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Sächsisches Landesgymnasium Sankt Afra

Das Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen ist ein Gymnasium für Hochbegabtenförderung im Freistaat Sachsen mit Sitz in Meißen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bildungsauftrag
  2. 2. Unterricht und besondere Bildungswege
  3. 3. Internat, Alltag und Mitwirkung
  4. 4. Architektur und gesellschaftliches Engagement
  5. 5. Geschichte von der Fürstenschule zum Landesgymnasium
  6. 6. Bibliothek und historische Überlieferung

Profil und Bildungsauftrag

Das Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen ist ein staatliches Gymnasium mit Internat für Schüler mit Hoch- und Mehrfachbegabung. Es hat seinen Sitz in Meißen, Freiheit 13, 01662 Meißen, und wird vom Freistaat Sachsen getragen; im Artikel wird als Schulträger das Sächsische Staatsministerium für Kultus genannt. Die Schule wurde 1543 gegründet und 2001 als Landesgymnasium neu gegründet. 2017/2018 besuchten 262 Schüler die Schule, darunter 129 weibliche und 133 männliche; dort unterrichteten 41 Lehrkräfte. Seit Februar 2021 ist Stefan Weih Schulleiter, Internatsdirektor ist seit April 2009 Tino Wiedemann.

Sankt Afra gehört zusammen mit der Landesschule Pforta zu den wenigen staatlich getragenen Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Der Schulbesuch selbst ist kostenlos, Internatsbetreuung, Miete und Verpflegung sind jedoch kostenpflichtig. Die Schule versteht sich als Fortsetzung der Fürstlichen Landesschule St. Afra und damit als Teil der Tradition der drei ältesten staatlichen Schulen Deutschlands. 2018 feierte sie ihr 475-jähriges Jubiläum. Ihr Motto lautet „Freiraum für Persönlichkeit“; außerdem wird „Sapere aude!“ verwendet.

Die Aufnahme erfolgt zu Beginn eines Schuljahres in die neuen siebten und neunten Klassen. Voraussetzung ist ein zweitägiges Auswahlverfahren im Frühjahr, das Schülerassessmentcenter (SAC). Das pädagogische Konzept verbindet fachliche Förderung mit Eigenverantwortung, Toleranz und persönlicher Entwicklung.

Unterricht und besondere Bildungswege

In den Klassenstufen 8 bis 10 vertiefen die Schüler ihre Interessen durch Addita. Ein Additum 1, vergleichbar mit einer Arbeitsgemeinschaft, ist verpflichtend; Additum 2 dient vor allem der Vorbereitung auf Wettbewerbe. In Klasse 7 wird anstelle der Addita das Fach Explorer angeboten. Alle Schüler lernen mindestens drei Fremdsprachen. Zur Auswahl stehen Latein, Altgriechisch, Französisch, Russisch und Spanisch. Ab Klasse 9 kann als Vertiefung eine vierte Fremdsprache, Spanisch oder Russisch, gewählt werden; weitere Sprachen sind über Addita möglich.

Der Unterricht findet überwiegend in Doppelstunden statt. Ein normaler Schultag umfasst drei bis vier Doppelstunden, am Samstagvormittag gibt es zwei weitere Doppelstunden. Ein Lernvertrag erlaubt es interessierten Schülern, während der Unterrichtszeit selbstständig an einem bestimmten Thema zu arbeiten. In den Klassen 9 und 10 werden pro Halbjahr Semesterarbeiten zu wechselnden Themen verfasst. In Klasse 11 entsteht eine Besondere Lernleistung (BeLL) zu einem freien Thema als Vorbereitung auf die verpflichtende BeLL der Oberstufe. Für neu zusammengesetzte Klassen gibt es ein halbes Jahr lang das Concipio, in dem klasseninterne Probleme besprochen werden. Unterricht oder Addita können teilweise auf Englisch stattfinden; in Klasse 10 wird ein Fach, je nach Personalsituation etwa Geschichte oder Biologie, ein Halbjahr bilingual unterrichtet.

