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Postmoderne Literatur
Die Postmoderne Literatur bezeichnet eine Strömung oder gattungsspezifische Form. Der Begriff selbst entstand Ende der 50er Jahre, hat aber keine genauere …
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Begriff und Einordnung
Postmoderne Literatur bezeichnet eine literarische Strömung oder eine gattungsspezifische Form. Eine allgemein anerkannte, genaue Definition gibt es nicht. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass postmoderne Literatur auf Verfahren und Gestaltungsmittel der Moderne zurückgreift, anstatt sich eindeutig von ihr abzugrenzen.
Ihr Kern liegt im spielerischen Umgang mit bereits vorhandenen literarischen Traditionen. Während die Klassische Moderne die Literatur erneuern wollte, stellt die Postmoderne den Anspruch infrage, Kunst müsse stets vollkommen neu und originell sein. Vorhandene Formen, Stile und Texte werden bewusst aufgegriffen, miteinander verbunden und häufig ironisch verändert.
Entwicklung des Konzepts
Der Ausdruck „Postmoderne“ ist bereits für das Jahr 1870 belegt. Als literarischer Begriff gewann er jedoch erst gegen Ende der 1950er Jahre an Bedeutung. 1959 bezeichnete der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Irving Howe die damalige Literatur als „post modern“, weil sie gegenüber der vorausgegangenen Moderne nur ein geringes Innovationsvermögen zeige. Zu den frühen Theoretikern gehörten außerdem die Soziologen Charles Wright Mills und Charles Percy Snow.
Leslie Fiedler bewertete diese Entwicklung anders: Für ihn waren die Ansprüche der literarischen Moderne gescheitert. In der Vermischung von Hochliteratur und Massenkultur sah er die Entstehung der Postmoderne. Der zunächst kritisierte Mangel an Innovation erhielt dadurch eine positive Bedeutung.
1975 wurde der Begriff auf die Architektur übertragen und fand anschließend auch Eingang in die Philosophie. Jean-François Lyotard veröffentlichte 1979 die Arbeit „La Condition postmoderne“. Das theoretische Konzept der Postmoderne hat wichtige Grundlagen in den Werken französischer Denker wie Jacques Lacan, Roland Barthes, Michel Foucault und Jacques Derrida.
Zentrale Merkmale und Verfahren
Postmoderne Literatur arbeitet mit einem „ästhetischen Pluralismus“, also mit dem gleichzeitigen Nebeneinander unterschiedlicher Formen, Stile und kultureller Ebenen. Martin Klepper fasst dies mit dem Urteil zusammen: „Die Postmoderne bleibt eklektizistisch.“ Eklektizismus bedeutet hier, dass Elemente verschiedener Herkunft ausgewählt und neu kombiniert werden.
Typische Gestaltungsmittel sind:
- Intertextualität: Ein Text verweist auf andere Texte, übernimmt Teile daraus oder tritt mit ihnen in einen erkennbaren Zusammenhang.
- Metafiktionalität: Ein literarisches Werk macht seine eigene Künstlichkeit oder den Vorgang des Erzählens zum Thema.
- Pastiche: Ein vorhandener Stil wird nachgeahmt oder mehrere Stile werden miteinander vermischt.
- Zitat: Formulierungen oder Passagen aus anderen Werken werden übernommen und in einen neuen Zusammenhang gestellt.
- Collage: Unterschiedliche Textelemente, Formen oder Materialien werden zu einem neuen Ganzen zusammengesetzt.
Viele dieser Mittel wurden bereits in der Klassischen Moderne entwickelt oder existierten noch früher. Ihre postmoderne Verwendung soll den Zwang zu ständiger Innovation und den Anspruch auf vollständige Originalität unterlaufen. Damit das Aufgreifen älterer Formen nicht nur als unselbstständige Nachahmung beziehungsweise „Epigonalität“ erscheint, wird häufig Ironie eingesetzt.
Typische Vertreter und Werke
Die postmoderne Literatur ist in mehreren Gattungen vertreten. Bei den Romanen nennt der Artikel unter anderem John Barth mit „Der Tabakhändler“ (1960), John Fowles mit „Die Geliebte des französischen Leutnants“ (1969), Fran Ross mit „Oreo“ (1974) und Italo Calvino mit „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ (1979). Weitere Beispiele sind Umberto Ecos „Der Name der Rose“ (1980) und „Das Foucaultsche Pendel“ (1988), Patrick Süskinds „Das Parfum“ (1985), Michael Ondaatjes „Der englische Patient“ (1992), Christoph Ransmayrs „Morbus Kitahara“ (1995) sowie David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“ (1996).
Als weitere Romanvertreter werden Flann O’Brien, Thomas Pynchon, Paul Auster, Don DeLillo, Wiktor Pelewin, Alban Nikolai Herbst, Adolf Muschg, Jon Fosse, Roberto Bolaño, Dimitris Lyacos, Giannina Braschi und Martin Ganter genannt. Die angeführten Veröffentlichungen reichen bis zu Ganters „War anders und anders“ aus dem Jahr 2023.
In der Lyrik nennt der Artikel André du Bouchet. Beispiele aus dem Drama sind Heiner Müllers „Die Hamletmaschine“, Thomas Bernhards „Die Macht der Gewohnheit“, Sarah Kanes „Gier“ und Dimitris Lyacos’ „Mit den Menschen von der Brücke“.