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Periode (Musik)
Als Periode bezeichnen Musiktheoretiker aus Vergangenheit und Gegenwart unterschiedlich geartete musikalische Abschnitte aufgrund unterschiedlicher Kriterien.
Inhalt6 Abschnitte
Grundbegriff und heutige Kerndefinition
In der Musiktheorie bezeichnet Periode keinen völlig einheitlichen Begriff. Musiktheoretiker aus Vergangenheit und Gegenwart verwenden ihn für unterschiedlich geartete musikalische Abschnitte und legen dabei verschiedene Kriterien zugrunde. Heute ist besonders eine Definition verbreitet, nach der eine Periode aus zwei viertaktigen Sätzen von gleichem oder wesentlich gleichem Inhalt besteht: Der erste Satz schließt mit einem Halbschluss, der zweite mit einem Ganzschluss in der Tonart der Tonika. Dadurch wird der erste Teil zum Vordersatz, der zweite zum Nachsatz, und das Ganze bildet eine achttaktige Periode.
Wichtige Begriffe sind dabei: Ein Vordersatz ist die erste Hälfte einer Periode, ein Nachsatz die zweite Hälfte. Ein Halbschluss ist ein vorläufig wirkender Schluss, der offen bleibt. Ein Ganzschluss ist ein vollständigerer Abschluss; bei Heinrich Christoph Koch wird eine Cadenz als vollkommener Ganzschluss verstanden. Die Tonika ist die Grundtonart, auf die ein Stück oder Abschnitt bezogen ist.
Als Beispiel nennt der Artikel die ersten acht Takte des Te Deum in D-Dur von Marc-Antoine Charpentier, bekannt als Eurovisionsmelodie. Sie erfüllen die Kriterien Zweiteiligkeit, Achttaktigkeit, gleichmäßige Gliederung als 8 = 4 + 4, Halbschluss in der Mitte, abschließender Ganzschluss und motivische Entsprechung von Vorder- und Nachsatz. Zugleich betont der Artikel, dass keines dieser Merkmale in der Geschichte des Begriffs zu jeder Zeit zwingend war.
Frühe Bedeutung als geschlossener Abschnitt
Der Begriff Periode stammt aus der Rhetorik, genauer aus dem Zusammenhang der Satzperiode. Im 17. Jahrhundert wurde er in der Musik zunächst recht allgemein für geschlossene musikalische Abschnitte verwendet. Über die genaue Länge oder innere Gliederung eines solchen Abschnitts sagte der Begriff damals noch nichts aus.
Diese ältere Bedeutung findet sich noch um 1800 bei Heinrich Christoph Koch. Er definiert Periode als „einen Theil eines Tonstücks“, der „mit einem vollkommenen Ruhepunkte des Geistes“ schließt, „den man eine Cadenz nennet“. Mit Cadenz meint Koch hier einen vollkommenen Ganzschluss. Entscheidend ist in dieser Auffassung also vor allem, dass ein musikalischer Abschnitt als abgeschlossen erlebt wird.
Zweiteilung, Kadenzen und Achttaktigkeit
Später wurde der Begriff enger gefasst. Die Einschränkung auf Abschnitte, die mit einem Ganzschluss enden und zugleich durch einen Halbschluss in zwei gleich lange Teile gegliedert sind, findet sich zuerst in Anton Reichas Melodielehre von 1814. Damit wird die Periode stärker als symmetrisch gebauter Abschnitt verstanden.
Eine weitere Einschränkung auf ein achttaktiges Modell, das auch verkürzt oder verlängert werden kann, erfolgte in der einflussreichen Kompositionslehre von Adolph Bernhard Marx aus dem Jahr 1837. Marx führte außerdem die Begriffe „Vordersatz“ und „Nachsatz“ ein. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die noch heute geläufige Analogie verbreitet, nach der der Vordersatz einer Frage ähnelt und der entsprechende Nachsatz einer Antwort.
