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Steffen Schleiermacher
Von 1985 bis 1988 arbeitete Schleiermacher als Assistent für Tonsatz, Gehörbildung und Neue Musik an der Leipziger Musikhochschule. Mitte der 1980er …
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Profil und Bedeutung
Steffen Schleiermacher (* 3. Mai 1960 in Halle (Saale)) ist ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Als Pianist spielte er zahlreiche CDs mit Musik des 20. und frühen 21. Jahrhunderts ein. Seine Arbeit verbindet Komposition, Interpretation und die Vermittlung zeitgenössischer Musik durch Konzerte, Konzertreihen, Festivals und Aufnahmen.
Besonders wichtig ist seine Beschäftigung mit Neuer Musik. Von 1996 bis 2003 spielte er das gesamte Klavierwerk von John Cage ein, von 1999 bis 2003 außerdem das gesamte Klavierwerk von Erik Satie. Insgesamt erschienen rund 60 CD-Aufnahmen bei den Labels Hathut, WERGO sowie Musikproduktion Dabringhaus & Grimm. Zudem widmete er sich intensiv der Wiener Schule und ihrem Umfeld und trug zur Wiederentdeckung von Josef Matthias Hauer, Leo Spies und Dane Rudhyar bei.
Ausbildung und musikalische Laufbahn
Schleiermacher erhielt mit sechs Jahren seinen ersten Klavierunterricht und wurde zusätzlich in Gehörbildung und Musiktheorie unterrichtet, teilweise an der städtischen Musikschule. Von 1968 bis 1978 sang er im Stadtsingechor zu Halle unter Dorothea Köhler. Nach dem Abitur 1978 bewarb er sich erfolgreich an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, nachdem sein ursprünglicher Wunsch, Architektur zu studieren, nicht verwirklicht worden war.
Ab 1980 studierte er in Leipzig Klavier bei Gerhard Erber. Dieser machte ihn mit Neuer Musik von Karlheinz Stockhausen, Charles Ives und John Cage vertraut. In seinem Examen spielte Schleiermacher Werke von Pierre Boulez, Luciano Berio, Karlheinz Stockhausen und Friedrich Goldmann. 1982 begann er ein Kompositionsstudium bei Siegfried Thiele, 1983 setzte er es bei Friedrich Schenker fort. Seine ersten Stücke komponierte er im Alter von zweiundzwanzig Jahren. Zusätzlich nahm er ab 1983 Dirigierunterricht bei Günter Blumhagen.
Von 1984 bis 1988 leitete Schleiermacher das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Hochschulensemble Gruppe Junge Musik. Von 1985 bis 1988 war er Assistent für Tonsatz, Gehörbildung und Neue Musik an der Leipziger Musikhochschule. 1986 besuchte er die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt; 1986/87 studierte er als Meisterschüler für Komposition bei Friedrich Goldmann an der Akademie der Künste in Berlin (Ost). 1989/90 absolvierte er als Stipendiat des Deutschen Musikrates ein Zusatzstudium für Klavier bei Aloys Kontarsky an der Hochschule für Musik Köln.
Seit 1988 leitete er am Gewandhaus in Leipzig die Konzertreihe Das neue Werk, die ab 1990 musica nova hieß. 1989 gründete er unter anderem mit dem Leipziger Streichquartett das Ensemble Avantgarde. 1990 war er Gründungsmitglied des Forums Zeitgenössischer Musik Leipzig. Ab 1991 verantwortete er das Januarfestival für Neue Musik. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen übernahm 2000 der Mitteldeutsche Rundfunk das Festival, verlegte es in den Sommer und führte es als zeitgenössische Reihe KlangRausch im MDR-Musiksommer fort. Schleiermacher leitete diese Reihe bis 2010.
Seit 1989 führten ihn Konzert- und Vortragsreisen in viele Länder Europas, Amerikas und des Fernen Ostens. Er trat unter anderem mit dem Gewandhausorchester, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Münchner Philharmonikern und dem Orchestre de la Suisse Romande auf, teilweise unter Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Ingo Metzmacher, Fabio Luisi und Wladimir Jurowski.
Kompositorisches Schaffen
Schleiermacher komponierte Werke für sehr unterschiedliche Besetzungen. Zu den Einzelinstrumenten gehören Klavierstücke wie Herakles, Bildbeschreibung, Philoktet und Klanglandschaften im Klavier – 12 Stücke für junge Pianisten. Weitere Werke sind klavier und klaviere für Klavier und Tonband, Langenbogener Ouvertüre – mit G.F.H. und Merseburger Ouvertüre – mit F.L. für Orgel sowie Nadie nos ha visto (to Goya) für Gitarre.
Für Kammerensembles schrieb er unter anderem Festgefressen für Streichquartett, Heracleum für Saxophonquartett, Druckluft für fünf Flöten, Echoes für fünf Klaviere, Obophon solo für sechs Oboen, Acht! für vier Hörner und vier Schlagzeuger sowie Auto Werk mit Hup Raum für Blechbläserensemble, Sampler und Tonband. Weitere Besetzungen reichen von Duo- und Quartettwerken bis zu größeren Ensembles mit Bläsern, Schlagzeug, Klavier, Streichinstrumenten und elektronischen Mitteln. Die Reihe Trotz Reaktion umfasst vier Werke für Kammerensemble aus den Jahren 1994 bis 1997.
