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Korsische Sprache
Oft, zumindest wenn sie in französischer Rede auftauchen, werden die Namen französisch ... Die Possessivpronomen stehen wie im Italienischen mit dem …
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Grundlagen und Stellung
Korsisch (corsu) ist ein romanisches Idiom der Mittelmeerinsel Korsika. Es steht seit dem 19. Jahrhundert in Konkurrenz zum Französischen und gehört sprachsystematisch zu den italoromanischen Sprachen oder Dialekten, genauer zum Mittelitalienischen. Es ist eng mit dem toskanischen Italienisch verwandt.
Auf Sardinien werden Galluresisch (cossu oder cossicanu) und Sassaresisch gesprochen. Diese gelten als südliche Varietäten beziehungsweise Ableger des Korsischen, nicht als Dialekte des Sardischen. Korsisch ist in Frankreich als Regionalsprache anerkannt. Es kann auf Korsika als Schulfach und Verwaltungssprache verwendet werden, während Französisch die einzige Amtssprache der Insel bleibt. Ortsschilder und Wegweiser sind fast überall zweisprachig. Als Schriftsprache wird Korsisch jedoch wenig benutzt; Französisch dominiert.
An der Universität von Corti ist Korsisch in allen Studienrichtungen obligatorisches Nebenfach. Außerdem gibt es Studiengänge für Korsische Sprache und Kultur bis zum Bachelor und Master. In Nordsardinien sind Sassaresisch und Galluresisch von der Regionalregierung anerkannt; teilweise gibt es dort ebenfalls zweisprachige Beschilderung.
Sprache, Dialekte und Merkmale
Ob Korsisch eine eigenständige Sprache oder ein Dialekt ist, hängt von den Kriterien ab. Es ist mit mittelitalienischen Dialekten weitgehend gegenseitig verständlich und dem Toskanischen besonders nah. Der Ausdruck „lingua corsa“ hat sich dennoch durchgesetzt. Als Argument für den Sprachstatus gilt die seit dem Anschluss an Frankreich entwickelte, normierte Schriftsprache. Korsisch kann daher mindestens als Kulturdialekt oder Ausbausprache bezeichnet werden. Eine Ausbausprache ist eine Varietät, die durch Verschriftlichung, Normierung und Verwendung in Kultur oder Institutionen eigenständiger wird.
Die nördlichen Dialekte heißen corsu supranu oder cismuntincu und stehen besonders dem Toskanischen nahe. Die südlichen Dialekte, corsu suttanu oder pumuntincu, sind eng mit Galluresisch (gadduresu) und Sassaresisch (sassaresu) im Norden Sardiniens verbunden; hierfür wird auch der Begriff sardisch-korsische Übergangsdialekte verwendet. Zwischen Nord- und Südkorsika liegt eine Übergangszone. In Calvi, Ajaccio und Bonifacio bestehen zudem ligurische Einflüsse.
Der Wortschatz ist dem Italienischen sehr nahe; einige Wörter wirken französisch oder sind aus dem Französischen entlehnt. Im Alltag kommen auch Mischformen aus Korsisch und Französisch vor. Klangliche Ähnlichkeiten mit Portugiesisch werden mit vielen u-Lauten und regionalen Zischlauten erklärt; Nasallaute erinnern zugleich an Französisch. Beispiele sind eccu „hier/da ist“ wie italienisch ecco, perìculu „Gefahr“ wie pericolo und fiume „Fluss“ wie italienisch fiume. Das französische gare wurde als gara „Bahnhof“ übernommen.
Historische Entwicklung
Die Latinität setzte sich auf Korsika allmählich durch. Aufgrund gemeinsamer vorrömischer Einflüsse, unter anderem libyscher, phönizischer und etruskischer, bildeten Korsika und Sardinien zunächst ein Sprachgebiet. Korsika orientierte sich dabei nach Mittel- und Süditalien. Ab dem 9. Jahrhundert zerbrach die sprachliche Einheit, weil beide Inseln unter unterschiedlichen politischen Einfluss gerieten.
Korsika gehörte ab 828 zum Machtbereich des Markgrafentums der Toskana, ab 1077 herrschten die Pisaner. Nach der Seeschlacht bei Meloria 1284 fiel die Insel an die Republik Genua, die bis 1768 herrschte. Die pisanische und genuesische Zeit führte zur „Toskanisierung“: Das toskanisch basierte Hochitalienische war Schriftsprache, Korsisch galt als dialetto und diente vor allem der mündlichen Alltagskommunikation.
1768 verkaufte Genua Korsika an Frankreich. Französisch wurde nun die Dachsprache, also die übergeordnete Kultur- und Schriftsprache. 1852 wurde Italienisch aus den offiziellen Bereichen verbannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden korsische Rechtschreibung und Unterschiede zu Italienisch in Wortschatz und Grammatik stärker vereinheitlicht beziehungsweise betont. Die allgemeine Schulpflicht von 1882 mit Französisch als einziger Unterrichtssprache stärkte jedoch Französisch und schwächte Korsisch massiv.
