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Plakat
Ein Plakat ist ein großer, in der Regel mit Text und Bild bedruckter Bogen aus Papier oder Stoff, der an einer Plakatwand, einem Plakatreiter, einer Litfaßsäule …
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Wesen und Funktion
Ein Plakat ist ein großer, meist mit Text und Bild bedruckter Bogen aus Papier oder Stoff. Es wird öffentlich angebracht, etwa an Plakatwänden, Plakatreitern oder Litfaßsäulen, und übermittelt eine Botschaft an eine anonyme Gruppe. Der Absender kann dabei nicht unmittelbar kontrollieren, ob einzelne Personen die Botschaft wahrnehmen oder wie sie darauf reagieren.
Seine zentrale Aufgabe ist die schnelle Informationsvermittlung, oft verbunden mit propagandistischer Absicht. Plakate erreichen sowohl Menschen, die Informationen suchen, als auch Personen, die sie im Vorbeigehen sehen. Sie werden unter anderem für Wahlen, Ausstellungen, Filme, Theater, Sportfeste, Gedenktage und Konsumartikel genutzt. Deshalb sind sie Teil des Alltags, Spiegel gesellschaftlicher Zustände und historische Quellen.
Das Plakat war bis zur Massenverbreitung des Fernsehens um 1970 ein besonders wichtiges Werbemittel. Es wird weiterhin groß, farbig und auffällig auf Papier gedruckt und verbindet Bild und Schrift. Seine Bedeutung gegenüber Presse, Rundfunk, Fernsehen und Internet nahm jedoch ab.
Gestaltung, Technik und frühe Entwicklung
Vorformen gab es bereits im antiken Rom: Gesetzestexte und behördliche Bekanntmachungen wurden auf weißen Holztafeln, den albae, öffentlich angebracht. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert verbanden Anschläge für Waren oder Gauklertruppen Text und Bild. Im 18. Jahrhundert dienten illustrierte Plakate auch der Soldatenanwerbung.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwarfen vor allem Drucker und Lithographen Plakate. Jules Chéret gilt als Pionier der Plakatkunst. Er vereinfachte die Farblithographie so, dass gute Farbdrucke nur noch drei bis fünf statt bis zu 25 Steine benötigten. Dadurch sanken die Kosten und hochwertige Plakate konnten sich weit verbreiten. Seine Arbeiten verbanden Bild und Text zu einer prägnanten Einheit.
Um 1900 lösten sich Gestalter zunehmend von der reichen Ornamentik des Jugendstils. Das Sachplakat reduzierte sich oft auf Produkt und Markennamen; als Beginn gelten die Arbeiten Lucian Bernhards seit 1905. Die Gestaltungstechnik wandelte sich später von manuellen Entwürfen mit Fotografie, Fotomontage, Airbrush und Fotosatz zum fast ausschließlich computerbasierten Grafikdesign. Im Druck lösten nach dem Zweiten Weltkrieg Siebdruck und Foto-Offsetdruck die lange übliche Farblithographie ab.
Mit dem Ersten Weltkrieg wurde das Plakat in großem Umfang zur politischen Propaganda eingesetzt: für Rekrutierung, Kriegsanleihen, Rüstungsproduktion und Feindbilder. In den USA entstanden in weniger als zwei Jahren 2.500 Entwürfe, von denen beinahe 20 Millionen Exemplare gedruckt wurden.
Kunst, Werbung und Stilrichtungen bis 1945
Um 1890 bis 1910 wurde kontrovers diskutiert, ob Plakate Kunst oder Gebrauchsgegenstände seien. Zunächst bewertete man sie häufig nach Maßstäben der freien Kunst und sammelte sie. Nach 1900 rückten jedoch Werbepsychologie und Wirkung stärker in den Mittelpunkt: Ein künstlerisch hochwertiges Plakat musste nicht das wirksamste Werbemittel sein. Gebrauchsgrafiker wurden als Fachleute für Reklame wichtiger.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden Fachzeitschriften und Berufsverbände. Der Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker vertrat seit 1919 professionelle Gestalter. Das Deutsche Institut für Normung legte 1922 mit DIN 476 einheitliche Papierformate fest.
