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Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energie-Herausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Wuppertal Institut für Klima, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe, Ziel und Arbeitsweise
  2. 2. Entwicklung wichtiger Forschungsideen
  3. 3. Organisation und Finanzierung
  4. 4. Forschungsabteilungen und Themenfelder
  5. 5. Zusammenarbeit und Vermittlung

Aufgabe, Ziel und Arbeitsweise

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung mit Sitz in Wuppertal. Es arbeitet als internationale wissenschaftliche Denkfabrik in der impact- und anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung. Sein übergeordnetes Ziel ist eine „treibhausgasneutrale und ressourcenleichte Gesellschaft“ bis zum Jahr 2050. Dafür untersucht das Institut, wie Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene gestaltet werden können. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenhänge zwischen Ressourcenverbrauch, Klima, Energie, Wirtschaft und Gesellschaft.

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt ist die Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wohlstandsentwicklung. Entkopplung bedeutet, dass Wohlstand wachsen oder erhalten werden soll, ohne dass der Verbrauch von Rohstoffen und Energie entsprechend zunimmt. Das Institut entwickelt dazu Leitbilder, Strategien und politische oder wirtschaftliche Instrumente.

Die Arbeit ist interdisziplinär und transdisziplinär. Interdisziplinär bedeutet, dass Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen verbunden werden. Transdisziplinär heißt, dass zusätzlich Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in die Forschung einbezogen werden. Zur Transition-Forschung, also zur Erforschung gesellschaftlicher Übergangsprozesse, gehören Problemanalysen, die Entwicklung von Zukunftsvisionen, die Gestaltung von Realexperimenten und die Verbreitung erfolgreicher Lösungsansätze in der Arbeitswelt. Das Institut versteht sich dabei als Vermittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Entwicklung wichtiger Forschungsideen

Das Institut wurde 1990 gegründet und nahm 1991 unter der Leitung von Ernst Ulrich von Weizsäcker seine Arbeit auf. Sein Auftrag bestand zunächst darin, Maßnahmen und Initiativen zum Schutz des Klimas, zur Verbesserung der Umwelt und zur Energieeinsparung zu fördern und wissenschaftliche Erkenntnisse mit der praktischen Umsetzung zu verbinden.

Von Weizsäcker setzte auf eine „Effizienzrevolution“: Der Umweltverbrauch sollte deutlich sinken, während neue Wohlstandsmodelle entstehen. Diese Idee prägte das Buch „Faktor Vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch“ von Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amory Lovins und Hunter Lovins. Darin wurden fünfzig Beispiele für komfortable Produkte mit halbiertem Naturverbrauch vorgestellt, darunter Hyperauto, Passivhaus, Superfenster und langlebige Möbel.

Friedrich Schmidt-Bleek entwickelte das Konzept der „Materialintensität pro Serviceeinheit (MIPS)“. Es untersucht, wie viel Material für eine bestimmte Dienstleistung oder einen bestimmten Nutzen benötigt wird. Mit dem verwandten Bild des „Ökologischen Rucksacks“ machte er sichtbar, welche Stoff- und Ressourcenmengen Waren und Dienstleistungen bis zu ihrer Nutzung verursachen. Sein Ansatz betonte, dass neben der Begrenzung von Schadstoffemissionen auch große Stoffströme reduziert werden müssen, um endliche Material-, Energie- und Naturressourcen zu schonen.

Nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 untersuchte die 1995 erschienene Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“, wie die Agenda 21 umgesetzt werden könnte. Ausgehend von der Tragekapazität der Erde beziehungsweise dem verfügbaren Umweltraum entwickelte sie Leitbilder gegen dessen Übernutzung. Diese stützten sich auf Effizienz und Suffizienz. Suffizienz bezeichnet hier die Begrenzung des Verbrauchs auf ein ökologisch tragfähiges Maß.

