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Prayagraj
Wegen des Triveni Sangam ist Prayagraj einer der wichtigsten hinduistischen Pilgerorte und alle zwölf Jahre Austragungsort der Kumbh Mela, die als größtes …
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Überblick und Lage
Prayagraj ist eine Millionenstadt im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh sowie der Verwaltungssitz des Distrikts und der Division Prayagraj. Bis Oktober 2018 hieß sie amtlich Allahabad. 2011 hatte die Stadt auf einer Fläche von 70,05 km² insgesamt 1.168.385 Einwohner; die Bevölkerungsdichte betrug 16.679 Einwohner je km².
Die Stadt liegt in etwa 100 m Höhe am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna. Westlich beginnt der Doab, das Land zwischen diesen beiden Flüssen. Im Norden schließt sich die Region Awadh an, im Süden liegen Baghelkhand und Bundelkhand. Delhi befindet sich etwa 700 km Fahrtstrecke nordwestlich, Kolkata gut 800 km südöstlich.
Prayagraj liegt an der Grand Trunk Road, der wichtigsten Ost-West-Straßenverbindung Nordindiens, und ist an das indische Eisenbahnnetz angeschlossen. Außerdem besitzt die Stadt einen nationalen Flughafen mit dem IATA-Code IXD. Das Klima ist warm; fast der gesamte Regen fällt während des Monsuns, gewöhnlich von Juli bis September.
Name und Geschichte
Der seit dem 16. Oktober 2018 amtliche Name Prayagraj geht auf den alten Sanskrit-Namen Prayag beziehungsweise Prayaga zurück, der „Opferstätte“ bedeutet. Der Zusatz -raj heißt „König“ und verweist auf Prayags Bezeichnung als „König der Pilgerstätten“. Den Namen Allahabad beziehungsweise Ilahabad, persisch für „Stadt Gottes“, verlieh Mogulkaiser Akbar I. der Stadt 1583. Die von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) durchgesetzte Umbenennung war wegen ihrer anti-muslimischen Untertöne erheblich umstritten.
Der Zusammenfluss von Ganges und Yamuna gilt seit dem Altertum als heilig. Unter dem Namen Prayag wird der Ort bereits in altindischen Schriften wie dem Mahabharata und der Manusmriti erwähnt. Das älteste erhaltene Bauwerk ist eine Ashoka-Säule aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.; im Fort befindet sich außerdem eine Inschrift des Gupta-Herrschers Samudra Gupta aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Der chinesische Pilger Xuanzang besuchte Prayag im 7. Jahrhundert und beschrieb es als bedeutendes hinduistisches Heiligtum.
1194 eroberte Muhammad von Ghur Prayag, das dadurch unter die Herrschaft des Sultanats von Delhi kam. Mogulkaiser Akbar ließ nach 1583 das Fort Allahabad errichten, machte die Stadt zur Provinzhauptstadt und gab ihr den Namen Allahabad. Sein Sohn Selim, der spätere Kaiser Jahangir, war hier vor seiner Thronbesteigung Statthalter.
Nach dem Niedergang des Mogulreichs wechselte die Stadt im 18. Jahrhundert mehrfach den Herrscher. 1764 errichteten die Briten eine Garnison. 1801 trat der Nawab von Oudh Allahabad an die Britische Ostindien-Kompanie ab. 1857 beteiligte sich die Stadt am Großen Aufstand gegen die Briten. Nach dessen Niederschlagung wurde sie Hauptstadt der Northwestern Provinces, die ab 1902 United Provinces of Agra and Oudh hießen. 1920 ging die Hauptstadtfunktion an Lucknow über. Seit der indischen Unabhängigkeit 1947 gehört die Stadt zum Bundesstaat Uttar Pradesh.
Bevölkerung und Wirtschaft
Die Einwohnerzahl stieg von 792.858 im Jahr 1991 über 1.018.092 im Jahr 2001 auf 1.168.385 im Jahr 2011. Hauptursache dieses Wachstums ist die Zuwanderung von Familien aus dem Umland.
Gut 76 % der Bevölkerung sind Hindus und knapp 22 % Muslime. Christentum, Sikhismus, Jainismus und Buddhismus stellen kleine Minderheiten. Prayagraj ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Allahabad und des Bistums Lucknow der anglikanisch-methodistischen Church of North India. Der männliche Bevölkerungsanteil liegt knapp 18 % über dem weiblichen. Als Gründe nennt der Artikel die hohe Abtreibungsrate weiblicher Föten in Nordindien und die Zuwanderung männlicher Arbeitskräfte aus ländlichen Gebieten. Verbreitete Sprachen sind Hindi, Urdu, Englisch und die Regionalsprache Awadhi.
