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Richard Owen

1843 führte Owen den Begriff der Homologie ein und trennte ihn vom ähnlichen Begriff der Analogie. Unter Anwendung seines Homologie-Prinzips konstruierte …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und wissenschaftliches Profil
  2. 2. Ausbildung und Arbeit am Hunterian Museum
  3. 3. Forschung, Fossilien und Dinosaurier
  4. 4. Homologie und Verhältnis zur Evolutionstheorie
  5. 5. Naturgeschichtsmuseum und letzte Jahre

Bedeutung und wissenschaftliches Profil

Sir Richard Owen (* 20. Juli 1804 in Lancaster; † 18. Dezember 1892 im Richmond Park von London) war ein britischer Mediziner, Zoologe, vergleichender Anatom, Physiologe und Paläontologe. Er gilt nach Charles Darwin als zweitbedeutendster Naturforscher des Viktorianischen Zeitalters.

Seine Bedeutung beruht vor allem auf Untersuchungen zum Bau von Wirbeltieren, zu Fossilien und zur Systematik. Die vergleichende Anatomie vergleicht Körperbau und Organe verschiedener Tierarten. Owen prägte 1841 den Begriff „Dinosauria“, führte 1843 den Begriff der Homologie ein und ersetzte 1848 ältere Tiergruppen durch die bis heute gebräuchlichen Paarhufer (Artiodactyla) und Unpaarhufer (Perissodactyla). Außerdem setzte er die Gründung eines eigenständigen Naturgeschichtsmuseums in London durch und wurde erster Direktor des heutigen Natural History Museum.

Ausbildung und Arbeit am Hunterian Museum

Owen war das sechste und jüngste Kind von Richard Owen (1754–1809) und Catherine Longworth, geborene Parrin († 1838). Nach Schulbesuch und einer vierjährigen Lehre bei Chirurgen und Apothekern in Lancaster studierte er ab Oktober 1824 an der Universität Edinburgh Medizin. Dort besuchte er auch Vorlesungen von John Barclay über vergleichende Anatomie. Am 11. August 1826 wurde er Mitglied des Royal College of Surgeons.

Am 7. März 1827 begann Owen am Hunterian Museum des Royal College of Surgeons. Die britische Regierung hatte die Sammlung des Chirurgen John Hunter bereits 1800 erworben; sie sollte katalogisiert werden. Owen arbeitete zunächst bei William Clift, später als Konservator und Kurator. Er katalogisierte von 1827 bis 1856 Hunters umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass. Die ersten sechs Bereiche waren im Frühjahr 1831 erfasst; die „Physiological Series“ bearbeitete er von 1833 bis zum Frühjahr 1841 in fünf Bänden.

Die Sammlung ermöglichte ihm intensive Forschung statt einer ärztlichen Praxis. Er hielt ab 1828 Zusatzvorlesungen über vergleichende Anatomie und veröffentlichte 1830 seine erste wissenschaftliche Arbeit über einen Orang-Utan. Seine Untersuchung des Nautilus führte 1832 zum Buch Memoir on the Pearly Nautilus. Ebenfalls 1832 bewies er durch anatomische Untersuchungen, dass das Schnabeltier Ornithorhynchus paradoxus ein Säugetier ist. 1835 heiratete er Caroline Amelia Clift (1801–1873).

Forschung, Fossilien und Dinosaurier

Owen wurde 1834 in die Royal Society aufgenommen und beschrieb im selben Jahr den Fadenwurm Trichinella spiralis, die Ursache der Trichinellose. Er war Professor für vergleichende Anatomie und Physiologie am St Bartholomew’s Hospital und am Royal College of Surgeons. Von 1837 an hielt er jährlich 24 „Hunter-Vorlesungen“. Für Arbeiten an Fossilien der Beagle erhielt er 1838 die Wollaston-Medaille. Bis 1840 hatte er 157 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht.

Für Charles Darwin untersuchte Owen Fossilien von dessen Beagle-Reise. Einen in der Nähe von Montevideo gefundenen Schädel ordnete er später Toxodon platensis zu. Die Bearbeitung der „Fossilen Säugetiere“ für The Zoology of the Voyage of H.M.S. Beagle erschien von Februar 1838 bis April 1840 in vier Lieferungen.

