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Pocahontas (Film)

Pocahontas ist der 33. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. Er beruht auf der Geschichte der Indianerfrau Pocahontas und ist somit der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Handlung
  3. 3. Historische Grundlage und Entstehung
  4. 4. Themen und Gestaltung
  5. 5. Musik und deutsche Fassung
  6. 6. Kritik, Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Überblick und Bedeutung

Pocahontas ist der 33. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. Er erschien 1995, dauert 81 Minuten, wurde in den USA produziert und ist ab FSK 0 freigegeben. Regie führten Mike Gabriel und Eric Goldberg, das Drehbuch stammt von Carl Binder, Susannah Grant und Philip Lazebnik. Die Musik komponierte Alan Menken. Der Film ist für Disney besonders wichtig, weil er als erster Disneyfilm auf einer realen Person beruht: der indianischen Häuptlingstochter Pocahontas.

Die Premiere fand am 15. Juni 1995 im Central Park in New York City vor schätzungsweise 100.000 Menschen statt. Damit hält der Film laut Artikel bis heute den Rekord für die größte Filmpremiere. Am 23. Juni 1995 startete er in den USA regulär im Kino und spielte am Eröffnungswochenende rund 30 Millionen US-Dollar ein. In Deutschland und Österreich kam er am 16. November 1995 heraus, in der Schweiz einen Tag später.

Finanziell war der Film erfolgreich: Bei Produktionskosten von 55 Millionen US-Dollar spielte er 346 Millionen US-Dollar ein, also etwa das Fünffache. Trotzdem blieb er hinter den Erwartungen der Macher zurück, weil Der König der Löwen ungefähr doppelt so hohe Einspielergebnisse erzielt hatte. 1998 erschien die Fortsetzung Pocahontas 2 – Die Reise in eine neue Welt für den Videoverkauf.

Handlung

Die Geschichte spielt im Jahr 1607. Eine Gruppe englischer Männer reist im Auftrag der Virginia Company nach Amerika. Zu ihnen gehört John Smith, ein berühmter Abenteurer. Die Expedition wird von John Ratcliffe geleitet, der sich selbst zum Gouverneur des neu gegründeten Jamestown macht. Ratcliffe ist habgierig und will das Land ausbeuten. Viele Engländer sehen die Neue Welt als rückständig an und glauben, sie verbessern zu müssen. Während der Überfahrt gerät ihr Schiff in einen Sturm; John Smith rettet dabei den jungen Thomas, der über Bord geht.

Zur selben Zeit kehrt Häuptling Powhatan mit seinen Kriegern aus einem Krieg zurück. Er verspricht seine Tochter Pocahontas dem starken Krieger Kokoum, doch Pocahontas wünscht sich ein anderes Leben. Sie sucht Rat bei Großmutter Weide, einer alten sprechenden Trauerweide. Pocahontas erzählt von einem wiederkehrenden Traum mit einem kreisenden Pfeil. Großmutter Weide rät ihr, mit dem Herzen zu lauschen. Als Pocahontas die Segel des englischen Schiffes sieht, hält sie sie zunächst für „seltsame Wolken“.

Die Engländer bauen Jamestown und suchen, von Ratcliffe angetrieben, nach Gold. John Smith erkundet die Umgebung und begegnet Pocahontas. Anfangs verstehen sie einander sprachlich nicht, doch Pocahontas folgt dem Rat Großmutter Weides und lässt sich auf ihn ein. Aus der Begegnung entsteht erst Freundschaft und dann Liebe. Pocahontas zeigt John Smith ihre Sicht auf Natur und Kultur. Dadurch beginnt er, seine kolonialistischen und intoleranten Ansichten zu hinterfragen.

Gleichzeitig verschärft sich der Konflikt zwischen den englischen Siedlern und den Ureinwohnern. Powhatan schickt unter Kokoums Führung einen Trupp aus, um die Eindringlinge zu beobachten. Es kommt zu einem ersten Gefecht, bei dem ein Indianer angeschossen wird. Powhatan sieht die Engländer nun als Feinde. Ratcliffe glaubt fälschlich, die Ureinwohner versteckten Gold vor ihm. Beide Seiten bereiten sich auf Gewalt vor.

