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Great Plains
Die Great Plains (englisch ‚Große Ebenen') sind ein unterschiedlich definierter Großraum in Nordamerika, der sich östlich an die Rocky Mountains anschließt.
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Definition und räumliche Abgrenzung
Die Great Plains, auf Deutsch „Große Ebenen“, sind ein unterschiedlich definierter Großraum in Nordamerika. Sie schließen östlich an die Rocky Mountains an. Im allgemeinen Sprachgebrauch meint der Begriff meist den weitgehend ebenen oder flachwelligen, waldfreien Teilraum des sogenannten Wilden Westens der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains.
Fachsprachlich gibt es vor allem zwei wichtige Bedeutungen. Erstens werden die Great Plains häufig mit dem Biom beziehungsweise der Ökoregion der Prärie gleichgesetzt. Ein Biom ist ein großer Lebensraumtyp mit typischem Klima, typischer Vegetation und Tierwelt; hier sind damit die kühlgemäßigten bis subtropischen trockenen Steppen Nordamerikas gemeint. Manchmal bezeichnet Great Plains dabei nur die trockeneren Kurzgras-Prärien im Westen dieses Bioms. Zweitens wird der Begriff in kulturhistorischen Zusammenhängen für das Kulturareal der Prärie-Indianer verwendet.
Nach diesen Bedeutungen reichen die Great Plains von den kanadischen Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba bis nach Texas; manchmal wird auch ein kleiner Teil Mexikos einbezogen. Der Hauptteil liegt in zehn US-Bundesstaaten: im Westen Montana, Wyoming, Colorado und New Mexico, im Osten North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas. Große Teile werden heute intensiv landwirtschaftlich genutzt.
In der Geographie bezeichnet Great Plains außerdem einen physiographischen Großraum, also eine Region, die nach gemeinsamer Topografie, Gesteinstypen, Struktur sowie geologischer und geomorphologischer Geschichte abgegrenzt wird. Ursprünglich meinte die Great Plains Province vor allem die US-amerikanische Hochebene vor den Rocky Mountains, ein Piedmont-Plateau, das teilweise in Schichtstufen ansteigt. In Kanada ist eher der Begriff Interior Plains gebräuchlich; moderne Angleichungen sehen die Great Plains als westlichen Teilraum der Interior Plains, der von Nordmexiko bis an den Arktischen Ozean reichen kann. Dann gehören nicht nur Prärien dazu, sondern auch ebene Teile der borealen Nadelwälder Kanadas bis zu den Tundren der Mackenzie-Ebene.
Je nach Grenzziehung umfassen die Great Plains mindestens 2,2 bis weit über 3 Millionen Quadratkilometer. Sie erreichen eine maximale Breite von über 750 km und eine Länge von fast 3.000 km bis gut 5.000 km. An den Rocky Mountains liegen sie noch über 1800 m hoch, nach Osten fallen sie auf etwa 500 m ab.
Grenzen und Klima
Nördlich beziehungsweise nordöstlich werden die Great Plains durch den Kanadischen Schild begrenzt, südlich durch die Küstenebene des Golfes von Mexiko. Die westliche Grenze bilden die Rocky Mountains. Deshalb gehören das östliche Viertel von New Mexico, Colorado und Wyoming sowie rund zwei Drittel von Montana zu den Great Plains. In Kanada liegen naturräumlich jeweils der Süden von Alberta, Saskatchewan und Manitoba innerhalb der Great Plains.
Die Ostgrenze ist umstritten beziehungsweise wird unterschiedlich definiert. Manche Geografen verbinden alle Ränder der Ebene, die auf 600 m Höhe liegen, und sehen diese Linie als Ostgrenze. Andere ziehen die Grenze weiter östlich, entsprechend der Verbreitung der Hochgrasprärie. Nach dieser Sicht gehören North Dakota, South Dakota und Nebraska vollständig dazu; außerdem der Norden von Texas, die Westhälfte von Oklahoma, der Großteil von Kansas, die Nordhälfte von Iowa und der Südwesten von Minnesota.
