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Sozial-ökologische Transformation
Unter sozial-ökologischer Transformation versteht man eine grundlegende Umstrukturierung von Gesellschaften mit dem Ziel eine Dekarbonisierung zu erreichen …
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Grundidee und Ziel
Die sozial-ökologische Transformation bezeichnet eine grundlegende Umstrukturierung von Gesellschaften. Ihr Ziel ist die Dekarbonisierung, also die Abkehr von kohlenstoffreichen beziehungsweise fossilen Formen des Wirtschaftens und Lebens, damit die Menschheit innerhalb der planetaren Grenzen bleibt. Planetare Grenzen beschreiben ökologische Belastungsgrenzen der Erde.
Im deutschsprachigen Raum wurde das Konzept vor allem durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) bekannt. Dessen Bericht von 2011 trug den Titel „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Der WBGU forderte, die energetischen Grundlagen der Gesellschaft auf erneuerbare Energien umzustellen und dadurch die bisherige „fossilnukleare“ Wirtschaftsweise zu überwinden.
Transformation meint dabei einen umfassenden sozioökonomischen, politischen und soziokulturellen Veränderungsprozess. Politische Steuerung sowie politische und gesellschaftliche Strategien gehören dazu, reichen aber allein nicht aus, um diesen vielschichtigen Wandel zu erklären.
Unterschiedliche Vorstellungen vom Wandel
„Sozial-ökologische Transformation“ ist ein vieldiskutierter „Containerbegriff“. Damit ist gemeint, dass unter ihm verschiedene und teilweise widersprüchliche Vorstellungen zusammengefasst werden. Das Spektrum reicht von einer Reform des Kapitalismus bis zu antikapitalistischen Positionen.
Einige Personen und Institutionen wollen das gegenwärtige Wirtschaften grundlegend ökologisch umbauen, ohne die grundlegenden kapitalistischen Strukturen infrage zu stellen. Ihr Ziel ist ein erneuerter grüner Kapitalismus. Kapitalismuskritische Ansätze gehen dagegen davon aus, dass Maßnahmen gegen die gegenwärtigen, miteinander verbundenen Krisen nur wirksam sein können, wenn sie kapitalistischen Logiken zuwiderlaufen.
Trotz dieser Unterschiede besteht ein grundlegender Konsens: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen sich fundamental verändern. Ulrich Brand und Markus Wissen betonen, dass eine Transformation über herkömmliche Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik hinausgeht. Technologien, Investitionen, Finanzierungsmöglichkeiten und politische Rahmenbedingungen allein genügen demnach nicht für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft. Als mögliche treibende Kräfte gelten „Pioniere des Wandels“, etwa ökologisch orientierte Unternehmen, Bürgerinitiativen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Hinzu kommt die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Wertewandel hin zur Nachhaltigkeit.
Brand und Wissen kritisieren jedoch, dass wichtige Fragen häufig zu wenig beachtet werden: Gerechtigkeit, ein gutes Leben für alle, die Zurückdrängung von Macht und Herrschaft sowie damit verbundene Veränderungen der Eigentumsverhältnisse.
Mensch und Umwelt im historischen Wandel
Menschen und Umwelt beeinflussen sich seit jeher gegenseitig. Ein Beispiel für den Einfluss der Umwelt auf die menschliche Kultur ist die globale Erwärmung am Ende der letzten Kaltzeit. Sie führte unter anderem zur Enteisung großer Landflächen und zu einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels. Viele menschliche Errungenschaften konnten sich anschließend im Holozän entfalten.
Auf Umweltveränderungen reagierten Menschen mit unterschiedlichen Anpassungen, darunter Innovationen im Hausbau, neue Ernährungsstrategien, neue Handelspartner und Migration. Gleichzeitig veränderten Menschen selbst ihre Umwelt, etwa durch das Roden von Wäldern, das Anlegen von Feldern und das Aufstauen von Gewässern. Solche Eingriffe können Landschaften im kleinen wie im großen Maßstab umgestalten.
Die Veränderungen wirken wiederum auf Menschen zurück. Manipulierte Landschaften können neuen Tier- und Pflanzenarten Raum bieten; die Überausbeutung lokaler Ressourcen kann dagegen einen Wechsel menschlicher Strategien erforderlich machen. Diese historischen Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen sind Gegenstand aktueller Forschung, beispielsweise im Sonderforschungsbereich 1266 „TransformationsDimensionen – Mensch-Umwelt Wechselwirkungen in Prähistorischen und Archaischen Gesellschaften“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Konflikte zwischen globalem Süden und Norden
Die angestrebte Energiewende erhöht die Nachfrage nach Rohstoffen, die beispielsweise für Windkraftanlagen und Elektroautos benötigt werden. Deren Abbau ist jedoch häufig mit Umweltschäden verbunden und stößt deshalb auf den Widerstand der örtlichen Bevölkerung.
Ein Beispiel ist die Förderung von Lithium und Kupfer in Südamerika. Förderanlagen können die Qualität des umliegenden Trinkwassers beeinträchtigen und giftigen Staub aufwirbeln. Zudem befinden sie sich häufig in den Territorien indigener Völker und zerstören deren Lebensgrundlagen.
Die Soziologin Anne Tittor bezeichnet dieses Problem als „postfossilen Extraktivismus“. Extraktivismus meint hier die intensive Gewinnung von Rohstoffen. Obwohl diese Rohstoffe dem Übergang weg von fossilen Energien dienen, kann ihr Abbau bestehende Ungleichheiten zwischen globalem Süden und Norden verschärfen. Die Klimagerechtigkeitsbewegung fordert deshalb, dass der Übergang zu einer dekarbonisierten Lebensweise nicht mit der Ausbeutung von Menschen, besonders im globalen Süden, verbunden sein darf.
Konflikte innerhalb der Gesellschaft
Auch innerhalb der Gesellschaften entstehen Konflikte darüber, wie die sozial-ökologische Transformation konkret gestaltet werden soll. Verschiedene Forschende vertreten die These, dass die soziale Klasse dabei eine zentrale Rolle spielt. Eine empirische Studie aus dem Jahr 2024 unterschied für Deutschland drei gesellschaftliche Spektren:
• Das ökosoziale Spektrum fordert eine schnelle und tiefgreifende Transformation und argumentiert teilweise wachstumskritisch, stellt also die Orientierung an ständigem Wirtschaftswachstum infrage.
• Das konservativ-steuerungsorientierte Spektrum unterstützt ebenfalls eine Transformation, konzentriert sich aber vor allem auf die Sicherung der eigenen Lebensweise.
• Das defensiv-reaktive Spektrum empfindet die Transformation als Überforderung und reagiert darauf mit wütender Abwehr.
Nach der Studie gehören Menschen in ähnlichen sozialen Lagen häufig demselben Spektrum an. Angehörige des ökosozialen Spektrums haben oft höhere Bildungsabschlüsse und leben in Städten. Menschen aus dem konservativ-steuerungsorientierten Spektrum leben eher in ländlichen Regionen und sind in hohem Maße materiell abgesichert. Personen des defensiv-reaktiven Spektrums befinden sich dagegen häufig in benachteiligten sozialen Lagen. Damit zeigt die Studie, dass Einstellungen zur Transformation mit Bildung, Wohnort und materieller Sicherheit zusammenhängen können.
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