Der Konflikt eskaliert, als Pocahontas sich verbotenerweise mit John im Wald trifft. Kokoum sieht die beiden, greift John an und wird von Thomas erschossen. Die Indianer halten John für den Täter und nehmen ihn gefangen. Powhatan will ihn am nächsten Tag hinrichten. Thomas berichtet den Engländern von Johns Gefangennahme, und Ratcliffe nutzt dies, um zum Angriff aufzurufen.

Pocahontas erkennt in der kreisenden Nadel eines Kompasses, den John ihr geschenkt hat, den Pfeil aus ihrem Traum. Sie läuft los, um den Kampf zu verhindern. Als Mittlerin rettet sie John vor der Hinrichtung und macht ihrem Vater klar, wohin Hass geführt hat. Powhatan lässt John frei. Ratcliffe will daraufhin Powhatan erschießen, doch John wirft sich in die Schusslinie und rettet den Häuptling. Ratcliffe wird von seinen eigenen Männern abgeführt. John muss schwer verletzt nach London zurückkehren, und Pocahontas entscheidet sich, ihn ziehen zu lassen.

Historische Grundlage und Entstehung

Der Film nimmt Bezug auf die historische Pocahontas, verändert ihre Lebensgeschichte aber stark. Pocahontas wurde um 1595 im heutigen US-Bundesstaat Virginia als Tochter von Häuptling Powhatan geboren. „Pocahontas“ war laut historischen Quellen nur ihr Spitzname und bedeutet „die Verspielte“; im Allgemeinen soll sie „Amonute“ oder „Matoaka“ genannt worden sein.

Einige Elemente des Films haben Parallelen zu historischen Berichten. Pocahontas hatte offenbar ein enges Verhältnis zu ihrem Vater und soll Einfluss auf ihn gehabt haben. John Smith schrieb in seinen Memoiren, Pocahontas habe sich in ihn verliebt und ihn 1607 vor dem Tod in Gefangenschaft gerettet. Außerdem soll sie für ein friedliches Nebeneinander von Ureinwohnern und englischen Siedlern eingetreten sein und John Smith die Sprache ihres Stammes beigebracht haben. Der Artikel betont jedoch, dass die Genauigkeit dieser Schilderungen nicht belegbar ist. Eine Romanze zwischen Pocahontas und Smith, wie der Film sie im Stil von Romeo und Julia zeigt, beschrieb Smith nicht.

Das spätere Leben der historischen Pocahontas wird erst in der Fortsetzung behandelt. Sie heiratete 1614 John Rolfe, ging mit ihm nach England und wurde dort als Mitglied der adeligen Gesellschaft und als Botschafterin ihres Stammes am königlichen Hof empfangen. Drei Jahre später starb sie kurz vor ihrer Rückreise nach Virginia.

Die ersten Ideen zum Film entwickelte Regisseur Mike Gabriel um Thanksgiving 1990 nach seiner Arbeit an Bernard und Bianca im Känguruland. Er suchte nach einer Liebesgeschichte „mit Herz und Humor“. Gleichzeitig interessierte sich Disney für eine Zeichentrick-Liebesgeschichte nach dem Vorbild von Romeo und Julia, verbunden mit den Themen Toleranz, andere Kulturen und das Aufeinandertreffen zweier Welten. Jeffrey Katzenberg sah in der Pocahontas-Geschichte die Möglichkeit für einen ernsteren, erwachseneren Disneyfilm.

Für die Vorbereitung reisten Beteiligte nach Jamestown in Virginia, um Natur und Umgebung kennenzulernen. Historiker, Fachleute und Angehörige von Indianerstämmen wurden einbezogen, damit die Hauptfigur nicht verzerrt dargestellt wird. Rund 55 Künstler arbeiteten allein an Pocahontas. Während der Produktion entschied man sich, die Tiere nicht sprechen zu lassen, weil dies nicht zum reiferen Stil passen sollte. Die Figur Redfeather, ein Truthahn, der von John Candy gesprochen wurde, wurde entfernt. Insgesamt waren rund 600 Zeichner, Animatoren und Techniker beteiligt. Parallel entstand Der König der Löwen, obwohl Pocahontas zunächst der größere Erfolg vorausgesagt wurde.

