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Postmoderne, Gegenwartsliteratur, Intertextualität, Metafiktion | Literaturgeschichte erklärt

MOOCit Education Matters Lernvideos für die Schule7:35 321 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 69 Zeilen
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  1. Kennen Sie das auch? Sie lesen ein Buch, schauen einen Film und fragen sich am Ende, ähm, was sollte das jetzt
  2. eigentlich? Als ob die Spielregeln ständig neu geschrieben werden. Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Wir
  3. knacken diesen Code heute mal gemeinsam. Sehen Sie das hier als Ihre persönliche Bedienungsanleitung für die Geschichten
  4. unserer Zeit. Okay, legen wir los. Unsere Welt heute, die fühlt sich oft ziemlich zerstückelt an, oder? Man hat
  5. das Gefühl, da prasselt einfach ein endloser Strom von Infos, Meinungen und Bildern auf einen ein. Sie scrollen
  6. durch ihren Social Media Feed und denken sich: "Moment mal, ist das jetzt echt oder Fake News? Wem kann man eigentlich
  7. noch irgendwas glauben?" Und genau dieses Gefühl, diese permanente Unsicherheit, das ist doch irgendwie zu
  8. einem Grundgefühl unserer Zeit geworden. Und es geht ja noch weiter. Manchmal fühlt sich sogar das eigene Leben an wie
  9. so ein Remix. Sie wissen schon, zitiert, neu verpackt, aus dem Zusammenhang gerissen. Alles wirkt wie ein Echo von
  10. etwas anderem. Ein bisschen wie ein Meme, das ständig neu aufbereitet wird. Und genau dieses Lebensgefühl, das ist
  11. natürlich auch in der Literatur angekommen. Stellen Sie sich das mal vor. Der Erzähler, dem Sie 300 Seiten
  12. lang vertrauen, führt sie absichtlich komplett an der Nase herum. Die Geschichte zwinkert ihnen quasi zu und
  13. sagt: "Hey, ich weiß ganz genau, dass ich nur eine Geschichte bin." Ja, und da stellt sich doch die Frage, warum ist
  14. das so? Warum fühlen sich moderne Geschichten oft so kompliziert an, so selbstironisch und manchmal auch einfach
  15. nur verwirrend? Tja, das ist kein Zufall. Sie sind ein Spiegel unserer Zeit und der Schlüssel, um das alles zu
  16. verstehen, der hat tatsächlich einen Namen und dieser Name lautet Postmoderne. Aber Achtung, das ist nicht
  17. einfach nur eine Epoche, die man im Kalender abhaken kann. Denken Sie dabei eher an eine Haltung, eine ja eine Art
  18. Werkzeugkasten, den Autoren nutzen, um unsere komplexe Welt von heute überhaupt noch greifen zu können. Ganz kurz zur
  19. Klärung, damit wir hier vom gleichen sprechen. Postmoderne ist die Haltung, also diese Skepsis, dieses Spiel mit
  20. Formen. Und Gegenwartsliteratur, na ja, das ist schlicht und einfach die Literatur, die heute geschrieben wird
  21. und die bedient sich eben sehr, sehr gerne aus genau diesem postmodernen Werkzeugkasten. Das ist der wichtige
  22. Punkt. Ein absolut zentraler Gedanke, den die Postmoderne auf den Kopf stellt, ist die Idee der sogenannten großen
  23. Erzählung. Was ist damit gemeint? Nun, das ist die Vorstellung, dass es die eine große Geschichte gibt, die alles
  24. erklärt, z.B. die vom unaufhaltsamen Fortschritt der Menschheit. Und das postmoderne Denken sagt an der Stelle
  25. ganz klar: "Moment mal, ist die Welt nicht viel viel komplizierter? Gibt es nicht eigentlich unzählige, sich oft
  26. widersprechende Geschichten, die alle gleichzeitig existieren?" Okay, also schauen wir uns diesen
  27. Werkzeugkasten doch mal genauer an. Welche Tools benutzen Autoren denn jetzt ganz konkret, um diese komplexe Realität
  28. einzufangen? Das erste Werkzeug hat einen etwas sperrigen Namen, Intertextualität.
