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Kumbh Mela

Kumbh Mela (Hindi कुंभ मेला kumbh melā, m., von Kumbh ‚Krug' und Mela ‚Fest', also „Fest des Kruges“) ist eine hinduistische Feier.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundidee
  2. 2. Religiöse Grundlage
  3. 3. Ablauf und religiöse Gemeinschaften
  4. 4. Festorte und Zeiträume
  5. 5. Überlieferung, Wachstum und Unglücke

Bedeutung und Grundidee

Die Kumbh Mela ist eine hinduistische Feier an heiligen Flüssen in Indien und gilt als das weltgrößte religiöse Fest. Im Mittelpunkt steht die rituelle Waschung: Gläubige baden zu astrologisch besonders günstigen Zeiten an einem heiligen Ort, um sich nach hinduistischem Glauben von Sünden zu befreien. Das Bad an solchen heiligen Übergangs- oder Pilgerorten, den sogenannten Tirthas, gilt grundsätzlich als reinigend; an den günstigen Tagen der Kumbh Mela soll seine sündenbefreiende Wirkung millionenfach größer sein.

Austragungsorte sind Prayagraj, Haridwar, Ujjain und Nashik. Sie wechseln sich in einem Rotationssystem ab. Es gibt fünf verschiedene Arten des Festes, die in einem Drei-Jahres-, Sechs-Jahres-, Zwölf-Jahres- beziehungsweise 144-Jahres-Rhythmus stattfinden. Die Große Kumbh Mela steht außerdem sinnbildlich für das dauerhafte Streben der Menschheit nach Wissen und Erkenntnis. Seit 2017 gehört die Kumbh Mela zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit der UNESCO.

Religiöse Grundlage

Die religiöse Bedeutung der vier Festorte wird mit dem Mythos vom Quirlen des Milchozeans, dem Samudra Manthana, erklärt. Am Anfang der Zeit quirlten Devas, also Götter, und Asuras, also Dämonen, gemeinsam den Milchozean. Dabei verwendeten sie die Schlange Vasuki als Seil und den Götterberg Meru. Ihr Ziel war es, Amrita zu gewinnen, den göttlichen Nektar der Unsterblichkeit.

Dhanvantari trug das Amrita in einem runden Krug aus dem Milchozean. Im anschließenden Streit zwischen Göttern und Dämonen fielen vier Tropfen des Nektars auf die Erde. Nach der Legende befinden sich an diesen Stellen heute Prayagraj, Haridwar, Ujjain und Nashik.

Wenn Jupiter, Sonne und Mond in bestimmten, genau festgelegten astrologischen Beziehungen zueinander stehen, soll sich Amrita nach dem Glauben der Pilger im Wasser des jeweiligen heiligen Flusses zeigen. Wer zu dieser Zeit darin badet, nimmt dem religiösen Verständnis zufolge ein „Bad in Unsterblichkeit“.

Ablauf und religiöse Gemeinschaften

Der eigentliche Zweck des Festes ist die rituelle Waschung an einem besonders heiligen Ort und zu einer besonders günstigen Zeit. An den Hauptbadetagen finden „Königliche Prozessionen“, Shahi Snan, statt. Dabei ziehen Sadhus, also hinduistische Mönche und religiöse Asketen, feierlich zum Wasser. Manche als „Wissende“ geltende Menschen leben so zurückgezogen, dass sie nur alle zwölf Jahre während der großen Kumbh Mela in Haridwar öffentlich zu sehen sind.

Ein besonders bedeutender Badetag ist Mauni Amavashya, der Neumondtag im Januar. In Prayagraj badeten an diesem Tag nach öffentlichen Schätzungen 30 Millionen Pilger am Triveni Sangham. Das ist der Zusammenfluss von Ganges und Yamuna, zu denen nach mythologischer Vorstellung unterirdisch noch die Sarasvati tritt; „Triveni“ bezeichnet einen Ort, an dem drei Flüsse zusammentreffen.

