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Schriften der Welt

Jedoch ist die Geschichte der Schrift viel älter als die großen Religionen der Gegenwart. ... Keilschrift. Bearbeiten. Etwa um 3300 v. Chr. entstand in Sumer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Verbreitung
  2. 2. Frühe Schriften im Nahen Osten
  3. 3. Europa, Nordasien und Afrika
  4. 4. Südasien und Südostasien
  5. 5. Ostasien
  6. 6. Amerika und Ozeanien

Grundidee und Verbreitung

Die Schriften der Welt lassen sich nach der Art ihrer Schriftsysteme und nach Schriftregionen einteilen. Diese Regionen stimmen oft mit den Einflussgebieten großer Religionen überein. Nach der These „Das Alphabet folgt der Religion“ von David Diringer schreiben katholisch und evangelisch geprägte Regionen meist in lateinischer Schrift, christlich-orthodoxe Regionen in kyrillischer oder griechischer Schrift und islamisch geprägte Regionen in arabischer Schrift. Das indische Schriftsystem verbreitete sich mit dem Buddhismus nach Südostasien, die chinesische Schrift durch chinesische Mönche nach Korea und Japan.

Trotzdem ist Schrift älter als die heutigen Weltreligionen. Ihre Verbreitung wurde nicht nur durch Religionen, sondern auch durch andere geistige Strömungen, Verwaltung, Bildung und praktische Bedürfnisse gefördert. Schriften unterscheiden sich darin, was ihre Zeichen darstellen: ganze Wörter oder Bedeutungen, Silben, Konsonanten, Vokale oder einzelne Laute.

Frühe Schriften im Nahen Osten

Im Fruchtbaren Halbmond entstanden ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. die frühesten Schriftsysteme der Welt. In Mesopotamien, zwischen Euphrat und Tigris, entwickelte sich aus städtischen Verwaltungsbedürfnissen die Keilschrift. Sie war zugleich Wortschrift und Silbenschrift. Um 3300 v. Chr. entstand in Sumer zunächst eine Bilderschrift mit rund 900 Piktogrammen und Ideogrammen, die in Ton geritzt wurden. Um ca. 2700 v. Chr. wurden in Uruk die ersten Tontafeln mit Keilschrift hergestellt. Diese frühen Texte waren vor allem landwirtschaftliche Listen und Tabellen für Buchführung und Verwaltung, nicht Mythen oder Dichtung. Die Keilschrift wurde über mehr als 3000 Jahre für mehrere Sprachen verwendet.

In Ägypten entstanden mehrere verwandte Schriften. Die frühesten Hieroglyphenfunde stammen aus der Zeit um 3000 v. Chr.; ob die Schrift älter ist, ist nicht gesichert. Bis ca. 390 n. Chr. blieb sie im Wesentlichen erhalten, wobei die Zahl der Zeichen von etwa 700 auf 5000 stieg. Hieroglyphen sehen wie Bildzeichen aus, geben aber auch Laute der gesprochenen Sprache wieder. Sie enthalten Piktogramme, Phonogramme für Laute und Determinative, die Bedeutungen oder Lesarten unterscheiden helfen.

Die hieratische Schrift war eine mit den Hieroglyphen verbundene Kursivschrift. Sie wurde ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Mitte des 1. Jahrtausends n. Chr. in Ägypten verwendet und immer von rechts nach links geschrieben. Die demotische Schrift entstand aus dem Hieratischen und wurde etwa von 650 v. Chr. bis 450 n. Chr. genutzt. Auch sie war eine schwer lesbare Kursivschrift von rechts nach links, mit vielen ähnlichen Zeichen und Ligaturen. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurden ägyptische Texte auch in griechischer Schrift mit demotischen Zusatzbuchstaben geschrieben. Nach der Christianisierung Ägyptens im 3./4. Jahrhundert ersetzte die koptische Schrift die älteren ägyptischen Schriften; heute wird sie nur noch liturgisch in der Koptischen Kirche verwendet.

Wichtig für semitische Sprachen sind Konsonantenschriften, also Systeme, die nur oder vor allem Konsonanten schreiben. Dazu gehören ugaritische, phönizische, hebräische und arabische Schrift. Die hebräische Schrift besitzt 22 Zeichen, ursprünglich nur für Konsonanten; einige dienten später auch zur Andeutung von Vokalen. Die arabische Schrift verbreitete sich besonders mit der Niederschrift des Korans; die ersten arabischen Inschriften werden auf 512/513 n. Chr. datiert.

