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Jugendsprache
Jugendsprache (auch Jugendkommunikation) bezeichnet Sprechweisen bzw. sprachliche Muster und Merkmale, die unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen zu …
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Begriff und Einordnung
Jugendsprache, auch Jugendkommunikation, bezeichnet Sprechweisen sowie sprachliche Muster und Merkmale, die verschiedene Gruppen Jugendlicher zu unterschiedlichen Zeiten, in verschiedenen Altersstufen und unter verschiedenen Kommunikationsbedingungen verwenden oder verwendet haben.
Der Begriff ist nach Helmut Glück (2005) nicht streng definiert. Heinrich Löffler nennt Jugendsprache eine transitorische Sondersprache beziehungsweise „Lebensalter-Sprache“: Diese Formen sind also zeitlich auf einen Lebensabschnitt begrenzt. In der heutigen germanistischen und westeuropäischen Sprachwissenschaft wird sie jedoch kaum noch als Sondersprache verstanden. Sie gilt eher als komplexe Varietät der Standardsprache oder als Sprechstil einer bestimmten Jugendgruppe.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen jugendtypischen und jugendspezifischen Merkmalen. Als typisch gelten besonders Merkmale der Mündlichkeit, der Umgangssprache und der Gruppenkommunikation. Jugendsprache gibt es in vielen Sprachen, auch in Gebärdensprachen wie der Deutschen Gebärdensprache.
Vielfältige Formen und sprachliche Ebenen
Es gibt verschiedene Bezeichnungen für Formen jugendlicher Sprache, etwa Comicdeutsch, Schülersprache, Denglisch, Soldatensprache, Studentensprache, Szenesprache, Drogenjargon, Graffiti-Jargon, Hip-Hop-Jargon und Netzjargon. Diese Begriffe beziehen sich nicht ausschließlich auf Jugendliche, betreffen aber auch ihre Ausdrucksformen.
Solche Bezeichnungen richten den Blick oft vor allem auf Sonderlexik, also besonderen Wortschatz. Jugendsprache weist aber auf mehreren sprachlichen Ebenen Besonderheiten und Präferenzen auf: in der Phonetik (Lautung), Graphematik (Schreibung), Morphosyntax (Wortformen und Satzbau) sowie in Stil und Textgestaltung.
Besonders in urbanen Lebensräumen sind ethnolektale Elemente Jugendlicher mit Migrationshintergrund eingeflossen, zum Beispiel „Balkan-Slang“, „Türkendeutsch“, „Kanak Sprak“ und „Kiezdeutsch“. Sie zeigen sich in einzelnen Ausdrücken, Wendungen, der Phonetik und auch in der Gestik.
Funktionen und typische Merkmale
Eine einheitliche Jugendsprache gibt es nicht. Sprachformen entstehen vor allem in der gruppeninternen Kommunikation und unterscheiden sich deshalb je nach geographischen, sozialen und historischen Bedingungen.
Früher wurde ihre Hauptfunktion vor allem als Abgrenzung von der Erwachsenenwelt verstanden; Glück nennt dies „Kontrasprache“. Außerdem kann sie die Identifikation mit einer Gruppe festigen. Weitere Funktionen sind die Identitätsfindung im Umgang mit gesellschaftlichen Rollen- und Statuszuschreibungen, der emotionale und expressive Ausdruck sowie die Benennung von Dingen und Erfahrungen aus jugendlichen Lebenswelten.
Kennzeichnend sind Wortschatz und Stilmittel wie Übertreibung, Intensivierung, Spiel, Ironie und Provokation. Auch Humor, Expressivität und Emotionalität prägen den Sprachgebrauch. Szenewörterbücher erfassen zwar auffällige Wörter, können aber ein klischeehaftes Bild erzeugen, das den tatsächlichen Sprechweisen Jugendlicher kaum entspricht. Die meisten Ausdrücke sind kurzlebig: Für starke Zustimmung wurden beispielsweise nacheinander „knorke“, „astrein“, „cool“, „nice“ und „geil“ verwendet; Steigerungen sind etwa „oberaffengeil“.
Typisch sind außerdem Interjektionen wie „boah“ und „ey“, Metaphern und bildhafte Ausdrücke wie „Naturwollsocken“ für „lange Beinhaare“, sowie oft provokante oder beleidigende Ausdrucksweisen. Kürzungen kommen vor, etwa „so ’nem“ statt „so einem“. Englische Wörter werden verwendet, ihre Häufigkeit wird jedoch meist überschätzt. „Cool“ hat sich inzwischen in der Umgangssprache etabliert und gilt nicht mehr als typisch jugendsprachlich.
Weitere Merkmale sind Füllwörter wie „und so“, hedges wie „irgendwie“ sowie Abkürzungen wie „YOLO“ für „You only live once“. Im Satzbau finden sich Merkmale stilisierter Mündlichkeit, etwa Satzabbrüche, Ellipsen, Drehsätze und Wiederholungen.
Soziale Selektivität
Jugendsprachen sind sozial, ethnisch und geschlechtsspezifisch selektiv, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Die 1960er Jahre erscheinen als eine Zeit, in der die Bundesrepublik nach statistisch nachvollziehbaren Kriterien dem Ideal einer egalitären Gesellschaft besonders nahekam. Damals hatten Jugendliche anscheinend zumindest noch nicht das Bedürfnis, über Armut oder geringe Bildung zu sprechen oder sich sprachlich davon abzugrenzen.
Jugendwort des Jahres
In Deutschland und Österreich wird jährlich ein „Jugendwort des Jahres“ gewählt. In Deutschland wählte es seit 2008 eine Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags aus; seit 2020 kann jede Person darüber abstimmen. In Österreich wird das Jugendwort seit 2010 von einer Jury gewählt.