lehnte den Roman weitgehend ab; heute gilt er als Klassiker der britischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts.

Der Originaltitel lautet „Wuthering Heights“. Im Mittelpunkt stehen die Familien Earnshaw und Linton sowie das Findelkind Heathcliff. Erzählt wird eine Geschichte über Liebe, soziale Ausgrenzung, Rache, Besitz, Erbrecht und zerstörerische Abhängigkeiten über drei Generationen hinweg. Die wichtigsten Schauplätze sind der raue Gutshof Wuthering Heights auf den Hochmooren von Yorkshire und das kultiviertere Herrenhaus Thrushcross Grange im fruchtbaren Tal.

Handlung

Mr. Earnshaw findet den etwa sechsjährigen Heathcliff auf den Straßen Liverpools und nimmt ihn mit nach Wuthering Heights. Dort wächst Heathcliff mit Earnshaws Kindern Hindley und Catherine auf. Die Haushälterin Ellen Dean, genannt Nelly, kümmert sich um ihn und wird für ihn zu einer Art Mutterersatz. Hindley hasst Heathcliff und demütigt ihn besonders nach dem Tod des alten Earnshaw. Catherine dagegen fühlt sich Heathcliff tief verbunden: Beide sind wild, leidenschaftlich und werden von Hindley unterdrückt.

Nach dem Tod seiner Frau Frances verfällt Hindley dem Alkohol, dem Glücksspiel und der Vernachlässigung seines Sohnes Hareton. Catherine erhält einen Heiratsantrag von Edgar Linton, dem Erben von Thrushcross Grange. Sie entscheidet sich für Edgar, weil die Ehe ihr sozialen Aufstieg und den Ausweg aus den schlechten Verhältnissen auf Wuthering Heights verspricht. Heathcliff hört zufällig, dass Catherine eine Ehe mit ihm als gesellschaftliche Schande bezeichnet, obwohl sie Edgar innerlich wenig bedeutet. Gekränkt verlässt er die Gegend. Catherine erleidet daraufhin eine schwere Nervenkrise und heiratet später Edgar.

Drei Jahre später kehrt Heathcliff reich und äußerlich verändert zurück. Die alte Nähe zwischen ihm und Catherine flammt wieder auf, doch Catherine ist schwanger und will ihre Ehe nicht aufgeben. Heathcliff beginnt aus Groll mit seiner Rache an den Familien Earnshaw und Linton. Er heiratet Edgars Schwester Isabella, misshandelt sie und verschärft so den Konflikt mit Edgar. Catherine zerbricht daran und stirbt bei der Geburt ihrer Tochter Cathy.

Isabella flieht schwanger nach London und bringt den kränklichen Sohn Linton zur Welt. Heathcliff ruiniert Hindley und bringt Wuthering Heights in seinen Besitz. Hindleys Sohn Hareton zieht er ohne Bildung und in bäuerlichen Verhältnissen auf, misshandelt ihn aber nicht so wie Hindley einst Heathcliff. Hareton entwickelt sogar Zuneigung zu Heathcliff.

Nach Isabellas Tod nimmt Heathcliff seinen Sohn Linton zu sich. Jahre später bringt er die junge Cathy dazu, Linton zu treffen, und zwingt sie schließlich zur Ehe mit ihm. Dadurch gelangt Heathcliff nach dem Tod von Edgar und Linton mithilfe des damaligen männlichen Erbrechts in den Besitz beider Häuser. Er wird Herr über Wuthering Heights und Thrushcross Grange.

Der Mieter Lockwood erlebt auf Wuthering Heights eine unheimliche Nacht, in der ihm der Geist Catherine Earnshaws am Fenster erscheint und um Einlass fleht. Als Heathcliff davon erfährt, verändert sich sein Zustand. Sein Rachewille lässt nach, und er verhindert nicht mehr, dass Cathy Hareton bildet und sich beide näherkommen. Am Ende stirbt Heathcliff entkräftet und ekstatisch; das Fenster an seinem Bett steht offen. Für Cathy und Hareton deutet sich eine versöhnlichere Zukunft an.

Figuren und Beziehungen

Heathcliff ist vermutlich ein Waisenkind unbekannter Herkunft. Sein Aussehen wird als fremd gegenüber der englischen Gesellschaft beschrieben; offen bleibt, ob er Romani, südasiatischer oder afrokaribischer Herkunft ist. Er hat keinen Nachnamen, sondern nur den Rufnamen Heathcliff. Als Kind wird er ausgegrenzt und gedemütigt, später wird er selbst zum Täter, der die Familien Earnshaw und Linton beherrscht und quält.

