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RWE

Die RWE AG (bis 1990 Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG) mit Sitz in Essen ist ein börsennotierter Energieversorgungskonzern.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Unternehmen und Entwicklung
  2. 2. Kernenergie und Kohleausstieg
  3. 3. Aufbau, Leitung und Eigentum
  4. 4. Erzeugung und Energiewende
  5. 5. Netze und Stellung im Markt
  6. 6. Kritik und Konflikte

Unternehmen und Entwicklung

Die RWE AG, bis 1990 Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG, ist ein börsennotierter Energieversorgungskonzern mit Sitz in Essen. Sie wurde 1898 als Stadtwerk gegründet. Zeitweise war sie nach Umsatz der zweitgrößte Versorger Deutschlands und zählt zu den großen Vier Energieversorgern. RWE ist unter anderem in den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Österreich, Tschechien, Osteuropa, der Türkei, den USA und Taiwan tätig. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 20.120 Menschen und erzielte 2025 17,6 Mrd. Euro Umsatz.

Unter Hugo Stinnes wuchs RWE durch niedrige Preise und eine Ausweitung des Absatzes zu einer Überlandzentrale. Dabei wurde Steinkohle am Standort verstromt, gleichmäßiger abgesetzt und Lastspitzen der Kraftwerke wurden verringert. Kommunen waren zugleich Finanzierer und Absatzmarkt. Bis 1914 wurde RWE zu einem der größten Stromversorger im Kaiserreich; mit dem Goldenbergwerk begann die Verstromung von Braunkohle im Großkraftwerk.

In den 1920er Jahren entstand unter Arthur Koepchen die Nord-Süd-Leitung auf Höchstspannungsebene. Tagsüber floss Strom aus Wasserkraftwerken nach Norden, nachts Braunkohlestrom nach Süden, um Wasser in Speicherkraftwerke zu pumpen. 1927/29 wurde das Versorgungsgebiet im „Elektrofrieden“ festgelegt und 1935 im Energiewirtschaftsgesetz bestätigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde RWE durch die deutsche Teilung das mit Abstand größte Energieversorgungsunternehmen der Bundesrepublik. 1975 nahm das Kernkraftwerk Biblis A den Betrieb auf.

2000 fusionierte RWE mit den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW). Danach konzentrierte sich der Konzern auf Strom und Gas und veräußerte unter anderem das Entsorgungs-, Wasser- und Teile des Beteiligungsgeschäfts. 2009 übernahm RWE den niederländischen Versorger Essent. Seit 2015 wurde der Konzern mehrfach umstrukturiert; zunächst sollten erneuerbare Energien, Stromnetze und Vertrieb in der neuen Gesellschaft innogy gebündelt werden.

Kernenergie und Kohleausstieg

RWE befürwortete unter dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann längere Laufzeiten für Kernkraftwerke. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wurde die zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung jedoch zurückgenommen. RWE klagte 2011 erfolgreich gegen die Abschaltung von Biblis A und B im Atom-Moratorium und verlangte anschließend Schadenersatz von Hessen und der Bundesregierung für entgangene Gewinne.

Unter Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von Juli 2012 bis Oktober 2016, beschloss RWE aus finanziellen Gründen den Ausstieg aus weiteren Kernenergieprojekten, auch international, und zog sich aus geplanten Projekten in Großbritannien zurück. Stattdessen sollten erneuerbare Energien einschließlich Solarenergie stärker ausgebaut werden. 2015 berichteten Medien über eine mögliche Finanzierungslücke von 7,5–10 Milliarden Euro bei den Rückstellungen für den Rückbau von Kernkraftwerken. RWE hielt die Rückstellungen dagegen für voraussichtlich ausreichend; die unterschiedlichen Berechnungen beruhten zumindest teilweise auf unterschiedlichen Annahmen zur Verzinsung.

RWE trat lange gegen einen Kohleausstieg und für die Braunkohleverstromung ein. 2014 beschloss NRW, den Tagebau zu verkleinern: Etwa 300 Millionen von insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle sollten nicht mehr abgebaggert werden. Als Alternative zum geplanten Nationalen Klimaschutzbeitrag wurden Braunkohleblöcke in eine Sicherheitsbereitschaft überführt. RWE sollte dafür insgesamt 1.448 MW vom Netz nehmen. Kritiker vermuteten, dass ein Teil der Anlagen ohnehin etwa 2020 abgeschaltet worden wäre und nur 292 MW zusätzlich betroffen seien.

