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Die ersten Pharaonen: Wie das Alte Ägypten entstand (Dokumentation)

Caesars Erben42:13 115.788 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 225 Zeilen
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  1. Das alte Ägypten 3000 Jahre Hochkultur am Niil. Die erste Weltmacht der Geschichte. In Krieg und Frieden schufen Pharaonen eine beispiellose
  2. Zivilisation mit prächtigen Städten, monumentalen Pyramiden und Tempeln gebaut für die Ewigkeit. Was war das Geheimnis ihres
  3. Jahrtausende währenden Erfolges? [Musik] Archäologen bringen Licht ins Dunkel der Anfänge des
  4. [Musik] Pharaonenreiches. Eine 5000 Jahre alte Steintafel gilt als Gründungsdokument
  5. des Staates. Ihre Bilder zeigen rohe Gewalt und unterworfene Feinde. Aber zeigen Sie die Wahrheit? Forscher sind auf der Suche danach, was
  6. zur Zeit der Dynastie Null wirklich geschah. Wie Ägypten geeint wurde unter einem großen Herrscher, Narma. [Applaus]
  7. Ägypten. Ein schmales Band ewig grünen Fruchtlandes zwischen lebensfeindlichen [Musik] Wüsten. Ausgerechnet hier in einer der
  8. trockensten Regionen der Welt entwickelt sich vor fünf Jahrtausenden Hochkultur, die länger bestehen wird als alle vor und nach
  9. ihr. Dieses Wunder hängt an einer Lebensader, dem Nien. An seinen Ufern wächst über Jahrhunderte eine einzigartige
  10. Zivilisation, die der Menschheit vieles hinterlassen wird. Unvergleichliche Monumente, die Idee eines
  11. zentralorganisierten Staates, die Grundlagen von Verwaltung und Diplomatie, den Glauben an die
  12. Wiederauferstehung und das ewige Leben. Die Geschichte des Pharaonenreichs beginnt, als ein König
  13. seinem Gott eine Palette opfert, die verkündet, er habe das Land geeimt. Was war geschehen?
  14. [Musik] Ägypten vor mehr als 5000 Jahren. Es ist die Zeit der Dynastie null. Etwa eine Million Menschen leben damals
  15. entlang des Nil. Fischer, Bauern, Jäger. Noch herrschen verschiedene Fürsten im Land. Es gibt kein geeintes Reich unter einem
  16. [Musik] König. Doch die Ankunft des königlichen Boten aus den Norden wird alles ändern. Wochenlang ist er durchs Land gereist.
  17. Er kehrt mit einer schicksalhaften Nachricht aus dem Delta zurück. Es geht um Krieg oder Frieden. [Musik]
  18. Die Botschaft ist für König Narmer, den Herrscher des Südens. Er will seine Macht ausbauen, sein oberägyptisches Reich mit den Gebieten
  19. Untergyptens [Musik] vereinen. Die Nachricht des Boten verheißt nichts
  20. [Musik] Gutes. Die Stammesfürsten im Niedildelta rebellieren gegen König Narmer. Sie wollen ihre Unabhängigkeit
  21. bewahren. Seit langer Zeit bekämpfen sich die Fürsten des Nieltals. Doch jetzt soll Ägypten endlich eins
  22. werden. So jedenfalls schildern es spätere Überlieferungen. Aber ist Narmer tatsächlich mit seinem Heer in den
  23. Norden gezogen, um die Stämme und Städte des Deltas unter seiner Herrschaft zu zwingen? [Musik]
  24. Bis heute wird die Rolle Narmas in der Geschichte Ägyptens [Musik]
  25. diskutiert. War er tatsächlich der legendäre König, der die Menschen Ober und Untergyptens zu einem Volk vereinte.
  26. Das zumindest behauptet die bedeutendste Quelle aus der Dynastie Null, die Narmer Palette. Die 5000 Jahre alte Steintafel zeigt König Narmer, der Feinde
  27. unterwirft und sich als Einiger des Reichs feiert. Aber welche historische Wahrheit steckt hinter diesen Bildern?