Konstruktivismus, De Stijl und Bauhaus entwickelten eine eher abstrakte, auf wenigen Grundelementen beruhende Gestaltung. Der russische Konstruktivismus prägte mit einem strengen, „agitatorischen“ Stil auch westliches Design. Das Bauhaus suchte eine für alle Gestaltungsbereiche verwendbare Ästhetik; wichtige Plakatgestalter waren Herbert Bayer und Joost Schmidt.
Parallel entstand Art déco: eine internationale, vereinfachende, aber weniger strenge Stilrichtung mit dem Eindruck gefälliger Eleganz. Für Art-déco-Plakate waren unter anderem Leonetto Cappiello und A. M. Cassandre bedeutend; Cassandre nutzte für glatte Oberflächen die Spritzpistole. Im Zweiten Weltkrieg erhielt das Plakat erneut besondere Bedeutung als Mittel der Kriegspropaganda bei Alliierten und Achsenmächten.
Entwicklungen seit 1945
In der Sowjetischen Besatzungszone erschienen ab Sommer 1945 Plakate für Neuaufbau, elementare Lebensbedingungen und die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus. In der DDR sollte sich die Gestaltung später von der als „dekadent bürgerlich“ bezeichneten Kunst abgrenzen. Kennzeichnend waren blattfüllende zeichenhafte Bilder, zurückhaltende Farbigkeit und klare Sprache. Wegen der Unterversorgung wurde ab etwa 1970 kaum noch für Waren geworben; Hinweise auf Ausstellungen, Konzerte und politische Ereignisse blieben wichtig.
Die polnische Plakatschule schuf locker gestaltete, oft subtil surreale oder abstrakte Plakate mit großem Interpretationsspielraum. In der Schweiz entstanden seit den frühen 1950er Jahren monumentale Sachplakate sowie humoristische Lösungen. Um 1970 verbreitete sich aus den USA das „Conceptual Image“, das Einflüsse aus Jugendstil, Surrealismus, Op Art und Pop Art verband.
Besonders einflussreich wurde der Internationale Typografische Stil oder „Swiss Style“. Er entstand an Design-Schulen in Zürich und Basel für eine Verständigung über Sprachgrenzen hinweg und entsprach den Anforderungen international tätiger Organisationen. Typisch sind strenge, auf mathematischen Rastern beruhende Kompositionen, Schwarz-Weiß-Fotografien statt Illustrationen und starke Typografie; die Schrift Helvetica wurde 1957 eingeführt. In den 1970er und frühen 1980er Jahren galt der Stil oft als kalt und dogmatisch. Experimentellere, typografische Ansätze sowie postmodernes Design, Memphis und Retro folgten; eine dauerhaft dominierende Richtung setzte sich nicht mehr durch.
Sammlungen und Formate
Plakatforschung entwickelte sich seit der „Plakatbewegung“ der 1890er Jahre. Spätere Untersuchungen behandelten das Plakat stärker als Werbemittel und als historische Quelle. Seit den späten 1950er Jahren wurde es zunehmend retrospektiv als Kulturdokument betrachtet.
Die Plakatsammlung von Hans Sachs umfasste zwischen 1896 und 1938 rund 12.500 Plakate und 18.000 kleinformatige gebrauchsgrafische Arbeiten. Nach einem Rechtsstreit entschied der Bundesgerichtshof am 16. März 2012, dass die Familie Sachs trotz einer zuvor gezahlten Entschädigung rechtmäßige Eigentümerin blieb. Peter Sachs erhielt die Sammlung im Oktober 2012 zurück; bei einer ersten Auktion im Januar 2013 erzielten 1.200 Poster 2,5 Millionen Dollar.
In Deutschland und Österreich entspricht ein Bogen dem Format DIN A1. Ein 18/1-Bogen für Großflächen misst in Deutschland 3,56 m × 2,52 m, also rund 9 m². City-Light-Poster messen 119 cm × 175 cm. In Österreich werden auch 16/1-Bogen mit 3,36 m × 2,38 m und 24/1-Bogen mit 5,04 m × 2,38 m verwendet. Schweizer Großplakatformate sind F200 Cityformat mit 116,5 cm × 170 cm, F4 Weltformat mit 89,5 cm × 128 cm, F12 Breitformat mit 268,5 cm × 128 cm und F24 Großformat mit 268,5 cm × 256 cm; Kulturformate sind F1 mit 50 cm × 70 cm und F2 mit 70 cm × 100 cm.