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Physische Geographie Südamerikas
El Niño. Bearbeiten. Ein für Südamerika bedeutendes Klimaphänomen ist das El-Niño-Phänomen (El-Niño, das Christkind). Hierbei handelt es sich nicht, wie oft …
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Überblick und Großräume
Südamerika ist der viertgrößte Kontinent. Er umfasst 17,8 Millionen km², also etwa 12 % der Erdoberfläche. Im Norden ist er über die zentralamerikanische Landbrücke angebunden; die geologische Grenze zu Zentralamerika bildet der kolumbianische Río Atrato. Von der Halbinsel La Guajira im Norden bis Kap Hoorn auf Feuerland beträgt die Nord-Süd-Ausdehnung über 7600 km. Die größte West-Ost-Ausdehnung reicht vom Kap Pariñas in Peru bis zur Ponta do Seixas in Brasilien und beträgt über 5100 km.
Geologisch und morphologisch lässt sich Südamerika in drei Großräume gliedern: die Anden als bis zu 7000 m hohes Hochgebirge an der Westseite, die zentralen und südlichen Flusstiefländer mit Höhen bis etwa 500 m und das atlantische Bergland als Mittelgebirge mit Höhen bis etwa 3000 m.
Die Anden bilden das beherrschende Relief im Westen. Im Norden teilen sie sich in West-, Zentral- und Ostkordillere, getrennt durch Río Atrato, Río Cauca und Río Magdalena. Weiter südlich gehen sie abschnittsweise in zwei Hauptzüge über. In Peru und Bolivien werden sie breiter; in Bolivien erreichen sie mit etwa 800 km ihre größte Ost-West-Ausdehnung. Dort liegt das Hochbecken Altiplano, das sich vom Süden Perus über Bolivien bis Chile und Argentinien erstreckt. Am Westrand liegt die Atacama-Wüste, eine der trockensten Regionen der Welt. Der höchste Berg Amerikas ist der Aconcagua zwischen Santiago de Chile und Mendoza mit 6961 m; im Text wird für die argentinische Hochkordillere auch 6958 m genannt. Nach Süden verlieren die Anden rasch an Höhe und tauchen südlich von Feuerland ins Meer ab.
Die Tiefländer sind durch große Flusssysteme geprägt. Der Río Orinoco ist 2500 km lang und entwässert etwa 1.000.000 km². Das Amazonas-Einzugsgebiet ist mit 7.000.000 km² besonders groß; der Amazonas ist 6500 km lang. Weiter südlich folgen Río Paraná und Río Paraguay mit 4700 km Länge und einem Einflussgebiet von 3.700.000 km²; sie vereinigen sich im Ästuar zum Río de la Plata. Zwischen etwa 20°S und 30°S liegt der Gran Chaco, eine Tiefebene von 100 bis 300 m Höhe, die fachlich als subandines Molassebecken zum andinen System gezählt wird.
Das Bergland an der Ostseite ist älter, stärker abgetragen und in Schollen zerbrochen. Im Norden liegt das Tafelbergland Gran Sabana oder Bergland von Guyana. Dort befindet sich mit dem Pico da Neblina, 3014 m, der höchste Berg Südamerikas außerhalb der Anden. Weiter südlich folgt das Brasilianische Bergland; südlich des Río de la Plata bleiben nur Grundgebirgsreste wie die Sierra de Buenos Aires mit dem Cerro Tres Picos, 1239 m.
Geologische Entwicklung
Südamerika war bis in die Kreidezeit Teil des Großkontinents Gondwana. Die heutige Ostküste Südamerikas war damals mit der Westküste Afrikas verbunden. Der Bereich der heutigen Kontinentalränder war bereits vor der Kreidezeit eine tektonische Schwächezone. Das Aufbrechen begann im Übergang vom unteren Jura zur oberen Kreide von Süden nach Norden.