Catherine Earnshaw (1765–1784) ist Heathcliffs wichtigste Bezugsperson. Sie fühlt sich ihm seelenverwandt und sagt: „Ich bin Heathcliff“. Zugleich zieht sie der gesellschaftliche Status Edgar Lintons an. Ihre Entscheidung für Edgar trennt sie von Heathcliff und löst die zentrale Katastrophe des Romans aus.

Edgar Linton (1762–1801) steht für die kultiviertere Welt von Thrushcross Grange. Catherine heiratet ihn statt Heathcliff wegen seines höheren sozialen Status. Isabella Linton (1765–1797), Edgars Schwester, verliebt sich in Heathcliff, wird von ihm aber nur als Mittel seiner Rache benutzt. Sie flieht nach London und bringt Linton zur Welt.

Hindley Earnshaw (1757–1784) ist Catherines älterer Bruder. Er hasst Heathcliff, erniedrigt ihn und verliert nach dem Tod seiner Frau Frances immer stärker die Kontrolle über sich und seinen Besitz. Sein Sohn Hareton (* 1778) wird von Heathcliff absichtlich ohne Bildung aufgezogen, entwickelt aber später durch Cathy ein neues Selbstbewusstsein.

Cathy Linton (* 1784), die Tochter von Catherine und Edgar, ist intelligent, liebevoll und eigenwillig. Heathcliff zwingt sie zur Ehe mit seinem Sohn Linton Heathcliff (1784–1801), um Thrushcross Grange zu erlangen. Linton ist schwächlich, eigennützig und krank; kurz nach der Hochzeit stirbt er.

Nelly Dean ist die wichtigste Erzählerin der Familiengeschichte. Als langjährige Haushälterin kennt sie beide Familien genau und ist in viele Vorgänge verwickelt. Mr. Lockwood ist der zweite Ich-Erzähler: Er mietet 1801 Thrushcross Grange und gibt den äußeren Rahmen der Erzählung.

Erzählweise und Aufbau

Der Roman wird vor allem durch zwei Ich-Erzähler vermittelt. Lockwood berichtet als gebildeter Städter und Mieter von Thrushcross Grange über seine Erlebnisse in Yorkshire. Seine Darstellung wirkt tagebuchartig und bildet den Rahmen: Er setzt 1801 am Anfang und 1802 am Ende an.

Die eigentliche Familiengeschichte erzählt Nelly Dean. Sie war über lange Zeit Haushälterin bei den Earnshaws und Lintons und kennt die Beteiligten aus nächster Nähe. Streng genommen lesen die Leser aber nicht direkt Nellys Bericht, sondern Lockwoods Wiedergabe dessen, was Nelly ihm erzählt hat. Dadurch entsteht eine verschachtelte Erzählform: Erzähltes wird nochmals erzählt.

Diese Struktur schafft Abstand zu den Ereignissen und lässt vieles mehrdeutig. Emily Brontë gibt keine eindeutige moralische Bewertung vor. Die Leser müssen selbst beurteilen, wie zuverlässig Nellys Deutungen sind und wie Heathcliff, Catherine und die anderen Figuren zu verstehen sind.

Der Aufbau beginnt kurz vor dem Ende der Handlung: Lockwood erlebt auf Wuthering Heights eine Atmosphäre von Misstrauen und Spannung. Danach folgt Nellys lange Rückschau auf die Vergangenheit. Am Schluss tritt Lockwood erneut auf, als sich die Konflikte gelöst haben und Cathy und Hareton eine gemeinsame Zukunft erwarten. Trotz der verschachtelten Form ist die Handlung eng verknüpft; scheinbare Nebensächlichkeiten werden später wichtig.

Deutung und Hintergrund

„Sturmhöhe“ wurde sehr unterschiedlich interpretiert. Frühe Kritiker sahen Heathcliff oft als Monster oder satanische Figur. Eine sozialkritische Deutung versteht ihn dagegen als Findelkind aus den Slums Liverpools, als Rächer der Unterprivilegierten und sozialen Rebellen, der später selbst zum Unterdrücker wird. Als innerlich zerrissener, intelligenter Antiheld gilt er außerdem als Beispiel des Byronschen Helden: einer Figur, die leidenschaftlich, widersprüchlich und moralisch problematisch handelt.

