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Naturschutzbiologie
Die Naturschutzbiologie ist ein multidisziplinär angelegtes Wissenschaftsgebiet, das sich mit der Analyse der weltweit vorhandenen biologischen Vielfalt …
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Gegenstand und Ziel
Die Naturschutzbiologie ist ein multidisziplinäres Wissenschaftsgebiet. Sie untersucht die weltweit vorhandene biologische Vielfalt (Biodiversität), ihren Rückgang und ihre Gefährdung. Außerdem entwickelt sie sinnvolle Maßnahmen, um Arten, Populationen und Lebensräume zu erhalten und zu schützen.
Die Biologie bildet den Hauptanteil der Disziplin. Für wirksamen Naturschutz sind aber auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wichtig. Hinzu kommen Elemente aus Geschichte, Philosophie, Anthropologie und Politik. So müssen etwa ökonomische Bewertungen der Natur, jahrhundertealte Kulturen und deren Einfluss berücksichtigt werden.
Ein wichtiger Hintergrund ist das gestiegene Interesse an Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit soll menschliche Bedürfnisse erfüllen und zugleich die Zerstörung oder irreversible Veränderung der Natur verhindern.
Entwicklung der Disziplin
Wissenschaftliche Ansätze des Naturschutzes entstanden bei europäischen Forstwissenschaftlern im 18. und 19. Jahrhundert. Wasserverschmutzung und forstlicher Raubbau in den Kolonien europäischer Großmächte führten zu ersten Umweltgesetzen. Als das durch Menschen verursachte Artensterben stärker erkannt wurde, wuchs in Europa das öffentliche Bewusstsein; erste Schutzgebiete entstanden.
In den USA prägten Henry David Thoreau und John Muir den Naturschutzgedanken und die Naturschutzbiologie wesentlich. Der US-Biologe Michael E. Soulé veröffentlichte 1985 als Reaktion auf die „Biological Diversity Crisis“ den Artikel What is Conservation Biology? A new synthetic discipline addresses the dynamics and problems of perturbed species, communities, and ecosystems. Er gilt als Vordenker der Naturschutzbiologie als „Krisenwissenschaft“ und vertrat einen deutlich transdisziplinären Ansatz. Rund zehn Jahre später veröffentlichte Primack das Standardwerk Conservation Biology.
Schutzansätze
Es gibt zwei grundlegende Ansätze:
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In-situ-Erhaltung bedeutet Schutz einer Art in ihrem natürlichen Lebensraum. Dabei wird vor allem ihr Lebensraum geschützt. Maßnahmen reichen vom allgemeinen Umweltschutz, etwa der Vermeidung von Müll und toxischen Verunreinigungen, bis zur gezielten Jagd von Prädatoren, wenn diese das Schutzziel gefährden.
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Ex-situ-Erhaltung bedeutet Schutz außerhalb des natürlichen Lebensraums. Dieser Ansatz wird meist bei großräumiger Zerstörung von Lebensräumen oder bei trade-offs, also Zielkonflikten innerhalb des Naturschutzes, verfolgt. Zoos können dabei als „last resorts“ eine wichtige Rolle spielen.
Beide Ansätze ergänzen sich konzeptionell.
Werte und Grundlagen
Die Notwendigkeit der Naturschutzbiologie hängt eng mit den Begründungen für Naturschutz zusammen. Primack versteht Naturschutz als Ausdruck philosophischer und religiöser Wertsysteme. Er betont die starken Wechselwirkungen zwischen den physischen und spirituellen Beziehungen von Menschen zur Natur in vielen Religionen.
Der Naturschutzbiologie liegen Annahmen zugrunde, die nicht von allen wissenschaftlich Arbeitenden akzeptiert werden, über die aber eine gewisse Einigkeit besteht: Biodiversität gilt grundsätzlich als positiv, und das vorzeitige Aussterben von Arten und Populationen als grundsätzlich negativ. Auch Evolution wird als etwas Positives wahrgenommen. Nach Auffassung der meisten Naturschutzbiologen besitzt Biodiversität einen Eigenwert, also einen intrinsischen „Wert an sich“.