Eine im Auftrag von Greenpeace erstellte DIW-Studie nannte höchstens 280 Millionen Tonnen Braunkohle als noch förderbar, falls Deutschland die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen wolle; RWE prognostizierte im Mai 2020 dagegen 630 Millionen Tonnen. Am 4. Oktober 2022 kündigte RWE an, die Braunkohleverstromung bis 2030 zu beenden. Kurzfristig sollte die Vereinbarung mit der Bundesregierung die Versorgungssicherheit stärken, langfristig Investitionen in erneuerbare Energien und einen sozialverträglichen Personalabbau ermöglichen.

Aufbau, Leitung und Eigentum

Das operative Geschäft ist in sechs Bereiche gegliedert: RWE Renewables Europe & Australia GmbH erzeugt erneuerbare Energie an Land in Europa und Australien; RWE Offshore Wind GmbH betreibt Offshore-Windenergie in Europa, Amerika und Asien; RWE Americas, LLC erzeugt erneuerbare Energie an Land in den USA, Mexiko und Chile. RWE Generation SE erzeugt Energie aus Gas, Steinkohle, Wasser und Biomasse. RWE Power AG verantwortet Braunkohle und Kernenergie. RWE Supply & Trading GmbH beschafft, handelt, optimiert und vermarktet Energie, einschließlich der Direktvermarktung erneuerbarer Energien und des Emissionsrechtehandels.

Der Vorstand besteht seit Mai 2021 aus Markus Krebber als Vorstandsvorsitzendem, Michael Müller als Finanzvorstand sowie Katja van Doren als Personalvorständin und Arbeitsdirektorin. Vorsitzender des 20-köpfigen Aufsichtsrats ist Frank Appel; sein Stellvertreter ist Michael Vassiliadis.

Das Grundkapital ist in rund 744 Millionen Stammaktien eingeteilt. Vorzugsaktien wurden nach einem Beschluss der Hauptversammlung im Mai 2019 mit Ablauf des 28. Juni 2019 in Stammaktien umgewandelt. Die Stammaktien gehören seit 1988 zum DAX. Nach Wandlung einer von Qatar Holding gezeichneten Pflichtwandelanleihe von knapp 2,5 Mrd. Euro wurde die Qatar Investment Authority größter Aktionär. Im Oktober 2025 entfielen 9 % auf Qatar Investment Authority, 6 % auf BlackRock, 1 % auf die Belegschaft, 70 % auf andere institutionelle und 14 % auf andere private Aktionäre. Kommunale Aktionäre hielten zusammen rund 23 % der Aktien.

Erzeugung und Energiewende

2022 beruhte die Energieproduktion noch überwiegend auf konventionellen Quellen: 33,7 % Gas, 32,7 % Braunkohle, 4,7 % Steinkohle und 7,8 % Kernenergie standen 21,0 % erneuerbaren Energien gegenüber. Bis 2025 verschob sich das Portfolio stark zu regenerativen Quellen. Im Mai 2026 wies RWE für seine Standorte rund 80 % erneuerbare Energien aus; Onshore-Windkraft machte 78 % aus, Gas 9 % und Braunkohle 8 %. Der CO₂-Ausstoß sank von 2022 bis 2023 um 27 % auf 60,6 Millionen Tonnen und von 2023 bis 2024 um weitere 13 % auf 52,6 Millionen Tonnen.

RWE betreibt zahlreiche Kraftwerke und Offshore-Windparks. Beispiele sind Amrumbank West in der Nordsee mit 302,4 MW und 100-%-Beteiligung seit 2015, Kaskasi mit 342 MW seit 2022 sowie Triton Knoll im Vereinigten Königreich mit 857,25 MW und 59-%-Beteiligung seit 2022. Geplant sind unter anderem das Nordseecluster in Deutschland mit 1.560 MW und 51 % Beteiligung ab 2026, Sofia im Vereinigten Königreich mit 1.400 MW ab 2026 sowie Thor in Dänemark mit 1.000 MW und 51 % Beteiligung ab 2027.

