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Kommunikative Kompetenz

Unter Kommunikativer Kompetenz oder Kommunikationskompetenz versteht man die Fähigkeit, konstruktiv, effektiv und bewusst zu kommunizieren.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff und Bedeutung
  2. 2. Bestandteile der Kompetenz
  3. 3. Entwicklung des Begriffs
  4. 4. Kommunikation und Regeln
  5. 5. Regeln situationsgerecht nutzen
  6. 6. Deutschunterricht

Kernbegriff und Bedeutung

Unter Kommunikativer Kompetenz oder Kommunikationskompetenz versteht man die Fähigkeit, konstruktiv, effektiv und bewusst zu kommunizieren. Sie ist im Alltag wichtig, weil Menschen damit soziale Kontakte aufbauen und pflegen sowie Situationen wie Bewerbungsgespräche oder Konflikte bewältigen können. Auch in beruflichen Zusammenhängen, etwa im Top-Management, wird sie erwartet, um Kunden zu überzeugen, zielorientiert zu handeln und sich Respekt zu verschaffen.

Durch Globalisierung wird kommunikative Kompetenz auch in Fremdsprachen wichtiger. Der Artikel betont, dass vielen Menschen der Begriff begegnet, aber oft unklar bleibt, was er im Einzelnen umfasst.

Bestandteile der Kompetenz

Ulrich Zeuner fasst Kommunikative Kompetenz nach Canale und Swain (1980) in vier Bereiche:

  • Grammatische Kompetenz: Beherrschung von Wortschatz, Satzgrammatik, Wortbildungsregeln, Aussprache, Orthographie und weiteren Elementen des sprachlichen Codes.
  • Soziolinguistische Kompetenz: Fähigkeit, Äußerungen in unterschiedlichen situativen und kulturellen Kontexten passend zu produzieren und zu verstehen. Dabei zählen unter anderem sozialer Status, Rollenverhältnisse, Ziel der Interaktion sowie Angemessenheit von Bedeutung und Form.
  • Diskurskompetenz: Fähigkeit, grammatische Formen und Bedeutungen so zu verbinden, dass beim Sprechen und Verstehen Texte und Diskurse entstehen.
  • Strategische Kompetenz: Beherrschung verbaler und nonverbaler Strategien, wenn Kommunikation zusammengebrochen ist, zum Beispiel wegen mangelnder Kompetenz in einem anderen Bereich.

Zur Kommunikativen Kompetenz gehören außerdem Kenntnisse wichtiger Kommunikationskonzepte und -modelle sowie konkrete Kommunikationstechniken. Nicht nur Fähigkeit, sondern auch Bereitschaft beziehungsweise Wille zur Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Kommunikationsfähigkeit bedeutet, sich verständlich und empfängerorientiert auszudrücken. Kommunikationsbereitschaft meint den Willen, sich mit anderen auszutauschen, Dinge verbal zu klären und Wissen durch Kommunikation weiterzugeben. Efing (2013) zeigt Grenzen des bis heute unscharfen Fähigkeitskonzepts auf.

Entwicklung des Begriffs

Das Konstrukt der Kommunikativen Kompetenz entstand zunächst im Fremdsprachenunterricht zu Beginn der 1970er Jahre im Zusammenhang mit der Kommunikativen Wende. Vorher lag der Schwerpunkt stärker auf der Analyse einer Sprache als auf dem Kommunizieren mit ihr. Der Schüler wurde dabei eher als Objekt betrachtet, das Wissen aufnimmt, und weniger als Subjekt mit eigenen Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken.

Seit den 1960er und 1970er Jahren wurde Kompetenzbildung unter Bezug auf Noam Chomsky auch in den Sozialwissenschaften wichtig. In den Mittelpunkt rückten Erziehung zur Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, Gruppenprozesse und Selbsterfahrungen. In der deutschen Diskussion verbreiteten besonders Jürgen Habermas und Niklas Luhmann entsprechende Ansätze.

Wegbereitend war auch die Sprechakttheorie von John Langshaw Austin und John Searle. Sie untersucht menschliche Kommunikation, Verhalten während der Kommunikation, Alltagssprache und auch Smalltalk, um das Gelingen oder Nichtgelingen von Gesprächen zu erklären. Habermas formulierte 1971 Voraussetzungen der idealen Sprechsituation: Gleichgestelltsein der Gesprächsbeteiligten und Ehrlichkeit gegenüber den anderen über die eigene Position. Der Begriff Kommunikative Kompetenz wurde 1972 von Dell Hymes eingeführt. Hymes verstand sie nicht nur als grammatisches, sondern auch als sozio- und psycholinguistisches Wissen eines Lernenden oder Sprechers.

