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St. Katharina (Wallerfangen)

Die vier Säulen, die aus der Apostelgruppe der Relieftafel herausragen, symbolisieren die vier Grundvollzüge der Kirche: ... katholischen Kirche St.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und historische Entwicklung
  2. 2. Neubau und Restaurierungen
  3. 3. Architektur
  4. 4. Bildprogramme und liturgische Ausstattung
  5. 5. Fenster, Orgel und Glocken
  6. 6. Umfeld, Friedhöfe und Brauchtum

Bedeutung und historische Entwicklung

St. Katharina und St. Barbara ist die katholische Pfarrkirche von Wallerfangen im Saarland und gehört zum Bistum Trier. Ihr Hauptpatrozinium wird am Katharinentag, dem 25. November, gefeiert; zweiter Patroziniumstag ist der Gedenktag der heiligen Barbara am 4. Dezember. Der denkmalgeschützte Bau entstand in den frühen 1860er Jahren im Stil der Neogotik und ersetzte die mittelalterliche Augustinerklosterkirche.

Die ursprüngliche Wallerfanger Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1222 erstmals urkundlich erwähnt und im 14. Jahrhundert hochgotisch erneuert. Bei der Eroberung Wallerfangens im September 1635 brannte sie ab. Nachdem der Ort 1687 für den Bau der Festungsstadt Saarlouis zerstört worden war, riss man 1688 auch die Pfarrkirche nieder. Glocken kamen nach Saarlouis, Kirchengeräte und Bauholz nach Beaumarais. Archäologische Untersuchungen fanden 2011 Fundamente, mehr als 50 Gräber, hochgotisches Maßwerk, bemaltes Fensterglas und Gegenstände von der späten Bronzezeit bis zur Neuzeit.

Als Wallerfangen nach 1700 wieder zum Dorf heranwuchs, diente die ehemalige Augustinerklosterkirche als Pfarrkirche. Das Augustinerkloster war 1306 gegründet worden. Ein Teil des Konvents zog 1691 nach Saarlouis; 1777 wurden beide Niederlassungen vereinigt. Die Wallerfanger Klosterkirche blieb bestehen und wurde nach Wiedererrichtung der Pfarrei um 1800 offiziell übernommen. Der einschiffige Bau war wegen des Bevölkerungswachstums bald zu klein. Sein baufälliger mittelalterlicher Turm wurde 1822 durch einen klassizistischen Turm ersetzt.

Neubau und Restaurierungen

Franz Georg Himpler plante zunächst eine Erweiterung der alten Kirche. Im Herbst 1860 begann man mit Fundamenten für Seitenschiffe und Westturm. Wegen Zweifeln an Raumhöhe und Dachform finanzierte der Fabrikmitbesitzer Nicolas Adolphe de Galhau die Mehrkosten eines vollständigen Neubaus. Auch die zunächst zur Erhaltung vorgesehene mittelalterliche Apsis musste wegen statischer Schäden abgebrochen werden.

Die heutige Kirche entstand von 1860 bis 1863. Am 26. Mai 1861 segnete der Trierer Bischof Wilhelm Arnoldi den Grundstein; im Herbst war das Dach gedeckt. 1862 folgten Gewölbe, Putz und wesentliche neogotische Ausstattungsstücke nach Himplers Entwürfen. Der Boden erhielt eigens gefertigte Mettlacher Mosaikplatten. Die feierliche Konsekration fand am 7. Juni 1863 statt.

Johann Georg Fröhlich malte den Innenraum 1878–1882 aus: ultramarinblaue Gewölbe mit vergoldeten Sternen, rote Pfeiler, Teppichmuster und farbige Ornamente erzeugten eine dunkle, festliche Wirkung. Heinrich Klein ersetzte diese Fassung 1907 durch eine hellere Gestaltung mit weißen Gewölben, Blütenranken, Ornamentfriesen und Quadermustern.

