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Sächsische Schweiz

Als Sächsische Schweiz wird der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen bezeichnet. Die durch bizarre Felsformen geprägte Landschaft liegt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Naturraum und Entstehung
  3. 3. Geschichte und Name
  4. 4. Nationalpark und Naturschutz
  5. 5. Klettern, Wandern und Boofen
  6. 6. Sehenswürdigkeiten und kulturelle Bezüge

Überblick und Lage

Die Sächsische Schweiz ist der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen. Sie liegt südöstlich von Dresden beiderseits der Elbe im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Landschaft ist besonders durch auffällige, oft bizarre Sandsteinfelsen geprägt. Der höchste Gipfel ist der Große Zschirnstein mit 562 m ü. NN.

Östlich geht die Sächsische Schweiz in das Lausitzer Bergland über, westlich in das Erzgebirge. Der angrenzende tschechische Teil des Elbsandsteingebirges heißt Böhmische Schweiz. Wichtige Orte im Gebiet sind unter anderem Pirna, Bad Schandau, Sebnitz und Rathen.

Die Region wird in die Vordere und die Hintere Sächsische Schweiz gegliedert. Zur Vorderen Sächsischen Schweiz gehören der gesamte linkselbische Bereich mit Ebenheiten und Tafelbergen wie Pfaffenstein und Königstein sowie rechtselbisch der Lilienstein, das Basteigebiet und der Brand. Die Hintere Sächsische Schweiz umfasst die großen rechtselbischen Wald- und Felsgebiete östlich von Bad Schandau und südlich des Sebnitztals bis zur tschechischen Grenze.

Naturraum und Entstehung

In der naturräumlichen Gliederung nach Meynen bildet die Sächsische Schweiz die Haupteinheit 430 innerhalb des Sächsisch-Böhmischen Kreidesandsteingebietes. Dieses Gebiet umfasst auf deutschem Boden außerdem das Zittauer Gebirge als weitere Haupteinheit. Eine spätere Gliederung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften fasste die Mittelgebirge im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet zur Übereinheit Sächsisches Bergland und Mittelgebirge zusammen.

Typisch sind zwei Bergformen. Viele Sandstein-Felsformationen heißen „Steine“, zum Beispiel Königstein, Lilienstein, Gohrisch und Papststein. Diese Bezeichnung gilt nicht für kuppenartige Berge aus vulkanischem Basalt wie den Großen Winterberg oder für granitähnliche Gesteine wie an der Waitzdorfer Höhe.

Die Sandsteinformen stammen aus kreidezeitlichen Sandsteinen. Sie ragen aus sogenannten Ebenheiten heraus, einem früheren Niveau der Elbe, und sind Reste einer alten Rumpffläche. Durch die spättertiäre Anhebung des Erzgebirges und seitlichen Druck vom Lausitzer Bergland zerbrach die Sandsteinplatte in einem kreuzgitterartigen Kluftsystem. Die Elbe floss schneller, Seitentäler schnitten sich rückschreitend ein, und Wasser nutzte die Klüfte als Angriffsflächen. So blieben zunächst größere Tafelberge wie der Lilienstein stehen; stärker zerklüftete Formen wie Zirkelstein oder Kaiserkrone und bewaldete Formen wie der Kohlbornstein wurden weiter abgetragen. Daraus entstanden langgezogene Grate wie die Schrammsteine und einzelne Felsnadeln wie der Torwächter. Festere Gesteinsschichten widerstehen der Erosion länger und bilden häufig die oberste Schicht; Felsen brechen daher oft von unten oder von den Flanken her zusammen.

Geschichte und Name

Das Gebiet war ursprünglich slawisch besiedelt und kam erst im 15. Jahrhundert ungefähr in seinen heutigen Grenzen unter sächsische Herrschaft. Mehrere Burganlagen wurden zum Schutz von Handelswegen gebaut. Erhalten sind die Festung Königstein und Burg Hohnstein; von anderen Anlagen wie der Kleinen Bastei oder der Burg auf dem Falkenstein blieben nur Reste. Manche Burgen dienten auch als mittelalterliche Raubnester.

Die natürlichen Bedingungen ließen früher nur wenige dauerhaft tragfähige Erwerbszweige zu. Dazu gehörten Fährleute, Fischer, Flößer, Holzfäller, Schiffer und Steinbrecher. Landwirtschaft war wegen weniger Lösslehmböden und der Trockenheit mancher Sandsteinbereiche nur begrenzt möglich. Eine Königsteiner Chronik beschreibt die Abhängigkeit von Steinbruch und Schifffahrt mit dem Satz: „Nur wenn die Steinbrecher zu tun haben, haben die Schiffer zu fahren, sonst herrscht Armut und Not im Lande.“

Der Tourismus entwickelte sich vor allem im 19. Jahrhundert. Von 1901 bis 1904 verkehrte mit der Bielatalbahn von Königstein aus eine der ersten Oberleitungsbus-Linien weltweit. Künstler der Romantik ließen sich von der Landschaft anregen, darunter Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Alexander Thiele und Carl Gustav Carus. Carl Maria von Weber siedelte die Wolfsschluchtszene seiner Oper Freischütz in der Nähe von Rathen an; Richard Wagner ließ sich hier für den Lohengrin inspirieren.

