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Remix
Ein Remix (englisch Neuabmischung) ist eine neue Version eines Musiktitels auf der Basis des Mehrspuroriginals. Das Konzept des Remix ist vor allem in der …
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Grundidee und Abgrenzung
Ein Remix, auf Deutsch Neuabmischung, ist eine neue Version eines Musiktitels auf der Basis des Mehrspuroriginals. Das bedeutet: Der Remixer arbeitet mit einzelnen vorhandenen Tonspuren, zum Beispiel Gesang, Schlagzeug, Bass oder Gitarre, und erstellt daraus eine veränderte Fassung. Besonders verbreitet ist der Remix in elektronischer Tanzmusik, Hip-Hop und Contemporary R&B.
Ein Remix ist nicht dasselbe wie ein DJ-Mix. Beim DJ-Mix mischt, verbindet und manipuliert ein DJ bereits fertige Tonträger, zum Beispiel durch Scratchen im Turntablism. Beim Remix dagegen wird das vorhandene Ausgangsmaterial eines Stücks neu bearbeitet, oft im Studio und auf Grundlage einzelner Spuren.
Zwecke und typische Fassungen
Remixe entstanden unter anderem aus dem Bedürfnis, die zusätzliche Spielzeit von Maxi-Singles oder Extended Plays auf Schallplatten oder CDs sinnvoll zu nutzen. Statt nur das Originalstück zu veröffentlichen, wurden vorhandene Tonspuren neu gemischt und als musikalische Alternative angeboten.
Dabei konnten unterschiedliche Ziele im Vordergrund stehen. Manche Remixe setzten besondere rhythmische Akzente und wurden als „Disco-Version“ oder „Dancefloor-Version“ für die Tanzfläche gestaltet. Andere Fassungen wurden für das Airplay im Radio hergestellt und als „Radio Version“ bezeichnet. Wieder andere Remixe betonten oder unterdrückten einzelne Instrumente wie Gitarren, Bässe oder Schlagzeug. Es gab auch zeitlich ausgedehnte Versionen, etwa „Extended Version“ oder „Extended Remix“.
Arbeitsweise beim Remix
Die Bearbeitung kann sehr unterschiedlich stark sein. Ein Titel kann nur leicht verändert werden, indem vorhandene Tonspuren anders gewichtet oder einzelne Details angepasst werden. Es sind aber auch starke Eingriffe möglich, bis hin zu einer fast vollständigen Neubearbeitung. Häufig werden vorhandene Tonspuren ausgeblendet und neue Tonspuren hinzugefügt.
Zu den möglichen Veränderungen gehören das Hinzumischen oder Entfernen von Klangeffekten, die Anpassung der Geschwindigkeit, eine neue Gewichtung der Lautstärkeverhältnisse, das Neueinspielen zusätzlicher Instrumente sowie die völlige Zerstückelung und Neuzusammensetzung des Originalmaterials.
Remixe, die direkt für Clubs gedacht sind, heißen oft „Club-Mix“. Sie bestehen meist aus instrumentalem Intro, Mittelteil und Outro. Intro und Outro erleichtern DJs saubere Übergänge zwischen Stücken, einschließlich Beatmatching, also dem Angleichen der Taktschläge zweier Tracks.
Mit Remixen werden häufig studioerfahrene Discjockeys beauftragt, weil sie einschätzen können, wie ein Track für die Tanzfläche bearbeitet werden sollte. Heute ist es auch üblich, befreundete oder bekannte Musiker eines bestimmten Stils einzubeziehen, damit der Remix von Anfang an in eine bestimmte musikalische Richtung geht. Oft tauschen Musiker ihre Stücke oder Tonspuren gezielt aus. Dem Remixer wird dabei meist viel Freiheit gelassen.
Zwei Remixkonzepte
Klanglich lassen sich grundsätzlich zwei Remixkonzepte unterscheiden.
Das erste Konzept ist eine behutsame Veränderung. Der Remix bleibt relativ nah am Original und verbessert vor allem Sound und Struktur, zum Beispiel für die Tanzfläche. Das ursprüngliche Stück ist dabei meist noch klar erkennbar.
Das zweite Konzept ist eine vollkommen neu interpretierte Collage. Eine Collage ist hier eine aus neu zusammengesetzten Teilen gebaute Fassung. Vom ursprünglichen Original bleibt oft nur noch die Gesangsspur übrig, manchmal sogar nur einzelne Fragmente davon. Der Remix kann dadurch wie ein neues Stück wirken, obwohl er auf dem Ausgangsmaterial basiert.