Europa, Nordasien und Afrika

Ausgangspunkt vieler europäischer Schriften ist die griechische Schrift. Als die Griechen um 800 v. Chr. die phönizische Schrift übernahmen, verwendeten sie einige nicht benötigte Konsonantenzeichen zur Schreibung von Vokalen. So entstand eine Alphabetschrift, in der einzelne Zeichen Laute, auch Vokale, darstellen. Aus der griechischen Schrift entwickelten sich wichtige europäische Systeme wie die lateinische und die kyrillische Schrift.

Die lateinische Schrift war ursprünglich das Alphabet der Römer zur Schreibung des Lateinischen. Sie stammt von der etruskischen Schrift ab, die wiederum aus einem westgriechischen Alphabet hervorging. Die Römer übernahmen zunächst 21 Buchstaben; in klassischer Zeit und Spätantike bestand das Alphabet aus 23 Buchstaben. Die heutige Zahl von 26 Buchstaben wurde erst in der Renaissance erreicht. Auch die Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben entstand erst mit der Renaissance.

Runen waren Schriftzeichen der Germanen und wurden in Holz, Knochen, Metall oder Stein eingeritzt. Die älteste sicher nachweisbare Runenreihe ist seit 150 n. Chr. belegt und umfasst 24 Zeichen. Nach ihren ersten sechs Zeichen wird sie Futhark genannt. Später entstanden regionale Runenreihen mit anderer Zeichenanzahl und teils anderen Zeichen.

Weitere europäische oder angrenzende Schriften sind die georgische Schrift mit 33 Buchstaben, die armenische Schrift mit heute 39 Buchstaben, die Ogham-Schrift Irlands und westlicher Teile Britanniens sowie die altungarische und alttürkische Schrift. Für slawische Sprachen wurde um 863 im Zusammenhang mit der Mission bei den moravisch-pannonischen Slawen die glagolitische Schrift entwickelt. Um 893 entstand in Bulgarien auf der Basis griechischer Majuskeln und slawischer Elemente eine neue slawische Schrift, die später fälschlich nach Kyrill „kyrillische Schrift“ genannt wurde.

In Afrika südlich der Sahara hat besonders die äthiopische Schrift eine lange Tradition. Sie ist eine Abugida-Silbenschrift, also ein System, in dem Konsonantenzeichen einen inhärenten Vokal mittragen und andere Vokale durch Zusatzzeichen angezeigt werden. Sie entwickelte sich aus dem Altsüdarabischen. Daneben gibt es lokale Schriften wie Nsibidi sowie neuere Schriften des 19. und 20. Jahrhunderts, etwa Vai, Mende, Bassa Vah, Kpelle, Bété, N’Ko, Osmaniya, Mandombe und Mwangwego. Das Afrika-Alphabet erweitert das lateinische Alphabet um Sonderzeichen für afrikanische Sprachen.

Südasien und Südostasien

In Südasien gingen viele Schriften aus der altindischen Brahmi-Schrift hervor. Es handelt sich meist um Abugidas: Jedes Konsonantenzeichen enthält mindestens einen inhärenten Vokal, bei den indischen Abugidas den Vokal [a]. Soll ein anderer Vokal gelesen werden, zeigen diakritische Zeichen über, unter oder neben der Silbe dies an. Eine bekannte Schrift ist Devanagari, die „Schrift der göttlichen Stadt“, in der Sanskrit geschrieben wurde.

Die Form der Zeichen hängt auch vom Schreibmaterial ab. In Nordindien erlaubten Birkenrinden gerade Linien, während solche Linien südindische Palmblätter spalten würden. Daher entstanden unterschiedliche Schriftbilder: Devanagari hängt die Silben an eine obere Linie, während die birmanische Schrift stark aus Kreisen besteht.

Nordindische Schriften werden unter anderem für Tibetisch, Nepalesisch, Panjabi in Gurmukhi, Hindi in Devanagari, Gujarati, Bengalisch und Oriya verwendet. Südindische Schriften sind zum Beispiel Kannada, Malayalam, Telugu, Tamil und Singhalesisch.

Südostasiatische Schriften sind Anpassungen indischer Abugidas an andere Sprachen. Sie unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise oft deutlich von indischen Schriften und voneinander. Die birmanische Schrift hat abgerundete Formen, sieben Vokale und unterscheidet drei Tonhöhen. Die Khmer-Schrift teilt Konsonanten in zwei Gruppen mit unterschiedlichen inhärenten Vokalen ein, was die vielen Vokale und Diphthonge der Sprache abbildbar macht. Die thailändische Schrift stammt von der Khmer-Schrift ab; Thai ist eine Tonsprache mit fünf bedeutungsunterscheidenden Betonungen. Die laotische Schrift ähnelt der Thai-Schrift, hat aber weniger Zeichen. Auf den Philippinen existieren mehrere native Abugidas, darunter Baybayin, Buhid, Hanunó'o und Tagbanwa; sie besitzen den inhärenten Vokal [a] und drei Vokale.