Der Name Sächsische Schweiz entstand im 18. Jahrhundert. Die Schweizer Künstler Adrian Zingg und Anton Graff, die 1766 an die Dresdner Kunstakademie berufen wurden, fühlten sich durch das Gebirge östlich von Dresden an ihre Heimat, den Schweizer Jura, erinnert. Vorher hieß der sächsische Teil des Elbsandsteingebirges unter anderem Meißner Hochland, Meißnisches Oberland oder Heide über Schandau. Wilhelm Leberecht Götzinger machte den Namen Anfang des 19. Jahrhunderts durch seine Veröffentlichungen bekannt. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Bezeichnung deutscher Landschaften als „Schweiz“ amtlich unerwünscht; deshalb wurde ab 19. Oktober 1938 in mehreren Gemeinden der Zusatz „Sächsische Schweiz“ ersetzt.

Nationalpark und Naturschutz

Im September 1990 wurde noch vor der deutschen Einheit der Nationalpark Sächsische Schweiz gegründet. Sein Ziel ist der Schutz des besonderen naturräumlichen Charakters des Gebirges.

Der Nationalpark umfasst 93 km² und besteht aus zwei räumlich getrennten Gebieten. Das eine liegt bei Rathen und umfasst das Gebiet der Bastei mit Polenztal, Brand und Uttewalder Grund. Das andere umfasst die gesamte Hintere Sächsische Schweiz zwischen der Elbe und der Staatsgrenze zu Tschechien, darunter die Schrammsteine, der Große Winterberg, der Große Zschand und das Kirnitzschtal.

Klettern, Wandern und Boofen

Die vielen Sandsteinfelsen machten die Sächsische Schweiz zu einem wichtigen Klettergebiet. Geklettert wird nach den Sächsischen Regeln, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und als weltweit erste Regeln ihrer Art gelten. Bei der Gründung des Nationalparks wurde ausdrücklich zugesichert, dass das traditionelle sächsische Klettern erhalten bleibt.

Seile und Sicherungspunkte wie Ringe dürfen nur zur Sicherung verwendet werden, nicht zur Fortbewegung. Hilfsmittel wie Magnesia, Klemmkeile oder Friends, die in anderen Klettergebieten verbreitet sind, sind nicht erlaubt. Stattdessen nutzt man Knoten- und Bandschlingen. Klettern an Massiven ist bis auf drei Ausnahmen verboten; erlaubt ist es grundsätzlich nur an ausgewiesenen, freistehenden Klettergipfeln. Davon gibt es über 1100.

Neben Klettergipfeln gibt es Stiegen. Das sind steile Wege oder Steiganlagen, auf denen schwindelfreie und trittsichere Wanderer mit Treppen, Leitern, Metalltritten und Griffen größere Höhenunterschiede überwinden können. Bekannte Beispiele sind Häntzschelstiege und Zwillingsstiege in den Affensteinen sowie Heilige Stiege, Rübezahlstiege und Rotkehlchenstiege nördlich von Schmilka.

„Boofen“ bedeutet das Übernachten unter einem Felsvorsprung, der Boofe, oder allgemein das Freiübernachten. Diese Tradition ist in der Sächsischen Schweiz alt. Im Nationalpark ist Boofen heute nur an gekennzeichneten Plätzen erlaubt, nur im Zusammenhang mit dem Klettersport und nicht während der Brut- und Setzzeiten bedrohter Tierarten. Probleme entstehen durch eine wachsende Zahl von Boofern und durch Fehlverhalten Einzelner, etwa illegale Feuerstellen, das Herausreißen junger Bäume und Bodenerosion.

Sehenswürdigkeiten und kulturelle Bezüge

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören die Bastei mit der Felsenburg Neurathen, die Festung Königstein, die größte Bergfestung Europas, die Burg Hohnstein, die Felsenbühne Rathen, die Schrammsteine mit Schrammsteinaussicht und Gratweg, der Pfaffenstein mit der Barbarine, der Lilienstein, der Kuhstall auf dem Neuen Wildenstein, die Kirnitzschtalbahn und die Obere Schleuse bei Hinterhermsdorf.

Weitere wichtige Ziele sind unter anderem Affensteine mit Carolafelsen, Bielatal, Brand mit Brandaussicht, Frienstein mit Idagrotte, Großer Zschand mit Zeughaus, Kaiserkrone und Zirkelstein, Labyrinth in den Nikolsdorfer Wänden, Papststein, Rauenstein, Uttewalder Grund mit Uttewalder Felsentor sowie die Zschirnsteine.

Ein Panorama vom Hohburkersdorfer Rundblick zeigt die Sächsische und Böhmische Schweiz mit vielen markanten Punkten, darunter Berge des Lausitzer Gebirges, Burg Hohnstein, Polenztal, Großer Winterberg, Rosenberg, Affensteine, Schrammsteine, Kaiserkrone, Zirkelstein, Kleiner und Großer Zschirnstein, Papststein, Gohrisch, Hoher Schneeberg, Lilienstein, Bastei, Festung Königstein, Rauenstein, Bärensteine und Pirna-Sonnenstein.

In der Literatur spielt die Region unter anderem im Roman Seit ich zuerst sie sah (1889) von Karl Gjellerup eine Rolle. Außerdem erhielt die Sächsische Schweiz am 23. September 2008 den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. Am 2. Juni 2016 gab die Deutsche Post AG in der Serie Wildes Deutschland eine Sondermarke zu 45 Eurocent mit einem Bergmotiv der Sächsischen Schweiz heraus.

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