  28. Zum ersten Mal untersucht ein Wissenschaftler detailliert die Palette im Museum von Kairo. Stan Hendrix ist Spezialist für
  29. frühe ägyptische Kunst. Jede Einzelheit auf dem Fundstück könnte mehr über Narmer und die Geburt Ägyptens
  30. verraten. König Narmer steht vor der Entscheidung seines Lebens. Frieden allein in Obergypten oder Krieg für die Einheit des Landes mit vielen Opfern.
  31. Jahrhunderte schon wären die Kämpfe um die Herrschaft über ganz Ägypten. Narmer will sie jetzt für sich
  32. entscheiden. Will er seine Macht ausbauen, die Handelsrouten nach Syrien und Palästina kontrollieren, muss er die rebellischen Stämme im Norden
  33. [Applaus] unterwerfen. Wellen aus dieser Zeit sind nur schwer zu finden. Im Nildelta haben Jahrtausende intensiver Landwirtschaft
  34. alle Spuren ausgelöscht. 5000 Jahre alte Zeugnisse lassen sich nur noch im trockenen Wüstensand Oberägyptens
  35. finden und dort vor allem an einem Ort, Abydüdos. Schon zu Narmas Zeit lag hier ein wichtiges
  36. Machtzentrum und über Jahrhunderte entwickelte sich dieser magische Ort zu einer großen Pilgerstätte, zum Mecker der alten Ägypter.
  37. Am Rand der Wüste wurden auch die Gräber der ersten Könige Ägyptens gefunden. Eine Goldgrube, wenn es um die Frage nach der Entstehung des
  38. Pharaonenreichs geht. Die Ausgrabungen sind das Lebenswerk des Archäologen Günther Dreier. Er ist einer der führenden
  39. Experten für die Frühgeschichte Ägyptens. Die kommt auch ganz schön hier. Die Gräber wurden schon mehrfach ausgeraubt und
  40. ausgegraben. Loch deshalb heißt es für die Archäologen hier vor allem sieben und das über Jahre, denn oft finden sie Überraschungen nicht in den Gräbern
  41. selbst, sondern irgendwo im Wüstensand und ihre spektakulärsten Funde sind manchmal nur so groß wie ein
  42. Dorennel. etwa die frühesten Zeugnisse für die Entwicklung der
  43. Schrift. Im Grabungshaus hat Günther Dreier Hunderte kleiner Täfelchen katalogisiert und entziffert. Sie zeigen die ersten
  44. Hieroglyphen, etwa 5000 Jahre alt. Die Entwicklung der Schrift ist sicher einer der wesentlichsten Schritte in der Geschichte der Menschheit.
  45. Sie ist hier entwickelt worden aus Bedürfnissen der Verwaltung. Man muss sich vorstellen, wenn ein größeres Gebiet unter einheitlicher Herrschaft
  46. steht, werden Abgaben eingesammelt und darüber muss Buch geführt werden. Nicht Magie und Poesie, Bürokratie und Verwaltung bringen die ersten
  47. Schriftzeichen Ägyptens hervor. Die Bilderschrift wird zur Lautschrift für Berichte an den Pharao, für Steuer und Opferlisten, historische Texte und
  48. die Totenbücher. Wenige Jahrhunderte nach Narmer werden die ersten vollständigen
  49. Sätze geschrieben und die Schreiber werden zur Elite des Landes [Musik] gehören. In Hieroglyphen halten sie die
  50. Geschichte Ägyptens fest und rühmen die Taten ihrer Pharaonen. Vieles, was wir über das alte Ägypten wissen, verdanken wir der
  51. Erfindung der Schrift. Ihr sinnlicher Bilderreichtum überzieht die Wände der Tempel und Gräber wie ein dichtes Netz. [Musik]
  52. Doch für die Zeit der Dynastie null sind Schriftzeugnisse noch rah. Archäologen müssen nach anderen Quellen
  53. suchen. Neben den gewaltigen Gräbern der ersten Pharaonen hat Dreier vor Jahren auch die Ruhestdätte von König Narmer freigelegt.
  54. [Musik] Fotos von 1981 zeigen die fragilen Überreste der Grablege, die man zur Konservierung wieder zugeschüttet hat.