In der Oberstufe gibt es zusätzlich zum Pensum eines sächsischen Regelgymnasiums einen dritten Leistungskurs. Die Wahlmöglichkeiten sind dadurch umfangreicher, bleiben aber an die Vorgaben des sächsischen Kultusministeriums gebunden. Kunst-, Musik- und Sportleistungskurse sind nicht wählbar; Mathematik und Deutsch können nicht abgestuft werden. Möglich waren unter anderem ein Altgriechisch-Leistungskurs, naturwissenschaftliche Kombinationen sowie besondere Wahlgrundkurse in Italienisch, English Literature, Sprache und Theater und Astronomie.

Die BeLL wird in den Klassen 11 und 12 angefertigt und anschließend in einem Kolloquium verteidigt. Anders als die vergleichbare Facharbeit an anderen sächsischen Gymnasien ist sie in Sankt Afra verpflichtend. Alle eingereichten Arbeiten werden in die Bibliothek aufgenommen. Die Schüler legen das sächsische Zentralabitur ab und erhalten zusätzlich zum Abiturzeugnis ein Afrazertifikat, das ihren Werdegang und ihre Erfolge zusammenfasst. Seit dem Schuljahr 2011/12 kann außerdem das International-Baccalaureate-Diplom erworben werden; dafür entfällt der dritte Leistungskurs.

Ein Frühstudium an der TU Dresden steht geeigneten Schülern der Klassen 9 bis 12 offen. Bei freiwillig bestandener Prüfung können Lehrveranstaltungen später im Studium an der TU Dresden angerechnet werden.

Internat, Alltag und Mitwirkung

Das Internatsleben ist eng mit dem Schulkonzept verbunden. Nach dem Frühstück findet um 7:40 Uhr ein 20-minütiges Frühkonzil in der Aula statt. Es enthält Nachrichten aus der Presse, einen Kulturteil mit wissenschaftlichen, gesellschaftlichen oder künstlerischen Themen sowie organisatorische Informationen. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr und wird durch längere Pausen gegliedert. An den meisten Wochentagen folgt bis zur neunten Klasse eine verpflichtende Studienzeit. Dafür gibt es Sammel-, Ruhe- und Expertenräume sowie Räume für Gruppenarbeit. Später finden Addita, Wettbewerbsvertiefungen, Services oder andere Aktivitäten statt.

Zum Internatsangebot gehören Sportgruppen, unter anderem in Fußball, Volleyball, Handball, Basketball, Unihockey, Turnen, Judo, Yoga, Tanzen und Badminton. Außerdem gibt es Sprach- und Wirtschaftsarbeitsgemeinschaften, Model United Nations, Chöre, Theateraufführungen, Konzerte und Kulturfahrten. Unter der Woche sollen die Schüler je nach Klassenstufe zwischen 20 und 22 Uhr wieder in ihren Internatsgebäuden sein. Die Angaben zum Internatsalltag sind im Artikel allerdings ausdrücklich als nicht ausreichend belegt gekennzeichnet und beruhen teilweise auf Schüleraussagen.

Alle drei bis vier Wochen fahren die Schüler zu ihren Familien. An Internatswochenenden finden zwei Unterrichtsstunden am Samstagvormittag statt; anschließend informiert eine Schulversammlung über schulische und internatliche Entwicklungen. Wiederkehrende Veranstaltungen sind Herbstfest, Kostümball, Sommerfest, Formal Dinner und Colloquium Afranum. Der jährliche Höhepunkt ist das Sommerfest.