Das Umland und besonders der Doab sind stark landwirtschaftlich geprägt. In der Stadt arbeiten Händler, Handwerker und zahlreiche Dienstleister. In den vergangenen Jahrzehnten kamen kleinere Industriebetriebe hinzu. Wegen der Bedeutung Prayagrajs als Pilgerort spielt auch der Pilgertourismus eine wichtige wirtschaftliche Rolle.
Religiöse Bedeutung und Feste
Prayagrajs besondere religiöse Bedeutung beruht auf dem Triveni Sangam, der „Vereinigung von drei Strömen“. Dort fließen der Ganges, Indiens größter Strom, und sein wichtigster Nebenfluss, die Yamuna, zusammen. Nach hinduistischer Vorstellung kommt als dritter, unsichtbarer Fluss die Sarasvati hinzu. Da Ganges und Yamuna im Hinduismus als heilig gelten, ist Prayagraj ein bedeutender Pilgerort und trägt den Beinamen Tirth Raj, „König der Pilgerstätten“.
Alle zwölf Jahre findet im Januar und Februar am Triveni Sangam die Kumbh Mela statt. Prayagraj, Nashik, Ujjain und Haridwar richten dieses Fest alle drei Jahre abwechselnd aus, sodass jede Stadt im Zwölfjahresrhythmus an der Reihe ist. Die Kumbh Mela von Prayagraj gilt als besonders heilig und als größtes religiöses Fest der Welt. Die im Artikel zuletzt genannte Veranstaltung dauerte vom 14. Januar bis zum 10. März 2013.
Sechs Jahre nach der eigentlichen Kumbh Mela wird die „halbe Kumbh Mela“, die Ardh Kumbh Mela, gefeiert. Daneben findet jährlich die kleinere Magh Mela statt. 2013 besuchten schätzungsweise 90 bis 100 Millionen Menschen die Kumbh Mela innerhalb von 55 Tagen; allein am Haupttag versammelten sich 35 Millionen zum Bad im Ganges. Bei einer Massenpanik am Bahnhof starben damals 36 Menschen. Zur Ardh Kumbh Mela 2007 kamen nach Schätzungen 60 bis 70 Millionen Pilger, während zur jährlichen Magh Mela etwa fünf Millionen Menschen erwartet werden.
Bedeutende Sehenswürdigkeiten
Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der religiös bedeutende Triveni Sangam. Daneben besitzt Prayagraj Bauwerke aus der Mogulzeit und der britischen Kolonialzeit.
Das Fort Allahabad liegt am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna. Akbar gab seinen Bau 1583 in Auftrag; fertiggestellt wurde es mehr als 45 Jahre später. Im Inneren stehen die Ashoka-Säule aus dem Jahr 232 v. Chr., der Patalpur-Tempel und der heilige Banyanbaum Akshaya Vat. Einer Legende zufolge stürzten sich von diesem Baum zahlreiche Gläubige in den Tod, um Erlösung zu erlangen. Heute nutzt das indische Militär den größten Teil des Forts, weshalb dieser nicht öffentlich zugänglich ist.
Der ummauerte Khusrau-Bagh ist ein Beispiel indo-islamischer Architektur. Er enthält Grabdenkmäler aus dem 17. Jahrhundert für Khusrau Mirza, den ältesten Sohn Kaiser Jahangirs, sowie für dessen Mutter und Schwester.
Aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammen mehrere britische Repräsentationsbauten. Die All Saints Cathedral wurde 1887 in viktorianischer Neugotik errichtet. Das Allahabad High Court von 1916 sowie Universitätsbauten wie das Muir College von 1874 und die Allahabad Public Library von 1864 zeigen den indo-sarazenischen Mischstil.
Der Anand Bhavan war die Wohnstätte der aus Prayagraj stammenden Nehru-Gandhi-Familie. Motilal Nehru gründete das Anwesen; Indira Gandhi übergab es 1970 der indischen Regierung, die daraus ein Museum machte. Seit 1979 befindet sich im Garten das Jawahar-Planetarium. Das Allahabad-Museum zeigt zahlreiche archäologische und weitere Ausstellungsstücke zur Geschichte Indiens.
Bildung und Hochschulen
Prayagraj ist ein wichtiger Hochschulstandort. Die University of Allahabad wurde 1887 während der britischen Kolonialzeit als vierte Universität Indiens gegründet. Sie gehört heute zu den 25 Central Universities, die unmittelbar vom indischen Staat unterhalten werden.
Das 1961 gegründete Motilal Nehru National Institute of Technology (MNNIT) ist Teil des Netzwerks der 30 National Institutes of Technology. Das Indian Institute of Information Technology Allahabad (IIIT-A) besteht seit 1999 und ist auf Informationstechnologie und Informatik spezialisiert. Das 1966 gegründete Harish-Chandra Research Institute bietet etwa 80 Studienplätze in Physik und Mathematik.