  55. Zwei einfache Kammern aus Leben ziegeln und das soll das Grab des Reichs einiges gewesen [Musik]
  56. sein. Schon Jahrhunderte später werden die Gräber gigantische Dimensionen annehmen. Pyramiden für mächtige Pharaonen, fantastische Bauten, über
  57. Jahre von vielen tausend Menschen erschaffen. Eine Leistung nur möglich in einem geeinten Land mit einem Herrscher
  58. an der [Musik] Spitze. War es tatsächlich König Narmer, der den Grundstein für das
  59. Pharaonenreich legte? [Musik] [Applaus]
  60. [Musik] [Applaus] [Musik] oder könnte das Erschlagen des Feindes
  61. mit seiner Keule auch symbolische Bedeutung gehabt haben. Alle Könige Ägyptens lassen sich in den folgenden 3000 Jahren in dieser
  62. Pose des Siegers darstellen. Es gehört zur klassischen Königspropaganda, sich als Kriegsheld zu präsentieren, selbst wenn ein Pharao gar
  63. keinen Krieg führt. Das Rätsel um Narmer führt an einen anderen wichtigen Ort der Dynastie
  64. Null. Er liegt 250 km südlich von Abydüdos, Hiraconis. Diese Stadt spielt in der Frühzeit Ägyptens eine zentrale
  65. Rolle. 500 Jahre lang war Hiraconis das religiöse und politische Zentrum [Musik] Obergyptens. Auch König Narmer herrschte
  66. hier. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier auch die berühmte Narmer Palette gefunden. Seit 13 Jahren forscht die Archäologin René Friedmann in
  67. Heraconpolis. Nach 5000 Jahren sind noch immer Spuren der einstigen Stadt erhalten. Es ist mühsam, sie
  68. freizulegen, aber über die Jahre ist es Friedmann und ihren Mitarbeitern gelungen, sich ein Bild von diesem Ort zu
  69. machen. Damalige Katastrophen erweisen sich heute für die Archäologen als Glücksfall, wie an diesem Fundament eines einfachen Hauses zu
  70. sehen. Das ist das Haus eines Töpfers, der Glück für uns sein eigenes Haus mit seinem Brennofen in Brand sitzte. So wurden die Fundamente unheimlich gut
  71. konserviert, sonst wären sie sicher verschwunden. Durch den Brand wurden sie hart und rot wie Keramik und konnten der Witterung
  72. standhalten. Deshalb können wir sie heute noch sehen und uns vorstellen, wie die Ägypter jener Zeit gelebt
  73. [Musik] haben. Der Mann, der hier vor etwa 5000 Jahren sein Haus in Brand setzte, lebte mit seiner Familie in einem einfachen
  74. Lebenhaus. In der daneben gelegenen Werkstatt stellte er Töpferwaren für die Bewohner der Stadt her. Fast 10 000 Menschen lebten in
  75. Hirakonpolis, damals eine der größten Ansiedlungen der Welt. Im Zentrum lag der Tempel. Hier verehrten die Ägypter den Sonnengott
  76. Horus. Großbäckereien und Brauereien sorgten mit Brot und Bier für das tägliche Wohl.
  77. Den erstaunlichsten Fund machten die Archäologen jedoch etwas außerhalb der Stadt, einen Friedhof der Elite. Etwa 200 Gräber hat man hier entdeckt.
  78. Menschen, Wildkatzen, sogar Elefanten und einige Hunde wurden hier ausgegraben. Die Elite hier wurde mit vielen Tieren begraben, einzigartig in
  79. Ägypten. Wir wissen nicht genau warum, aber sicher ist es ein Symbol ihres Wohlstands und der Kontrolle über die
  80. Natur. 3 km erstreckte sich Hirapolis entlang des Nil mit eigenen Gewerbegebieten und getrennten Wohnvierteln für Arme und Reiche.
