Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Samuel Richardson

Die Produktion deutscher Briefromane riss mit der Empfindsamkeit nicht ab, sondern reichte bis in die Zeit der Weimarer Klassik: Friedrich Schillers …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Erzählweise
  2. 2. Leben und wichtigste Romane
  3. 3. Wirkung und Bezüge
  4. 4. Ausgaben, Illustrationen und Verfilmungen

Bedeutung und Erzählweise

Samuel Richardson (* 19. August 1689 in Mackworth, Derbyshire; † 4. Juli 1761 in London) war ein britischer Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch empfindsame Tugendromane. Die Empfindsamkeit stellt Gefühle, moralische Werte und das Innenleben von Figuren in den Mittelpunkt.

Richardson gilt als wegweisend für die Geschichte des Romans. In seinen Briefromanen erzählt eine subjektive Stimme durchgehend die Handlung und verdrängt damit den allwissenden Erzähler. Außerdem verlagerte er den Schwerpunkt erstmals von der äußeren Handlung auf die innere Dramatik der Figuren. Er entwarf auch erstmals ein ausführliches Psychogramm, also eine genaue Darstellung des seelischen Zustands, einer weiblichen Hauptfigur.

Leben und wichtigste Romane

Richardson war der Sohn eines Schreiners. Zunächst erlernte er den Beruf des Buchdruckers und wurde als Drucker und Verleger in London erfolgreich. Im Alter von 50 Jahren erhielt er 1740 den Auftrag, Musterbriefe für junge Damen zu verfassen. Daraus entstand der 1741 veröffentlichte Briefsteller Familiar Letters; die Arbeit daran regte ihn zum Schreiben eines Briefromans an.

Pamela oder die belohnte Tugend (1740) erzählt von einem tugendhaften Dienstmädchen, das sich gegen die derben und brutalen Belästigungen seines Herrn wehrt. Schließlich bekehrt sie den sittlich verkommenen Herrn und heiratet ihn. Der Roman war sofort sehr erfolgreich, begründete das Genre des empfindsamen Romans und die Schule der empfindsamen Literatur. Richardson überarbeitete Pamela insgesamt 22 Jahre lang, von 1739 bis 1761, und behielt dabei Ton und Ästhetik der Entwicklung der Epoche im Blick.

Clarissa or, The History of a Young Lady (1748) war mit 547 Briefen und über einer Million Wörtern der längste Roman seiner Zeit und verkaufte sich noch besser als Pamela. Sir Charles Grandison (1753) stellt im Unterschied zu den beiden Vorgängern einen Mann in den Mittelpunkt: den idealen christlichen Gentleman. Pamela und Clarissa sind dagegen ständig Opfer böser, lüsterner Männer. Auch Sir Charles Grandison, der geringfügig länger als Clarissa war, wurde ein großer Erfolg.

Wirkung und Bezüge

Schon früh gab es Kritik an Richardsons Empfindsamkeit: Henry Fielding parodierte Pamela 1741 in Shamela und prangerte moralische Heuchelei sowie verklemmte Zweideutigkeiten an. Sarah Fielding veröffentlichte 1749 Remarks on Clarissa. Jean-Jacques Rousseau knüpfte mit Julie oder Die neue Heloise (1761) an Richardsons Erfolg an. Denis Diderot lobte Richardson 1760 in Éloge de Richardson für die genaue Darstellung alltäglicher Dinge sowie dafür, dass moralische Themen im Alltag anschaulich und spannend würden; die Romane ließen Leser vergessen, dass sie Fiktion lesen.

In Deutschland wurden Richardsons Briefromane viel gelesen. Christian Fürchtegott Gellerts Leben der schwedischen Gräfin von G*** (1746) war ein erster Versuch eines deutschen Briefromans. Sophie von La Roches Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) war unter anderem ein Vorbild für Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774). Einfluss bestand auch auf das frühe empfindsame bürgerliche Trauerspiel, etwa Lessings Miss Sara Sampson (1755) und Pfeils Lucie Woodvil (1756). Spätere Autoren, für die Richardson wegweisend war, sind Jane Austen, Henry James, die Geschwister Brontë, Thomas Hardy, John Cleland und D. H. Lawrence. Friedrich Schiller bezieht sich in der Einleitung zu Eine großmütige Handlung ausdrücklich auf Sir Charles Grandison und Pamela oder die belohnte Tugend.