Die Entstehung des Südatlantiks war mit starkem Vulkanismus verbunden. Flutbasalte treten sowohl in Südwestafrika, als Etendeka-Vulkanite, als auch im südöstlichen Südamerika, als Paraná-Basalte, auf. Die Paraná-Basalte bedecken in Südbrasilien, Uruguay, Paraguay und Nordost-Argentinien über 1.200.000 km² und gehören zu den größten Lavaplateaus der Welt. Die Wasserfälle von Iguazú an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien stürzen über Basaltränder der Serra-Geral-Formation. Der frühkretazische Paraná-Vulkanismus verlief in zwei Phasen: Basalte vor etwa 140 bis 135 mya und intermediäre Vulkanite sowie Rhyolithe vor etwa 135 bis 130 mya. Die maximale Mächtigkeit der Paraná-Basalte beträgt bis zu 1.800 m, bei einer mittleren Dicke von 50 m pro Schicht. Die endgültige Trennung und damit das Ende von Pangaea erfolgte ungefähr vor 100 Millionen Jahren in der mittleren Kreidezeit.
Der außerandine Raum besteht aus alten präkambrischen Schilden und jüngeren Sedimentbecken. Ein Kraton ist ein sehr alter, stabiler Kern eines Kontinents; ein Schild ist ein Bereich, in dem solches altes Grundgebirge an der Oberfläche oder nahe darunter liegt. Der größte alte Kern Südamerikas ist der Guyana-Kraton. Er ist etwa 1,8 Milliarden Jahre alt, umfasst 4,5 Millionen km² und reicht über Kolumbien, Venezuela, Surinam, Guyana, Französisch-Guyana und Brasilien. Seine letzte Orogenese, also Gebirgsbildung, fand vor etwa 1,9 Milliarden Jahren statt. Die Roraima-Schichten entstanden zwischen 1,7 und 1,6 Mrd. a, sind bis heute kaum tektonisch gestört und bilden mächtige Hochplateaus wie den Cerro Roraima, 2772 m.
Der Brasilianische Schild besteht aus mehreren alten Kernen, die im Proterozoikum zwischen 2,6 und 0,57 Mrd. a durch Faltenzüge verbunden wurden. Anders als im Guyana-Kraton findet man dort keine Gesteine mit einem Alter von über 3 Mrd. Jahren. Wichtig war die Transamazonische Orogenese vor etwa 1,9 Mrd. Jahren; endgültig stabilisiert wurde der Schild erst zu Beginn des Paläozoikums. Der kleinere Río-de-la-Plata-Kraton liegt im Süden Uruguays und besteht aus zwei Blöcken, von denen der ältere 2,2 bis 1,9 Milliarden Jahre alt ist.
Am Ende des Präkambriums entstanden große Becken, die im Phanerozoikum mit überwiegend terrestrisch-fluviatilen Sedimenten, also Ablagerungen von Land und Flüssen, gefüllt wurden. Dazu gehören das Amazonas-Becken mit 1.250.000 km², das Paranaíba-Maranhão-Becken mit 650.000 km² und das Paraná-Becken mit 1.200.000 km². Das Amazonasbecken ist 3500 km lang und 300 bis 1000 km breit; seine Ablagerungsgeschichte beginnt im Ordovizium und dauert bis heute an. Bis zum jüngeren Tertiär entwässerte es westlich von Iquitos in den Pazifik; im Miozän wurde dies durch eine Anhebung der Anden unterbunden. Das Paranaíba-Maranhão-Becken ist seit der Kreidezeit nicht mehr durch Sedimentation geprägt, sondern durch Abtragung. Das Paraná-Becken ist besonders durch die flächenhafte Überdeckung mit kretazischen Flutbasalten der Serra-Geral-Formation gekennzeichnet.
Bau der Anden
Die Anden unterscheiden sich stark von den außerandinen Gebieten. Sie gehören zum zirkumpazifischen Feuerring und damit zu den unruhigsten Zonen der Erde. Als junges Gebirge stehen sie den alten archaischen Kernen und paläozoischen Sedimentbecken gegenüber. Trotz ihres einheitlichen Erscheinungsbildes werden sie in Nordanden, Zentralanden und Südanden gegliedert. Der Artikel betont, dass es nach heutigem Wissen weder eine gemeinsame Geosynklinale als Ausgang der Gebirgsbildung noch eine Faltung gab, die alle Teile der Anden gleichermaßen erfasste.