Im Auftrag der British Association for the Advancement of Science erforschte Owen britische Reptilienfossilien. Sein Bericht von 1839 behandelte unter anderem 16 Arten von Plesiosaurus und 10 Arten von Ichthyosaurus. In der Fortsetzung vom 2. August 1841 prägte er „Dinosauria“. Er ordnete drei von damals elf bekannten Dinosauriergattungen dieser Gruppe zu, klassifizierte sechs falsch und ließ Macrodontophion sowie Plateosaurus aus. Trotzdem galt die Arbeit als Fortschritt gegenüber Georges Cuvier und Hermann von Meyer.

Owen untersuchte außerdem Moas, ausgestorbene große Laufvögel Neuseelands, und veröffentlichte im Laufe seines Lebens mehr als 30 Beiträge darüber. Bei Huftieren ersetzte er 1848 Cuviers Gruppen Wiederkäuer (Ruminantia) und Dickhäuter (Pachydermata) durch Paarhufer und Unpaarhufer. 1853 beriet er Benjamin Waterhouse Hawkins bei Dinosaurierplastiken für den Crystal Palace. Die Modelle zeigten alle Dinosaurier als Vierbeiner und waren in Details nicht Owens Vorgaben entsprechend; etwa trugen Iguanodon-Modelle ein Horn auf dem Kopf. Die Ausstellung eröffnete am 10. Juni 1854 und machte Dinosaurier einem breiten Publikum bekannt.

Homologie und Verhältnis zur Evolutionstheorie

Homologie bezeichnet bei Owen die Übereinstimmung von Körperteilen verschiedener Lebewesen aufgrund eines gemeinsamen Grundbauplans. Er unterschied sie von Analogie: Analoge Strukturen ähneln sich, ohne dass dies nach seiner Auffassung dieselbe grundlegende Bauplanbeziehung ausdrücken muss. Mit seinem Homologie-Prinzip entwickelte er den „Archetypus“, einen abstrakten, göttlich bestimmten Urplan, von dem sich die Baupläne aller Tiere ableiten sollten.

Zunächst vertrat Owen wie Cuvier die Unveränderlichkeit der Arten. Aufgrund seiner vergleichend-anatomischen Studien änderte er diese Auffassung teilweise. Abweichungen vom Archetypus erklärte er durch nicht genau bestimmte sekundäre Einflüsse, die als Gesetze einer göttlich gelenkten Evolution verstanden werden können. Dabei war er besonders von Lorenz Oken und deutscher Naturphilosophie beeinflusst.

Owen lehnte eine Veränderung der Arten nicht vollständig ab, widersprach jedoch Darwins natürlicher Auslese als treibender Kraft. Stattdessen nahm er das Wirken eines Schöpfers an. Darwins Origin of species griff er im April 1860 anonym im Edinburgh Review an. In der Auseinandersetzung mit Thomas Henry Huxley behauptete Owen, bestimmte Gehirnteile wie der Hippocampus minor kämen nur beim Menschen, nicht bei Menschenaffen wie Gorillas, vor. Huxley und William Henry Flower widerlegten dies; zeitgenössisch wurde Huxley meist als Sieger der Debatte angesehen.

Naturgeschichtsmuseum und letzte Jahre

Wegen anhaltender Konflikte mit dem Council gab Owen 1856 das Amt am Hunter-Museum auf. Er wurde erster Superintendent der naturgeschichtlichen Sammlung des Britischen Museums und zugleich Fuller-Professor für Anatomie und Physiologie an der Royal Institution of Great Britain. Von 1857 bis 1861 hielt er Vorlesungen über Paläontologie, die als Palaeontology. Or: A Systematic Summary of Extinct Animals and Their Geological Relations veröffentlicht wurden.

Seit September 1858 trat Owen öffentlich dafür ein, die naturgeschichtliche Sammlung des Britischen Museums in ein unabhängiges Museum auszulagern. Einen detaillierten Plan legte er im Februar 1859 vor. Thomas Henry Huxley widersprach den Plänen im November 1859; von 1860 bis 1863 wurde im Parlament darüber debattiert. 1872 bewilligte das Parlament die Mittel für den Neubau. Bei der Eröffnung des Natural History Museum im April 1881 wurde Owen dessen erster Direktor; 1883 ging er in den Ruhestand.

1884 erhielt Owen den Rang eines Knight Commander des Order of the Bath (KCB) und durfte sich „Sir“ nennen. Sein einziger Sohn nahm sich 1886 das Leben. Owen, der zuletzt taub war und an Stomatitis litt, starb am 18. Dezember 1892. Die Pflanzengattung Owenia F.Muell. aus den Mahagonigewächsen (Meliaceae) wurde nach ihm benannt.

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