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Sozial-ökologische Forschung
Sozial-ökologische Forschung ist eine seit Ende der 1980er Jahre entstandene Forschungsrichtung und in Deutschland ein seit 1999 bestehender …
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Gegenstand und Bedeutung
Sozial-ökologische Forschung ist eine seit Ende der 1980er Jahre entstandene Richtung der Nachhaltigkeitsforschung. Sie untersucht gesellschaftliche Nachhaltigkeitsprobleme und entwickelt Strategien zu ihrer Lösung. Dabei soll sie eine nachhaltige Ausrichtung beziehungsweise einen ökologischen Umbau der Gesellschaft wissenschaftlich unterstützen, ohne soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Belange aus dem Blick zu verlieren.
In Deutschland besteht sie seit 1999 als Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Förderung erfolgt im Rahmenprogramm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen“ (FONA). International beschäftigt sich ein Teil dieses Forschungsfeldes mit sozial-ökologischen Systemen, also mit den Zusammenhängen und Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Umwelt.
Drei Arten von Wissen
Die sozial-ökologische Forschung will drei Wissensarten gewinnen:
• Systemwissen beschreibt die Struktur und Dynamik sozial-ökologischer Systeme.
• Transformationswissen umfasst Methoden und Konzepte, mit denen diese Systeme zielgerichtet verändert werden können.
• Orientierungswissen bezeichnet Wissen über unerwünschte gesellschaftliche Zustände der Gegenwart und über eine erwünschte Zukunft.
Diese Wissensarten verbinden die Analyse bestehender Probleme mit der Bestimmung von Zielen und der Entwicklung praktischer Wege zur Veränderung.
Transdisziplinärer Ansatz
Ausgangspunkt ist die Einschätzung, dass besonders die Folgen der Technik neue und komplexe Probleme hervorgebracht haben. Diese könnten weder durch klassische naturwissenschaftliche Forschung noch durch die Sozialwissenschaften allein gelöst werden. Deshalb verbindet der transdisziplinäre Ansatz natur- und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und richtet den Blick vor allem auf deren Abhängigkeiten und Wechselwirkungen.
Transdisziplinär bedeutet hier außerdem, Erfahrungen und Kenntnisse aus der Praxis einzubeziehen. Verbraucher, Kommunen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sollen am Forschungsprozess beteiligt werden. Die Grenzen zwischen Forschung, Politikberatung und gesellschaftlicher Strategieentwicklung sind daher fließend.
Die Forschung beginnt bei konkreten gesellschaftlichen Problemen und strebt unmittelbar Lösungen an. Darin unterscheidet sie sich von klassischer Grundlagenforschung, die idealtypisch von abstrakteren Erkenntnisinteressen ausgeht. Bei der Grundlagenforschung sollen praktische Lösungen eher indirekt aus einem vertieften Verständnis von Ursachen und Zusammenhängen entstehen.
Träger und fachliche Ausrichtung
Im deutschsprachigen Raum wurde die sozial-ökologische Forschung unter dieser Bezeichnung besonders von außeruniversitären Einrichtungen getragen. Ihre gesellschaftliche Grundlage bildeten die ökologisch motivierten Bürgerbewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Zur Unterstützung ihrer Anliegen entstanden Institute, die wissenschaftlichen und fachlichen Sachverstand bereitstellen sollten. Zu heutigen Trägern gehören beispielsweise das Ecolog-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung in Hannover, das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt, das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und das Öko-Institut für angewandte Ökologie in Freiburg.
Eine international bedeutende Einrichtung ist das Stockholm Resilience Centre an der Universität Stockholm. In Deutschland versuchte unter anderem das von Rudolf Bahro geleitete Institut für Sozialökologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, die Forschungsrichtung an einer Universität zu etablieren; es bestand dort von 1990 bis 1997. Auch später gab es Bestrebungen, sozial-ökologische Forschung stärker an Universitäten zu verankern.
Viele Akteure stammen aus querschnittsorientierten Sozialwissenschaften, vor allem aus der Umweltökonomie und der empirischen Sozialforschung. Im Mittelpunkt stehen Gesellschaft und gesellschaftliche Transformation. Technische und ökologische Ansätze und Ziele werden berücksichtigt, bilden aber nur selten den unmittelbaren Handlungsansatz. Besonders naturwissenschaftlich ausgerichtet ist die Klimafolgenforschung. Zur klassischen ökologischen Forschung bestehen dagegen nur wenige Berührungspunkte.