Ostasien

Ostasien umfasst vor allem chinesische Schriftzeichen, die japanische Schrift und die koreanische Schrift. Die chinesische Schrift verbreitete sich nach Korea und von dort nach Japan. Beide Sprachen unterscheiden sich stark vom Chinesischen, weshalb die Übernahme der Zeichen besondere Folgen hatte: Viele Zeichen behielten einheimische Lesungen, erhielten aber zusätzlich chinesische Aussprachen.

Ein chinesisches Schriftzeichen steht grundsätzlich für ein einsilbiges Morphem, also eine kleinste bedeutungstragende Einheit. Es ist keine Silbenschrift, weil das Zeichen nicht nur den Laut, sondern die Bedeutung der Silbe codiert. Gleichlautende Silben mit verschiedener Bedeutung werden unterschiedlich geschrieben. In China werden Zeichen in sechs Kategorien eingeteilt, darunter Piktogramme, Ideogramme, zusammengesetzte Symbole und Phonogramme. Die meisten Zeichen sind Phonogramme: Sie kombinieren ein bedeutungsandeutendes Element mit einem lautlichen Element. Trotzdem lässt sich ohne Kenntnis des Wortes meist nicht sicher auf Bedeutung oder Aussprache schließen. Historisch wurde von oben nach unten und spaltenweise von rechts nach links geschrieben; heute ist auf dem Festland im Alltag links nach rechts üblich. 1956 wurden in der Volksrepublik China vereinfachte Kurzzeichen standardisiert; Langzeichen werden unter anderem auf Taiwan, in Hongkong und Macau verwendet.

Die japanische Schrift besteht im Wesentlichen aus Kanji, Hiragana und Katakana. Kanji sind chinesische Zeichen und werden für Verben, Adjektive und Substantive genutzt. Seit 1981 regeln ministerielle Richtlinien, dass heute 2136 Kanji in der Schule gelehrt und in Veröffentlichungen benutzt werden. Schwierigkeit beim Lesen entsteht durch verschiedene Lesungen: Kun-Lesung bedeutet japanische Lesung, On-Lesung sino-japanische Lesung. Hiragana ist eine runde Silbenschrift für Partikeln und Endungen, Katakana eine eckige Silbenschrift vor allem für Fremdwörter. Rōmaji bezeichnet die Übertragung japanischer Zeichen ins lateinische Alphabet.

Die koreanische Schrift ist eine besondere Buchstabenschrift. Sie ahmt die quadratische Form chinesischer Zeichen nach, gibt aber alle Laute der koreanischen Sprache wieder. König Sejong stellte 1446 das koreanische Alphabet vor, damals Hunmin Jeongeum, „die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes“, genannt. Es hatte ursprünglich über 28 Buchstaben; heute besteht es aus 14 Konsonanten und 10 Vokalen. Der 9. Oktober erinnert als Hangeul-Tag an diese Erfindung. Das Hunmin Jeongeum wurde zum Nationalgut Nr. 70 erklärt und 1997 in die UNESCO-Liste der Weltdenkmäler aufgenommen.

Amerika und Ozeanien

In Amerika entstanden verschiedene Schriftsysteme, die meisten vor der Kolonialzeit. Die Maya-Schrift ist ein Beispiel für eine unabhängige Schrifterfindung. Mit ihr ließ sich alles, was gesprochen wurde, auch schriftlich wiedergeben; sie war also eine Vollschrift. Das Schriftsystem der Azteken war dagegen keine Vollschrift.

Bei den Inka gab es Quipus oder khipu, eine Knotenschrift. Sie gilt nicht als Vollschrift, sondern als Zahlenschrift für die Buchhaltung. Später entstand die Silbenschrift der Cherokee. Sequoyah, selbst Analphabet, schuf diese Schrift für den Stamm; sie setzte sich rasch durch und wird bis heute verwendet. Die Cree-Schrift wurde von dem Missionar James Evans entwickelt. Sie ist ebenfalls eine Silbenschrift, verwendet aber keine lateinischen Buchstaben. Durch Drehung einzelner Elemente lassen sich verschiedene Silben darstellen. Heute wird sie auch von kanadischen Inuit für Inuktitut verwendet.

In Ozeanien entwickelte sich auf der zu Chile gehörenden Osterinsel eine einzigartige kultische Schrift namens Rongorongo. Sie ist bis heute nicht entziffert.

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