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International Baccalaureate
Das International Baccalaureate (von französisch baccalauréat ‚Hochschulreife') ist ein international anerkannter Schweizer Schulabschluss, der von der in …
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Grundidee und Programme
Das International Baccalaureate (IB) ist ein international anerkannter Schweizer Schulabschluss. Vergeben wird es von der in Genf ansässigen Organisation du Baccalauréat International (OBI), englisch International Baccalaureate Organization. Die OBI ist eine Stiftung nach Schweizer Recht. Das IB wird weltweit an mehreren tausend Schulen angeboten und in vielen Ländern als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt. Eine „IB World School“ ist eine von der OBI autorisierte Schule.
Das IB umfasst vier Programme:
- Primary Years Programme (PYP) für Drei- bis Zwölfjährige, entsprechend vorschulischer Erziehung und Grundstufe (ISCED 0+1)
- Middle Years Programme (MYP) für Elf- bis 16-Jährige, entsprechend der Mittelstufe (ISCED 2)
- Diploma Programme (DP) für 16- bis 19-Jährige, entsprechend der Oberstufe (ISCED 3a)
- Career-related Programme (CP) für 16- bis 19-Jährige
Das seit 1968 angebotene Diploma Programme dauert zwei Jahre und wird weltweit auf Englisch, Spanisch oder Französisch unterrichtet. Es war ursprünglich wegen seines internationalen Charakters für Kinder von Diplomaten gedacht.
Aufbau des Diploma Programme
Im Diploma Programme belegen die Schüler sechs Fächer aus mindestens fünf Themenbereichen. Aus jeder der sechs Fachgruppen muss grundsätzlich ein Fach gewählt werden. Mindestens drei Fächer werden im Higher Level, die übrigen im Standard Level unterrichtet. Diese Stufen sind ungefähr mit deutschen Leistungs- und Grundkursen vergleichbar. Für ein Higher-Level-Fach werden 240 Unterrichtsstunden vorgeschlagen, für ein Standard-Level-Fach 150 Stunden. Die Fächer werden normalerweise zwei Jahre lang unterrichtet; ausgenommen sind Sprache-B-Kurse.
Die Fachgruppen umfassen:
- Gruppe 1: Muttersprache auf hohem, stark literaturbezogenem Niveau, etwa Deutsch als Sprache A1
- Gruppe 2: eine weitere Sprache. A2 setzt sehr hohe Kenntnisse und fünf bis sieben Jahre Sprachunterricht voraus; B entspricht einem mittleren Niveau nach zwei bis drei Jahren; bei Ab Initio wird die Sprache neu begonnen. Je nach Schule sind auch Latein oder Altgriechisch möglich.
- Gruppe 3: Gesellschaftswissenschaften, unter anderem Wirtschaft, Erdkunde, Geschichte, Philosophie, Psychologie und Anthropologie
- Gruppe 4: Naturwissenschaften wie Biologie, Chemie, Physik, Umwelttechnik oder Design und Technik
- Gruppe 5: Mathematik in vier unterschiedlichen Stufen sowie Informatik. Informatik kann zusätzlich an die Stelle eines Faches aus Gruppe 6 treten.
- Gruppe 6: Kunst, Musik oder Theater; alternativ kann ein weiteres Fach aus den Gruppen 2 bis 5 gewählt werden.
Die Higher-Level-Fächer sollen zu den späteren Studien- oder Berufswünschen passen. Für ein Medizinstudium empfiehlt sich beispielsweise Chemie und Biologie im Higher Level. Diese Kombination ist in Deutschland keine formale Zulassungsvoraussetzung, kann aber den fachlichen Einstieg erleichtern.
Pflichtbestandteile und Abschluss
Zusätzlich zu den sechs Fächern gehören drei übergreifende Bestandteile zum Diploma Programme. Theory of Knowledge (TOK) ist ein Kurs, der kritisches und internationales Denken fördern soll. Der Extended Essay (EE) ist eine Facharbeit mit 4000 Wörtern über ein frei wählbares wissenschaftliches Thema.