Klimatisch ist besonders der 100. Längengrad wichtig. Westlich davon liegt der durchschnittliche Niederschlag bei weniger als 500 mm pro Jahr; östlich davon ist das Klima vergleichsweise humider, also feuchter. Daraus ergibt sich eine wichtige Nutzungsgrenze: Im Westen überwiegt Viehwirtschaft, im Osten Getreideanbau. Die 500-mm-Isohyete, also eine Linie gleicher Niederschlagsmenge, verläuft nahezu parallel zum 100. Längengrad und markiert ungefähr die Grenze, bis zu der Regenfeldbau ohne künstliche Bewässerung möglich ist.
Prärie, Besiedlung und Dust Bowl
Als Prärie-Biom waren die Great Plains lange Zeit nur spärlich bewohnt. Teilnomadische Indianer durchstreiften die Region bei der Jagd auf Bisons und Gabelböcke. Teilnomadisch bedeutet, dass Gruppen nicht dauerhaft an einem Ort lebten, sondern je nach Jahreszeit, Nahrung und Jagdmöglichkeiten weiterzogen.
Eine entscheidende Veränderung brachten Pferde, die von Europäern nach Amerika gebracht wurden und im 18. Jahrhundert in diese Gegend gelangten. Sie ermöglichten den Indianern eine dichtere Besiedlung der Prärie und die Herausbildung der Plains-Indianer. Einige Gruppen profitierten stark von der neuen Lebensweise der Bisonjagd zu Pferd. Die zuvor schwachen Lakota und Comanche entwickelten sich innerhalb kurzer Zeit zu bedeutenden Machtfaktoren im Mittleren Westen. Die Lebensweise der Plainsvölker war stark an den Bison angepasst: Sie wohnten in Tipis, die schnell auf- und abgebaut werden konnten, und folgten so den Büffeln.
Mitte des 19. Jahrhunderts zogen weiße Siedler durch die Great Plains nach Westen. Lange galt das Gebiet als unbewohnbares Ödland. Erst um 1865 ließen sich viele Siedler dauerhaft nieder. Als billige erste Behausungen bauten sie Grassodenhäuser. Gleichzeitig gingen die Bisonbestände durch massive Bejagung stark zurück. Die ansässigen Indianer wurden bis 1890 in Reservate verdrängt.
Nach der großflächigen Rodung des Präriegrases und während Dürreperioden kam es zu starker Bodenerosion. In den 1930er Jahren verwandelten starke Staubstürme, vor allem zwischen 1935 und 1938, Teile der Great Plains in eine sprichwörtliche „Staubschüssel“, die Dust Bowl. Viele Bauern gerieten in Massenelend und wanderten verstärkt in Richtung Kalifornien ab.
Die Bevölkerung veränderte sich später deutlich. 1950 lebten knapp fünf Millionen Menschen in den Great Plains, 2007 etwa zehn Millionen. Das Wachstum konzentrierte sich jedoch auf wenige Metropolregionen, vor allem in Colorado und Texas. Viele Siedlungen in der Fläche und Kleinstädte verloren durch Überalterung und Landflucht stark Einwohner. Fast zwei Drittel aller Counties waren von Bevölkerungsrückgang betroffen; in jedem fünften County betrug er sogar mehr als 50 Prozent. Immer mehr kleine Orte wurden zu Geisterstädten.
Landwirtschaft und heutige Nutzung
Die landwirtschaftliche Nutzung der Great Plains ist eng mit dem Niederschlag verbunden. Westlich des 100. Längengrades überwiegen Intensivtierhaltung in großen Mastbetrieben mit geringer Flächennutzung sowie extensive Tierhaltung, das Ranching, mit sehr großer Flächennutzung. Östlich des 100. Längengrades ist Ackerbau die wichtigste Nutzungsform. Angebaut werden vor allem Sommer- und Winterweizen, Mais und Hirse.
Der feuchtere Osten heißt Grain Belt, also Korngürtel, und wird auch als Kornkammer der USA beziehungsweise als „breadbasket“, Brotkorb, bezeichnet. Dort entsteht ein großer Überschuss an landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Ungefähr die Hälfte des Weizens der USA wird im Gebiet der Great Plains produziert. Bei 68 Mio. t Weizen für die gesamten USA im Jahr 2008 entspricht das etwa 34 Mio. t. In den westlichen High Plains werden 60 Prozent des Rindfleisches der USA produziert; dieser Teil wird deshalb oft „Cattle Country“, Rinderland, genannt. Ackerbau im Westen ist meist nur durch künstliche Bewässerung möglich.
