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Briefsteller
Duden-Redaktion: Briefe schreiben – leicht gemacht. Der Ratgeber zum Verfassen von Geschäfts- und Privatbriefe sowie E-Mails. Mit vielen Anleitungen und …
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Begriff und Funktion
Ein Briefsteller war ursprünglich eine Person, die im Auftrag anderer Menschen Briefe schrieb. Später bezeichnete das Wort vor allem Bücher, die beim Schreiben von Briefen halfen. Solche Bücher enthielten Anleitungen, Regeln und Musterbriefe, also fertig formulierte Beispiele, an denen man sich orientieren konnte.
Die Textgattung entstand bereits im 15. Jahrhundert. Besonders wichtig wurde sie im 17. und 18. Jahrhundert. Briefsteller halfen dabei, Briefe formal richtig aufzubauen, passende Anreden zu wählen und je nach Anlass den richtigen Ton zu treffen. Sie waren also praktische Ratgeber für schriftliche Kommunikation in Alltag, Verwaltung, Beruf und gesellschaftlichem Leben.
Regeln des Briefeschreibens
Im deutschen Sprachraum spielte das Titulaturwesen eine besonders große Rolle. Damit ist das System korrekter Titel, Anreden und Rangbezeichnungen gemeint. Personen mussten ihrem Stand entsprechend richtig angeschrieben und angesprochen werden. Johann Leonhard Rosts Briefsteller von 1713 beobachtete dieses System ausführlich und gab zugleich einen Überblick über den Markt solcher Bücher. Reste dieser Tradition sind heute vor allem noch im Wissenschaftsbetrieb und in der Kirche sichtbar, etwa in Anreden wie „Spectabilis“ für den Dekan einer Universität.
Neben der richtigen Anrede mussten Briefe nach ihrer Aufgabe unterschieden werden. Es gab zum Beispiel Bewerbungsschreiben, Vorstellungsschreiben und Suppliquen, also Bittbriefe. Je nach Anlass und Ansprechpartner mussten diese Briefe unterschiedlich formuliert sein.
Auch der innere Aufbau war wichtig. Ein Brief sollte eine korrekte Abfolge von Schritten einhalten: zuerst die Eröffnung, dann das Vorbringen des Anliegens mit seinen einzelnen Punkten und anschließend weitere passende Teile. Briefsteller gaben dafür Muster und Regeln vor.
Blütezeit und wichtige Autoren
Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Produktion von Briefstellern durch die galante Conduite geprägt. Damit ist ein höflicher, modischer und gesellschaftlich gewandter Umgangsstil gemeint. Briefsteller wurden nun selbst zu einem Geschäft, das Moden folgte und zugleich neue Moden schuf.
Führende Romanautoren veröffentlichten eigene Briefsteller und traten damit als Meister des jeweils aktuellen Stils auf. Genannt werden August Bohse, Christian Friedrich Hunold und Johann Leonhard Rost. August Bohse lebte in den 1680er und 1690er Jahren von Kursen, die er neben seinen Publikationen anbot.
Besonders erfolgreich war Christian Friedrich Hunold, der unter dem Namen Menantes schrieb. Seine Briefsteller erschienen in den ersten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in mehreren veränderten Fassungen. In frühen Ausgaben reizte er das Publikum dadurch, dass er unter den „vermischten Briefen“ auch Briefe einfügte, die er selbst geschrieben oder erhalten hatte. Dadurch bekamen Leser Einblicke in das Leben des damals skandalumwitterten Roman- und Opernautors.
Johann Leonhard Rost, der auch unter dem Namen Meletaon schrieb, veröffentlichte 1713 und 1716 konkurrierende Werke. Er legte stärkeres Gewicht auf praktische und grundlegende Unterrichtung. Rückblickend gelten besonders die Einleitungen seines Buches von 1713 als interessant. Mitte des 18. Jahrhunderts kam die Gattung wieder aus der Mode.
Fortleben im 19. und 20. Jahrhundert
Die Tradition der Briefsteller verschwand nicht vollständig. Vom 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde sie von sogenannten Haussekretär-Handbüchern übernommen. Diese richteten sich an bürgerliche Kreise und boten beispielhafte, formvollendete Korrespondenzen sowie korrekte Anreden. Bekannte Beispiele waren die in hohen Auflagen erschienenen Haussekretäre von Rumpf und Otto.
Auch später blieb der Bedarf an Anleitungen für Briefe und Formalien bestehen. Solche Hilfen finden sich bis heute in Etiketteratgebern und in Büchern für bestimmte Lebenssituationen. Ein heutiges Beispiel sind Ratgeber mit Mustern für Bewerbungsmappen und Anschreiben. Außerdem gibt es eigene Kurse, die das Schreiben solcher Texte unterrichten.
Der Begriff „Briefsteller“ wurde schließlich zum Gattungsbegriff für eine ältere, weitgehend untergegangene Art von Ratgeberliteratur, in der strenge Formalien entscheidend waren. In der heutigen Konkurrenzsituation geht es dagegen vor allem um den Eindruck der Selbst-Darstellung.
Beispiele und Einordnung
Die Auswahl der Werke zeigt, wie lange und vielfältig die Gattung vertreten war. Zu den frühen Beispielen gehören August Bohses „Gründliche Einleitung zu Deutschen Teutschen Briefen“ von 1706, Christian Friedrich Hunolds „Die allerneueste Art höflich und galant zu schreiben“ von 1707 und Johann Leonhard Rosts „Das neu-eröffnete teutsche Briefe Cabinet“ von 1713.
Weitere Werke reichen vom 18. bis ins 19. Jahrhundert, etwa Johann Wilhelm Schauberts „Anweisung zur Regelmäsigen Abfassung Teutscher Briefe“ von 1751, „Die Kunst deutsche Briefe zu verfertigen“ von 1775, Johann Georg Müllers „Neuester Briefsteller für alle Fälle im gemeinen Leben“ von 1801 und Otto Friedrich Rammlers „Universal-Briefsteller“ in der 18. Auflage von 1848.
Auch für den Schulbereich gab es entsprechende Bücher, zum Beispiel Alois Josef Ruckerts „Briefsteller für Volks- und Fortbildungsschulen“ von 1875 mit mehr als 200 ausgearbeiteten Briefen und Geschäftsaufsätzen. Ein moderner Anschluss an die Tradition ist der Duden-Ratgeber „Briefe schreiben – leicht gemacht“ von 2003, der Geschäfts- und Privatbriefe sowie E-Mails behandelt.