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Schöne neue Welt

Schöne neue Welt ist ein 1932 zunächst auf Englisch (Brave New World) erschienener Roman einer negativen Utopie von Aldous Huxley. Er beschreibt darin eine …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Roman und Grundidee
  2. 2. Weltstaat, Erzeugung und Anpassung
  3. 3. Alltag, Kontrolle und Weltbild
  4. 4. Handlung und Hauptfiguren
  5. 5. Erzählweise und Deutungen

Roman und Grundidee

Schöne neue Welt (englisch: Brave New World) ist Aldous Huxleys 1932 erschienener Roman einer negativen Utopie, also einer Darstellung einer scheinbar geordneten Zukunftsgesellschaft mit bedrohlichen Folgen. Die Handlung spielt im Jahr 2540 n. Chr. beziehungsweise 632 A.F. (Anno Ford). Der Weltstaat hat fast die gesamte Menschheit erfasst. Sein Leitprinzip lautet „Kollektivität, Identität, Stabilität“.

Die Gesellschaft sichert ihre Stabilität nicht vor allem durch offene Gewalt, sondern dadurch, dass Menschen von Beginn an angepasst werden, konsumieren, sexuelle Befriedigung suchen und bei Unzufriedenheit die Droge Soma nehmen. Individualität, dauerhafte Bindungen, geschichtliches Bewusstsein und kritisches Denken gelten als Gefahr. Der Roman ist deshalb sowohl Dystopie als auch Gesellschaftssatire: Er kritisiert eine Ordnung, in der Wohlbefinden und soziale Ruhe wichtiger werden als Freiheit, persönliche Entwicklung und tiefere Gefühle.

Das Motto, ein Zitat des Philosophen N. A. Berdjajew, formuliert die zentrale Frage: Utopien seien realisierbar geworden; entscheidend sei nun, wie ihre vollständige Verwirklichung vermieden werden könne und wie ein freierer, unvollkommenerer Staat möglich bleibe.

Weltstaat, Erzeugung und Anpassung

Der Weltstaat entstand nach einem neun Jahre dauernden Krieg ab 141 A.F. (2049 n. Chr.), in dem chemische und biologische Massenvernichtungswaffen eingesetzt wurden. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bildeten Regierungen eine Weltregierung. Die natürliche Fortpflanzung wird als unanständig und barbarisch dargestellt; die meisten Frauen sind sterilisiert, die übrigen nehmen rituell Verhütungsmittel.

Menschen werden in Brut- und Aufzuchtzentren außerhalb des Mutterleibs erzeugt und für fünf Kasten bestimmt: Alpha, Beta, Gamma, Delta und Epsilon. Alpha-Plus-Menschen übernehmen Führungsaufgaben, Epsilon-Minus-Menschen die einfachsten Tätigkeiten. Beim Bokanowsky-Verfahren wird eine befruchtete Eizelle zur Teilung angeregt, sodass 8 bis 96 Embryos und damit Klone entstehen; dieses Verfahren erzeugt die drei unteren Kasten Gamma, Delta und Epsilon. Ihre Entwicklung wird durch Alkohol und Sauerstoffentzug absichtlich gehemmt. Alphas und Betas entstehen aus ungeteilten Eizellen und erhalten entwicklungsfördernde Substanzen und Impfungen.

Die Kastenzugehörigkeit beruht nicht auf Gentechnik, sondern auf pränataler biologischer Einwirkung und anschließender Konditionierung. Kinder lernen durch Belohnung und Bestrafung sowie durch die „Schlafschule“ (hypnopaedia), wiederholte Botschaften im Schlaf: Sie sollen ihre eigene Kaste lieben, alle Kasten als notwendig ansehen und Einsamkeit ablehnen. Ziel ist, dass jeder „seine unentrinnbare Bestimmung“ akzeptiert und „zu lieben, was man tun muss“ lernt.

Bildung vermittelt nur praktisches, für die Gemeinschaft nützliches Wissen. Humanistische Bildung, Museen, Denkmäler und Bücher von vor 150 A.F. sind unterdrückt oder verboten. Auch technischer Fortschritt wird begrenzt, wenn er Arbeitsplätze überflüssig machen und damit die gesellschaftliche Stabilität gefährden könnte.

Alltag, Kontrolle und Weltbild

Die Bürger sollen viele wechselnde Sexualkontakte haben; die Formel lautet „jeder gehört jedem“. Liebe, Exklusivität und starke emotionale Bindungen gelten als destabilisieren. Freizeitangebote und Konsum halten die Bevölkerung beschäftigt. Anspruchsvolle Kunst und Literatur sind durch das „Fühlkino“ (Feelies) ersetzt, dessen einfache Action- und Erotikgeschichten körperliche Empfindungen übertragen.

Soma dient dazu, negative Gefühle und Konflikte rasch zu beseitigen. Die synthetische Droge wirkt stimmungsaufhellend, anregend und als Aphrodisiakum. Bei üblicher Dosierung habe sie im Unterschied zu Alkohol keine Nebenwirkungen. Ihr Motto lautet: „Ein Gramm versuchen ist besser als fluchen.“ Krankheit ist durch pränatale Impfungen praktisch beseitigt. Menschen altern äußerlich kaum, bleiben bis etwa 60 bis 70 Jahre leistungsfähig und sterben dann schnell und schmerzlos im Soma-Halbschlaf in Hospizen. Auch die Todesangst wird durch Konditionierung abgebaut.

An die Stelle der Religion tritt ein Kult um Henry Ford. Das Modell T wird zum Symbol, das christliche Kreuz durch ein T ersetzt; wichtige Personen heißen „Fordschaft“. Im „Solidarity Service“ verbinden sich Singen, Tanzen, Soma und eine Gruppensex-Orgie. Kleine Reservate bleiben als Relikte der alten Welt bestehen. Dort gehören natürliche Geburt, Krankheit, Alter, Religion und Stammeskultur weiterhin zum Leben.

