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Seepferdchen

Seepferdchen (Hippocampus [An 1]) sind Knochenfische, deren Gestalt und Lebensweise deutlich von der typischer Fische abweicht. Ihren Namen verdanken sie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Besonderheiten
  2. 2. Körperbau und Bewegung
  3. 3. Lebensraum und Nahrung
  4. 4. Fortpflanzung und Entwicklung
  5. 5. Arten und verwandte Formen
  6. 6. Gefährdung und Bedeutung für Menschen

Einordnung und Besonderheiten

Seepferdchen sind Knochenfische der Gattung Hippocampus, die Rafinesque 1810 benannte. Sie gehören zur Familie der Seenadeln (Syngnathidae) in der Ordnung der Seenadelartigen (Syngnathiformes). Gemeinsam mit Fetzenfischen und weiteren Arten bilden sie diese Familie.

Ihre Gestalt und Lebensweise weichen deutlich von denen typischer Fische ab: Der Kopf erinnert an einen Pferdekopf, der Hinterleib ist schwanzförmig. Seepferdchen schwimmen meist aufrecht. Eine besonders auffällige Eigenschaft ist die Fortpflanzung: Die Männchen tragen die Eier in einem Brutbeutel und gebären die Jungfische.

Körperbau und Bewegung

Der Körper ist von ringförmig angeordneten Knochenplatten umgeben. Deren Kanten bilden Ringe um den Körper und Längsleisten. Der im Querschnitt siebeneckige Rumpf besitzt gewöhnlich 11, manchmal 12 bis 13 Ringe; der Schwanz gewöhnlich 30 oder mehr. An Kreuzungsstellen von Ringen und Leisten sitzen oft erhöhte Tuberkel oder Stacheln. Diese können Arten unterscheiden, verändern sich aber mit Alter und Geschlecht: Jungtiere sind allgemein stacheliger als erwachsene Tiere, Weibchen stacheliger als Männchen.

Der Kopf ist nach vorn und unten gerichtet und bildet bei erwachsenen Tieren einen Winkel von weniger als 90°. Das kleine, zahnlose Maul liegt an der Spitze einer röhrenförmigen Schnauze. Hals und Kopf sind beweglich, der Bauch ist seitlich stark abgeflacht. Rücken- und Brustflossen besitzen jeweils insgesamt 10 bis 20 Flossenstrahlen; eine kleine Afterflosse kann bei Erwachsenen fehlen, eine Schwanzflosse gibt es nicht.

Der vierseitige Schwanz ist ein Greif- oder Wickelschwanz. Er dient zur Verankerung an Seegras, ähnlichen Strukturen oder Artgenossen. Anders als sonst bei Knochenfischen wird er nicht seitlich, sondern nach unten bewegt. Bei Gefahr können Seepferdchen aus der üblichen vertikalen Haltung horizontal ausgestreckt flüchten. Bei Männchen liegt unter dem vorderen Schwanzabschnitt der Brutbeutel.

Lebensraum und Nahrung

Seepferdchen leben weltweit in tropischen und gemäßigten Meeren; die meisten Arten kommen in den gemäßigt temperierten Meeren um Südaustralien und Neuseeland vor. Im Mittelmeer leben mindestens drei Arten: das Langschnäuzige Seepferdchen (H. guttulatus), das Kurzschnäuzige Seepferdchen (H. hippocampus) und Hippocampus fuscus, das durch den Suezkanal aus dem Roten Meer eingewandert ist. Die Populationen des Langschnäuzigen Seepferdchens im Schwarzen Meer sind möglicherweise eine eigene Art.

Kurzschnäuzige Seepferdchen kehren unter anderem in die Nordsee zurück, wo sie seit 1930 als ausgestorben galten. Sie bevorzugen offenbar geschützte Flachwasserbereiche bis etwa sechs Meter Tiefe und benötigen neben Krebsen und anderem Plankton Verstecke. In der Nordsee dienen ihnen etwa der eingeschleppte Japanische Beerentang Sargassum muticum und Blasentang Fucus vesiculosus als Unterschlupf.