Die Nordanden fächern in Kolumbien in drei Züge auf: West-, Zentral- und Ostkordillere. In Ecuador bestehen sie aus zwei Gebirgssträngen. Zu den nördlichsten Ausläufern gehören die Sierra Nevada de Santa Marta und das karibische Küstengebirge Venezuelas. Dieses erreicht südlich von Caracas noch 2800 m und besteht aus metamorphen Gesteinen und Tiefsee-Sedimenten. Die Kollision zwischen der karibischen und der südamerikanischen Platte könnte ozeanische Krustenteile aufgeschoben haben. Zahlreiche seit dem Tertiär aktive Störungen erklären die hohe Erdbebengefahr in Nordost-Venezuela. In Ecuador liegt zwischen West- und Ostkordillere die Grabensenke von Quito in etwa 2500 bis 3000 m Höhe; sie enthält pyroklastische und glazigene Ablagerungen.
Die Zentralanden sind besonders breit und stark gegliedert. Die Küstenkordillere beginnt südlich von Lima und reicht bis weit in den Süden Südamerikas. Sie kann als Steilküste aufragen und erreicht bei Antofagasta über 3000 m. Zwischen Arica und Copiapó liegt hinter ihr die grabenartige Pampa de Tamarugal. Weiter östlich folgt eine Präkordillere mit stark gefalteten paläozoischen Serien sowie mesozoischen marinen und vulkanischen Ablagerungen. Die Hochkordillere oder Westkordillere ist von Lima bis etwa Copiapó von känozoischen Vulkaniten bedeckt; die vulkanische Aktivität begann vor 25 Millionen Jahren und dauert bis heute an. Hunderte Gipfel erreichen 5000 bis 7000 m.
Das Altiplano, in Argentinien Puna genannt, ist ein breites Senkungsfeld von Nordwest-Argentinien über Bolivien bis Peru. Es liegt im Durchschnitt 3500 bis 4000 m hoch und ist im mittleren und südlichen Teil durch große Salzpfannen, Salare, geprägt. Im Miozän führte starke vulkanische Aktivität zur Bildung von Stratovulkanen wie Queva, 6130 m, Antofalla, 6100 m, und Sajama, 6520 m. Die Ostkordillere besteht überwiegend aus stark verfalteten paläozoischen Sedimenten; stellenweise tritt proterozoisches Gestein auf. Illampú und Illimani bei La Paz sind freigelegte Plutone, also erstarrte Tiefengesteinskörper. Weitere argentinische Einheiten sind die Cordillera Frontal, die Präkordillere, die Sierras Pampeanas und die Sierras Subandinas als Übergang zum Tiefland.
Die Südanden beginnen ungefähr auf der Höhe Santiago de Chiles. Die Küstenkordillere ist dort ein gehobener Rumpf, der im Känozoikum erodiert und von jungen Sedimenten überdeckt wurde. Südlich der Insel Chiloé verliert sie ihre geschlossene Gebirgsform und erscheint weiter südlich in vielen vorgelagerten Inseln. Das chilenische Längstal, Valle Central, ist vermutlich ein Grabenbruch und reicht klar erkennbar bis Santiago de Chile. Südlich von Santiago setzt mit dem 6800 m hohen Vulkan Tupungato eine etwa 1000 km lange Kette explosiver Stratovulkane ein. Nach Süden nimmt ihre Höhe rasch ab. Ab etwa 42°S werden mesozoische und tertiäre Sedimentdecken wichtiger als der känozoische Vulkanismus; pleistozäne Vergletscherung formte Gletscherseen, Kare und Fjorde.
Klima und Höhenstufen
Das Klima Südamerikas ist komplex. Wichtige ganzjährige Einflussfaktoren sind der kalte Humboldtstrom an der Westküste Perus, die innertropische Konvergenzzone ITCZ, die Zyklonbildung am Rand des subtropischen Hochdruckgebiets und die Passatwinde.