  29. Aber die Idee dahinter ist eigentlich total simpel. Kein Text existiert im luftleeren Raum. Wenn in einem Roman
  30. eine Figur plötzlich eine Zeile aus einem bekannten Song zitiert, dann ist das Intertextualität. Jeder Text ist im
  31. Grunde Teil eines riesigen andauernden Gesprächs mit anderen Texten, mit Filmen, Mythen, ja sogar mit
  32. Werbeslogans. Und das kann ganz verschiedene Formen annehmen. Mal ist es ein direktes Zitat, mal ist es eine
  33. Parodie, die einen berühmten Stil nachahmt und damit spielt, oder es geht sogar seit, dass eine ganze bekannte
  34. Geschichte komplett neu geschrieben wird, aber aus einer völlig anderen Perspektive. Als nächstes hätten wir im
  35. Kasten die Metafiktion. Das ist, wenn eine Geschichte quasi über sich selbst nachdenkt und spricht. Kennen Sie das,
  36. wenn ein Film die vierte Wand durchbricht? Genau das. Der Text sagt uns im Grunde: "Hallo, nur damit du es
  37. weißt, ich bin eine erfundene Geschichte und du liest mich gerade." Das lenkt unsere Aufmerksamkeit total darauf, wie
  38. erzählen eigentlich funktioniert. Ein weiteres extrem beliebtes Werkzeug ist der unzuverlässige Erzähler. Das
  39. bedeutet, die Stimme, die uns die ganze Geschichte präsentiert, der können wir einfach nicht über den Weg trauen. Die
  40. ist nicht objektiv, sie ist parteisch, vergisßt Dinge oder lügt uns vielleicht sogar dreist an.
  41. Und das ist der Clue. Das ist oft psychologisch total realistisch. Denken Sie mal drüber nach. Unsere eigene
  42. Erinnerung ist doch auch lückenhaft. Wir erzählen Geschichten oft so, dass wir selbst gut dabei wegkommen. Und die
  43. Literatur macht hier nichts anderes als genau diese menschliche Eigenschaft abzubilden. Das zwingt uns als Leser
  44. selbst zu Detektiven zu werden, was stimmt hier und was nicht. Und dann zu guter Letzt Hybridät. Was heißt das?
  45. Ganz einfach, hier werden die Grenzen gesprengt. Ein Roman ist plötzlich nicht mehr nur ein Roman. Er saugt quasi alle
  46. möglichen anderen Medienformate in sich auf. Und das sehen wir doch heute wirklich überall. In einem Roman finden
  47. Sie plötzlich ganze Chatprotokolle, wissenschaftliche Aufsätze, endlose Fußnoten oder sogar Fotos und
  48. eingescannte Dokumente. Die Form des Buches wird damit genauso fließend und vermischt wie die Medienwelt, in der wir
  49. alle tagtäglich leben. Okay, aber warum dieser ganze Aufwand? Warum all diese scheinbar so komplizierten Werkzeuge?
  50. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, weil sie eine direkte Reaktion auf unsere moderne Lebenswelt sind. Das ist
  51. keine sinnlose Spielerei. Schauen Sie sich mal diese Zusammenhänge an. Das ist wirklich spannend. Diese
  52. Mediensättigung, die wir alle spüren in der Literatur wird daraus Remix und Zitat. Der soziale Pluralismus, also die
  53. vielen verschiedenen Lebenswelten nebeneinander. Daraus werden Geschichten mit ganz vielen unterschiedlichen
  54. Perspektiven und die Vertrauenskrisen, die wir erleben, die spiegeln sich eins zu eins im unzuverlässigen Erzählen
  55. wieder. Man sieht also, Literatur reagiert immer ganz direkt auf die Welt da draußen. Aber und das muss man auch
  56. sagen, nicht jeder findet diese Entwicklung super. Und das bringt uns direkt zu einer ziemlich zentralen
  57. Debatte. Was soll das alles eigentlich? Was ist der Wert dieser postmodernen Techniken? Ist das am Ende alles nur ein
  58. abgehobenes intellektuelles Spiel für ein paar Eingeweihte? Etwas, das den Kontrakt zur echten Welt komplett
  59. verloren hat? Oder oder ist es vielleicht eine total wichtige und scharfe Form von Kritik, die uns am Ende
  60. sogar hilft, unsere komplexe Welt besser zu durchschauen? Die Kritiker sagen ganz klar: Das ist alles zu verspielt, das
  61. führt zu politischer Beliebigkeit, zu Apathie. Aber die Befürworter, die halten dagegen und sagen: "Nein, nein,
  62. Moment. Gerade weil diese Texte uns vor Augen führen, wie Geschichten konstruiert werden, decken sie doch
  63. Machtstrukturen auf. Sie rütteln an scheinbar einfachen Wahrheiten und machen uns so zu klügeren, kritischeren
  64. Lesern und zwar nicht nur von Büchern, sondern von allen Geschichten, die uns jeden Tag erzählt werden. Und das führt
  65. uns zu einer letzten ziemlich großen Frage. In einer Welt, die ja immer komplexer wird, in der Wahrheit ständig
  66. umkämpft ist und alte Gewissheiten einfach nicht mehr gelten, was für Geschichten brauchen wir da eigentlich
  67. für die Zukunft? Brauchen wir Geschichten, die uns einfache, klare Antworten liefern oder brauchen wir
  68. vielleicht eher die, die uns beibringen, mit Unsicherheit umzugehen und vor allem die richtigen Fragen zu stellen? Tja,
  69. genau diese Frage, die lässt uns die Literatur von heute am Ende stellen.

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