In der Globalisierung ist der Begriff teilweise durch Interkulturelle Kompetenz abgelöst worden. Diese kann aber auch als Teilbereich Kommunikativer Kompetenz verstanden werden: Kommunikative Kompetenz meint Kommunikation allgemein, Interkulturelle Kompetenz speziell Kommunikation mit anderen Kulturen. Dafür sind neben der Sprache auch Traditionen und Gepflogenheiten wichtig, damit Kommunikation nicht durch unpassendes Verhalten oder unpassende Äußerungen scheitert.

Kommunikation und Regeln

Kommunikation ist ein Vorgang, bei dem Individuen Informationen austauschen. Sie kann verbal, also sprachlich, oder nonverbal, also ohne Worte, geschehen. Jede Kommunikation hat einen Inhaltsaspekt, zum Beispiel Informationen und Fakten, sowie einen Beziehungsaspekt, also die zwischenmenschliche Beziehung.

Der Artikel betont den Grundsatz, dass man nicht nicht kommunizieren kann: Auch Körpersprache, Schweigen und Nichthandeln haben Mitteilungscharakter. Dadurch können leicht Missverständnisse entstehen.

Für reibungslose Kommunikation sollen Gesprächspartner Kommunikationsaxiome und Kommunikations- beziehungsweise Konversationsmaximen beachten. Kommunikationsaxiome sind Grundsätze, die einleuchten, aber nicht beweisbar sind. Maximen sind oberste Regeln oder Richtlinien, auch im Sinne ethischer Haltungen. Beispiele für hilfreiches Verhalten sind: einander ausreden lassen, aktiv zuhören und Blickkontakt halten. In Konflikten sollen eher Ich-Botschaften als Du-Botschaften verwendet werden. Beispiel: Statt „Du bist kindisch“ kann man sagen: „Wenn Du dich so und so verhältst werde ich ärgerlich, denn das bedeutet für mich, das und das“.

Regeln situationsgerecht nutzen

Gespräche, die von Ins-Wort-fallen oder Doppeldeutigkeiten geprägt sind, lösen oft Unmut aus. Ein Teilnehmer kann resignieren und das Gespräch abbrechen. Solche Verläufe gelten nicht als kompetente Kommunikation. Daher gehört die Beherrschung von Regeln zur Kommunikativen Kompetenz. Kommunikationsfähigkeit kann außerdem das Selbstbewusstsein stärken und ein sicheres Auftreten ermöglichen.

Regeln werden durch Erziehung und soziale Kompetenz zunächst oft unbewusst verinnerlicht. Emotionen können sie jedoch überlagern. Wer etwa Angst vor einem verbalen Angriff hat, kann dazu neigen, andere zu unterbrechen oder Aufmerksamkeit abzuwenden, um sich selbst zu schützen. Schulungen können Regeln bewusster machen und helfen, Emotionen besser zu kontrollieren.

Der Artikel warnt aber davor, Kommunikation nur starr nach Regeln zu führen. Ein krampfhaft regelbestimmtes Gespräch wirkt künstlich und erzwungen; übertriebener Blickkontakt kann verunsichern und irritieren. Kommunikationskompetenz ist bis zu einem gewissen Grad erlernbar, doch Regeln müssen abgewogen und situationsgemäß eingesetzt werden. Innerhalb allgemein anerkannter Regeln gibt es außerdem Spielraum für einen eigenen Gesprächsstil, sowohl für Gruppen als auch für einzelne Sprecherinnen und Sprecher.

Deutschunterricht

Im Deutschunterricht aller Schultypen gilt der Erwerb kommunikativer Kompetenz seit den 1970er Jahren, der Kommunikativen Wende der Deutschdidaktik, als grundlegend. Lehrpläne betonen diesen auch fächerübergreifenden Auftrag des Faches Deutsch seit Langem.

Im Rahmen der Kompetenzorientierung hebt die Deutschdidaktik das Prinzip des „reflexiven Sprechens“ hervor. Mündliche Kommunikation ist einerseits Medium des Unterrichts in allen Fächern, andererseits besonders im Fach Deutsch selbst Unterrichtsgegenstand. Sie soll also nicht nur genutzt, sondern auch bewusst betrachtet und reflektiert werden. Dazu passen Unterrichtsverfahren wie Rollenspiel und verschiedene mediale Inszenierungen.

Teucher (Hg.) 2015 betont, dass diese Sicht an die alte Lehre der Rhetorik anschließt. Kompetenzerwerb und Kompetenzausbau im Bereich mündlicher Kommunikation sind in Schule und Beruf von grundlegender Bedeutung.

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