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Obertongesang
Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden …
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Grundprinzip des Obertongesangs
Obertongesang ist eine Gesangstechnik, bei der einzelne Obertöne aus dem Klangspektrum der Stimme so herausgefiltert werden, dass sie als getrennte Töne hörbar sind. Dadurch entsteht der Eindruck von Mehrstimmigkeit, obwohl eine Person singt. Von Obertongesang spricht man nur dann, wenn diese Obertöne eine eigenständige musikalische Funktion haben. Davon abzugrenzen sind Techniken, die Obertöne lediglich einsetzen, um die Klangfarbe der Stimme zu verändern.
Kehlgesang in Zentralasien und anderen Regionen
In Tuwa, der Mongolei und weiteren zentralasiatischen Ländern um das Altaigebirge wird Obertongesang in Formen des Kehlgesangs gepflegt. Bezeichnungen sind unter anderem Kehlkopfgesang, Khoomei, Khöömei oder Khöömii; das tuwinische Хөөмей bedeutet „Kehle“. Der mongolische Khoomei-Gesang wurde 2009 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Ähnliche Formen gibt es als umngqokolo bei Xhosafrauen in Südafrika und bei den Dani in Papua-Neuguinea. Ihr Klang erinnert eher an westlichen Obertongesang, das Joiken der Sami oder alpenländisches Jodeln.
Kehlgesang unterscheidet sich vom westlichen Obertongesang durch seine ethnische Tradition und durch besondere Arten der Grundtonerzeugung. Bei Xorekteer werden Teile des Kehlkopfs verengt. Diskutiert werden dabei eine Verengung der Taschenfalten, also der falschen Stimmlippen, oder ein aryepiglottischer Sphinkter: eine Verengung der aryepiglottischen Falten zusammen mit der Epiglottis. So entsteht im Kehlkopf ein Resonanzraum, der den Oberton gegenüber dem Grundton verstärkt.
Eine besondere Technik ist Kargyraa, tuwinisch für Untertongesang. Dabei wird meist der erste Unterton der Grundstimme, also die erste Subharmonische, als Grundton verwendet. Das erweitert das Obertonspektrum stark.
Abgrenzungen und schwierige Einordnung
„Kehlgesang“ wird oft als Synonym für zentralasiatischen Obertongesang benutzt. Das kann zu Verwechslungen führen, weil auch Gesangsstile ohne gezielt als musikalische Struktur eingesetzte Obertöne so genannt werden. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Untertongesangsarten, die Tieftongesänge tibetischer Lamas und der Joik der Samen in Lappland. Auch der Kehlgesang kanadischer Inuit und der sardische „cantu a tenores“ gelten im engeren Sinn nicht als Obertongesang.
Die Einordnung ist jedoch oft schwierig: Ein westlich ungeschultes Ohr erkennt die musikalischen Absichten anderer Kulturen möglicherweise nicht. Einige Autoren wollen etwa die Dominanz der 10. Harmonischen in tibetischen Gesängen als Obertongesang bezeichnen.
Westliche Praxis und einfache Übungen
Westlicher Obertongesang wurde vor allem in der New-Age-Szene der 1980er Jahre populär; zuvor hatten Komponisten wie La Monte Young und Karlheinz Stockhausen ihn in den 1960er Jahren in die Avantgardemusik eingeführt. Er ist auch Bestandteil des Barbershopgesangs, in dem Obertöne mit drei verschiedenen Techniken erzeugt werden. Westliche Sänger verwenden meist die normale, weiche Stimme als Grundton. So sind fließende Übergänge von Vokalen und Sprache zum Obertongesang möglich. Manche singen mit Grundton und Oberton zwei unabhängige Melodien gleichzeitig; andere improvisieren in Gruppen, etwa in Singkreisen, beim Chanten, Tönen oder in Obertonchören.
Eine einfache Übung beginnt mit „Hang“ in einer angenehmen mittleren Tonlage. Der Nasal „ng“ wird gehalten, während die Lippen nacheinander U-O-Å-A-Ä-E-I formen; Å entspricht dem „o“ in „offen“. Dadurch können feine, sehr hohe Töne entstehen. Für einen einfachen Untertongesang wird ein ähnlicher Grundklang verwendet, der Kehlkopf bleibt aber sehr locker und der Mund-Rachenraum öffnet sich langsam. Beide Klänge lassen sich verbinden, indem Klang 2 nasaliert wird; als Ansatz mit sofortiger Stütze eignet sich etwa „Dnnnnn…“.
Ein Raum mit guter Eigenresonanz kann das Üben erleichtern. Resonanzstellen erkennt man daran, dass ein Ton bei einer bestimmten Tonhöhe deutlich lauter wirkt als andere Tonhöhen, obwohl alle gleich laut gesungen werden.