Themen und Gestaltung

Ein zentrales Thema des Films ist das Aufeinanderprallen zweier Welten. Auf der einen Seite stehen die technisch fortschrittlichen, materiell interessierten englischen Kolonialisten. Auf der anderen Seite stehen die Ureinwohner, die im Einklang mit der Natur und nach spirituellen Prinzipien leben. Pocahontas und John Smith sind jeweils Figuren, die zwar zu ihrer eigenen Welt gehören, aber zugleich Neues suchen. Pocahontas will ihren eigenen Weg finden; John Smith will anfangs „neue Welten verbessern“ und dadurch Ruhm gewinnen.

Die Dramaturgie zeigt eine Entwicklung von Vorurteilen und Unvernunft hin zu Einsicht und Verständnis. Die Engländer kommen mit Überlegenheitsdenken und Ausbeutungsplänen in das Land. Auch John Smith hält zunächst seine Kultur für überlegen. Durch Pocahontas lernt er eine andere Sicht auf Natur und andere Kulturen kennen. Ratcliffe dagegen schürt Hass und Gewalt. Der Film zeigt am Ende, dass Hass keine Lösung bringt und Verständigung nur durch Mut, Einsicht und Vermittlung möglich wird.

Spiritualität ist ebenfalls wichtig. Pocahontas lässt sich von den „Geistern der Erde“ leiten und geht „wohin der Wind sie führt“. Großmutter Weide ist ihre Mentorin, also eine beratende Figur. Sie fordert Pocahontas auf, „mit dem Herz zu lauschen“. Dadurch wird Pocahontas als nachdenklich, naturverbunden und friedenssuchend dargestellt.

Visuell unterscheidet sich Pocahontas von vielen früheren Disneyfilmen. Die Figuren sind eckiger und kantiger gezeichnet, mit geradlinigen Gesichtszügen, um reifer zu wirken. Auch Pflanzen, Tiere und Großmutter Weide folgen diesem Stil. Die Landschaften orientieren sich am historischen Jamestown und zeigen weite Natur, Flüsse, Ufer, Wasserfälle und Wälder. Häufige Steigungen, Abhänge, Hügel und Berge werden auch dramaturgisch genutzt, etwa wenn beide Kriegsparteien einander entgegengehen.

Die Farbdramaturgie spielt eine große Rolle. Ein bekanntes Stilmittel ist der Wind, der Figuren mit verschiedenfarbigen Blättern umgibt, besonders in nachdenklichen oder emotionalen Szenen und im Lied Das Farbenspiel des Winds. Wichtige Farben sind Rot, Grün und Blau. Dunkle Szenen sind oft dunkelblau, etwa bei Großmutter Weide. Rot steht häufig für starke Gefühle, Wut oder Hass, zum Beispiel beim Kampf zwischen Kokoum und John Smith oder in der Reprise von Wilde sind’s. Grün wird vor allem für Naturdarstellungen wie Wälder, Blätter, Gräser und Maisfelder genutzt.

Musik und deutsche Fassung

Die Musik stammt von Alan Menken, die Liedtexte schrieb Stephen Schwartz. Für Menken war Pocahontas nach Arielle, die Meerjungfrau, Die Schöne und das Biest und Aladdin die vierte musikalische Arbeit für einen Film der Disney Meisterwerke. Die deutschen Texte wurden von Frank Lenart und Lutz Riedel übertragen.