Eine wichtige naturmystische Deutung sieht Heathcliff nicht nur als Einzelperson, sondern als Verkörperung elementarer Naturgewalten. Sein Name kann als „Heidklippe“ verstanden werden, und er erscheint eng mit der wilden Moorlandschaft und Wuthering Heights verbunden. Die Beziehung zwischen Catherine und Heathcliff wird dabei weniger als gewöhnliche Liebesgeschichte verstanden, sondern als Seelenverwandtschaft. Catherines Heirat mit Edgar erscheint als Bruch dieser natürlichen Einheit.

Der Roman enthält auch Elemente des Schauerromans, etwa Geistererscheinungen und die Vorstellung, dass die Toten in die Welt der Lebenden eingreifen. Lockwoods Vision von Catherines Geist und Heathcliffs spätere Besessenheit von ihr gehören dazu. Zugleich wurden diese mystischen Elemente als Vorgriff auf spätere Formen wie den Magischen Realismus gedeutet.

Moderne Interpretationen ergänzen diese Sicht psychologisch. Heathcliff erscheint dann als traumatisierter Mensch, dessen Ausgrenzung und Misshandlung zu asozialem und grausamem Verhalten beitragen. Seine Gewalttätigkeit wird dadurch nicht entschuldigt, aber erklärbar gemacht. Der Artikel nennt außerdem eine Parallele zu Shakespeares Macbeth: Beide Figuren werden grausam, hängen an einer idealisierten Frau, leiden unter Visionen und Schlaflosigkeit und erleben am Ende eine Art ekstatische Erlösung.

Der historische Hintergrund ist besonders für den zweiten Teil wichtig. Im Großbritannien des 19. Jahrhunderts galt ein überwiegend männliches Erb- und Eigentumsrecht. Eigentum ging im Todesfall grundsätzlich an den nächsten männlichen Verwandten über; Frauen verloren eigenes Vermögen bei der Heirat meist an den Ehemann. Dadurch kann Heathcliff sich durch Heiraten und erzwungene Verwandtschaftsbeziehungen in die Erbfolge der Lintons einbringen und schließlich beide Güter kontrollieren.

Rezeption und Nachwirkung

Im 19. Jahrhundert war „Wuthering Heights“ umstritten. Zeitgenössische Kritiken bemängelten, dass keine Figur vollständig sympathisch sei und man sich mit den Charakteren kaum identifizieren könne. Die verschachtelte Handlung wurde teils als verwirrend kritisiert, teils als kunstvolle Balance gelobt. Auch die Sprache wurde gegensätzlich bewertet: als gestelzt und melodramatisch oder als vielstimmig und authentisch.

Gelobt wurden die drastische Darstellung des Bösen in der menschlichen Natur und die sehr sorgfältig konstruierte Handlungsstruktur. Manche Kritiker sahen den Roman im Geist Shakespeares: eine gesteigerte, intensive Handlung mit mystischen Elementen und extrem handelnden, zugleich menschlich realistischen Figuren. Bis heute reichen die Urteile von Meisterwerk und Kulturgut des Viktorianischen Zeitalters bis zu überschätztem Kuriosum.

Der Roman wurde mehrfach ins Deutsche übersetzt, unter anderem 1851 als „Wutheringshöhe“, 1908 als „Der Sturmheidhof“ bzw. „Sturmhöhe“, 1941 als „Umwitterte Höhen“ und später wiederholt unter dem Titel „Sturmhöhe“. Außerdem wurde er illustriert, etwa 1924 von Percy Tarrant, 1931 von Clare Leighton, 1935 von Balthus und 1943 von Fritz Eichenberg.

„Sturmhöhe“ wurde vielfach adaptiert: in Opern, Songs, Hörspielen, Hörbüchern, Kinofilmen, Fernsehfilmen und literarischen Fortsetzungen oder Variationen. Besonders bekannt ist Kate Bushs Lied „Wuthering Heights“ von 1978. Viele Verfilmungen beschränken sich auf die erste Hälfte des Romans bis zu Catherine Earnshaws Tod; einige Fassungen umfassen die gesamte Handlung, darunter die Verfilmungen von 1920, 1967, 1978, 1992, 1998 und 2009.

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