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Miss Sara Sampson

Miss Sara Sampson von Gotthold Ephraim Lessing ist das erste bürgerliche Trauerspiel der neueren deutschen Literatur. Es erschien und wurde uraufgeführt im …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk, Gattung und Grundkonflikt
  2. 2. Flucht, Vater und Marwoods Plan
  3. 3. Vergebung wird durch die Intrige zerstört
  4. 4. Tod, Schuld und letzter Wille
  5. 5. Ausgaben und ausgewählte Inszenierungen

Werk, Gattung und Grundkonflikt

„Miss Sara Sampson“ ist ein deutschsprachiges bürgerliches Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing. Es erschien 1755 und wurde am 10. Juli 1755 im Exerzierhaus zu Frankfurt an der Oder uraufgeführt. Als erstes bürgerliches Trauerspiel der neueren deutschen Literatur gehört es zur Epoche der Empfindsamkeit. Ein bürgerliches Trauerspiel verlagert tragische Konflikte in das Leben nichtadeliger Figuren und stellt dabei besonders Gefühle, Tugend, Familie und moralische Entscheidungen in den Mittelpunkt.

Das Drama hat fünf Aufzüge und spielt in einem Gasthof in England. Im Zentrum stehen Miss Sara Sampson, ihr Geliebter Mellefont, ihr Vater Sir William Sampson sowie Mellefonts frühere Geliebte Marwood. Der Konflikt entsteht aus Saras Flucht mit Mellefont, der fehlenden Zustimmung ihres Vaters und Marwoods Versuch, Mellefont zurückzugewinnen. Weitere wichtige Figuren sind Marwoods und Mellefonts Tochter Arabella, Sir Williams Diener Waitwell und Mellefonts Bedienter Norton.

Flucht, Vater und Marwoods Plan

Sara und Mellefont wollen nach Frankreich fliehen und dort heiraten. Sara drängt auf die Heirat, während Mellefont die Ausreise verzögert. Als Grund nennt er das Erbe eines Vetters: Er würde es nur erhalten, wenn er eine von ihm verhasste Verwandte heiratet. Da die Abneigung gegenseitig ist, haben beide jedoch vereinbart, das Erbe zu teilen. Mellefonts Zögern weist trotzdem auf seine Unsicherheit gegenüber der Hochzeit hin.

Sir William reist mit Waitwell zum Gasthof, um Sara zurückzuholen und sich mit ihr zu versöhnen. Früher hatte er Mellefont nicht akzeptiert. Er handelt aus Liebe zu seiner Tochter, aber auch aus Selbstliebe, weil er im Alter nicht allein sein möchte. Auch Sara liebt ihren Vater und bereut, ihn allein lassen zu wollen.

Marwood hält sich in einem anderen Gasthof in der Nähe auf und lässt Mellefont durch einen Brief zu sich kommen. Sie verfolgt ihn ebenso wie Sir William. Marwood möchte Mellefont nicht aus wahrer Liebe, sondern wegen ihres verletzten Ehrgefühls zurückgewinnen. Zuerst versucht sie, ihn vertraulich anzusprechen; dann setzt sie ihre gemeinsame Tochter Arabella ein. Mellefont will sich zunächst von Sara lossagen, entscheidet sich aber bald für Sara und will Arabella mitnehmen. Daraufhin versucht Marwood erfolglos, ihn mit einem Dolch zu erstechen. Schließlich erhält sie von ihm die Erlaubnis, Sara unter falschem Namen zu begegnen.

Vergebung wird durch die Intrige zerstört

Marwood verrät Sir William den Aufenthaltsort des Paares. Er schreibt Sara einen Brief, vergibt ihr und Mellefont und fordert beide auf, zu ihm zurückzukehren. Sara zögert, liest den Brief aber nach langen Gesprächen mit Waitwell und beginnt eine Antwort. Damit scheint eine Versöhnung zwischen Vater und Tochter möglich.

Dann trifft Sara auf Marwood, ohne deren wahre Identität zu kennen. Sie hält sie für Lady Solmes, eine Verwandte aus Mellefonts Familie. Die Aussicht auf eine glückliche Lösung wird dadurch gefährdet, dass Marwood die Begegnung gezielt als Intrige nutzt. Im vierten Aufzug wird klar, dass Mellefont der Hochzeit stärker widerstrebt, als es zunächst den Anschein hatte.

Bei einem weiteren Treffen der Rivalinnen will Marwood sich verabschieden. Mellefont befürwortet diese Begegnung nicht. In einem hochdramatischen Gespräch legt Sara ihre „Sittenlehre“, also ihre moralischen Vorstellungen, dar. Marwood verrät sich und muss sich als Mellefonts frühere Geliebte zu erkennen geben. Sara ist erschüttert, flieht und fällt kurz in Ohnmacht.

Tod, Schuld und letzter Wille

Zunächst versucht Sara, den Konflikt zu überwinden. Obwohl Marwoods Bericht über Arabella bei ihr Zweifel weckt, verzeiht sie Mellefont nach einer Aussprache. Sie bietet sogar an, Arabella wie ihr eigenes Kind aufzuziehen. Danach verschlechtert sich Saras Zustand. Zuerst wird ihre Schwäche als Folge der Ohnmacht verstanden; bald zeigt sich jedoch, dass Marwood sie vergiftet hat.

Mellefont eilt wütend um Hilfe. Sir William erkennt an seiner Reaktion, dass Mellefont Sara wirklich liebt. An Saras Sterbebett kommt es zu gegenseitiger Vergebung: Sir William verzeiht den Liebenden; Sara verzeiht Marwood und bittet ihren Vater, sich um Mellefont und Arabella zu kümmern. Sir William stimmt zu, auch weil er selbst Schuldgefühle hat.

Mellefont kann sich angesichts von Saras und Sir Williams Edelmut nicht an Marwood rächen. Er kann sich aber auch selbst nicht verzeihen und erdolcht sich. Sir William erfüllt Saras letzten Wunsch und nimmt Arabella bei sich auf.

Ausgaben und ausgewählte Inszenierungen

Als Literatur werden unter anderem Ausgaben des Dramas bei Suhrkamp (Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-518-18852-6) und Reclam (Stuttgart 2003, ISBN 3-15-000016-5) genannt. Martin Schenkel veröffentlichte 1984 „Lessings Poetik des Mitleids im bürgerlichen Trauerspiel ‚Miss Sara Sampson‘“; Veronica Richel gab 2003 Erläuterungen und Dokumente zum Werk heraus.

Ausgewählte spätere Inszenierungen waren die Premiere am Maxim Gorki Theater Berlin am 10. November 2007 unter der Regie von Barbara Weber, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden am 5. Oktober 2012 unter der Regie von Ricarda Beilharz und am Volkstheater Rostock am 10. Dezember 2022 unter der Regie von Damian Popp.

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