Neben den Waschungen ist die Versammlung der Sadhus eine Hauptattraktion. Sie reisen aus weit entfernten Teilen Indiens an und bleiben während der gesamten Kumbh Mela. Für viele hinduistische Orden dient das Fest auch der Einweihung und der Aufnahme neuer Schüler. Das Recht auf die ersten Waschungen besitzen traditionell die Naga Babas. Diese Sadhus tragen nur einen Lendenschurz und heilige Asche und gelten als Kriegermönche, die an der Verteidigung ihres Glaubens beteiligt waren, unter anderem gegenüber dem Islam. Vereinzelt kam es zu Kämpfen, wenn andere Menschen vor ihnen ins Wasser gelangen wollten.

Zum Fest gehören außerdem Podiumsdiskussionen, auch über politische Fragen. 2010 protestierten die Yogalehrer Indiens gemeinsam gegen geplante monumentale Staudämme der indischen Regierung, weil diese nach ihrer Befürchtung den Ganges und seine Zuflüsse zu einem Rinnsal werden lassen könnten.

Festorte und Zeiträume

Die vier Orte sind jeweils mit bestimmten Flüssen und Monaten verbunden:

• Prayagraj in Uttar Pradesh liegt an Ganges und Yamuna. Das Fest findet im Monat Magha, also im Januar oder Februar, statt. Als Purna-Termine nennt die Übersicht 1977, 1989, 2001, 2013 und 2025; als Ardh-Termine 1983, 1995, 2007 und 2019.

• Haridwar in Uttarakhand liegt am Ganges. Der Zeitraum ist Chaitra, also März oder April. Genannt werden als Purna-Termine 1974, 1986, 1998, 2010 und 2022 sowie als Ardh-Termine 1980, 1992, 2004 und 2016. Im Fließtext wird zugleich eine astrologisch festgelegte Kumbh Mela in Haridwar im April 2021 beschrieben; die Angaben zu 2021 und 2022 stehen daher nebeneinander.

• Ujjain in Madhya Pradesh liegt an der Shipra. Gefeiert wird in Vaishakha, also April oder Mai. Als Purna-Termine erscheinen 1980, 1992, 2004, 2016 und 2028; Ardh-Termine werden nicht angegeben.

• Nashik in Maharashtra liegt an der Godavari. Der Zeitraum ist Bhadrapada, also August oder September. Genannt werden die Purna-Termine 1980, 1992, 2003, 2015 und 2027; auch hier werden keine Ardh-Termine aufgeführt.

Überlieferung, Wachstum und Unglücke

Die Kumbh Mela wird seit langer Zeit gefeiert. Ihre erste schriftliche Erwähnung stammt jedoch erst aus dem 7. Jahrhundert. Der chinesische Reisende Xuanzang begleitete den Herrscher Harsha Vardhana im Jahr 644 zur Kumbh Mela nach Prayag. Dort beobachtete er Hindus sowie buddhistische und jainistische Mönche am Triveni.

Die nächste im Artikel genannte Erwähnung stammt von Bahadur Singh Bhatnagar aus dem Jahr 1822. Damals wurde das Fest wegen einer Pilgersteuer nur von wenigen Menschen besucht. Zahlen zu den badenden Pilgern liegen ab 1906 vor: Am Mauni Amavashya kamen damals 2,5 Millionen Menschen. Für 1918 werden drei Millionen, für 1930 vier Millionen und für 1942 nur 1,2 Millionen genannt. Danach stieg die Zahl auf sechs Millionen im Jahr 1954, sieben Millionen 1966, zehn Millionen 1977, 15 Millionen 1989 und 30 Millionen 2001. 2013 besuchten 34 Millionen Pilger das Fest. In diesem Jahr starben bei einer Massenpanik 36 Personen.

Im April 2021 wurde die astrologisch festgelegte Kumbh Mela in Haridwar trotz der damaligen COVID-19-Erkrankungswelle ohne Einschränkungen veranstaltet. Dies gilt als ein Grund für die Stärke der zweiten Pandemiewelle in Indien, bei der es ab Anfang Mai zeitweise mehr als 400.000 Neuerkrankungen an einem Tag gab.

Die Kumbh Mela in Prayagraj begann am 13. Januar 2025; erwartet wurden rund 400 Millionen Pilger. Am 29. Januar ereignete sich am heiligen Badetag Mauni Amavasya ein Massenunglück. Etwa 36 Millionen Menschen versuchten, ins Wasser zu gelangen, und drängten in verschiedene Richtungen. Viele stürzten zu Boden oder über Absperrungen und wurden von anderen Menschen getreten. Mindestens 40 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.

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