  81. In einer Zeit, in der man in Europa noch in kleinen verstreuten Bauernsiedlungen lebt, beginnt in Ägypten bereits reges stätisches
  82. [Musik] Leben. Aber woher kamen die alten Ägypter, die der übrigen Welt so viel
  83. voraus hatten? Waren sie friedliche Bauern und Hirten oder kriegerische Nomaden? Erste Spuren führen 500 km südöstlich
  84. zum Gilfkebir plateau in die Sahara. Eine der trockensten Wüsten der Welt. Eine Gruppe von Forschern ist
  85. dorthin [Musik] unterwegs. Mit Ihnen auch der Prähistoriker und Klimaforscher Rudolf
  86. Cooper. Sie wollen zur Höhle der Monster, die erst vor wenigen Jahren entdeckt
  87. wurde. Cooper und sein Team müssen tonnenweise Sand schaufeln, denn darunter verbergen sich immer neue Bilder, die vor Uhrzeiten an die Wände
  88. der Höhle gemalt [Musik] wurden. Eine der größten prähistorischen
  89. Wandmalereien Afrikas. Sind mindestens 5000 Einzelfiguren, die dort auf die Wand
  90. gemalt sind. Ist also nach meinem Wissen jedenfalls die reichste Fundstelle in der gesamten Sahara. Man kann versuchen als Archäologe darin zu lesen, wie man
  91. in einer Hierogliphen lesen. Dafür wird Bild für Bild wissenschaftlich erfasst, fotografiert und vermessen.
  92. Das sind wirkliche Reportagen aus der Steinzeit, die wir dort haben. Und sie haben einige Malereien dort gesehen, wo man richtig das Gefühl hat, da kommt
  93. Musik aus der aus der Wand raus, nicht? Da war, wenn man das so simpel ausdrücken war, da war schon etwas los.
  94. Die Bilder sind Momentaufnahmen voller Leben. Menschen wie in Trans verrenken Arme und Beine. Monster, kopflose Mischwesen verschlingen
  95. Menschen. Männer sind auf der Jagd, Kinder spielen und Tiere sind zu sehen. Antilopen, Strauße,
  96. Giraffen. Wie kann es sein, dass einst Menschen und Tiere in dieser unwörtlichen Wüste [Musik]
  97. lebten? Die Prähistoriker Heiko Remer und Franziska Bartz finden bei der Expedition überall Hinweise darauf, dass hier vor tausenden von Jahren einmal
  98. Menschen lebten. Sorgfältig erkunden die Forscher das gesamte Areal um die Höhle.
  99. Dabei machen sie überraschende Funde, Sedimentschichten, Ablagerungen eines Sees. Einst muss die Umwelt einmal ganz
  100. anders ausgesehen haben. Vor 9000 Jahren ließen günstige Klimabedingungen hier eine Savanne
  101. entstehen. Diese Herden zogen durch die fruchtbaren Ebenen. Die Menschen hatten genug zum
  102. Leben, 4000 Jahre [Musik] lang. Doch dann blieb der Regen aus. Die Savanne verwandelte sich wieder zur
  103. Wüste. Durch die zurückkehrende Wüste äh sind die Menschen gezwungen gewesen, nach und nach sich dorthin zurückzuziehen, wo
  104. noch Lebensmöglichkeiten bestanden. Das heißt, in Gunsträume wie die Gebirge, wo noch mehr Regen fiel in den Bereich der Oasen und schließlich auch in Richtung
  105. auf das Nieltal. Die austrocknende Sahara wurde zum Motor der Geschichte Ägyptens. Über einen langen Zeitraum trieb die
  106. sich ausdehnende Wüste die Menschen vor sich her. Auf der Suche nach Wasser gelangten sie zum Niil und siedelten sich dort
  107. [Musik] an. Viele Generationen später errichten die Menschen im Niedeltal die
  108. gigantischsten Bauwerke der Antike, Zeugen eines mächtigen Reiches, das vor mehr als 5000 Jahren seinen Anfang nahm.
  109. In dem Moment, als sich König Narmer für den Krieg entschied, so erzählt es seine Palette. In Obergypten hat er seine Truppen um sich
  110. versammelt. Seine Männer sind keine Berufskrieger, doch den Umgang mit Waffen gewohnt, denn die Jagd gehört noch immer zu ihrem Alltag.
