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Populist Party

Der Begriff „populistisch“ ist seitdem ein Oberbegriff in der US-Politik und beschreibt eine Politik, die sich in Opposition zu den etablierten Interessen an …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Gründung aus der Bauernbewegung
  3. 3. Programm und politischer Aufstieg
  4. 4. Niedergang und Hinterlassenschaft

Gegenstand und Bedeutung

Die Populist Party, offiziell People’s Party, war eine kurzlebige politische Partei in den Vereinigten Staaten. Sie bestand von 1891 bis 1908 und fand besonders bei Farmern im Westen der USA Unterstützung. Ihr wichtigster politischer Schwerpunkt war die Opposition gegen den Goldstandard, dessen deflationäre Wirkung nach Ansicht der Populisten die Preise landwirtschaftlicher Produkte drückte und die Verschuldung der Bauern verschärfte.

Die Partei blieb kein dauerhafter Bestandteil der US-amerikanischen Parteienlandschaft. Viele ihrer Forderungen wurden jedoch später von anderen politischen Bewegungen und Parteien übernommen. Aus ihrem Auftreten entwickelte sich außerdem „populistisch“ als allgemeiner Begriff für eine Politik, die sich gegen etablierte Interessen richtet und das einfache Volk in den Mittelpunkt stellt.

Gründung aus der Bauernbewegung

Die Partei entstand aus der Bauernrevolte, die sich seit den 1870er Jahren entwickelte. Der Preisverfall für landwirtschaftliche Erzeugnisse und die allgemeine Deflation belasteten besonders Kleinbauern. Obwohl die Bevölkerung stark wuchs, nahm die Geldmenge wegen des Goldstandards, der de facto bereits galt, jedoch noch nicht de jure festgeschrieben war, nicht entsprechend zu. Banken verlangten hohe Kreditzinsen, während Eisenbahnunternehmen ihre oligopolartige Stellung für hohe Transportgebühren nutzten. Dadurch konnten viele Bauern weder notwendige Kredite aufnehmen noch neue Geräte zur Modernisierung ihrer Landwirtschaft finanzieren.

Die Bauern kritisierten außerdem, dass die Regierung ihre Vorschläge zur Geldpolitik ignorierte und Oligopole und Monopole nicht auflöste. Deshalb organisierten sie sich zunehmend in der Farmers’ Alliance. Diese war 1876 in Lampasas gegründet worden und hatte 1889 landesweit rund 400.000 Mitglieder. Sie förderte gemeinsames wirtschaftliches Handeln und stärkte die Verhandlungsposition der Landwirte gegenüber Zulieferern und Banken, verfügte aber nicht über genügend finanzielle Mittel, um ihr umfassendes Ziel gegenüber Brokern, Eisenbahnen und Händlern durchzusetzen.

Bis in die späten 1880er Jahre entwickelte die Farmers’ Alliance deshalb eine politische Agenda. Besonders wichtig war die Ablehnung des Goldstandards. Die Bauern verlangten unter anderem die zeitlich unbegrenzte Prägung von Silbermünzen. Silber sollte als gesetzliches Zahlungsmittel die Deflation landwirtschaftlicher Preise abschwächen und Kredite im ländlichen Banksystem leichter zugänglich machen.

Da weder Demokraten noch Republikaner diese Forderungen übernahmen, entstand der Wunsch nach einer eigenen Partei. Die Populist Party wurde 1889–1890 von Mitgliedern der Farmers’ Alliance gemeinsam mit den Knights of Labor gebildet. Ihren Höhepunkt erreichte die Bewegung 1892 bei einer Versammlung in Omaha, Nebraska, auf der sie Kandidaten für die nationale Wahl nominierte.

Programm und politischer Aufstieg

Das Parteiprogramm verlangte mehrere grundlegende Reformen: die Abschaffung nationaler Banken, eine gestaffelte Einkommensteuer, die direkte Wahl der Senatoren, eine Reform der öffentlichen Verwaltung und einen Acht-Stunden-Arbeitstag. Außerdem blieb die Forderung nach der freien, also zeitlich unbegrenzten Prägung von Silbermünzen ein zentraler Bestandteil der Partei.