Ausgaben, Illustrationen und Verfilmungen

Zu Richardsons Hauptwerken zählen Pamela or, Virtue Rewarded (1740), Clarissa or, The History of a Young Lady (1747/48) und The History of Sir Charles Grandison (1753/54). Eine deutsche Clarissa-Ausgabe übersetzte Johann David Michaelis in 7 Bänden bei Vandenhoeck in Göttingen, 1748–1753. Geschichte Herrn Carl Grandison erschien 1754/55 bei Weidmann in Leipzig in einer Übersetzung unter anderem von Christian Fürchtegott Gellert und Abraham Gotthelf Kästner.

Die erste deutsche illustrierte Ausgabe von Charles Grandison entstand 1756. Philipp Erasmus Reich stimmte die Bildthemen in London mit Richardson ab. Charles Eisen fertigte die Zeichnungen, Johann Martin Bernigeroth die Kupferstiche; Gottfried Eichler vervollständigte die Serie. Das Frontispiz und 21 Kupferstiche wurden auch separat verkauft.

Verfilmungen und freie Bearbeitungen sind Mistress Pamela (1974, Jim O’Connolly), die BBC-Fernsehserie Clarissa (1991, Robert Bierman) und die italienische Telenovela Elisa di Rivombrosa (2003, Cinzia TH Torrini), die frei nach Pamela erzählt wird.

Weiterlesen

England England · 1 Etymologie · 2 Geographie. 2.1 Klima; 2.2 Flora und Fauna · 3 Geschichte. 3.1 Vor der Römerzeit; 3.2 Römerzeit und Christianisierung · 4 Bevölkerung. Empfindsamkeit Empfindsamkeit bezeichnet in der europäischen Aufklärung eine Tendenz, die etwa von 1720 bis zur Französischen Revolution (1789–1799) reicht. Briefsteller Duden-Redaktion: Briefe schreiben – leicht gemacht. Der Ratgeber zum Verfassen von Geschäfts- und Privatbriefe sowie E-Mails. Mit vielen Anleitungen und … Johann Wolfgang von Goethe Die Leiden des jungen Werther, Wilhelm Meisters theatralische Sendung. 1961, 701 Seiten. Band 10: Romane und Erzählungen II. Wilhelm Meisters Lehrjahre … Die Leiden des jungen Werthers Der Roman wurde 1774 veröffentlicht und war nach dem nationalen Erfolg des Dramas Götz von Berlichingen (1773) Goethes zweiter großer, jetzt sogar europäischer … Jean-Jacques Rousseau Er gehörte zu den Vordenkern der Aufklärung und war ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Rousseau hatte zudem großen Einfluss auf die … Weimarer Klassik Die Weimarer Klassik oder Klassische deutsche Literatur ist eine Epoche der deutschen Literatur, in der das „Viergestirn“ Christoph Martin Wieland, … Friedrich Schiller Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar), war ein deutscher Dichter, … Bürgerliches Trauerspiel Das bürgerliche Trauerspiel ist ein Theatergenre, das im 18. Jahrhundert in London und Paris aufkam. Denis Diderot bezeichnete es als genre sérieux. Gotthold Ephraim Lessing Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften, die vor allem dem Toleranzgedanken verpflichtet sind, hat dieser Aufklärer der weiteren Entwicklung des … Miss Sara Sampson Miss Sara Sampson von Gotthold Ephraim Lessing ist das erste bürgerliche Trauerspiel der neueren deutschen Literatur. Es erschien und wurde uraufgeführt im … Denis Diderot ... Determinismus und Willensfreiheit sowie zur Kritik an der Religion. In seinen Werken wird eine deutliche Entwicklung von einer theistischen über eine …