In den letzten Jahrzehnten erschwerte zunehmende Dürre die Landwirtschaft erheblich. Mechanisierung und Automatisierung machten zudem viele Arbeitskräfte überflüssig. Der Ogallala-Aquifer, eine tiefe Grundwasserschicht, ist durch die künstliche Bewässerung nahezu erschöpft. Bereits heute wandelt sich kultiviertes Land wieder in Graslandschaft zurück, auf der vermehrt Bisonzucht betrieben wird.
Unter dem Namen Buffalo Commons wird vorgeschlagen, große Flächen wieder in Prärie umzuwandeln, Menschen auszusiedeln und die Flächen erneut für wildlebende Bisons zu öffnen. Jagd und Tourismus könnten dann eine neue wirtschaftliche Grundlage bilden. Zusätzlich konzentriert sich die Nutzung der Great Plains heute immer stärker auf Windkraftgewinnung.
Gleichzeitig gibt es einen entgegengesetzten Trend: In nördlichen Teilen der Plains werden bisher nicht oder nur extensiv genutzte Graslandflächen untergepflügt und intensiver genutzt. Als Gründe nennt der Artikel die Förderung des Anbaus von Energiepflanzen und eine besondere staatlich geförderte Ernte-Ausfall-Versicherung. Diese kann den Anbau auf Grenzertragsstandorten oder sogar auf Flächen ermöglichen, deren Bewirtschaftung ohne Versicherung nicht rentabel wäre.
Zu den größten Regionen der Great Plains, die auch zeitweise nicht landwirtschaftlich genutzt wurden, gehören die Sandhills in Nebraska. Sie bestehen aus einem sehr großen Gebiet zusammenhängender Sanddünen, die durch niedrigen Pflanzenbewuchs stabilisiert sind. 85 Prozent dieser Region besitzen deshalb noch den ursprünglichen Pflanzenbestand.
Bodenschutz gegen Erosion
Bodenerosion ist in den Great Plains ein zentrales Problem, besonders nach den Erfahrungen der Dust Bowl. Erosion bedeutet, dass Boden durch Wind oder Wasser abgetragen wird. Deshalb wurden verschiedene Schutzmaßnahmen entwickelt und oft kombiniert, um die Wirkung zu erhöhen und ein weiteres Dust-Bowl-Szenario zu verhindern.
Beim Mulchsaatverfahren wird der Boden ohne Pflug bearbeitet, um Bodenerosion zu vermindern oder zu verhindern. Diese konservierende Bodenbearbeitung bedeutet nicht, dass der Boden gar nicht gelockert wird. Statt eines Pflugs werden andere Geräte wie ein Grubber verwendet. Eine tiefe Lockerung ist meist nicht nötig, wenn sich durch gute Bewirtschaftung eine natürliche Lagerung des Bodens aufgebaut hat.
Beim Direktsaatverfahren, auf Englisch no-till, wird der Boden nicht mechanisch bearbeitet. Die Lockerung übernehmen geeignete Zwischenfrüchte und Bodenlebewesen. Erntereste bleiben auch vor der Saat auf dem Acker. Dadurch werden Erosion und Wasserverluste verringert.
Dry farming bezeichnet einen jährlichen Wechsel zwischen Anbau und Brache. Während des Brachejahrs wird der Boden von Unkraut frei gehalten und tiefgründig gepflügt. Dadurch wird die Oberfläche lockerer und größer, sodass der Boden mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Nach Regenfällen wird der Boden geeggt und gewalzt, um Verdunstung zu verhindern.
Beim contour ploughing, dem Konturpflügen, werden Furchen höhenlinienparallel in das Feld gezogen. Sie bremsen Wasser ab und fördern das Versickern. Damit wirkt die Methode gegen Erosion durch Wasser und Wind, wobei Winderosion insgesamt deutlich schwerer zu bekämpfen ist als wasserbedingte Erosion.
Beim stubble mulching, dem Stoppelmulchen, wird Ackerland während der Brachezeit mit Stroh oder anderen Mulchen bedeckt; außerdem bleiben Stoppeln der vorigen Ernte stehen. Das fördert die Feuchtigkeitsaufnahme und verringert Bodenerosion. Weitere Maßnahmen sind Windbreaks, also Waldschutzstreifen und Windschutzhecken, sowie strip cropping, der Streifenanbau mit Pflanzen unterschiedlicher Reifezeiten, um Bodenabtragung zu reduzieren.