Als Lauerjäger fressen sie Kleinkrebse wie Ruderfußkrebse, Flohkrebse und Schwebgarnelen sowie Larven und anderes Zooplankton. Die Beute wird durch die röhrenförmige Schnauze blitzschnell eingesaugt. Weil Seepferdchen keinen Magen haben, passiert Nahrung ihr Verdauungssystem schnell; daher müssen sie fast ständig fressen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Bei Seepferdchen werden die Männchen trächtig. Weibchen erzeugen Eier mit Dottervorrat und spritzen sie beim Geschlechtsakt in die Bauchtasche des Männchens. Dort werden die Eier durch männliches Sperma befruchtet. Voraus geht eine Balz: Das Paar bewegt sich spiralig auf und ab im Seegras. Morgens treffen sich Männchen und Weibchen, schwimmen mit ineinandergehakten Schwänzen synchron nebeneinanderher; ein paarungsbereites Weibchen beginnt den Balztanz.

Je nach Art legt ein Weibchen 150 bis 2000 Eier in den Brutbeutel. Ein Gewebe umwächst die Eier. Es unterstützt besonders die Atmung der Embryonen, indem es Kohlenstoffdioxid aufnimmt und Sauerstoff abgibt, und schafft zugleich eine Umgebung mit dem Salzgehalt des Meerwassers. Die Entwicklung dauert etwa zehn bis zwölf Tage. Anschließend zieht sich das Männchen ins Seegras zurück und gebärt die Jungfische.

Die Jungen sind danach selbstständig und jagen kleine planktonische Krebstiere. Bei manchen Arten erfolgt bereits einen Tag später eine neue Paarung.

Arten und verwandte Formen

Je nach Autor gibt es weltweit zwischen 35 und 80 Seepferdchenarten. Da in den letzten Jahren viele Arten hinzugekommen sind und Fachliteratur noch unbeschriebene Arten abbildet, wird eine Artenzahl am oberen Ende dieser Spanne vermutet. Im World Register of Marine Species waren 2023 über 57 verschiedene Hippocampus-Arten geführt, gegenüber 43 anerkannten Arten im Jahr 2017. Zu den größten Arten zählen Hippocampus abdominalis und Hippocampus bleekeri mit bis zu 35 Zentimetern Länge. Das 2002 beschriebene Denise-Zwergseepferdchen (Hippocampus denise) wird nur 13,5 Millimeter groß. Hippocampus nalu wurde erst 2020 entdeckt.

Der „bargibanti-Artenkomplex“, auch Pygmäenseepferdchen genannt, umfasst besonders kleine Formen. Hippocampus bargibanti wurde 1970 als erste Art beschrieben, die übrigen erst seit 2003. Diese Tiere sind 14 bis 22 Millimeter lang und äußerlich eng an eine Wirtskoralle, Moostierchen oder Seegras angepasst. Ihre Kiemenöffnungen sind zu einer einzelnen Öffnung in der Mitte des Hinterkopfs zusammengewachsen.

Einige Wissenschaftler rechnen außerdem die drei Gattungen Acentronura, Amphelikturus und Idiotropiscis als Zwerg-Nadelpferdchen zur Unterfamilie Hippocampinae. Diese getarnten, seepferdchenähnlichen Seenadeln werden 4 bis 6,5 Zentimeter lang. Auch bei ihnen besitzen Männchen eine Bauchtasche; ihr flexibler Schwanz dient dem Festhalten an Pflanzen.

Gefährdung und Bedeutung für Menschen

Seepferdchen haben wegen ihrer Knochenplatten, Stacheln und vielen Gräten nur wenige Fressfeinde. Dennoch gelten sie als gefährdet. Hauptursachen sind die Zerstörung unterseeischer Seegraswälder sowie intensive Fischerei, durch die sie häufig als Beifang in Netzen landen. In China und Südostasien werden sie zudem als vermeintlich heilende und potenzsteigernde Mittel verwendet. Die Bestände der beiden einzigen europäischen Seepferdchenarten gingen von 2007 bis 2017 um bis zu 30 Prozent zurück.

In der griechischen Mythologie galten Seepferdchen als Nachfahren der Rösser von Poseidons Streitwagen. Das mythische Seepferd in Wappen und Darstellungen ist jedoch ein Fabelwesen und nicht mit dem echten Seepferdchen gleichzusetzen. Als Wappentier ist das Seepferdchen selbst selten, etwa im Ortswappen von Timmendorfer Strand. Die Trickfilmfigur des Sehpferdchens war von 1959 bis 1969 ein Werbetrenner im Werbefernsehen des Norddeutschen Rundfunks.

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