Seit seiner Gründung entwickelt das Institut außerdem Langfrist-Szenarien für eine nachhaltige und CO₂-arme Gesellschaft. Ausgangspunkt war unter anderem das Ziel, den Treibhausgasausstoß Deutschlands bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Die Szenarien dienten beispielsweise als Grundlage für die Langfrist-Energiestudie der Bundesregierung. Ab 2003 wurde die Forschung stärker als „Sustainability Research“ und später als „Forschung des Übergangs“ ausgerichtet. Dabei geht es um den Wandel von einer fossilen zu einer postfossilen Gesellschaft und um die Frage, wie Wohlstand und ein „gutes Leben“ jenseits ungehemmten Wirtschaftswachstums gesichert werden können.

Seit dem 1. Mai 2020 führt Manfred Fischedick das Institut als wissenschaftlicher Geschäftsführer. Im Oktober 2020 veröffentlichte das Institut den Bericht „CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze“. Er kam zu dem Ergebnis, dass die bis dahin beschlossenen deutschen Ziele und Maßnahmen nicht ausreichten und ein deutlich schnellerer Weg zur Klimaneutralität erforderlich sei.

Organisation und Finanzierung

Das Institut ist eine rechtlich selbstständige, gemeinnützige GmbH. Es beschäftigt etwa 320 Menschen, überwiegend wissenschaftliches Personal. Vertreten sind unter anderem Natur- und Umweltwissenschaften, Geographie, System- und Ingenieurwissenschaften, Planungswissenschaften sowie Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Unter den Beschäftigten gibt es etwa gleich viele Frauen wie Männer.

Das Land Nordrhein-Westfalen ist alleiniger Eigentümer und finanziert das Institut teilweise. Organisatorisch gehört es zum Verantwortungsbereich des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Den größten Teil seines Budgets erwirtschaftet das Institut jedoch durch Drittmittel, also durch zeitlich und inhaltlich gebundene Forschungsaufträge. Zu den Förderern und Auftraggebern gehören internationale, europäische, Bundes- und Landesministerien, Kommunen, Unternehmen, Wirtschaftsverbände und gesellschaftliche Organisationen.

Ein internationaler wissenschaftlicher Beirat berät das Institut und überwacht die Unabhängigkeit sowie die wissenschaftliche Qualität der Forschung. Das Berliner Büro unterstützt die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungspartnern in der Hauptstadt. Seit 2019 ist die Forschung in vier Abteilungen und zunächst 13 Forschungsbereiche gegliedert; Anfang 2024 stieg deren Zahl auf 15. Die Struktur soll die Leitung des gewachsenen Instituts erleichtern und seine Forschungsfelder nach außen klarer darstellen.

Forschungsabteilungen und Themenfelder

Die Abteilung „Zukünftige Energie- und Industriesysteme“ entwickelt Wege zu klimaneutralen Energiesystemen und energieintensiven Industrien. Sie untersucht nachhaltige Transformationen in Entwicklungsregionen, Strategien für Klimaneutralität in Energie und Industrie, nachhaltigen Strukturwandel, das Zusammenspiel von Technologien, Infrastrukturen und Energieträgern sowie eine klimafreundliche und ressourcenleichte Industriepolitik.

Die Abteilung „Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik“ entwickelt und bewertet politische Strategien für eine klimagerechte und ressourcenleichte Welt. Ihre Forschungsbereiche befassen sich mit einem weitgehend kohlenstofffreien, energieeffizienten und auf erneuerbaren Energien beruhenden Energiesystem, mit internationaler Klimapolitik, zukunftsfähiger Mobilität und nachhaltigem Stadtwandel. Das „UN-Habitat Collaborating Center“ unterstützt als Teil des Urban Living Lab Center transformative Living Labs in Asien, Europa, Afrika und Lateinamerika. Living Labs beziehungsweise Reallabore sind Forschungsräume, in denen Veränderungen unter realen Bedingungen gemeinsam mit beteiligten Akteuren erprobt werden.

