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Silius Italicus
Tiberius Catius Asconius Silius Italicus (* um 25 n. Chr.; † um 100 n. Chr.) war ein römischer Politiker und Dichter. Er verfasste die „Punica“, …
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Überblick
Tiberius Catius Asconius Silius Italicus (um 25 n. Chr.; nach der Einleitung um 100 n. Chr., im Lebensabschnitt um 101 n. Chr.) war römischer Politiker und Dichter. Sein einzig erhaltenes Werk sind die „Punica“ („Die Bücher vom Punischen Kriege“), ein Epos über den Zweiten Punischen Krieg. Mit 17 Büchern und 12.202 Versen ist es das längste zusammenhängende Gedicht aus der römischen Antike und eines der wichtigsten nachklassischen lateinischen Epen.
Lange galt das Werk als stilistisch schwach und als Nachahmung besonders Vergils und Ovids. Erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird es in der Forschung umfassender sprachlich untersucht und gewürdigt.
Leben und literarische Voraussetzungen
Silius’ Geburtsort ist unbekannt. Die Ableitung seines Beinamens Italicus von Italica in Hispanien ist unbelegt; nach römischen Namenskonventionen wäre dafür eher die Form Italicensis zu erwarten. Wahrscheinlich verweist der Beiname auf Vorfahren aus einer italischen Gemeinschaft.
Zunächst wurde Silius als Redner vor dem Gericht der Centumviri bekannt. Er war Senator und 68 zusammen mit Publius Galerius Trachalus ordentlicher Konsul. Unter Nero schadete seinem Ruf der Verdacht freiwilliger Anklagen in gerichtlichen Schauprozessen. Um 77 war er Prokonsul der Provinz Asia und erwarb sich in diesem Amt großes Ansehen.
Danach zog er sich unter den Flaviern aus dem politischen negotium, der öffentlichen „Geschäftlichkeit“, in das otium, das private und schriftstellerische Leben, zurück. Er verehrte Cicero und Vergil, besaß ihre Landgüter in Tusculum und Neapel und lebte im Alter nahe Vergils Grab in Kampanien. Er tauschte sich mit Epiktet aus; Lucius Annaeus Cornutus widmete ihm Bücher über Vergil. Silius starb laut Darstellung um 101 im Alter von etwa 75 Jahren in Neapel durch freiwilligen Hungertod, nachdem er an einem unheilbaren Geschwulst erkrankt war. Dies wird als stoisch geprägte Entscheidung dargestellt.
Das historische Epos
Ein historisches Epos behandelt geschichtliche Ereignisse in der Form eines Heldengedichts. In Rom hatte diese Gattung seit Gnaeus Naevius eine lange Tradition; auch Ennius prägte ihre Regeln. Kennzeichnend waren neben der Darstellung von Fakten Abschweifungen, göttliche Eingriffe, mythologische Elemente, zahlreiche Gleichnisse und Zweikämpfe. Lucan wich davon ab, indem er die göttlichen Eingriffe durch die stoische Vorstellung eines umfassenden Schicksals ersetzte.
Silius behandelt den Krieg nicht wie ein Historiker, sondern wählt Ereignisse auch danach aus, ob sie sich anschaulich oder heldenhaft darstellen lassen. Wichtige Ereignisse können dadurch fehlen, während weniger wichtige ausführlich geschildert werden. Seine Helden stehen, ähnlich wie bei Homer, unter den Leidenschaften und Launen der Götter. Er verarbeitet und verändert Motive aus der römischen und griechischen Mythologie sowie Geschichte.
Der Stoizismus, eine philosophische Lehre, zu der Silius sich bekannte, prägt die „Punica“ weniger stark als Lucans Werk. Als geistige Vorbilder werden Epiktet und Cornutus genannt. Der jüngere Plinius urteilte, Silius habe seine Gedichte mit mehr Fleiß als Talent geschrieben; Martial stellte ihn dagegen schmeichelhaft auf eine Stufe mit Vergil.
Inhalt und Gestaltung der Punica
Die „Punica“ schildern den Zweiten Punischen Krieg überwiegend in historischer Reihenfolge. Die wichtigsten Quellen waren Livius’ „ab urbe condita“, besonders die dritte Dekade mit den Büchern 31–45, sowie Passagen aus Ennius’ nur teilweise erhaltenen „Annales“. Weitere Quellen über Hannibal sind möglich, aber nicht nachweisbar.
Die Einteilung in 17 Bücher ist umstritten. Epiker bevorzugten häufig Einteilungen nach vier oder sechs beziehungsweise deren Vielfachen. Walter Kißel vermutete deshalb einen ursprünglichen Plan von 18 Büchern, einer dreifachen Hexade; Silius habe ihn wegen seiner Krebserkrankung nicht mehr vollenden können. Karl Heinz Niemann hielt die Zahl 17 dagegen für bewusst gewählt. Michael von Albrecht verwies auf Werke mit 17 Teilen, etwa Kallimachos’ „Iamben“, Horaz’ „Epoden“ und die „Appendix Vergiliana“ ohne Sphragis.
Die Anlage folgt der „Ilias“ und der „Aeneis“: Zwei mächtige Staaten stehen einander gegenüber, zugleich streiten die Götter. Hannibal und Scipio bilden die Hauptfiguren und entsprechen in ihrer Gegenüberstellung Achilles und Hektor beziehungsweise Aeneas und Turnus. Hannibal erscheint zunächst als Verkörperung von Grausamkeit und Verrat, wird aber auch aufgewertet: Juno erklärt, wäre er als Römer geboren, wäre ihm ein Platz unter den Göttern sicher. Scipio wird nahezu mythisch gestaltet. Weitere wichtige Figuren sind Fabius Maximus Verrucosus und der bei Cannae getötete Konsul Lucius Aemilius Paullus.
Typisch für die Nachahmung und Umgestaltung älterer Epen sind Hannibals kunstvoller Schild nach dem Vorbild von Achilles und Aeneas, Scipios Offenbarung aus dem Himmel als Gegenstück zu Aeneas’ Unterweltsfahrt sowie die personifizierte Trebia. Die Schlachten werden nach epischer Regel häufig als Zweikämpfe erzählt.
Überlieferung und Wirkung
Poggio Bracciolini entdeckte das Gedicht 1416 oder 1417, möglicherweise in Konstanz, in einer heute verlorenen Handschrift. Von dieser stammen alle erhaltenen Handschriften ab, die sämtlich aus dem 15. Jahrhundert datieren. Ein in Köln gefundenes Manuskript aus dem 8. oder 9. Jahrhundert verschwand im späten 16. Jahrhundert wieder. Die ersten Druckausgaben erschienen nicht vor 1471 in Rom. Die kritische Ausgabe von Josef Delz aus dem Jahr 1987 wird als erster solider Text bezeichnet, weil sie zahlreiche fehlerhafte Ergänzungen früherer Humanisten ausscheidet.
Nach dem Erstdruck 1471 wurde Silius zunächst oft gelesen und besonders in England nachgeahmt. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts überwog jedoch die Geringschätzung, stark beeinflusst durch Julius Caesar Scaliger. Er kritisierte fehlende Spannung, Rhythmus und dichterische Kraft sowie die vielen übernommenen epischen Motive. Neuere Forschung hebt dagegen Silius’ Verständlichkeit und rhetorische Klarheit hervor und untersucht stärker seine Vorlagen und Arbeitsweise.
Bekannt wurde der Vers „pax optima rerum“ aus „Punica“ 11,595: „Der Friede ist das beste der Dinge.“ Er gilt als Motto des Westfälischen Friedens und steht auch auf dem Siegel der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.