Seit 1974 ist Korsisch durch die Novellierung der Loi Deixonne als Regionalsprache anerkannt. Jean Rocchi hatte 1973 die freiwilligen Sommerschulen scole aperte gegründet. Seit 1989 besitzt Korsisch nach dem Artikel den Status einer dem Französischen gleichberechtigten Verwaltungssprache, während viele Korsen weiter eine offizielle Zweisprachigkeit fordern. Am 29. September 2023 kündigte Staatspräsident Macron ein autonomieähnliches Statut an, lehnte aber Korsisch als zweite allgemeinverbindliche Amtssprache und die Anerkennung der Korsen als Nation ab.
Sprecher, Bildung und öffentlicher Gebrauch
Verlässliche Zahlen fehlen, weil Frankreich keine Statistik zu Minderheitensprachen erhebt. Schätzungen widersprechen sich: Für Korsika werden etwa 100.000, aber auch nur 60.000 oder mehr als 200.000 Sprecher genannt; zusätzlich werden 33.000 Sprecher auf dem französischen Festland angenommen. Rechnet man bis zu 100.000 Galluresisch- und bis zu 150.000 Sassaresischsprecher auf Sardinien ein, ergeben sich 383.000 Sprecher in Frankreich und Italien. Schätzungen von über 400.000 Sprechern weltweit erscheinen danach folgerichtig. Auch die Entwicklung ist umstritten: Manche nehmen einen Rückgang wegen der Dominanz des Französischen in Bildung und Geschäftsleben an, andere einen Anstieg durch mehr Unterricht. Im Vergleich zu Elsässisch oder Okzitanisch gilt Korsisch als weniger gefährdet, weil es viele junge Sprecher gebe. Die UNESCO ordnet es als potentiell gefährdet („vulnerable“) ein.
Etwa 98 % der korsischen Grundschüler erhalten mindestens eineinhalb Stunden Korsischunterricht pro Woche. In der Sekundarstufe I sind es rund 59 %, in der Sekundarstufe II etwa 22 %. Nur 2 % der Familien geben die Sprache laut Statistik an die nächste Generation weiter; echte Zweisprachigkeit ist selten und Französisch dominiert meist.
Die offiziellen Ortsnamen sind überwiegend italienisch, auch wenn ihre Schreibweise nicht immer der modernen italienischen Orthografie folgt. Daneben können korsische Formen auf Schildern stehen, etwa Portivechju oder Portuvechju für Porto-Vecchio, Carghjese für Cargèse und Bunifaziu für Bonifacio.
Im Radio ist Korsisch präsenter als im Fernsehen und in der Presse. France Bleu RCFM Frequenza Mora sendet von 6 Uhr morgens bis in den Abend aus Korsika, teils auf Korsisch; auch private Sender bieten korsischsprachige Beiträge. Die Tageszeitung Corse-Matin erscheint überwiegend auf Französisch, enthält aber regelmäßig korsische Artikel. In Nordsardinien sind korsische Mundarten hochgradig bedroht: Der italienische Staat erkennt sie im Gegensatz zum Sardischen nicht als Regionalsprache an, und Italienisch dominiert das öffentliche Leben.
Grundzüge der Grammatik
Der bestimmte Artikel geht auf die lateinischen Demonstrativa ILLE, ILLUD und ILLA zurück. Im Singular heißt er maskulin u, vor Vokal l', und feminin a, vor Vokal l'. Im Plural lauten die Formen maskulin i, vor Vokal l', und feminin e, vor Vokal l'. Der unbestimmte Artikel ist un für Maskulina, una für Feminina und un' vor vokalisch beginnenden Feminina.
Die Personalpronomina sind eo/eiu „ich“, tù „du“, ellu/ella „er/sie“, noi „wir“, voi „ihr“ und elli/elle „sie“ für Maskulinum/Femininum. Wie im Standarditalienischen muss das Pronomen nicht gesetzt werden: parlu bedeutet „ich spreche“. Zur Betonung steht es ausdrücklich: eo parlu bedeutet „ICH spreche (nicht du)“. Possessivpronomen stehen mit bestimmtem Artikel, zum Beispiel u mio und u to „mein“, „dein“.
Wichtige Hilfsverben sind esse „sein“ und avè „haben“; sie bilden unter anderem das Perfekt. Der Infinitiv hat seine lateinische Endung -RE verloren, während esse noch der lateinischen Form entspricht. Neben dem Perfekt gibt es ein Imperfekt; für die Zukunft wird im gesprochenen Korsisch das Präsens verwendet.
Pluralformen enden nicht auf -s. Meist endet ein maskulines Wort im Singular auf -u und im Plural auf -i, etwa lettu, letti „Bett, Betten“. Feminina enden meist auf -a und bilden den Plural auf -e, etwa scala, scale „Stiege, Stiegen“. Wörter auf -e können maskulin oder feminin sein; ihr Plural lautet -i oder im Norden -e, etwa noce, noci/noce „Nuss, Nüsse“.