Der Film enthält sieben Lieder, teils mit Reprisen. Dazu gehören Virginia Company, Stetig wie der Trommelklang, Was das nächste Ufer bringt, Lausche mit dem Herz, Mein, Mein, Mein, Das Farbenspiel des Winds und Wilde sind’s. Das Farbenspiel des Winds ist das bekannteste Lied des Films und wird in der deutschen Abspannfassung von Jennifer Rush gesungen. Im englischen Original singt Vanessa Lynn Williams Colors of the Wind. Das Lied If I Never Knew You wird im Film wiederholt als instrumentales Thema für Pocahontas und John Smith verwendet und im Abspann von Jon Secada und Shanice gesungen.

Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Berliner Synchron. Marianne Groß schrieb das Dialogbuch, Lutz Riedel führte Dialogregie und übertrug auch die Liedtexte, mit Ausnahme von Das Farbenspiel des Winds, das Frank Lenart übersetzte. Andreas Hommelsheim leitete die musikalischen Aufnahmen. Zu den deutschen Stimmen gehören Alexandra Wilcke als Pocahontas, Sigmar Solbach als John Smith, Hildegard Knef als Großmutter Weide, Joachim Kemmer als Gouverneur Ratcliffe und Gerd Holtenau als Häuptling Powhatan.

Kritik, Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Pocahontas erhielt ein gemischtes Presseecho. Rotten Tomatoes verzeichnet 59 % im Tomatometer, Metacritic einen Metascore von 59/100. Die Deutsche Film- und Medienbewertung vergab das Prädikat „wertvoll“. CinemaScore bewertete den Film mit A–. Die Kritik war insgesamt geteilt: Manche lobten die Familienunterhaltung, die Musik, die visuelle Gestaltung und die Botschaft von Toleranz; andere kritisierten historische Ungenauigkeiten und eine idealisierte Darstellung.

Ein zentraler Kritikpunkt war die historische Darstellung. Bemängelt wurde unter anderem, dass Pocahontas in Wirklichkeit viel jünger war und Jamestown im Film schöner dargestellt wird, als es historisch gewesen sei. Einige Kritiker warfen dem Film vor, die Geschichte stark zu vereinfachen oder zu idealisieren. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass Disney-Zeichentrickfilme nicht unbedingt historische Genauigkeit anstreben. Auch die spirituelle Naturverbundenheit des Films wurde unterschiedlich bewertet: Während manche sie als fragwürdig empfanden, sahen andere darin eine kindgerechte und verständliche Botschaft über Toleranz und Verschiedenheit.

Gelobt wurden häufig die Animationen, die Farbgestaltung und einzelne Bilder. Jeremy Gerard hob die „lebendige Palette“ hervor. Die Zeitschrift Cinema beschrieb den Film als „Liebesgeschichte mit Öko-Message, Witz und unvergesslich schönen, eleganten Bildern“. Roger Ebert lobte die Optik, die visualisierten Lieder und die ansprechenden Figuren, kritisierte aber, dass dem Film ein markanter Bösewicht fehle. Auch die Liebesgeschichte zwischen Pocahontas und John Smith wurde oft als gelungen beurteilt, allerdings nicht von allen Kritikern.

Der Film gewann mehrere Auszeichnungen. 1995 erhielt er den Environmental Media Award in der Kategorie Spielfilm. 1996 gewann Alan Menken zusammen mit Stephen Schwartz zwei Oscars: für Best Music, Original Musical or Comedy Score und für den besten Song. Der ausgezeichnete Song war Colors of the Wind, gesungen von Vanessa Williams. Ebenfalls 1996 erhielten Menken und Schwartz dafür den Golden Globe Award und einen Grammy; Menken gewann außerdem den BMI Film Music Award.

Für den Heimkinomarkt erschien der Film mehrfach. Die deutsche DVD-Erstausgabe Pocahontas – Eine indianische Legende kam 2001 in der Reihe Walt Disney Meisterwerke heraus. Weitere Veröffentlichungen folgten 2005, 2008 als Teil einer limitierten Gold-Steelbook-Ausgabe, 2009 als Musikalische Meisterwerke – Limited Edition, 2012 als Special Edition auf DVD und Blu-ray sowie 2017 als Disney Classics: Pocahontas.

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