Bei der Präsidentschaftswahl 1892 erhielt der Populist James B. Weaver 1.027.329 Stimmen. Er gewann Colorado, Kansas, Idaho und Nevada und erhielt zusätzlich Stimmen aus Oregon und North Dakota. Besonders stark war die Partei unter Farmern im Südwesten und in den Great Plains. Auch im Süden erzielte sie bedeutende Gewinne, obwohl sie dort gegen das fest verankerte Monopol der Demokratischen Partei antrat.

Viele westliche Farmer deuteten die deflationäre Wirkung des Goldstandards als Ausdruck der Interessen der Hochfinanz an der Ostküste. Sie befürchteten, dass sogenannte „credit crunches“, also Kreditverknappungen, Massenbankrotte im Westen auslösen könnten. Diese Verdächtigungen waren teilweise antisemitisch geprägt. Die Vorstellung von „Leichtem Geld“, das nicht durch einen harten Mineralstandard gestützt wurde und freier durch ländliche Regionen fließen sollte, fand breite Unterstützung. Das Programm des „freien Silbers“ überschritt dabei Klassengrenzen, besonders in den Mountain States, deren Wirtschaft stark vom Silberabbau abhing.

Die Populisten waren die erste politische Partei der Vereinigten Staaten, die Frauen aktiv in ihre politischen Angelegenheiten einbezog. In vielen Südstaaten bemühten sie sich außerdem um die Einbeziehung von Afroamerikanern. Einige südliche Populisten, besonders Thomas E. Watson, forderten, arme Schwarze und arme Weiße sollten ihre „Rassenunterschiede“ zugunsten gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen zurückstellen. Dies stand im Gegensatz zu den damals in allen Lebensbereichen verbreiteten Vorstellungen weißer Vorherrschaft.

Niedergang und Hinterlassenschaft

1896 übernahmen die Demokraten viele populistische Forderungen auf nationaler Ebene. Dadurch verlor die Populist Party an eigenständiger Bedeutung. Zusätzlich erschwerte der verbreitete Rassismus ihre politische Arbeit, weil Vorbehalte gegen eine Partei bestanden, in der Schwarze führend mitwirkten. Die Demokratische Partei konnte diese Vorbehalte zur Abwerbung von Farmern nutzen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat William Jennings Bryan unterstützte in seiner berühmten „Cross-of-Gold“-Rede vom 9. Juli 1896 die Ablehnung des Goldstandards. Die Populisten konnten sich jedoch nicht dazu entschließen, Bryans wohlhabenden Vizepräsidentschaftskandidaten zu nominieren, und stellten stattdessen Thomas E. Watson als Vizepräsidentschaftskandidaten auf. Bryan verlor gegen William McKinley mit einem Abstand von 600.000 Stimmen.

1900 nominierte die geschwächte Partei Wharton Barker und Ignatius Donnelly für die Präsidentschaft, während viele ehemalige populistische Wähler erneut Bryan unterstützten. Thomas E. Watson war 1904 und 1908 Präsidentschaftskandidat der Populisten. Danach hörte die Partei auf, wirksam zu existieren. Zwischen 1891 und 1902 saßen ungefähr 45 Parteimitglieder im Kongress, darunter sechs US-Senatoren.

Einige Forderungen der Partei wurden später umgesetzt. Die direkte Wahl der Senatoren wurde 1913 mit der Ratifizierung des 17. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten verwirklicht. Die Reform der öffentlichen Verwaltung wurde Teil des Programms der Progressive Party von 1912. Die Populisten unterstützten außerdem Amtszeitbeschränkungen, die geheime Wahl sowie politische Graswurzelbewegungen, Initiative, Referendum und Recall.

Nach der Einschätzung des Historikers Lawrence Goodwyn schuf die Bewegung auf dem Land eine „Kultur von Zusammenarbeit, Selbstrespekt und ökonomischer Analyse“. Es gelang ihr jedoch nicht, diese Bewegung in städtischen Regionen zu verbreiten, was zum Niedergang beitrug. Die Vereinigten Staaten behielten den Goldstandard bis 1973 bei. Einige, aber nicht alle Wirtschaftshistoriker machten ihn für die Bankenkrise während der „Großen Depression“ verantwortlich.

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