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Institut für sozial-ökologische Forschung
Das ISOE entwickelt als unabhängiges Forschungsinstitut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen – …
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Gegenstand und Bedeutung
Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH ist eine seit 1989 bestehende, gemeinnützige und unabhängige Forschungseinrichtung mit Sitz in Frankfurt am Main. Es arbeitet national und international auf dem Gebiet der sozial-ökologischen sowie der transdisziplinären Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Geleitet wird das Institut von Flurina Schneider; dort arbeiten etwa 80 Mitarbeitende.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gesellschaftliche Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit gestaltet werden können. Das ISOE entwickelt dafür wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik untersucht es Probleme und entwickelt praxisrelevante Lösungen für einen nachhaltigen und gerechten Umgang mit Wasser, Land, Biodiversität, Siedlungsentwicklung, Mobilität und Konsum.
Grundlage der Arbeit ist die Soziale Ökologie. Dieses transdisziplinäre Wissenschaftsgebiet untersucht die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur. Eine Kernkompetenz des ISOE sind inter- und transdisziplinäre Forschungsmethoden und Forschungsdesigns. Interdisziplinär bedeutet, dass verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen zusammenarbeiten. Transdisziplinär bedeutet hier, dass zusätzlich Akteure aus der Praxis in die Forschung einbezogen werden. Das ISOE ist Mitbegründer des Forschungsnetzwerks Ecological Research Network (Ecornet) sowie des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F).
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsarbeit befasst sich mit komplexen gesellschaftlichen Problemen nachhaltiger Entwicklung. Dazu gehören nicht nachhaltiges Konsum- und Mobilitätsverhalten, lokale und globale Wasserprobleme sowie der Verlust von Biodiversität. Außerdem werden Perspektiven der Bevölkerungsentwicklung und der Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigt.
Ziel ist es, zukunftsfähige Lösungskonzepte zu entwickeln und damit praktische Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung und zur Nachhaltigkeitsforschung zu leisten. Die 2024 veröffentlichte „Institutsstrategie 2024–2030“ stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie Nachhaltigkeitstransformationen angesichts zunehmender Konflikte und Ungleichheiten gesellschaftlich verwirklicht werden können.
Wissenschaftlicher Ansatz
Ausgangspunkt des Forschungsprogramms ist die Erkenntnis, dass sich in ökologischen Problemlagen gesellschaftliche Handlungsmuster und natürliche Wirkungszusammenhänge gegenseitig durchdringen. Dadurch kann eine sozial-ökologische Krisendynamik entstehen. Umweltprobleme werden deshalb nicht ausschließlich als natürliche oder ausschließlich als gesellschaftliche Probleme betrachtet.
Der sozial-ökologische Forschungszugang nimmt Natur und Gesellschaft gleichzeitig in den Blick und untersucht ihre wechselseitigen Beziehungen. Der Begriff „gesellschaftliche Naturverhältnisse“ bezeichnet diese Verflechtung. Soziale Ökologie wird als Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen verstanden. Sie verbindet zwei Aufgaben: Einerseits soll sie als praxisbezogene, transdisziplinäre Forschung Lösungen für lebenspraktische Probleme erarbeiten. Andererseits soll sie als theorieorientierte Wissenschaft methodisch erzeugtes neues Wissen begrifflich ordnen.
Entwicklung und Einbindung
Das ISOE wurde 1989 als interdisziplinäre und unabhängige Forschungseinrichtung gegründet. Die Grundlage dafür erarbeitete die Forschungsgruppe Soziale Ökologie in den Jahren 1986 und 1987 im Auftrag der Hessischen Landesregierung mit einem Gutachten zur sozial-ökologischen Forschung in Hessen.
1994 hob der Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zur Umweltforschung in Deutschland die „bedeutsame und förderungswürdige sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung“ des ISOE „im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie“ hervor. Im Jahr 2000 erhielt das Institut für das Projekt „Nachhaltigkeit – ein fachübergreifendes Konzept für sozial-ökologische Transformationen“ den erstmals vergebenen Schweizer Wissenschaftspreis für hervorragende transdisziplinäre Forschungsprojekte. Das ISOE war außerdem maßgeblich an der Etablierung des BMBF-Förderschwerpunkts „Sozial-ökologische Forschung“ beteiligt.
Bei der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat im Jahr 2016 wurde festgestellt, dass das vom ISOE mitgeprägte Konzept der Transdisziplinarität in der Forschungspraxis überzeugend umgesetzt wird. Seit April 2021 ist Flurina Schneider wissenschaftliche Geschäftsführerin und Sprecherin der Institutsleitung. Gleichzeitig übernahm sie eine Professur für Soziale Ökologie am Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Das ISOE ist seit 2008/09 gemeinsam mit dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität im Masterstudiengang Umweltwissenschaften für das Schwerpunktfach „Soziale Ökologie“ verantwortlich.
Organisation und Finanzierung
Das wissenschaftliche Team arbeitet in drei wissenschaftlichen Bereichen: Sozial-ökologische Systeme, Praktiken und Infrastrukturen sowie Wissensprozesse und Transformationen. Daraus ergeben sich fünf Forschungsfelder: Wasser und Landnutzung, Biodiversität und Gesellschaft, gekoppelte Infrastrukturen, nachhaltige Gesellschaft und Transdisziplinarität. Ein Wissenschaftlicher Beirat unterstützt das Institut.
Als unabhängige außeruniversitäre Forschungseinrichtung finanziert sich das ISOE im Wesentlichen durch öffentliche Projektmittel und Aufträge sowie durch private Auftraggeber und Verbände. Zusätzlich erhält es eine institutionelle Förderung durch das Land Hessen und Unterstützung durch die Stadt Frankfurt am Main. Träger ist eine GmbH. Das Institut ist Mitglied beziehungsweise Mitbegründer relevanter Forschungsnetzwerke und veröffentlicht Forschungsergebnisse unter anderem zu sozial-ökologischer Transformation, Biodiversität, Wasser, Gender und transdisziplinären Forschungsmethoden.