  111. Der König muss in allem der Beste sein, auch als Krieger. Und so erzählt man sich von ihm [Musik]
  112. unglaubliches. Er könne einen Pfeil auffangen, den er in den Himmel geschossen hat.
  113. Legenden von einem gottgleichen Herrscher. Als solcher ist er auch der oberste Priester und verantwortlich für
  114. das Wohlergehen seiner Untertanen und die Fruchtbarkeit des Landes. er reist durch das Land, um die Götter um Schutz und reiche ernten zu
  115. bitten, um Steuern zu erheben und Rechtz sprechen. Doch vor allem geht es um eines, das Wasser des [Musik]
  116. Nils. Denn der wechselnde Wasserstand dieses gigantischen Stromes bestimmt das Schicksal des Landes. Entscheidet über magere und fette Jahre.
  117. An der Südgrenze von Narmas Reich beim heutigen Asuan liegt die Insel Elefantine. Hier, so vermuteten die alten Ägypter, lag eine der Quellen des
  118. Nil. Und hier errichteten sie auch eines der ältesten Heiligtümer des Landes, den Tempel der Göttin Satis.
  119. Satis, Spenderin des kühlen Wassers, das bei Elefantine entspringt. Sie kündet jedes Jahr die Nielflut an und damit Fruchtbarkeit und
  120. reiche ernten. Dass die wahren Quellflüsse, weißer Nil und blauer Nil hunderte
  121. Kilometer südlich von Elefantine entspringen, wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt. Der weiße Nil entspringt im
  122. Sudan. Gewaltige Sympfe prägen bis heute die Landschaft, durch die er [Applaus]
  123. fließt. Der zweite Quellfluss entspringt im Hochland von Äthiopien, der blaue Nil. Fast 60% des Niilwassers kommt aus dieser Region.
  124. Hier ereignet sich jedes Jahr ein Naturschauspiel, das bis heute das Leben der Menschen am Nil
  125. bestimmt. Im Sommer lassen wochenlange Wolkenbrüche im Hochland den Fluss um ein vielfaches Anschwellen. Heute wird die Flut vom
  126. Asuan Staudamm zurückgehalten. Im alten Ägypten drang sie Kilometer um Kilometer Richtung
  127. Norden vor. Der Wasserspiegel stieg je nach Niederschlag zwischen 2 und 8 m. Nur höher gelegene Landesteile ragten noch aus dem
  128. Wasser. Das Niildelta glich schließlich einem gigantischen [Musik] See. Für die ersten Siedler am Nil war
  129. die Flut noch eine Katastrophe. Nah Fluss waren Haus und Hof gefährdet. Wer hier lebte, musste lernen, die Flut auch als Segen zu begreifen und zu
  130. nutzen. Und die alten Ägypter lernten schnell. Mit Spannung wurde die Flut zur Zeit der Dynastie Null auf Elefantine
  131. erwartet und die Pegelstände genauestens festgehalten. Hier haben wir eine Skala mit Markierungen, durch den man den
  132. Nilstand ablesen konnte. Es war wichtig, die Niedelflutstände zu kontrollieren, ähm weil sie ja die Basis dafür sind, absehen zu können, ähm wie
  133. die Landwirtschaft sich entwickeln wird in dem jeweiligen Jahr, ob es überhaupt Ernten geben wird oder ob sie vielleicht auch zerstört werden durch zu hohe
  134. Fluten oder wie dann die Erträge ähm ausfallen, sodass man entsprechend dann auch die Abgaben äh der Bauern festlegen konnte.
  135. Jedes Jahr im Juni versammeln sich die Menschen an einer Felsnische zur Begrüßung der Flut.
  136. [Applaus] 100 Tage würde sie dauern und über Wohl und Weh des Landes entscheiden. In Erwartung der Flut
  137. vollzieht der König seine [Musik]
  138. Rituale. Nur wenn das Wasser steigt, ist der Bund der Götter mit den Menschen [Musik] erneuert. Ein Bund, so glauben sie, den
  139. allein ihr König mit den Göttern schließen kann. Aber es ist nicht nur das Wasser. Der Nil führt noch eine geheime Gabe mit
  140. sich. Das ist der Grund, warum Ägypten existierte, den Nil. Er brachte nicht nur lebenswichtiges Wasser. Jedes Jahr hinterließen seine Fluten etwa 1 mm
  141. frischen Schlamm auf den Feldern, der derart fruchtbar war, dass die Landwirtschaft Ägyptens eine der reichsten der Welt wurde.
