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Rumänische Revolution 1989
Die rumänische Revolution von 1989 war eine Kette von Demonstrationen, Unruhen und blutigen Kämpfen, die vom 16. bis zum 27. Dezember 1989 in Timișoara, …
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Überblick und Voraussetzungen
Die Rumänische Revolution von 1989 war eine Folge von Demonstrationen, Unruhen und blutigen Kämpfen vom 16. bis 27. Dezember 1989. Sie begann in Timișoara, erfasste Bukarest und weitere Städte und führte zum Sturz sowie zur Hinrichtung des Diktators Nicolae Ceaușescu und seiner Frau Elena. Damit endete das realsozialistische System in Rumänien; anschließend begann der Wechsel zur Demokratie. Insgesamt starben 1.104 Menschen, 3.352 wurden verletzt.
Ceaușescu war seit 1965 an der Macht. Anfangs war er wegen seiner vorsichtigen Abgrenzung von der Sowjetunion populär, doch ab 1971 baute er einen umfassenden Personenkult auf. Er konzentrierte die Macht in seiner Person: Seit 1974 war er Staatspräsident mit Gesetzeskraft seiner Dekrete und Oberbefehlshaber der Armee. Die Rumänische Kommunistische Partei (PCR) wurde zum Ausführungsorgan, Rumänien zum Polizeistaat.
Die wichtigste Stütze war die Geheimpolizei Securitate. Sie beschäftigte am Ende der Ceaușescu-Zeit 14.259 hauptamtliche Mitarbeiter sowie 400.000 bis 700.000 Informanten. Oppositionelle wurden überwacht, misshandelt, eingesperrt, zur Ausreise gedrängt oder in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Organisierter Widerstand konnte sich daher kaum bilden.
Eine kreditfinanzierte Industrialisierung und die Konzentration auf Schwerindustrie führten zu hohen Schulden. Rumänien erklärte 1982 Zahlungsunfähigkeit. Bis Ende 1989 waren Auslandsschulden von 6,9 Milliarden US-Dollar zwar getilgt, aber durch strenge Sparpolitik entstanden gravierende Versorgungskrisen. Lebensmittel, Strom und Benzin wurden rationiert; Wohnungen wurden im Winter teils nur auf 12 °C geheizt. Die Säuglingssterblichkeit lag 1989 bei 2,69 Prozent und war damit die höchste Europas. Zugleich überforderten Großprojekte wie der heutige Parlamentspalast die Wirtschaft.
Aufstand in Timișoara
Auslöser war die geplante Zwangsräumung und Versetzung des reformierten Pfarrers László Tőkés. Er hatte in seinen Predigten die Zustände im Land kritisiert. Am Abend des 15. Dezember 1989 versammelten sich etwa 200 Menschen vor seiner Wohnung. Am 16. Dezember kamen über 1.000 Menschen zusammen. Sicherheitskräfte erhielten um 13:00 Uhr den Befehl, die Protestierenden notfalls mit scharfen Waffen auseinanderzutreiben. Tőkés wurde festgenommen und abtransportiert; die Proteste weiteten sich auf die Stadt aus.
Am 17. Dezember setzte das Militär zunächst Platzpatronen, ab 18:00 Uhr scharfe Munition ein. Panzer riegelten das Zentrum ab, Tote und Verletzte blieben auf den Straßen. Am 18. Dezember ordneten Ceaușescus Bruder Ilie und ein Staatsanwalt an, Verletzte nicht zu behandeln; Krankenakten wurden beschlagnahmt. 40 Leichen wurden später nach Bukarest gebracht und am 19. Dezember verbrannt.
Der Widerstand wuchs vor allem durch Streiks in Großbetrieben. Generalstabschef Ștefan Gușă erkannte bei Gesprächen mit Streikenden, dass es sich nicht um die behaupteten „Hooligans“, sondern um ernsthafte Protestierende handelte. Er ließ Soldaten und Panzer teilweise zurückziehen. Am 20. Dezember marschierten etwa 20.000 Menschen zum Opernplatz. Soldaten senkten ihre Waffen, und die Aufständischen formulierten als Rumänische Demokratische Front Forderungen: Rücktritt Ceaușescus und der Regierung, Meinungs- und Religionsfreiheit, Menschenrechte, offene Grenzen, Freilassung der Inhaftierten sowie Aufklärung über die Toten. Am 21. Dezember solidarisierten sich auch 20.000 Angehörige der Parteimiliz „Patriotische Garde“ mit den Demonstrierenden. Timișoara galt damit als von der Diktatur befreit.
