Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Selbstähnlichkeit

Selbstähnlich ist ein System, das seinen Elementen ähnelt. Diese Eigenschaft wird unter anderem von der fraktalen Geometrie untersucht, da fraktale Objekte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Mathematische Beispiele und Formen
  3. 3. Ähnlichkeitsdimension und Berechnung
  4. 4. Typische Dimensionsbeispiele
  5. 5. Selbstähnlichkeit in Natur und Anwendungen

Begriff und Bedeutung

Selbstähnlich heißt ein System, wenn es seinen eigenen Elementen ähnelt: Teile oder verkleinerte Ausschnitte zeigen also Strukturen, die dem gesamten System gleichen oder ähneln. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig in der fraktalen Geometrie, weil fraktale Objekte eine hohe Selbstähnlichkeit besitzen. Im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff in der Philosophie sowie in den Sozial- und Naturwissenschaften grundsätzlich wiederkehrende, ineinander verschachtelte Strukturen.

Bei exakter oder strikter Selbstähnlichkeit bleibt bei beliebig starker Vergrößerung immer wieder die ursprüngliche Struktur erhalten; eine elementare Feinstruktur wird nie erreicht. Solche Exaktheit findet man praktisch nur bei mathematisch erzeugten Objekten, beispielsweise bei Fraktalen aus einem iterierten Funktionen-System (IFS). Strikte Selbstähnlichkeit führt zur Skaleninvarianz: Die grundlegende Gestalt oder Gesetzmäßigkeit bleibt bei einer Änderung des Maßstabs erhalten. Sie kann unter anderem durch die charakteristischen Exponenten eines zugrunde liegenden Potenz- oder Skalengesetzes quantitativ beschrieben werden.

Mathematische Beispiele und Formen

Exakt selbstähnliche Objekte sind etwa das Sierpinski-Dreieck, die Koch-Kurve und die Cantor-Menge. Auch ein Punkt und eine Gerade sind triviale Beispiele. Die Mandelbrot-Menge und die Julia-Mengen sind ebenfalls selbstähnlich, jedoch nicht strikt selbstähnlich.

Eine verkleinerte Version einer Ausgangsfigur, mit der sich diese Figur wieder zusammensetzen lässt, wird im Englischen als „Reptile“ bezeichnet, eine Abkürzung für „replicating tile“. Besteht eine zusammengesetzte Figur aus N solchen verkleinerten Versionen, heißt sie rep-N-Figur. Als entsprechende Formen werden unter anderem allgemeine und besondere Dreiecke, gleichschenklige Trapeze, „Sphinx tilings“, ein L-Tromino, ein L-Tetromino und ein T-Tetromino gezeigt.

Ähnlichkeitsdimension und Berechnung

Die Ähnlichkeitsdimension ist eine Dimension für selbstähnliche Mengen. Besteht eine Menge aus N Kopien ihrer selbst, die jeweils um den Faktor ε mit ε < 1 verkleinert sind, so ist sie definiert durch

D = −log(N) / log(ε).

Für diese Berechnung ist kein Grenzwert erforderlich. Dadurch ist die Ähnlichkeitsdimension besonders einfach und häufig die einzige fraktale Dimension, die für Laien leicht verständlich ist. Sie eignet sich insbesondere für IFS-Fraktale. Bei vielen bekannten Fraktalen lässt sich damit die fraktale Dimension bestimmen. Sie ist jedoch nicht für jedes Objekt definiert: Ein Kreis besteht beispielsweise nicht aus verkleinerten Kreisen und besitzt daher keine Ähnlichkeitsdimension in diesem Sinn.

Typische Dimensionsbeispiele

Ein Quadrat besteht aus N = 4 Quadraten mit jeweils der halben Seitenlänge, also ε = 1/2. Deshalb gilt:

D = −log(4) / log(1/2) = −log(2²) / log(2⁻¹) = −(2 · log 2)/(−log 2) = 2.

