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Rassismus gegen Weiße
Rassismus gegen Weiße, auch anti-weißer Rassismus ist ein Schlagwort konservativer und rechter Kreise, das die Existenz von Rassismus gegenüber Menschen mit …
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Begriff und Verwendung
„Rassismus gegen Weiße“, auch „anti-weißer Rassismus“, ist ein Schlagwort konservativer und rechter Kreise. Es legt die Existenz von Rassismus gegenüber Menschen mit heller Hautfarbe („Weißen“) nahe. In der westlichen Welt wird der Ausdruck verwendet, um Maßnahmen zur Gleichstellung von People of Color zu bekämpfen oder Migration zu kritisieren. Er findet in Deutschland und international Verwendung. „Umgekehrter Rassismus“ (nach dem englischen „reverse racism“) wird im gleichen Sinn gebraucht.
Strukturelles Verständnis von Rassismus
Nach Critical Race Theory und Kritischer Weißseinsforschung ist Rassismus stets mit der strukturellen Diskriminierung von People of Color verbunden. Gemeint ist eine gesellschaftspolitische Ordnung, die die dominante Position und Privilegierung weißer Menschen sowie die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Unterordnung von People of Color bewirkt. Diese Ordnung wird auch „weiße Vorherrschaft“ genannt.
In diesem Verständnis ist nicht jede Benachteiligung, abwertende Handlung oder Äußerung gegenüber Menschen anderer Hautfarben oder Ethnien rassistisch. Rassismus liegt nur vor, wenn dies aus einer Machtposition innerhalb dieser gesellschaftspolitischen Ordnung geschieht. Deshalb gebe es in der westlichen Welt keinen „Rassismus gegen Weiße“: Eine gleichwertige gesellschaftspolitische Ordnung zum Nachteil weißer Menschen bestehe nicht.
Wer einen solchen Rassismus unterstellt, verwendet nach dieser Sicht meist einen individuellen Rassismusbegriff ohne Bezug zu gesellschaftlichen Strukturen oder lehnt die strukturelle Deutung ab. Privilegien und Vorherrschaft beziehen sich dabei auf Gruppen. Zusätzlich können weitere Merkmale eine Person beeinflussen; dies heißt Intersektionalität. Weiße Menschen, die etwa von Armut oder Ausgrenzung betroffen sind, seien demnach nicht wegen ihrer Hautfarbe strukturell benachteiligt, sondern beispielsweise wegen ihrer sozialen Klasse.
Einsatz als politischer Kampfbegriff
Rechte und Konservative verwenden „Rassismus gegen Weiße“ als Kampfbegriff. Die Behauptung eines angeblich gegen Weiße gerichteten Rassismus verbreitete sich zunächst in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen. In Frankreich geschah dies etwa ab den 1980ern durch AGRIF, die „Allianz gegen Rassismus und für die Achtung der französischen und christlichen Identität“.
In Deutschland wurde der Vorwurf mit „Deutschenfeindlichkeit“ verknüpft. Dabei wird behauptet, Deutsche seien Opfer von Feindseligkeit oder „Rassismus“ durch muslimische Migranten. Später griffen auch überregionale Zeitungen und konservative Parteien den Vorwurf für Wahlkampfzwecke auf. Häufig wird der Begriff außerdem als angebliche „umgekehrte Diskriminierung“ verwendet: Antirassistische Maßnahmen würden demnach eigentlich Weiße benachteiligen. Die ultrarechte Alt-Right nutzt ihn in den USA, um die Inklusion von People of Color infrage zu stellen.
Andere Verwendungen und Kritik
Teilweise werden persönliche Erfahrungen von Ausgrenzung oder Vorgänge in afrikanischen Ländern als „Rassismus gegen Weiße“ bezeichnet. Beispiele sind Feindseligkeiten gegenüber weißen Touristen oder Mugabes Landespolitik in Simbabwe. Die Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt warnt jedoch davor, Reaktionen auf weiße Privilegien mit Rassismus zu verwechseln und den historischen Werdegang außer Acht zu lassen.
Die Historiker Hans Christian Petersen und Jannis Panagiotidis kritisieren insbesondere die US-amerikanische Debatte, weil sie mit dichotomen, also in zwei gegensätzliche Gruppen aufteilenden, Kategorien arbeite. Diese beschrieben den deutschen Kontext unzureichend. Im Holocaust und darüber hinaus seien sowohl osteuropäische als auch jüdische „weiße“ Menschen Opfer von Rassismus geworden. Nach ihrer Auffassung gibt es durchaus einen „Rassismus gegen Weiße“; er treffe Menschen aber nicht, weil sie „weiß“ seien, sondern weil rassistische Hierarchisierungen äußerlich „weiße“ Menschen treffen.