In neuerer Literatur wird relativiert, dass die Mittelkadenz zwingend ein Halbschluss sein müsse. Auch unvollkommene, beziehungsweise im Vergleich zur Schlusskadenz weniger vollkommene, Ganzschlüsse werden epochenübergreifend an dieser Stelle verwendet. Deshalb können nach dieser Auffassung zum Beispiel auch die ersten acht Takte des Kinderliedes Hänschen klein als Periode gelten.
Motivische Entsprechung
Ein weiteres wichtiges Merkmal vieler Perioden ist die motivische Entsprechung der Halbsatzanfänge. Ein Motiv ist eine kurze, wiedererkennbare musikalische Gestalt. Gemeint ist hier, dass der Nachsatz als variierte Wiederholung des Vordersatzes beginnt.
Seit 1865 wird dieses Merkmal in einigen Handbüchern und Lexika ausdrücklich hervorgehoben. In anderen Quellen bleibt es unerwähnt oder wird möglicherweise als selbstverständlich vorausgesetzt. Für die heute verbreitete Definition ist es wichtig, weil Vorder- und Nachsatz nicht nur durch ihre Kadenzen, sondern auch durch ihren ähnlichen musikalischen Inhalt miteinander verbunden werden.
Aufbau des Vordersatzes und zusammengesetzte Periode
Arnold Schönberg, dessen Schriften für die heutige musikalische Formenlehre wichtig sind, beschreibt auch den Vordersatz selbst als gegliedert. Nach der ersten „Phrase“, für die meist zwei Takte gebraucht werden, folgen nach Schönberg „mehr kontrastierende Motivformen“. Eine Phrase ist ein kleiner musikalischer Sinnabschnitt.
Für Schönberg entscheidet sich an diesem Punkt, also etwa im dritten Takt eines Themas, ob sich der Abschnitt zu einer Periode oder zu einem Satz entwickelt. Die Periode unterscheidet sich vom Satz dadurch, dass sie die Wiederholung hinausschiebt: Die erste Phrase wird nicht sofort wiederholt, sondern zunächst mit entfernteren, kontrastierenden Motivformen verbunden. Dadurch entsteht die erste Hälfte, der Vordersatz. Nach diesem Kontrast müsse die Wiederholung folgen, damit die Verständlichkeit nicht gefährdet werde; deshalb werde die zweite Hälfte, der Nachsatz, als eine Art Wiederholung des Vordersatzes gebaut.
William Caplin ergänzt den Typus der „zusammengesetzten Periode“ (compound period). Dabei umfassen Vorder- und Nachsatz jeweils acht Takte und sind selbst als Satz oder als „Zwitter“ (hybrid) gebaut, zum Beispiel als Vordersatz plus Fortsetzung. Als Beispiel nennt Caplin die Takte 1–16 im ersten Satz der Klaviersonate in As-Dur op. 26 von Ludwig van Beethoven.
Metrisches Modell
Hugo Riemann versteht die Periode wesentlich auch als metrisches Modell. Metrik meint hier die Gewichtung und Ordnung der Takte. Für Riemann ist die Periode durch „Unterscheidungen verschiedenen Gewichts der Takte“ bestimmt.
Er beschreibt ein reguläres Schema der vollständigen achttaktigen Periode: Es gibt leichte und schwere Takte, eine erste aufstellende und eine zweite antwortende Zweitaktgruppe sowie einen ersten Halbsatz, den Vordersatz, und einen zweiten Halbsatz, den Nachsatz. Daraus ergibt sich eine Abstufung des metrischen Gewichts: Zur 1., „leichtesten“ Stufe gehören der 1., 3., 5. und 7. Takt; zur 2. Stufe der 2. und 6. Takt; zur 3. Stufe der 4. Takt; zur 4. Stufe der 8. Takt.
Diese Gewichtung ist nach Riemann jedoch nicht immer gleich gegeben. Sie hängt „vom konkreten Inhalte […], von den thematischen Motiven“ ab. Das metrische Schema ist also ein Modell, das beim Verstehen der Periode hilft, aber in der konkreten Musik durch die tatsächlichen Motive und Inhalte geprägt wird.
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