Der Humboldtstrom kühlt die Meeresoberfläche vor Peru und Nordchile ab. Dadurch entsteht eine stabile Inversion: Abgekühlte Luft bildet ein stabiles Hochdruckgebiet, Konvektion bleibt aus und Niederschlag wird verhindert. Die Folge sind Küstenwüsten und Nebel nahe der Meeresoberfläche.
Die äquatoriale Tropenlage sorgt im Südwinter für eine innertropische Konvektionszone über der zentralen Amazonasregion, was starke Niederschläge auslöst. Im Südsommer verlagert sich diese Zone weiter nach Süden. Die inneren Tropen sind daher durch ganzjährigen Niederschlag geprägt. In den südlichen Randtropen ist vor allem der Südsommer niederschlagsreich, auch weil sich dann ein kontinentales Hitzetief bildet.
Die nördlichen Randtropen erhalten im Osten durch Passatstau ganzjährig viel Niederschlag, während kühles Meereswasser an der Nordküste sehr geringen Niederschlag begünstigt. An der Ostküste führen Südpassate zu erhöhten Niederschlägen. Im Südsommer wirken monsunale Ostwinde, im Südwinter Stauniederschläge an den Küstenregionen.
Im Süden beeinflussen Zyklonen vor der Küste Westpatagoniens das Klima. Ihre Fronten verlagern sich jahreszeitlich. Im Südwinter bringen sie periodische Winterniederschläge in Südchile und sporadische Winterniederschläge im zentralen Chile. Im Südsommer führt ihre Verlagerung zusammen mit der Lage der ITCZ zu ausgeprägter Sommertrockenheit in Zentral- und Südchile bis Patagonien. An der Luvseite der patagonischen Anden entstehen heftige, ganzjährige Stauniederschläge, die als hypermaritim bezeichnet werden. Die Leeseite in Argentinien ist dagegen trocken.
In den Anden ist außerdem die Höhenlage entscheidend. Die vertikalen Klimastufen heißen Tierra Caliente, warme Erde bis 1000 m; Tierra Templada, gemäßigte Erde bis 2000 m; Tierra Fria, kalte Erde bis 3500 m, mit Anbaugrenze und Frostgrenze; Tierra Helada, eisige Erde bis 4500 m, mit Schneegrenze; und Tierra Glacial, glaziale Erde bis 6000 m, als Anökumene, also dauerhaft nicht besiedelbarer Raum.
Gletscher und El Niño
In den Anden kommen Vergletscherungen dort vor, wo in großer Höhe ganzjährig niedrige Temperaturen und ausreichend hohe Niederschläge zusammentreffen. In Peru liegen die größten innertropischen Vergletscherungen der Welt. In Patagonien gibt es eine ausgedehnte Inlandsvereisung und Zungengletscher, die bis auf Meeresniveau hinabreichen. Ein Beispiel im Artikel ist der Perito-Moreno-Gletscher in Patagonien in Argentinien.
Ein für Südamerika wichtiges Klimaphänomen ist El Niño. Der Artikel betont, dass El Niño nicht eigentlich ein klimatisches, sondern ein rein ozeanisches Phänomen ist. Dabei reißen die Kaltwasserströme vor Südamerika ab, und vor der südamerikanischen Küste sammelt sich Warmwasser.
Die klimatische Folge ist, dass die sonst stabile Hochdrucksituation aufgehoben wird. Es kommt zu einer Umkehrung der Walker-Zirkulation zwischen Südamerika und Indonesien in längenkreisparalleler Richtung. Das hat schwere Folgen: Das warme Wasser führt vor der Küste zu einem drastischen Absterben von Meeresbewohnern, die an kaltes Wasser angepasst sind. An Land treten Starkniederschläge auf. Landschaften, die normalerweise trocken sind, können dadurch stark geschädigt werden, zum Beispiel durch Rutschungen und Schlammlawinen.