Umsturz in Bukarest
Am 21. Dezember ließ Ceaușescu vor etwa 110.000 Menschen eine Kundgebung in Bukarest abhalten, um die Ereignisse in Timișoara zu verurteilen. Seine Rede wurde durch Unruhe und Panik unterbrochen; deren genaue Ursache ist ungeklärt. Danach entwickelten sich Straßenkämpfe. Aufständische errichteten Barrikaden, während Armee, Miliz und Securitate Wasserwerfer, Knüppel, Panzer und scharfe Munition einsetzten. Auch aus anderen Städten wurden Unruhen gemeldet.
Am Morgen des 22. Dezember zogen Arbeiterkolonnen ins Zentrum. Verteidigungsminister Vasile Milea war tot; Ceaușescu erklärte ihn zum Verräter, der Suizid begangen habe. Eine Autopsie von 2005 ergab später Selbstmord. General Victor Stănculescu übernahm die Befehlsgewalt über die Armee und ließ die Truppen ohne Ceaușescus Wissen in ihre Quartiere zurückkehren. Dies trug entscheidend zum Sturz bei.
Um 13:00 Uhr eroberten Aufständische die Fernsehstation. Mircea Dinescu verkündete dort die Flucht des Diktators. Ion Iliescu erklärte die Gründung der „Front zur Nationalen Rettung“, die die Macht übernommen habe; die Armee stehe nun auf Seiten des Volkes. Danach begannen landesweit Schusswechsel mit angeblichen „Terroristen“. Bis zum 27. Dezember starben dabei 942 Menschen, sechsmal so viele wie vor dem 22. Dezember.
Flucht, Prozess und Hinrichtung
Ceaușescu und seine Frau flohen am 22. Dezember um 12:08 Uhr mit einem überladenen SA365N-Dauphin-Hubschrauber vom Dach des ZK-Gebäudes. Nach einem Zwischenstopp in Snagov wurden sie nahe Titu abgesetzt. Mit gekaperten Fahrzeugen gelangten sie nach Tîrgoviște und wurden dort gegen 15:30 Uhr von der lokalen Miliz festgenommen. Soldaten brachten sie später in eine Kaserne; um 19:30 Uhr meldete das Fernsehen ihre Festnahme.
Am 24. Dezember beschloss der Kern der Rettungsfront um Iliescu ein außerordentliches Militärtribunal. Der Schauprozess am 25. Dezember dauerte 90 Minuten, von 13:10 Uhr bis 14:39 Uhr. Den Ceaușescus wurden unter anderem Genozid durch Hunger, Kälte und fehlende medizinische Versorgung an 64.000 Bürgern, Unterminierung der Staatsmacht und Schädigung der nationalen Ökonomie vorgeworfen. Um 14:40 Uhr wurde das Urteil verkündet; ohne die vorgesehene 10-tägige Rekursfrist wurden beide um 14:50 Uhr erschossen. Die vollständigen Videoaufnahmen wurden erst am 27. Dezember ausgestrahlt. Am selben Tag endeten die Schusswechsel.
Folgen und offene Fragen
Die neuen Machthaber öffneten die Grenzen, stoppten Lebensmittelexporte, hoben das Abtreibungsverbot und Energiedekrete auf, entließen politische Gefangene und entfernten kommunistische Bestandteile aus Staatsnamen und Flagge. Die Rettungsfront regierte zunächst per Dekret. Die Securitate wurde jedoch der Armee unterstellt statt aufgelöst. Parteien wurden wieder erlaubt; bis Mai 1990 entstanden über 80 neue Parteien. Bei den Wahlen vom 20. Mai 1990 erhielt Ion Iliescu 85 Prozent der Stimmen, die Rettungsfront in beiden Parlamentskammern 66 Prozent. Diese Wahlen wurden kritisiert.
Umstritten blieb, ob die Ereignisse vor allem ein spontaner Volksaufstand, ein Staatsstreich einer Verschwörergruppe oder mehrere gleichzeitig wirkende Entwicklungen waren. Als gesichert gilt, dass es Konspirationen im kommunistischen Establishment gab, aber für eine sorgfältige Planung der Unruhen in Timișoara keine Belege vorliegen. Ungeklärt bleiben insbesondere der Schießbefehl in Timișoara, der Frontwechsel von Armee und Securitate sowie die Identität der nach Ceaușescus Flucht auftretenden „Terroristen“. Internationale Berichte über angebliche 2.000, 4.500 oder 64.000 Tote in Timișoara erwiesen sich als falsch; insgesamt wird dort von 153 Toten ausgegangen.
Die juristische Aufarbeitung verlief langsam. Stănculescu und Mihai Chițac wurden wegen der Repression in Timișoara zu je 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Einführung des nicht verjährenden Straftatbestands „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ 2016 wurden neue Verfahren möglich. Im April 2019 erhob die Justiz Anklage gegen Iliescu, Gelu Voican Voiculescu und Iosif Rus; das Verfahren begann im November 2019. Die Stiftung Memorialul Revoluției din Timișoara dokumentiert seit dem 26. April 1990 die Revolution und die kommunistische Ära.