2023 stieg die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien um 27 % von 35,5 auf 45,2 TWh; 2024 nahm sie um 7,9 % auf 48,8 TWh zu.

Netze und Stellung im Markt

Aufgrund gesetzlicher und europäischer Vorgaben wurden Übertragungs- und Verteilnetze rechtlich von anderen Geschäftsfeldern getrennt. Amprion, 2003 als RWE Transportnetz Strom GmbH gegründet, ist einer von vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern. RWE verkaufte 2011 74,9 % für 1 Mrd. Euro. 2026 erreichte RWE nach dem Rückkauf von Anteilen am M31-Konsortium für 3,6 Mrd. Euro wieder eine Mehrheitsbeteiligung von 55 % an Amprion.

Thyssengas, 2004 als RWE Transportnetz Gas GmbH gegründet, war das Fernleitungsnetz für Gas. Die EU-Kommission leitete 2007 ein Missbrauchsverfahren ein, weil RWE Konkurrenten den Zugang zum Erdgasmarkt erschwert haben soll. Nach dem Angebot zum Verkauf wurde das Verfahren bei einem Verkauf in Aussicht gestellt; Thyssengas wurde 2011 nach Kartellgenehmigung verkauft. Das Verteilnetzgeschäft wurde 2013 ausgegliedert. Westnetz gehörte seit September 2019 nach dem Verkauf von innogy zu E.ON.

Das Bundeskartellamt sah 2003 ein „marktbeherrschendes Duopol“ von E.ON und RWE; der Bundesgerichtshof bestätigte dies 2008. 2011 ging das Amt für die Stromerzeugung und den Großhandel von individuellen marktbeherrschenden Stellungen mehrerer Anbieter aus. Die Monopolkommission verneinte 2013 eine solche individuelle Marktmacht unter den damaligen Marktverhältnissen. Nach dem Tausch von Vermögenswerten 2019 konzentriert sich E.ON auf Vertrieb und Verteilnetz, während RWE die Stromerzeugung aus konventionellen und erneuerbaren Quellen bündelt. Das Bundeskartellamt stellte 2021 fest, dass RWE als größter Stromerzeuger in vielen Stunden für die Deckung der Nachfrage unverzichtbar sei und damit über der Schwelle einer marktbeherrschenden Stellung liege.

Kritik und Konflikte

RWE wurde wegen seiner Klima- und Lobbyismuspolitik kritisiert. Noch Mitte der 2000er Jahre bestritt der Konzern den menschengemachten Klimawandel. In einem Schriftsatz von 2006 erklärte RWE, Klimaveränderungen seien wissenschaftlich nicht bewiesen und Kausalzusammenhänge mit menschlichen Einflüssen seien offen.

Kritiker warfen RWE 2009 vor, zu stark an Kohle festzuhalten und erneuerbare Energien zu wenig zu fördern. RWE ist der größte Nutzer von Braunkohle in Deutschland und baut sie in den Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden ab. Kritisiert werden die Absenkung des Grundwassers, Bergschäden sowie die Zerstörung von Ortschaften und Natur. Genannt werden die Aktion Ende Gelände 2015, der Abriss von Immerath im Januar 2018, die rechtswidrige Räumung des Hambacher Forsts 2018 und der Abriss von Lützerath im Januar 2023.

RWE importierte 2013 Kohle aus El Cerrejón in Kolumbien, wo es Interessenkonflikte mit dem Wayúu-Volk gibt. Die 2010 mitgegründete Initiative „Better Coal“ soll verantwortungsvollen Kohleabbau fördern, wird aber als Greenwashing kritisiert. 2026 stellte RWE Offshore-Windprojekte in den USA gegen eine Zahlung von über 1,2 Milliarden Dollar durch die Trump-Regierung ein. Zugleich verpflichtete sich der Konzern zu 16 % an einem LNG-Projekt in Louisiana für 900 Millionen Dollar und zu 300 Millionen Dollar für 15 geplante Erdgaskraftwerke; Umweltverbände kritisierten diese fossile Strategie.

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