Die Abteilung „Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren“ erforscht eine ressourcenleichte Gesellschaft und eine sozial-ökologische Marktwirtschaft. Produkte und Dienstleistungen sollen eine hohe Lebensqualität ermöglichen und zugleich vor Ort oder weltweit nachhaltig hergestellt werden. Die Arbeit orientiert sich an den internationalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDG). Die Forschungsbereiche „Innovationslabore“ sowie „Produkt- und Konsumsysteme“ untersuchen nachhaltige Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle, soziale Veränderungen und ressourceneffiziente Produktions- und Konsumstrukturen.

Die Abteilung „Kreislaufwirtschaft“ erforscht den Übergang von einer ressourcenintensiven linearen Wirtschaft zu einer Circular Economy beziehungsweise Kreislaufwirtschaft. In ihr sollen Produkte, Rohstoffe und deren Wert nach der Nutzungsphase möglichst gut erhalten bleiben. Untersucht werden das Schließen von Stoffkreisläufen, die Senkung des Ressourcenverbrauchs und die gemeinsame Gestaltung und Beschleunigung des Wandels durch beteiligte Akteure. Eine besondere Rolle spielt die Digitalisierung, weil sie das Schließen von Stoffkreisläufen unterstützen kann. Zugleich wird geprüft, wie die Digitalisierung selbst nachhaltig gestaltet werden muss.

Ein praktisches Beispiel für die Beratungstätigkeit war die erste umweltpolitische Digitalagenda des Bundes, die am 2. März 2020 vorgestellt wurde. Sie enthielt 70 Maßnahmen zur Verbindung von Digitalisierung und Klimaschutz. Vorgesehen waren unter anderem ein Register für Rechenzentren als Grundlage künftiger Effizienzvorgaben sowie EU-Regeln für eine längere Nutzungsdauer von Smartphones und Tablets. Hersteller sollten Akkus und Displays austauschbar machen und für eine Mindestfrist Ersatzteile oder Updates anbieten. Das Institut begleitete und beriet das Bundesumweltministerium bei der Erstellung dieser Agenda wissenschaftlich.

Zusammenarbeit und Vermittlung

Das Wuppertal Institut kooperiert mit Universitäten und Forschungsinstituten im In- und Ausland. Zu seinen Partnern gehören unter anderem die Bergische Universität Wuppertal, die FernUniversität Hagen, die Folkwang Universität der Künste, das Fraunhofer-Institut UMSICHT, die Leuphana Universität Lüneburg sowie die Universitäten Kassel und Osnabrück. Internationale Kooperationen bestehen beispielsweise mit der chinesischen Tsinghua-Universität, dem japanischen Institute for Global Environmental Strategies (IGES) und dem indischen The Energy and Resources Institute (TERI).

Das Institut gehört der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft (JRF) an, einer Dachorganisation von 16 unabhängigen, gemeinnützigen Forschungsinstituten in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsame Aufgaben sind Forschungskooperationen, Nachwuchsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und die regelmäßige Bewertung der Mitgliedsinstitute. Außerdem ist das Institut Mitglied von „Ecornet – Ecological Research Network“, einem Zusammenschluss von 8 unabhängigen, gemeinnützigen deutschen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Das Netzwerk bündelt Kompetenzen, um komplexe Nachhaltigkeitsprobleme praxisnah und fachübergreifend zu bearbeiten.

Die Forschungsergebnisse werden für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet. In der Wissenschaft geschieht dies durch Publikationen, Veranstaltungen und Vernetzung, im Bildungsbereich durch Projekte, Lehrveranstaltungen und Lehrmaterialien. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden durch Dialog, Beratung, geförderte Forschung, Reallabore, Modellvorhaben, Pilotprojekte und anwendungsorientierte Veröffentlichungen erreicht. Für die breite Öffentlichkeit nutzt das Institut Sachbücher, Veranstaltungen und Medienbeiträge. Viele Publikationen und Forschungsergebnisse sind aufgrund einer Open-Access-Regelung digital und kostenfrei zugänglich.

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