  142. Ägypten und seine Hochkultur ohne den Nil unvorstellbar. Bis heute liefert getrockneter Nilschlamm. den einfachsten
  143. Baustoff. Damals werden ganze Städte aus Lehiegeln [Musik]
  144. errichtet und an den Ufern des Nien wächst der Papyrus, aus dem das erste Papier hergestellt wird für die Steuerlisten der Beamten, die Chroniken
  145. der Schreiber, die Briefe der Lebenden und Totenbücher für die Verstorbenen. [Musik] Wenn die Flut abläuft, öffnet der König
  146. in einer Zeremonie die Kanäle. Er und seine Beamten sorgen für die gerechte Verteilung des
  147. Wassers. Eine Prunkkeule aus der Dynastie Null zeigt das alljährliche Ritual der Kanalöffnung.
  148. Die Ägypter lernen mit dem Wasser umzugehen. Sie bauen Becken, graben Kanäle und bewässern ihre Felder. Bis heute werden noch ganze
  149. Landstriche am Niedel mit den einfachen, aber effektiven Mitteln der alten Ägypter bewirtschaftet. Da der Fluss der einzige
  150. Wasserspender ist, braucht Ägypten eine zentrale Verwaltung. Im Herbst konnten die Bauern mit der Aussat
  151. beginnen. Auf den fetten Böden gedeit das Korn üppig. Bringt die Flut reichlich Dünger, leben die Bewohner der Nilurase im
  152. Überfluss. Die Malereien in den Gräbern erzählen von guten Ernten vom Wohlstand der Menschen. Geld kennt diese Gesellschaft
  153. nicht. Entlohnt wird alles mit Getreide, Brot und [Musik]
  154. Bier. Schon sehr früh realisierten die Ägypter, dass Kooperation der Schlüssel zum Erfolg war. Und mit Erfolg meine ich die Produktion landwirtschaftlicher
  155. Überschüsse, die halfen, Zeiten der Not durchzustehen. Gemeinsam bewirtschaftetes Land, eine gemeinsame
  156. Religion, ein König, der für Frieden sorgt. Durch all das wächst Obergypten zu einer erfolgreichen Gesellschaft
  157. [Musik] zusammen. Wie passen die kriegerischen Darstellungen der Narmer Palette in
  158. dieses friedliche [Musik] Bild? Und wer ist der Feind, der wie ein Ochse am Nasenseil geführt wird?
  159. Krieg kann den Ägyptern nicht fremd gewesen sein. Stammes Fäeden, Kämpfe um die Vorherrschaft gab es seit langem. Darauf gibt es
  160. Hinweise. Doch was das Schicksal des Landes vor 5000 Jahren für immer verändert, war mehr als eine Stammesfede. Narmer hat einen Krieg
  161. [Musik] erklärt. In Belgien arbeitet Stan Hendrick akribisch weiter an dem in Cairo gesammelten Material. Seine
  162. Mitarbeiterin Merel Eikermann fertigt anhand digitaler Aufnahmen eine exakte Umzeichnung an. Sie entdecken neue Einzelheiten, die
  163. zur Lösung des Narmerätsels beitragen [Musik] könnten. Was stellt die Narmer Palette da? historische Fakten oder eine
  164. symbolische Repräsentation der Macht des ägyptischen Königs und der Gewalt, die mit dieser Macht zusammenhäng.
  165. [Musik] Bild für Bild, Szene für Szene, Hieroglyphe für Hieroglyphe. Versuchen Sie zu ergründen,
  166. ob tatsächlich ein historisches Geschehen hinter der Palette steht. Viele Indizien sprechen dafür.