CAS steht für Creativity, Activity, Service und umfasst außerschulische soziale Aktivitäten. Für einen erfolgreichen Abschluss sind ein Gruppenprojekt, das mindestens zwei der drei Bereiche verbindet, sowie etwa 50 zusätzliche Stunden in jedem der drei Bereiche erforderlich.
Erfüllt ein Schüler nicht alle Bestandteile, erhält er statt des IB Diploma ein IB Certificate. Dieses bescheinigt die erfolgreich abgeschlossenen Kurse.
Bewertung und Notenumrechnung
Jedes der sechs Fächer wird mit höchstens sieben Punkten bewertet. Sieben Punkte bedeuten „exzellent“, mindestens vier Punkte sind zum Bestehen nötig. Für Theory of Knowledge und Extended Essay können zusammen bis zu drei Zusatzpunkte vergeben werden. Damit sind höchstens 45 Punkte erreichbar. Die jährliche Durchschnittspunktzahl liegt bei etwa 30 Punkten; ungefähr 0,05 % der Kandidaten erreichen 45 Punkte.
Die angegebenen Entsprechungen zur Abitur- oder Maturanote lauten: 42 bis 45 Punkte entsprechen 1,0 in Deutschland und Österreich beziehungsweise 6 in der Schweiz und Liechtenstein; 36 Punkte entsprechen 2,0 beziehungsweise 5,0; 30 Punkte 3,0 beziehungsweise 4,0; 24 Punkte 4,0 beziehungsweise 3,0; 18 Punkte 5,0 beziehungsweise 2,0; 12 Punkte oder weniger 6,0 beziehungsweise 1,0.
Die offizielle Übertragung in das deutsche Notensystem erfolgt mit der Bayerischen Formel:
N = 1 + 3 · (P_max − P) / (P_max − P_min)
Dabei ist N die Durchschnittsnote, P die IB-Gesamtpunktzahl, P_max = 42 Punkte ohne Zusatzpunkte und P_min = 24 Punkte als kleinste Gesamtpunktzahl zum Bestehen. Für 42 ≤ P ≤ 45 gilt N = 1,0. Die britischen Universitäten Oxford und Cambridge verlangen beispielsweise mindestens 38 bis 40 IB-Punkte.
Anerkennung und nationale Besonderheiten
In Deutschland richtet sich die Anerkennung des IB Diploma als Studienzulassung nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10. März 1986 in der Fassung vom 7. März 2019. Er legt Bedingungen fest, insbesondere Einschränkungen bei der Fächerwahl, unter denen das IB dem Abitur gleichgestellt wird. Das Programm wird an allen deutschen internationalen Schulen und außerdem an zahlreichen weiteren Schulen angeboten.
Das Felix-Klein-Gymnasium Göttingen und die Nelson-Mandela-Schule Berlin sind laut Artikel die einzigen öffentlichen Schulen in Deutschland, die das Diploma Programme als Alternative zur deutschen Oberstufe anbieten. Dadurch können dort auch Schüler mit geringeren Deutschkenntnissen eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben.
Viele Deutsche Auslandsschulen bieten das Gemischtsprachige International Baccalaureate (GIB) an. Dabei werden die weltweiten Abschlussprüfungen in manchen Fächern auf Deutsch abgelegt. „GIB“ ist kein geschützter Begriff; verliehen wird das reguläre IB-Diplom.
Auch in Österreich wird das IB an zahlreichen Schulen angeboten, darunter Schulen in Wien, Linz, Graz, Klosterneuburg, St. Pölten, Salzburg, Tirol und Kärnten.
In Russland wurde die Stiftung am 25. August 2025 als „unerwünschte ausländische Organisation“ eingestuft. Zur Begründung hieß es, das IB präge die russische Jugend nach westlichen Vorstellungen und unterstütze nicht-traditionelle Werte.