Das Sierpinski-Dreieck besteht aus N = 3 Kopien seiner selbst, die jeweils um ε = 1/2 verkleinert sind. Seine Ähnlichkeitsdimension beträgt

D = log(3) / log(2) ≈ 1,585.

Die Koch-Kurve besteht aus N = 4 Kopien, die jeweils um ε = 1/3 verkleinert sind. Ihre Ähnlichkeitsdimension beträgt

D = log(4) / log(3) ≈ 1,262.

Selbstähnlichkeit in Natur und Anwendungen

In der Natur treten selbstähnliche Strukturen häufig auf. Beispiele sind die Verästelungen von Blutgefäßen und Farnblättern sowie Teile eines Blumenkohls. Besonders deutlich ist dies beim Romanesco: Vergrößerte Teile ähneln dem gesamten Blumenkohlkopf; sein Blütenstand zeigt außerdem Fibonacci-Spiralen. Anders als bei idealen mathematischen Objekten kann die Vergrößerung realer Strukturen jedoch nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.

Auch Abbildungen der realen Welt enthalten Selbstähnlichkeiten. Diese können bei der fraktalen Bildkompression und der fraktalen Tonkompression genutzt werden. Eine kennzeichnende Zahl für immer wiederkehrende Selbstähnlichkeit ist der Goldene Schnitt.

Rekurrenzen, also Aufrufe oder Definitionen einer Funktion durch sich selbst, sind ebenfalls selbstähnlich. Darüber hinaus sind die Trajektorien eines Wiener-Prozesses und der gebrochenen Brownschen Bewegung selbstähnlich.

Weiterlesen

Mandelbrot-Menge Die Mandelbrot-Menge, benannt nach Benoît Mandelbrot, ist die Menge der komplexen Zahlen c , {\displaystyle c,} {\displaystyle c,} für welche die durch die … Fraktal bei Wachstumsprozessen sogenanntes fraktales Wachstum, z. B. diffusionsbegrenztes Wachstum. Ein Beispiel für ein selbstähnliches Fraktal ist das Sierpinski … Sozialwissenschaften Die Sozialwissenschaften (auch Gesellschaftswissenschaften) untersuchen Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Naturwissenschaft Unter dem Begriff Naturwissenschaft werden Wissenschaften zusammengefasst, die empirisch arbeiten und sich mit der Erforschung der Natur befassen. Sierpinski-Dreieck Beim ersten Iterationsschritt wird ein Dreieck mit halber Seitenlänge, also dem Flächeninhalt 3 16 ⋅ a 2 {\displaystyle {\frac {\sqrt {3}}{16}}\cdot a^{2}} … Gerade Gleich sein: Beide Geraden haben alle Punkte gemeinsam. · Einen Schnittpunkt besitzen: Beide Geraden haben genau einen Punkt gemeinsam (speziell: senkrecht … Washington, D.C. Der District of Columbia oder Washington, D.C. [ˈwɑʃɪŋtən ˈdiː ˌsiː] ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten … Gleichschenkliges Dreieck ... Konstruktion. Bearbeiten. Mathematische Formeln zum gleichschenkligen Dreieck a = b {\displaystyle a=b} {\displaystyle a=b}. Flächeninhalt, A = c ⋅ h c 2 = c 4 … Rechtwinkliges Dreieck Ein rechtwinkliges Dreieck ist ein Dreieck mit einem rechten Winkel. Es bildet die Grundlage für den Satz des Pythagoras, für Sinus und Kosinus und weitere … Innenwinkel Die Innenwinkel eines Polygons sind in der Geometrie die Winkel, die durch zwei benachbarte Polygonseiten eingeschlossen werden und im Inneren des Polygons … Menge (Mathematik) Der Begriff der Menge (englisch set, französisch ensemble, spanisch conjunto) ist ein grundlegender Begriff der Mathematik. Damit eng verwandt ist der … Grenzwert (Funktion) In der Mathematik ist der Limes oder Grenzwert einer Funktion (auch ... sein (siehe auch Asymptote). Alle diese Fälle lassen sich einheitlich mit der …