Die Schüler wirken über Schülersprecher, Schulrat, Haussprecher und Etagenvertreter an der Gestaltung des Schul- und Internatslebens mit. Der Schulrat entscheidet durch Abstimmungen und übernimmt auch repräsentative Aufgaben. In der Mensa arbeiten Schüler als Mensadienst; der Mensaorganisationsstab unterstützt bei der Einhaltung der Regeln. Die Schülerzeitung afranium erscheint bis zu viermal jährlich und wurde mehrfach ausgezeichnet. Seit 2021 produziert AfraTV gemeinsam mit dem Social-Media-Team schulinterne Beiträge. Der Verein der Altafraner e. V. hält den Kontakt zu ehemaligen Schülern, vergibt Stipendien und organisiert Studieninformationen; ein weiterer Förderverein unterstützt gemeinnützige Projekte.

Architektur und gesellschaftliches Engagement

Das Internatsgelände folgt einem Landschaftskonzept, das die natürlichen Wiesen und die Hanglage erhält. Aus einem Architekturwettbewerb mit 350 Einsendungen ging das Büro Friedrich und Partner als Sieger hervor. Die Internatsgebäude, die Mensa und die Sporthalle wurden von 1998 bis 2002 in drei Bauabschnitten errichtet. Der ältere Internatsbau wurde durch kleinere Einheiten ersetzt, die mit Treppen und Gassen an das Stadtbild Meißens erinnern. Mensa und Turnhalle liegen teilweise im Hang und unterirdisch.

Mittel- und Oberstufe sind in zwei durch eine Straße getrennte Dörfer gegliedert. Das Mittelstufendorf besitzt fünf zweigeschossige und vier viergeschossige Häuser; im Oberstufendorf stehen vier dreigeschossige Häuser. Jede Etage verfügt über vier Doppelzimmer, Toiletten, ein gemeinsames Bad, einen Gemeinschaftsraum mit Kochzeile, Telefon und Fernseher sowie Abstell- und Wäschetrockenräume. Internatsmentoren wohnen in der Nähe und betreuen die nach Geschlechtern getrennten Häuser.

Die Schule engagiert sich auch außerhalb des Unterrichts. Schüler der Klassen 9 und 10 wählen für jeweils ein Jahr einen wöchentlichen Service, etwa in einem Kindergarten oder Altenpflegeheim. Als Service kann auch die Pflege des Afra-Weinbergs gewählt werden. Seit 2006 beteiligen sich Schüler am Meißner Spendenlauf. Sponsoren zahlen für jede gelaufene Runde; die Einnahmen kamen unter anderem der Bibliothek Meißen, der Jugendtheatergruppe Meißen, sozialen Einrichtungen, einem Spielplatz, dem Kinderzentrum Elblandklinikum und Projekten in Meißen und Südafrika zugute. Beim Sozialen Tag „genialsozial – Deine Arbeit gegen Armut“ arbeiten die Schüler einen Tag in regionalen Unternehmen und spenden ihren Lohn für soziale Projekte. Diese Aktion findet im Wechsel mit dem Spendenlauf statt.

Internationale Erfahrungen ermöglichen mehrwöchige bis maximal ein Trimester dauernde Schüleraustausche. Partnerschaften bestehen unter anderem mit Schulen in Würzburg, Mexiko-Stadt, Frankreich und Italien. Die Schule beteiligt sich an internationalen Projekten wie dem Comenius- und dem Brigitte-Sauzay-Programm sowie an der Zusammenarbeit mit einer Fremdsprachenschule in Wuhan. Sie unterstützt Schüler außerdem beim Erwerb von Sprachdiplomen, etwa DELF.

Geschichte von der Fürstenschule zum Landesgymnasium

Die historische Schule entstand im Zusammenhang mit der Reformation. Nach der Auflösung des Augustiner-Chorherrenstifts Sankt Afra ordnete Herzog Moritz von Sachsen am 21. Mai 1543 mit der „Neuen Landesordnung“ die Grundlage für die Fürsten- und Landesschulen Schulpforta, St. Afra in Meißen und später St. Augustin in Grimma. Die Eröffnung von St. Afra wird vom Chronisten Georg Fabricius auf den 3. Juli 1543 datiert; eine Urkunde dafür ist nicht erhalten. Die Schulen sollten besonders gut ausgebildete evangelische Geistliche hervorbringen und trugen damit zur Stabilisierung der Reformation bei. Zunächst standen Latein und Griechisch im Mittelpunkt, ergänzt durch etwas Astronomie.