  167. Es gibt zu viele dieser Details, um zu glauben, dass die Palette eine rein symbolische Darstellung zeigt. Vielleicht ist das Fruchtland im Süden
  168. zu schmal geworden, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Narma will nun auch das Delta
  169. beherrschen. Er ist entschlossen, das Land mit Gewalt zu einen. Mit seinen Kriegern zieht er Richtung Norden. Die rebellischen Stämme im Nild
  170. Delta sollen für immer unterworfen werden. Seit 150 Jahren dauern die Auseinandersetzungen an. Keiner weiß,
  171. wie stark die Truppen in Untergypten sind. Namas Feind ist deutlich als Bewohner des Nil Deltas
  172. gekennzeichnet. In einem zweiten Bild trägt er die Hieroglyphe für Land am Kopf. Land auf dem Papyrus wächst die Wappenpflanze des Nordens.
  173. Der Kampf gegen die Papyrusfeinde ist die wohl älteste bekannte Schlacht der Weltgeschichte. Mit einfachsten Waffen, Schlagstöcken, Steinkulen und Speren
  174. bekämpfen sich die Gegner. Mann gegen Mann.
  175. [Applaus] Der Sieg gehört den Kriegern Narmas.
  176. Nach der Schlacht werden die Feinde geköpft und entmannt, ihr Fallus auf die Häupter gelegt. Nie wieder soll sich jemand narmer
  177. [Musik] widersetzen. Als Siegessymbol bringt König Narmer seine Palette im Tempel von [Musik]
  178. Hirakonpolis. Gewidmet ist sie dem Sonnengott Horus, der auch der Schutzgott der Könige ist. Die Weigabe ist ein einzigartiges
  179. Zeugnis der Geburtsstunde Ägyptens. Sie zeigt Narmer als König von Ober und [Musik]
  180. [Applaus] Untergypten. Die mythische Narmerschlacht hat es tatsächlich gegeben. Den Streit der Experten konnte
  181. Günther Dreier mit einem Fund aus Abüdos für immer beenden. Bei seinen Untersuchungen der frühesten Schriftzeugnisse Ägyptens ist
  182. er auf ein unscheinbares Täfelchen gestoßen, den Anhänger einer Warenlieferung. Er datiert eine Öllieferung in das Jahr, von dem es
  183. heißt: Narmer besiegte den Papyrus Feind. [Musik]
  184. Man weiß aus späterer Zeit, dass man in der ersten Dynastie die Jahre nicht gezählt hat, ja, 2, 3 eines bestimmten Königs, sondern benannt hat nach dem
  185. wesentlichsten Ereignis des jeweiligen Jahres. Und dieses Täfelchen ist das erste überhaupt dieser Art. Und da wird eben dieser Sieg über die Papyrus Leute
  186. genannt. Die Darstellungen sind also tatsächlich Abbild der Geschichte. Während Narmer auf der
  187. Rückseite die Krone Obergyptens trägt, zeigt ihn die Vorderseite mit der unterägyptischen [Musik]
  188. Krone. Armer vollendet, worum schon seine Vorgänger kämpften, die Einigung des Reichs. Als Symbol der Einheit werden
  189. die beiden Kronen später einmal zur Doppelkrone verbunden. Jeder Pharao wird sie in den kommenden drei Jahrtausenden [Musik]
  190. tragen. Ägypten ist geeimt. Eine Sternstunde der Weltgeschichte. [Musik] Der Lotus des Südens und der Papyrus des
  191. Nordens werden symbolisch verbunden. Von nun an wird die wichtigste Aufgabe des Pharao sein, die Einheit des Reichs zu bewahren und seine
  192. Grenzen zu verteidigen. Ägypten wird zum ersten Territorialstaat der Geschichte. Ein Land, das sich von Norden nach Süden über mehr als 1000 km
  193. erstreckt. Und wieder erweist sich der Nil als Verbündeter des Pharao, denn der Fluss wird zum Super Highway, der das Land und seine Menschen
  194. zusammenwachsen lässt. Zwischen dem Nield Delta und Elefantine sind weder Wasserfälle noch Stromschnellen zu überwinden. Der König kann in kurzer