Remix als Musikkultur
Spätestens seit Ende der 1980er Jahre, mit der Entwicklung der Clubkultur, entstand auch eine Remixkultur. Der Remix war nun nicht mehr nur Gebrauchsmusik für bestimmte Zwecke, sondern wurde zu einer eigenen Kunstform. In elektronischer Musik und Hip-Hop spielt er eine besonders wichtige Rolle.
Viele 12-Inch-Maxi-Veröffentlichungen enthalten auf der B-Seite einen Remix. Außerdem sind Neuabmischungen ganzer Alben und ganze Remixkollektionen als Werkschauen üblich. Als Beispiel nennt der Artikel Kruder & Dorfmeisters „The K&D Sessions“ von 1998.
Entwicklung und Beispiele
Ein wichtiger Vorläufer des Remixens war das Dubbing jamaikanischer Reggae-Musiker. Dub Versions eines Reggae-Songs sind Remixe, bei denen die Gesangsspur gelöscht oder ausgeblendet und Hall- beziehungsweise Echoeffekte hinzugefügt werden.
Die ersten eigentlichen Remixe entstanden in der Disco-Ära der 1970er Jahre als sogenannte Disco-Versionen. Sie sollten bekannte Titel für die Tanzfläche geeignet machen. Diese Vorgehensweise wird heute oft als Dance-Mix bezeichnet. Diskotheken wurden früh als wichtiges Marketinginstrument erkannt. Firmen, die als Remix Services bezeichnet wurden, zum Beispiel Razormaid, Disconet und Hot Tracks, betrieben das Remixen kommerziell. Über Record Pools, also Vertriebsnetze, wurden kostenlose Promotion-Mixe oder DJ-only-Mixe in Kleinauflagen exklusiv an DJs verschickt.
Nach der Disco-Ära etablierte sich der Remix nur langsam als anerkannte Kunstform. Eine wichtige Rolle spielte die Hip-Hop-Subkultur. Auch frühe Remixalben rückten die Remixkunst stärker in den Mittelpunkt. Zu den ersten Remixalben der Musikgeschichte zählt „Love And Dancing“ von The League Unlimited Orchestra aus dem Jahr 1982. Es enthält von Martin Rushett, dem Produzenten von Human League, gemixte Instrumentalversionen bekannter Human-League-Titel.
Seit den 1990er Jahren hatten Remixe immer wieder große kommerzielle Erfolge in der Popmusik. Beispiele sind Todd Terrys House-Version von Everything But The Girls „Missing“, Norman Cook alias Fatboy Slims Big-Beat-Remix von Cornershops „Brimful Of Asha“ und Boris Dlugoschs House-Remix von Molokos „Sing It Back“. Diese Beispiele zeigen, dass Remixe erfolgreicher sein können als die Originale. Ab 1997 wurde sogar ein Grammy an den besten Remixer verliehen. Das meistverkaufte Remixalbum aller Zeiten ist Michael Jacksons „Blood on the Dance Floor – HIStory in the Mix“ von 1997.
In Hip-Hop, Dub, Techno, House und elektronischer Musik gehört der Remix spätestens seit Ende der 1980er Jahre fest zur Musikkultur. Seit Ende der 1990er Jahre wurden Remixalben zu erfolgreichen Alben fast üblich. In der kommerziellen Popmusik könnte der Remix mit dem Verschwinden von CD-Singles an Bedeutung verlieren, wenn er dort nur als Zusatzmaterial genutzt wird.
Um 2005 entstand ein neueres Remixphänomen: Musiker arbeiteten über das Internet gemeinsam an Stücken, stellten ihre Werke unter freie Lizenzen wie Creative Commons und bearbeiteten freigegebene Songs weiter. Besonders bekannt wurde dafür die Band Tryad, die aus mehr als 20 Musikern aus aller Welt besteht, die einander persönlich nicht kennen. Ebenfalls über das Internet verbreiten sich Remixe alter Computer-Tunes, etwa vom Commodore 64 oder Amiga. Ein kommerziell erfolgreiches Beispiel ist „Kernkraft 400“ von Zombie Nation, das einen Teil des Soundtracks des C64-Spiels „Lazy Jones“ nutzt und Ende der 1990er Jahre Chartplatzierungen erreichte.