Nach einer Restaurierung von 1945 bis 1954 wurden in den 1960er Jahren der Hochaltar von 1862 und die Kanzel entfernt; der Chor erhielt einen Marmoraltar und die Kirche moderne Bänke und Fenster. Bei der Restaurierung 1976–1978 entdeckte man ältere Malereien. Rekonstruiert wurde eine Kombination beider Fassungen: farbige Architekturglieder nach Fröhlich und Gewölbe, Friese sowie Rahmungen nach Klein. 1980/1981 gestaltete Willi Hahn den Chor neu. Nach einem Kabelbrand wurden 2009/2010 Risse, Löschwasserschäden, Malereien, Fenster und Elektrik restauriert. Die Kosten stiegen von geplanten 360.000 € auf 440.000 €.

Architektur

Die Kirche ist eine querhauslose Basilika, also ein Bau mit hohem Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen. Die drei Schiffe besitzen fünf Joche, das heißt räumliche Abschnitte zwischen den tragenden Pfeilern. Es folgen ein Chorjoch und eine gleich hohe Apsis mit einem Fünf-Achtel-Schluss. Kreuzrippengewölbe überspannen die Räume; Rundpfeiler mit schlanken Diensten tragen Rippen und Bögen. Gotische Spitzbogenfenster mit Maßwerk, Drei-, Vier- und Fünfpässen gliedern die Wände.

Die Gesamtinnenlänge beträgt 44,00 m, die Innenbreite 18 m. Das Kirchenschiff ist 26,50 m, die Apsis 12 m lang. Das Mittelschiff erreicht 15,00 m Gewölbehöhe, die Seitenschiffe 7,75 m. Der etwa 50 m hohe Westturm besitzt vier Geschosse und einen achteckigen Knickhelm. Rund 400 Personen finden bei normaler Bestuhlung Platz.

Außen ist der Bau mit hellockerfarbenen Sandsteinplatten verkleidet; Strebepfeiler und Skulpturen bestehen aus Udelfanger Sandstein. Krabben, Kreuzblumen, Wasserspeier und Laubfriese wurden teilweise aus sandsteinfarbener Mettlacher Terrakotta gefertigt. Das Turmportal zeigt Katharina mit Bibel, Schwert und Marterrad. Die besonders aufwendig gestaltete Südseite trägt Figuren von Petrus und Paulus sowie Christus als Weltenrichter zwischen Maria und Josef. Trotz der neogotischen Formen besitzt die streng geordnete Architektur auch einen klassizistischen Charakter.

Bildprogramme und liturgische Ausstattung

Die Bronzetüren von Willi Hahn entstanden 1988 und 1989. Das Seitenportal verbindet in sechs Feldern Altes und Neues Testament sowie das Leben der Kirche. Dargestellt sind unter anderem Moses Rettung, seine Berufung am brennenden Dornbusch, die Befreiung Israels, die Zehn Gebote, die Berufung der Apostel und Pfingsten. Vier Säulen stehen für die kirchlichen Grundvollzüge: Verkündigung und Zeugnis, Liturgie, Diakonie als Dienst am Menschen sowie Gemeinschaft.

Das Turmportal verknüpft die Legende der heiligen Katharina mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Katharina verkündet ihren Glauben, wird vor einem Tribunal nach Art des NS-Volksgerichtshofs verurteilt, eingekerkert, gefoltert und hingerichtet. Züge mit Gefangenen, ein Konzentrationslager und Bewaffnete stellen ihr Martyrium in einen Zusammenhang mit Verfolgung und Massenmord. Das letzte Feld zeigt Katharina und Barbara im Zug der Märtyrer zum Himmel. Fischförmige Türknäufe dienen als frühchristliche Christussymbole.

Altar, Ambo und Tabernakelstele schuf Willi Hahn 1980 aus Eifeler Sandstein. Der tischförmige Altar betont den Mahlcharakter der Eucharistie, sein blockhafter Unterbau den Opfercharakter. Die Tabernakelstele behandelt biblische Berge und Bundesschlüsse: Noah am Ararat, Abraham und Isaak, Mose am Sinai sowie Elija auf dem Karmel. Darüber erscheinen die Völkerwallfahrt zum Zion, die Bergpredigt, Jesu Verklärung, Getsemani und Golgota. Die Tabernakeltür greift das Bild vom sterbenden und Frucht bringenden Weizenkorn auf. Der Ambo zeigt das Gleichnis von der vierfachen Saat: Körner auf dem Weg, auf Fels, unter Dornen und auf gutem Boden.