  195. Zeit jeden Ort des Landes erreichen und so das ganze Reich kontrollieren. Nur die Kreaturen des Nils können ihm noch gefährlich
  196. werden. Von findet zwischen Ober und Untergypten ein reger Handel statt und alles wird über den Nil
  197. transportiert. Hunderte Modelle aus Gräbern zeigen, dass jeder Ägypter ein Boot besaß. Den Anfang machten einfache Boote aus
  198. Papyrus. Sie werden zum Vorbild für alles folgende. Schon sehr früh wurden Boote aus Holz gebaut. Wir wissen das nicht
  199. nur aufgrund ihrer Form, sondern auch, weil wir ein Boot aus der Zeit gefunden haben. Die Ägypter konstruierten Holzbote wie niemand auf der Welt,
  200. nämlich wie ihre Papyrusbote. Diese wurden aus Bündeln von Papyrusstangen zusammengebunden und
  201. schließlich in ihre typische Form [Musik] gebogen. Ein Dach aus Stroh schützte vor
  202. Sonne. Die Ruder wurden an Holzstangen befestigt. [Musik] [Applaus]
  203. Die Holzbote folgten dem gleichen Prinzip. Anstelle des Papyrus band man jetzt Holzplanken zusammen mit Seilen
  204. aus Palmen oder Papyrusfasern. Vorteil dieser Konstruktion: Die Boote konnten bei Bedarf zerlegt und überland
  205. transportiert werden. Mit ihnen wurden selbst tonnenschwere Objekte wie Obelisken
  206. befördert. waren das Haupttransportmittel und dadurch auch die Grundlage dafür, dass
  207. Ägypten zusammenwuchs und sich eine einheitliche Kultur bildete. Als Narmer stirbt, führt seine letzte Reise nach Abydüdos.
  208. [Musik] Mit seinem Tod endet die Frühzeit der ägyptischen Geschichte. Es beginnt das Zeitalter der
  209. [Musik] Pharaonen. Familienhörige, Priester und Berater begleiten den
  210. [Musik] König. Unter dem Sand der Wüste hat man ihm einfaches Haus für die Ewigkeit
  211. gebaut. Denn die Ägypter glaubten schon damals an die Wiederauferstehung und an ewiges Leben nach dem Tod.
  212. [Musik] Schon in den nächsten Generationen werden die Königsgräber in Abydüdos
  213. größer und [Musik] größer. Neben den kleinen Gräbern der prägynastischen Zeit entsteht die
  214. Nekropole der ersten Pharaonen eines geeinten [Musik]
  215. Reichs. Die Energie, die vorher in die Unterwerfung unters ging, war nun nicht mehr erforderlich. Die konnte woanders hinfließen und hier fließt sie in
  216. Architektur. Die Pharaonen nach Narmer lassen riesige unterirdische Paläste anlegen, versehen mit Magazinräumen, in
  217. denen alles lagert, was für ein königliches Leben im Jenseits notwendig ist. Nach ihrem Tod beziehen die Pharaonen ihr Haus für die Ewigkeit.
  218. [Musik] Am Ende der Bestattungszeremonie werden die Gräber mit hohen Hügeln aus Sand bedeckt und diese einfachen Grabhügel
  219. werden immer weiter wachsen, bis man nur vier Jahrhunderte nach Narmer die ersten Pyramiden baut. Die monumentalen Kolosse könten von der
  220. Macht der ägyptischen Herrscher. Narmer liegt den Grundstein der fast 3000jährigen Geschichte von 31 Dynastien Gottgleicher
  221. Pharaonen. Große Namen werden ihm folgen. Tutmosis,
  222. Amenopfis, Echnaton, Ramsis und Hatsut, die berühmteste Frau auf dem
  223. Pharaonenthron. Nas Erbe ist eine friedliche Gesellschaft in einem geeinten Reich.
  224. Alle, die ihm folgen, müssen diese göttliche Ordnung schützen. Sie bringt eine der erfolgreichsten Gesellschaften hervor
  225. und entfaltet sich 1500 Jahre später zur höchsten Blüte. [Applaus] [Musik]

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