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On Bullshit
On Bullshit ist der Originaltitel eines Essays des amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt. Der Text handelt vom Phänomen des Bullshit (deutsch etwa …
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Gegenstand und Ziel des Essays
On Bullshit ist ein Essay des amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt. Er behandelt „Bullshit“, also prätentiöses, aber inhaltlich leeres Gerede, das einer Wahrheitsprüfung nicht standhält. Im Deutschen kommen dafür besonders „Hohlsprech“ und eingeschränkt „Salbadern“ in Frage. Wörter wie Humbug, Unsinn oder Blödsinn treffen zwar einen Teil der Bedeutung, enthalten aber weniger deutlich die Konnotation des Anmaßenden.
Frankfurt beobachtet Bullshit besonders im öffentlichen Leben: in Werbung, Öffentlichkeitsarbeit sowie bei Parteien und Politikern. Er will den Begriff nicht nur umgangssprachlich verwenden, sondern eine theoretische Beschreibung entwickeln, mit der Bullshit erkennbar wird.
Entstehungsbedingungen und Kennzeichen
Bullshit entsteht nach Frankfurt unvermeidlich, wenn Menschen über Dinge sprechen müssen oder dürfen, die sie nicht ausreichend verstehen. Dies sei im öffentlichen Leben häufig der Fall. Eine weitere Ursache sieht er in der Überzeugung, in einer Demokratie müsse jeder Bürger zu allen Angelegenheiten des Landes eine entschiedene Meinung haben. Auch wer ohne ausreichende Faktenkenntnis weltweite Ereignisse und Zustände moralisch bewerten möchte, bringt demnach leicht Bullshit hervor.
An Max Blacks Begriff „Humbug“ hebt Frankfurt drei Merkmale hervor: eine irreführende oder trügerische Absicht, eine Falschdarstellung, die nicht mit einer Lüge gleichzusetzen ist, sowie mögliche Anmaßung oder Prätention. Der Bullshitter stellt dabei nicht hauptsächlich die Sache falsch dar, über die er spricht. Er erzeugt vielmehr einen falschen Eindruck von sich selbst und davon, was in seinem Kopf vorgeht.
Schludrigkeit kann Bullshit begleiten: Der Sprecher arbeitet dann ohne Sorgfalt, Detailgenauigkeit, gedankliche Disziplin, Objektivität oder Rücksicht auf Standards. Sie ist jedoch kein ausreichendes Kennzeichen. Bullshit kann auch sorgfältig und raffiniert konstruiert sein, etwa mit Techniken aus Psychologie, Meinungs- und Marktforschung in Werbung und PR. Er kann sowohl vage und nebulös als auch übertrieben detailliert, konkret und spezifisch sein.
Abgrenzung von Lüge und bloßem Gespräch
Frankfurts zentrale Definition lautet: Den Bullshitter kennzeichnet vollständige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit. Ihn interessiert nicht, ob seine Aussagen wahr oder falsch sind; er versucht nicht einmal, die Realität sorgfältig zu beschreiben. Der Lügner ist dagegen auf die Wahrheit bezogen, weil er sie kennen oder berücksichtigen muss, um gezielt das Gegenteil behaupten zu können.
Eine Lüge ist deshalb scharf fokussiert und verlangt Präzision. Der Bullshitter hat demgegenüber viel Raum für Fantasie und Improvisation und erscheint Frankfurt zufolge im Vergleich zum Lügner beinahe als Künstler. Bullshit ist Bluff und eher Fälschung als Lüge. Weil er schwammiger ist, wird er in der Umgebung oft eher toleriert und weniger als persönlicher Angriff empfunden als eine Lüge.
Eine „bull session“ ist von Bullshit zu unterscheiden. Sie ist ein nicht ernst gemeintes Gespräch über emotional geladene Themen. Auch hier ist der Sprecher gegenüber dem Wahrheitsgehalt seiner Aussagen gleichgültig. Zusätzlich wissen aber alle Beteiligten, dass die Aussagen wahrheitsindifferent behandelt werden. Gerade dieses gemeinsame Wissen unterscheidet die bull session von Bullshit.
Wahrheit und Kritik am Antirealismus
Frankfurt greift auch Augustinus’ De mendacio auf. Dort werden acht Arten der Lüge unterschieden; bei sieben sei es nicht das Ziel des Lügners, eine Unwahrheit zu sagen. Nur die achte Art, das Lügen aus Freude am Täuschen, sei für Augustinus die eigentliche Lüge. Frankfurt folgert dagegen: Weil den Bullshitter der Unterschied zwischen wahr und falsch überhaupt nicht interessiert, ist nicht die Lüge der größte Feind der Wahrheit, sondern Bullshit.
Als tiefere Ursache für die weite Verbreitung von Bullshit nennt Frankfurt Formen des Skeptizismus, die zum Antirealismus führen. Antirealismus untergräbt hier das Vertrauen in objektive Forschung und in die Möglichkeit, Tatsachen oder reale Verhältnisse angemessen zu beschreiben. An die Stelle des „Ideals der Richtigkeit“ tritt das „Ideal der Aufrichtigkeit“: Menschen richten sich dann stärker danach, ihr eigenes Selbst ehrlich auszudrücken, als danach, Tatsachen korrekt zu erfassen. Frankfurt hält auch diese idealisierte Aufrichtigkeit für problematisch und formuliert im letzten Satz des Essays, sie sei „selbst Bullshit“.