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Eurodance
Charakteristisch ist eine Kombination aus einer repetitiven, oftmals vollsynthetischen Dance-Instrumentierung mit starken Einflüssen aus der damaligen Techno-, …
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Einordnung und Grundprinzip
Eurodance ist eine Stilrichtung der elektronischen Tanzmusik. Sie war in den frühen bis mittleren 1990er Jahren besonders in Europa sehr populär und erzielte zahlreiche Chartplatzierungen. Typisch ist die Verbindung einer repetitiven, oft vollständig synthetischen Dance-Instrumentierung mit Einflüssen aus Techno, New Beat und House. Dazu kommen häufig eingängige Pop-Refrains mit weiblichen Soul-Vocals sowie Sprechgesangs-Einlagen männlicher Rapper oder MCs.
Die Musik verbindet damit Clubmusik und kommerziell erfolgreiche Popmusik. Besonders verbreitet war Eurodance von 1992 bis 1996; seinen Höhepunkt erreichte der Stil 1993/94.
Musikalische Merkmale
Abgesehen von den Vocals werden die Klänge synthetisch erzeugt. Der übliche Rhythmus ist ein gleichförmiger 4-to-the-floor-Beat im 4/4-Takt mit 120 bis 150 BPM. Bei einem 4-to-the-floor-Beat erklingt die Bassdrum regelmäßig auf jedem Viertel. Synthetische Flächen und eine Basslinie ergänzen den Beat. Verwendet werden elektronische Klangerzeuger wie Sequenzer und Drumcomputer, ähnlich wie im Synthie-Pop.
Die Drumcomputer-Beats ähneln Techno und House: Eine pumpende Bassdrum liegt auf den ungeraden Achteln, eine offene Hi-Hat auf den geraden Achteln; Snare- oder Handclap-Sounds erklingen auf dem zweiten und vierten Viertel.
Der Refrain ist meist harmonisch und melodisch, während die Strophen oft Rapeinlagen enthalten. Häufig wechseln sich weibliche Singstimme im Refrain und männlicher Sprechgesang in der Strophe ab. Diese Aufteilung heißt „Snap-Formel“ oder humorvoll „Ma-ra-Fra-si“: Mann rappt, Frau singt. Fehlen Rapeinlagen, ersetzen gesungene Strophen sie meist und ein einzelner Sänger oder eine Sängerin übernimmt den Titel. Nach Refrains folgen oft einprägsame instrumentelle Akkordmuster. Teilweise kommen Elemente vor, die an Reggae oder Dancehall angelehnt sind.
Die Texte sind mit wenigen Ausnahmen englisch. Wiederkehrende Themen sind Liebe, Sex, Musik, Tanzen und Feiern. Öffentlich vertreten ein Projekt normalerweise nur die Sängerinnen, Sänger und Rapper, selten mehr als drei Personen; Produzenten und Komponisten bleiben meist im Hintergrund.
Entwicklung und Verbreitung
Der Geschichtsabschnitt ist laut Artikel nicht hinreichend belegt; einzelne Angaben können daher unsicher sein. Frühe zuordenbare Titel entstanden zunächst nicht in rein kommerziellen Produktionsstätten. DJs und Produzenten, häufig aus Frankfurt und dem Umfeld des Clubs Dorian Gray, versuchten cluborientierte Stile wie Techno, EBM und Trance radio- und charttauglich zu machen. Genannt werden Torsten Fenslau, Michael Münzing, Luca Anzilotti, Jam El Mar, Mark Spoon und DJ Dag. Ihr Klang war von Synthpop, Italo Disco beziehungsweise Euro Disco, frühem Techno und Hi-NRG geprägt.
Als Vorläufer gelten unter anderem Pump Up the Jam (1989) von Technotronic und The Power (1990) von Snap!. Diese noch stärker Hip-Hop-orientierte Vorphase wird häufig Hip House genannt und zeigte bereits Bezüge zur amerikanischen House-Musik. Mit der wachsenden Popularität von House, Techno und ab 1992 auch Trance in europäischen Diskotheken wurde die Musik clublastiger; wichtig wurden die pumpende Bassdrum und eine zunehmend computerorientierte Produktion.
Der Übergang zwischen Euro Disco, Hip House und Eurodance ist fließend. Rhythm Is a Dancer (1992) von Snap! gilt jedoch als erster wichtiger Meilenstein und erreichte Platz 1 der deutschen Charts. Sein Muster aus technolastigem Beat, weiblicher Soulstimme und männlichem Rapper wurde vielfach übernommen. Wichtige frühe Erfolge waren It’s My Life von Dr. Alban, More and More vom Captain Hollywood Project und Mr. Vain von Culture Beat. What Is Love (1993) von Haddaway ist ein früher Titel ohne Rap-Einlagen.
Nach dem Höhepunkt wurde Eurodance zunehmend kommerzieller und chartsorientierter. Wegen seiner Beliebtheit bei Fahrgeschäften auf Jahrmärkten wurde der Stil abwertend „Kirmestechno“ genannt. Danach sanken die Verkaufszahlen deutlich; VIVA nahm kaum noch Eurodance-Nummern in seine Playlist auf. Der Begriff „Eurodance“ entstand erst nach dem kommerziellen Abebben und wurde zunächst für Sampler mit früheren Charterfolgen verwendet; zuvor sprach man häufiger von „Dancefloor“ oder „Dance“.
2003 erschienen neue Versionen oder Remixe großer Hits, etwa Rhythm Is a Dancer 2003 von SNAP!, Mr. Vain Recall von Culture Beat und Feel the Heat of the Night 2003 von Masterboy, ohne dass ein richtiges Comeback gelang. DJ BoBo und Scooter veröffentlichten weiterhin erfolgreich, ihre neueren Werke gehören aber überwiegend anderen Stilrichtungen wie Hands up oder Jumpstyle an. Eurodance wird heute neben Techno oft als typische Musik der 1990er Jahre gesehen, etwa auf „90er-Jahre-Partys“. Neue Produktionen, Best-of-Konzerte, Kompilationen, Apps, Internetradios und Videoportale bedienen weiterhin das Publikum.
Bekannte Titel als Beispiele
Zu den prägenden Chartbeispielen gehören Rhythm Is a Dancer von Snap!, das vom 25. Mai bis 27. Juli 1992 auf Platz 1 in Deutschland stand, sowie Mr. Vain von Culture Beat, das vom 21. Juni bis 16. August 1993 Platz 1 in Deutschland erreichte. What Is Love von Haddaway erreichte in Deutschland maximal Platz 2, stand aber in Österreich vom 9. Mai bis 10. Juli 1993 und in der Schweiz vom 13. Juni bis 17. Juli 1993 auf Platz 1.
Weitere Nummer-eins-Erfolge in allen drei Ländern waren Blue (Da Ba Dee) von Eiffel 65 im Jahr 1999 und Dragostea din tei von O-Zone im Jahr 2004. Auch Rednex’ Cotton Eye Joe stand von November 1994 bis März 1995 in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz 1.