Im 17. Jahrhundert entstand 1664 ein System von Schulklassen. Im 18. Jahrhundert wurde der Unterricht schrittweise modernisiert. Die große Reform von 1713, die in der kurfürstlichen Hauptverordnung vom 5. Dezember 1727 niedergelegt wurde, verringerte die Bedeutung des Griechischen und stärkte Mathematik. Französisch wurde 1724, Geschichte 1728 und Tanz 1719 in den Bildungsplan aufgenommen; brutale Strafen wurden abgeschafft. Auch Deutschunterricht und deutsche Literatur erhielten im späteren 18. Jahrhundert einen festen Platz.

Im 19. Jahrhundert wurden regelmäßige staatliche Zuschüsse eingeführt, Ferien geregelt und 1818 die Reifeprüfung nach preußischem Vorbild eingeführt. Die Schule entwickelte eine klassenübergreifende Unterrichtsorganisation, führte Zeichen- und Turnunterricht ein und erweiterte ihr Gelände. Zwischen 1876 und 1879 entstand ein neoklassizistischer Dreiflügelbau, der bis heute das Schulgebäude prägt. Von 1543 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts besuchten etwa 9100 Schüler die Landes- und Fürstenschule Meißen.

Im Ersten Weltkrieg legte im August 1914 die gesamte Oberprima die Notreifeprüfung ab; 147 Afraner fielen. 1924 wurde wegen fehlender Lateinkenntnisse ein Reformzug eingerichtet, 1925 eine Vorklasse für leistungsstarke Schüler aus ganz Sachsen. Während des Nationalsozialismus wurde die Schule am 17. November 1942 zur „Deutschen Heimschule“ und der SS beziehungsweise dem Reichssicherheitshauptamt unterstellt. Damit wurde die humanistische Tradition gebrochen.

Nach der Besetzung durch die Rote Armee am 6. Mai 1945 wechselte die Nutzung der Gebäude mehrfach: 1946 entstand ein Lehrerbildungsinstitut, 1947 eine Ausbildungsstätte für Russischlehrer, 1950 eine Landesparteischule der SED und 1953 eine Hochschule für Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, die bis 1991 bestand. 1992 wurde das St.-Afra-Gymnasium als Landkreisgymnasium neu eröffnet. 2001 nahm nach Renovierungen, dem Bau von Internat, Mensa und Sporthalle das heutige Sächsische Landesgymnasium seinen Betrieb auf.

Bibliothek und historische Überlieferung

Die Bibliotheca Afrana ist die historische und heutige Schulbibliothek. Ihr Gründungszeitpunkt ist unbekannt. Vermutet wird, dass Bücher des im Zuge der Reformation aufgelösten Augustiner-Chorherrenstifts übernommen wurden. Bereits 1557 umfasste der Bestand 300 Bücher, darunter eine Bibel von 1469. Spätestens 1588 ist die Bibliothek durch einen eigenen Etat in einer Schulordnung belegt. Erweiterungen erfolgten unter anderem durch private Sammlungen von Rektoren und Schulinspektoren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß die Bibliothek etwa 24.000 Bände. Nach Kriegsende waren ungefähr 13.000 erhalten. Eine Anordnung vom März 1948 führte zur Aufteilung: Rund 8.000 Bücher gelangten nach Dresden, davon etwa 2.000 in die heutige Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden; weitere Bestände gingen an andere Bibliotheken. Etwa 4.400 Bücher sollten in Meißen verbleiben, ihr Verbleib ist jedoch weitgehend unklar. Nach der Neugründung 2001 musste die Bibliothek neu aufgebaut werden. Spenden und Rückführungen, darunter zwei Bücher mit dem alten Besitzvermerk „Bibliotheca Afrana“, machten wieder eine für Schüler nutzbare Bibliothek möglich.

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