Handlung und Hauptfiguren

Zu Beginn erklären ein Direktor eines Aufzuchtcenters und der Weltcontroller Mustapha Mond Studenten die Grundlagen der neuen Ordnung. Mustapha Mond, ein Alpha-Plus-Plus und Weltaufsichtsrat für Westeuropa, kennt verbotene Literatur wie Shakespeare und die Bibel. Er erkennt negative Seiten des Systems, verteidigt es aber zugunsten von Stabilität und seiner Führungsrolle.

Im Mittelpunkt stehen drei Außenseiter. Bernard Marx ist ein kleiner Alpha, über dessen angeblichen „Produktionsfehler“ Gerüchte kursieren. Er kritisiert die Behandlung von Frauen und die dauernde Indoktrination, wird jedoch feige und genießt seine Popularität, als er gesellschaftlich aufsteigt. Helmholtz Watson ist ein intelligenter Alpha-Plus und Dozent für Schriftstellerei. Er möchte mehr schreiben als Slogans und empfindet seine spätere Verbannung auf die Falkland-Inseln als Möglichkeit zu persönlicher Freiheit. Lenina Crowne, eine Beta-Frau und angepasste Bürgerin, arbeitet in der Zentrale für Brut- und Normaufzucht. Sie kann sich eine Beziehung jenseits von Freizeit und Sexualität nicht vorstellen.

Bernard reist mit Lenina in das Reservat Malpais in New Mexico. Beide sind entsetzt über Abfälle, Alter, Mütter und traditionelle Rituale. Dort treffen sie John Savage, den „Wilden“, und dessen Mutter Linda. Linda war bei einem früheren Besuch zurückgeblieben. John wurde natürlich gezeugt, im Reservat ausgegrenzt und vor allem durch eine dort vergessene Shakespeare-Gesamtausgabe geprägt. Auf Bernards Bitte erlaubt Mustapha Mond John und Linda die Einreise in die Zivilisation.

John ist zunächst beeindruckt, wird aber zunehmend durch Soma, Unterhaltung und die Sexualnormen abgestoßen. Er und Lenina lieben einander, doch ihre Vorstellungen sind unvereinbar: Ihre direkte sexuelle Annäherung zerstört sein idealisiertes Bild von ihr. Als John die Soma-Verteilung an Deltas stört, werden er, Bernard und Helmholtz festgenommen. Mond verbannt Bernard nach Island und Helmholtz auf die Falkland-Inseln.

Im 17. Kapitel diskutieren John und Mond über Glück, Freiheit und Sinn. Mond vertritt Utilitarismus, das größte Glück der größten Zahl. John fordert Gott, Keuschheit, Leidenschaft, Leiden, Herausforderung und einen dadurch wertvolleren Erfolg. Er kann Mond nicht überzeugen. Weil er weder in der Zivilisation noch im Reservat leben will, zieht er sich in einen Leuchtturm zurück. Schaulustige bedrängen ihn; nach einer ekstatischen Szene voller Gewalt und Tanz erhängt er sich am nächsten Morgen.

Erzählweise und Deutungen

Der Roman ist in 18 Kapitel unterschiedlicher Länge gegliedert. Er verbindet die Beschreibung einer fremden Gesellschaft mit einer Reise- oder Führungsform: Arbeitswelt, Freizeit, Reservat und Zivilisation werden vergleichend gezeigt. Bernard, Helmholtz und John machen die auf Stabilität angelegte Welt erzählbar, weil sie nicht vollständig in sie passen. Die Kapitel VII und VIII über das Reservat bilden den Wendepunkt zur offenen Konfrontation Johns mit der neuen Zivilisation.

Huxley verwendet typische Elemente utopischer Literatur: Reise, eine scheinbar harmonische Ordnung, wissenschaftliche und pädagogische Verfahren, suggestive Details wie Soma und offene Sexualität sowie eine Logik von Kontrolle und Glück. Im dritten Kapitel werden historische Aussagen des Controllers immer stärker von Aussagen der Zukunft unterbrochen. Seine Formel „Geschichte ist Humbug“ wird dadurch auch in der Textgestaltung sichtbar. Der Roman beginnt mit der Menschenfabrik und der Staatsräson „KOLLEKTIVITÄT, IDENTITÄT, STABILITÄT“ und endet mit Johns Tod; dieser Bogen unterstreicht die Kritik am Verlust des Individuums.

Huxley nannte 1946 als größten Fehler, John nur zwei gleich unattraktive Möglichkeiten gelassen zu haben: die Zivilisation oder das Reservat. Er hätte lieber eine „Chance zur Vernunft“ gezeigt, etwa eine dezentrale Ökonomie und Selbsthilfe. In Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt (1958) kommentierte er erneut Entwicklungen, die aus seiner Sicht in Richtung des Roman-Szenarios wiesen.

Der Roman wird oft als frühe Warnung vor biologischer Manipulation gelesen. Der Artikel betont jedoch seine Mehrschichtigkeit: Gesellschaftssatire, Konsumkritik, biowissenschaftliche Horrorvision, Kommentar zu Forschung und Reformutopie. Anders als in George Orwells 1984 beruht die Herrschaft vor allem auf Zustimmung und Bedürfnisbefriedigung statt auf offenem Terror. Umstritten bleibt dabei die Wertung: Manche sahen in der dargestellten sexuellen Freiheit, genetischen Kontrolle und Freizeitkultur auch paradiesische Züge; der Roman selbst zeigt jedoch keine überzeugende positive Alternative.

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