Zur mechanischen Musik gehören Kompositionen für Player Piano und MIDI-Keyboard, darunter Four Pieces for two prepared player pianos, Geharnischt! für zwei Player Pianos, SiK2Cl2Mn für Player Piano sowie Fünf Stücke für Jahrmarktsorgel in einer Version für Player Piano. Mechanische Instrumente und elektronische Zuspielungen sind damit eigenständige Bestandteile mehrerer Werke.
Im Bereich der Kammerorchesterwerke stehen unter anderem das Konzert für Viola und Kammerorchester (1987), Kreon – Hommage à Varèse (1987), Sisyphos (1997) und Das Tosen des staunenden Echos (2009). Zu den Orchesterwerken gehören Musik für Pauken und Orchester (1984/85), Stille und Klang (1991), Puls, Farbe, Schatten (1994), Keil für Saxophon und Orchester (1998), GegenBild für Orgel und Orchester (2006), Das Leuchten der singenden Kristalle (2008), Bann. Bewegung – mit Beethovens Erster (2010) und Relief für Orchester (2017).
Seine Vokalwerke umfassen Stücke für Solostimmen, gemischte Chöre, großen Chor, Kinderchor und Instrumentalensemble. Beispiele sind Vier Chöre nach Gedichten von Georg Trakl (1984/85), Psalm 88 (2001), Psalm 62 (2003/2006), Psalm 116 (2010), ATARAXIA für zwei oder vier gemischte Chöre (2008) und Sternloses Licht – eine Hommage an Robert Schumann für großen Chor (2010). Texte stammen unter anderem von Heiner Müller, Sophokles, August Stramm, Franz Fühmann, Meister Eckehart, Seneca, Heraklit und Joseph Christian von Zedlitz. Als Hauptwerk gilt die Kammeroper Kokain (2004) nach einer expressionistischen Novelle von Walter Rheiner.
Einige Kompositionen entstanden als Auftragswerke oder wurden durch bedeutende Orchester und Ensembles uraufgeführt. Kurt Masur dirigierte 1986 die Uraufführung von Musik für Pauken und Orchester mit dem Solisten Karl Mehlig und dem Leipziger Gewandhausorchester. Riccardo Chailly brachte am Gewandhaus GegenBild (2006), Das Leuchten der singenden Kristalle (2008) und Bann. Bewegung – mit Beethovens Erster (2010) zur Uraufführung. Andris Nelsons dirigierte 2018 in seinem Antrittskonzert als Gewandhauskapellmeister erstmals Relief für Orchester (2017). Das Kammerorchesterwerk Kreon – Hommage à Varèse wurde 1987 durch das musica-viva-ensemble dresden unter Hans-Peter Richter uraufgeführt.
Hörspielmusik, Ämter und Auszeichnungen
Im Hörspielbereich wirkte Schleiermacher 1986 bei Märchen aus 1001 Nacht: Sindbad der Seefahrer als Dirigent und Musiker der Staatskapelle Berlin mit. Die Musik stammte von Friedrich Schenker; Regie führte Dieter Wardetzky. 2014 war Schleiermacher an Nachtgeschwister, provisorisch nach Natascha Wodin und Wolfgang Hilbig beteiligt, 2022 an Fallada. Ein Leben im Rausch von Rainald Grebe und Tilla Kratochwil. Beide Produktionen wurden von Ulrich Lampen inszeniert.
Schleiermacher war Mitglied der Konstituierenden Sitzung der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und gehört ihr seitdem an. 1998 wurde er ordentliches Mitglied der Klasse Musik der Sächsischen Akademie der Künste. Im Mai 2018 wurde er in die Sektion Musik der Berliner Akademie der Künste gewählt. Außerdem ist er Vorsitzender der Jury des Hanns-Eisler-Stipendiums der Stadt Leipzig.
Zu seinen frühen Auszeichnungen zählen der Klavier-Preis beim Gaudeamus-Wettbewerb in Rotterdam (1985), der Kranichsteiner Musikpreis für Klavier (1986), das Mendelssohn-Stipendium 1987/88 und der Hanns-Eisler-Preis des Rundfunks der DDR 1989 für das Konzert für Viola und Kammerensemble. Weitere wichtige Förderungen waren das Stipendium des Deutschen Musikrates 1989/90, die Stipendien der Stiftung Kulturfonds 1992/93/94/97, das Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo (1992), das Stipendium der Japan Foundation (1997) und das Stipendium der Cité Internationale des Arts Paris (1999).
Für seine CD-Einspielungen erhielt Schleiermacher mehrfach den ECHO Klassik: 1998 für John Cage: Complete Piano Music Vol. 1, 1999 als Instrumentalist des Jahres für John Cage: Complete Piano Music, 2003 für die editorische Leistung bei John Cage: Complete Piano Music Vol. 1–10, 2013 gemeinsam mit Andreas Seidel für Morton Feldman: Violine und Klavier sowie 2015 für die solistische Einspielung teachers. friends. colleagues. Hinzu kamen der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2002 für John Cage: Complete Piano Music Vol. 1–10 und 2017 für Hanns Eisler: Lieder Vol. 1, der Hörkules 2005 für Die Päpstin, die Auszeichnung Chevalier des arts et lettres (2010) und die Johann Walter Plakette des Sächsischen Musikrats (2018).