Zur weiteren Ausstattung gehören ein neogotisches Taufbecken von 1849, ein Ewiges Licht von 1885, ein Osterleuchter von 1974 als Lebensbaum mit sieben Sakramenten, Radleuchter, 14 Terrakotta-Kreuzwegstationen von 1866, zahlreiche Heiligenstatuen sowie weitgehend gleich gestaltete Seitenaltäre für Maria und Josef.

Fenster, Orgel und Glocken

Die historische Verglasung ging im Winter 1944/1945 durch US-Artilleriebeschuss vollständig verloren. Robert „Bonifatius“ Köck entwarf 1964 neue Fenster, ausgeführt von der Trierer Werkstatt Kaschenbach. Ihr Hauptmotiv ist Jesu Bild vom Weizenkorn: Tod und Selbsthingabe werden als Voraussetzung neuen Lebens dargestellt. Braune Erdschollen, goldene Samenkörner, Ährenkreuze, Lichtflächen und eine Wundendarstellung beziehen Jesu Tod auf das Martyrium der Kirchenpatroninnen. Wegen der rekonstruierten farbigen Wandmalerei ersetzte man 2010 dunkle durch hellere Brauntöne. Für die Obergadenfenster wurden 1977 Kopien der Verglasung von 1905 hergestellt.

Die Orgel wurde 1871 von Breidenfeld und Söhne mit neogotischem Gehäuse der Werkstatt Koch gebaut. 1884 ergänzte Dahlstein-Haerpfer ein zweites Manual. Nach mehreren Umbauten und Restaurierungen stellte Hugo Mayer Orgelbau 1994/1995 wesentliche historische Substanz wieder her. Das Instrument besitzt heute 28 Register auf zwei Manualen und Pedal; die Stimmtonhöhe beträgt 443 Hz.

Das heutige Geläut umfasst vier 1954 in Saarlouis gegossene Bronzeglocken: Christus mit Schlagton cis¹ und 1900 kg, St. Maria mit e¹ und 1200 kg, St. Josef mit fis¹ und 800 kg sowie St. Katharina mit gis¹ und 600 kg. Sie wurden am 19. Dezember 1954 geweiht. Frühere Geläute waren verloren gegangen oder in Kriegszeiten abgegeben worden.

Umfeld, Friedhöfe und Brauchtum

Mehrere historische Begräbnisplätze spiegeln die Ortsgeschichte. Der mittelalterliche Kirchhof lag bei der früheren Pfarrkirche St. Peter und Paul und wurde nach der Zerstörung Wallerfangens aufgegeben. Um 1786 entstand ein Friedhof vor der Augustinerklosterkirche. Ein außerhalb der früheren Stadtmauern gelegener Pestfriedhof nahm seit 1635 Seuchentote auf. Der heutige Gemeindefriedhof am Fuß des Limbergs wurde 1853 angelegt und 1958 sowie 1986 erweitert.

Ein wichtiges örtliches Brauchtum ist die Limbergprozession. Eine Prozession neuvermählter Paare ist erstmals für 1687 belegt; die Paare trugen Stroh auf den 343 m hohen Berg und errichteten daraus ein Lothringer Kreuz. Diese Form endete 1741. Auf dem Limberg bestanden Kapellen, eine Einsiedelei und eine 1722–1727 geschaffene Kalvarienberganlage. Während der Französischen Revolution wurden Kloster und Figuren zerstört oder beschädigt. Louis Villeroy ließ 1827 die erhaltene Kapelle und seine Familie 1840 einen neuen Kreuzweg errichten.

Bis heute ziehen am Karfreitag zahlreiche Menschen den knapp zwei Kilometer langen Herrgottsweg zur Limbergkapelle hinauf. Sie formen kleine Kreuze aus Zweigen und legen sie nach stillen Gebeten an den Kreuzwegstationen nieder. Auf dem Gipfel werden traditionell Quarkbrote, „Kässchmieren“, oder Kartoffelpuffer, „Grumbeerkeïchelcha“, gegessen; aus Rücksicht auf den Todestag Jesu wird dabei keine Musik gespielt.

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